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Archiv für Januar, 2009

Die Electro-SciFi-Mod-Cartoon-Show

21. Januar 2009 8 Kommentare

„Come with us now on a journey through time and space to the world of the Mighty Boosh!“

Sie sollten diese Einladung annehmen. Denn The Mighty Boosh meinen es gut, und ihre gleichnamige Serie, in der diese Einladung in jedem Vorspann ausgesprochen wird, gehört zu den psychedelischsten und exzentrischsten Sitcoms, die je produziert wurden. „Als hätte Björk auf LSD ein Video gedreht — aber ein lustiges!“ hat einmal ein weiser Mann gesagt. Und wie recht hatte ich doch! In welcher Serie sonst gäbe es einen Ape of Death, Mod-Wölfe, einen hermaphroditischen Wasserman namens Old Gregg, einen crackabhängigen Fuchs oder Bollo, den sprechenden Gorilla? Wo sonst gibt es ein „Zoo-niversum“ (in dem die erste Staffel stattfindet), das beherrscht wird von einem Zoodirektor, dem alle Tiergattungen und ihre Namen fremd sind? Und welche Serie unternähme je Ausflüge in die Vorhölle, die arktische Tundra oder auf den Planeten Xooberon, wo es die Quelle ewiger Jugend zu entdecken gilt?

Hauptfiguren des Mighty Boosh sind Vince Noir (Noel Fielding) und Howard Moon (Julian Barratt), in der ersten Staffel Zoowärter an ihrem Arbeitsplatz, den sie für Staffel zwei aber gegen eine Dachwohnung eintauschen, die sie mit ihren Freunden, dem Schamanen Naboo (Noels Bruder Michael Fielding) und Bollo (Dave Brown) teilen, und eine Nabootique, in der Vince und Howard in der dritten Staffel arbeiten. Vince und Howard sind eines der oddesten odd couples aller Zeiten: der androgyne Vince ist mal Mod, mal Punk, mal Waver, aber immer extrem modebewußt („What about this cape?“ — „A bit last week“) und auf seine Frisur bedacht. Er nimmt das Leben leicht und hat permanent Glück, sehr im Gegensatz zum Schnauzbart tragenden Howard. Der legt auf Äußerlichkeiten überhaupt keinen Wert, ist eher ernst und nachdenklich, Jazz-Fan und konservativ bis spießig — der straight man zu Vinces funny man. Ihre gemeinsamen Abenteuer haben die immer freundliche Anmutung einer Kindersendung, die in einer leicht wahnsinnigen Version der Fünfzigerjahre spielt, sehr bunt, mit Zeichentrickelementen versetzt und bevölkert von eigenartigen Geschöpfen. Zu den eindrücklichsten Momenten gehören die Musik-Vignetten, die oft aus Acapella-Einlagen entstehen und den liebenswürdig-bizarren Charme der Serie unterstreichen, die vielen sprechenden Tiere und Fantasy-Charaktere aus unterschiedlichsten Mythologien und die liebevolle Ausstattung: „Wenn David Bowie, Anthony Burgess und Maurice Sendak, der Autor von ‚Wo die wilden Kerle wohnen‘, zusammengearbeitet hätten, wäre dabei vielleicht sowas Ähnliches herausgekommen“, schreibt The Observer.

Verbindungen der Mighty Boosh-Männer gibt es zu der Electro-Mädchenband Robots in Disguise, mit denen Fielding live auftritt (er ist — oder war? — mit einer der Musikerinnen liiert); beide spielen auch in einer Folge mit. Außerdem war er in „The IT Crowd“ als im Keller lebender Goth zu sehen und in Chris Morris‘ „Nathan Barley“, wo wiederum Julian Barratt die Hauptrolle des Dan Ashcroft spielt. Rich Fulcher, der Zoodirektor Bob Fossil, ist eigentlich Amerikaner und neben dem Boosh in der Sketch Show „Snuff Box“ zu sehen. Produziert wurden die Serien von Steve Coogans junger Talentschmiede Baby Cow.

„The Mighty Boosh“ hat eine extrem klassische Entstehungsgeschichte: Von frühen Live-Shows, in denen der double act Barratt/Fielding sich fand, über Radioshows hin zu den drei BBC3-Serien von 2004, 2005 und 2007. Es gibt außerdem eine Live-DVD, die mich sehr überzeugt hat. Von einem Boosh-Spielfilm ist seit einem Jahr die Rede, konkrete Daten gibt es aber nicht. Vielleicht kommen The Mighty Boosh ja nun dazu, nachdem ihre extrem lange Tour durch Großbritannien zuende gegangen ist.

Alle drei Staffeln sind auf DVD erhältlich, welche ungewöhnlich aufwendig gestaltet sind und z.B. pro Staffel eine ganze DVD Bonusmaterial mitbringen. Hier gibt es ein paar von der BBC lizensierte Clips bei YouTube. Wenn es mal ein Britcom-Abitur gibt, kommt „The Mighty Boosh“ auf jeden Fall dran – also am Besten jetzt gleich gucken!

That was the year that was

20. Januar 2009 3 Kommentare

Der British Comedy Guide hat gerade die BCG Awards für 2008 vergeben, und die Leser, auf der Abstimmung die Preisverleihung beruht, haben guten Geschmack bewiesen.

Tatsächlich aber erklärt sich der Award für die beste neue Sitcom, der an „The Inbetweeners“ ging, nur daraus, daß 2008 ein eher mittelgutes Comedyjahr war. Denn die Sitcom um vier Vorstadt-Teenager ist zwar gut, aber nicht überdurchschnittlich. Dazu sind die Hauptfiguren zu standardisiert: Will ist der Neue an der Schule, der seinen Platz in der Gemeinschaft erst erkämpfen muß, wobei ihm sein hochnäsiges Strebertum ein bißchen im Weg steht, Simon ist der romantische Uncoole, Jay das halbcoole Großmaul und Neil der etwas zu langsame, auf dessen Kosten die anderen ihre Witze reißen. Gemeinsam machen sie erste Erfahrungen mit Mädchen, Alkohol und Autos — und an dieser Stelle wird klar, daß „The Inbetweeners“ für Zuschauer über 20 kaum etwas zu bieten hat. Allerdings wüßte ich aus dem letzten Jahr ebenfalls keine bessere neue Sitcom.

„Lab Rats“ erhält den Award für die schlechteste neue Sitcom 2008 völlig zu Recht: Eine solche Anhäufung von Zoten, in denen vornehmlich Leute angepinkelt und frauenfeindliche Sprüche geklopft werden, ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Rätselhaft, daß die BBC Shows wie diese überhaupt in Auftrag gibt.

Über „Outnumbered“ (beste fortgesetzte Sitcom) und „Peep Show“ (beste Sitcom) werde ich noch berichten, dito über „Harry and Paul“ (beste Sketchshow), deren zweite Staffel sehr gut war, viel besser als die erste — was aber auch kein Wunder ist, schließlich zählen Paul Whitehouse und Harry Enfield zu den ganz Großen der britischen Comedy. Wer nach dem „Flying Circus“ eine zweite brillante Sketchshow kennenlernen möchte, dem sei Whitehouse‘ und Charly Higgsons „The Fast Show“ wesentlich wärmer empfohlen als das überbewertete „Little Britain“.

Update: Ich habe „Lab Rats“ und „Clone“ verwechselt. „Lab Rats“ war einfach nur langweilig, „Clone“ dagegen die Pinkel- und Frauenwitz-Sitcom von Mark Gatiss, der sich vor allem mit der (in meinen Augen eher halbguten) Provinz-Sitcom „The League of Gentlemen“ hervorgetan hat.

Nege’sch’ubbe

18. Januar 2009 Keine Kommentare

Eigentlich wollte ich nicht mehr über das Dschungelcamp bloggen, aber nachdem mir der Rauswurf von Peter Bond eben für einen kurzen Moment den Glauben an die Deutschen wiedergegeben hat, wollte ich meine Assoziation zu der Szene mit Mausi und Günther im Waschzuber nicht für mich behalten…

TITANIC 8/1993

TITANIC 8/1993

Das Negerschrubben hat nämlich eine lange Tradition!

Wenn es übrigens heute was zu lernen gab im Dschungelcamp, dann über den Zustand der Emanzipation in Deutschland: Giulia putzt mit den Worten „dafür sind wir Mädels ja da“ die vollgeschissene Toilette, Gundis hilft erst Mausi beim Baby- bzw. Norbertbaden („eine sinnliche Erfahrung“) und wirft sich dann nach Nico und Norbert nun noch und ausgerechnet dem unfaßbaren Peter Bond an den Hals bzw. läßt sich ihre wunderbar „samtweiche Haut“ (Bond) tätscheln, und nur Ingrid van Bergen steht daneben und kann es nicht fassen, wie Frauen heute drauf sein können. Wie sie überhaupt die einzige Frau im Camp ohne künstliche Brüste, dafür mit allen Tassen im Schrank zu sein scheint. Vegetarierin ist sie auch noch! Wie sympathisch.

Fett = lustig

17. Januar 2009 1 Kommentar

Das behauptet jedenfalls Ricky Gervais von sich selbst im Interview mit Neon: Er sei umso lustiger geworden, je mehr er an Leibesumfang zugelegt habe. Kann ich von mir nicht behaupten. Leider (noch) nicht online.

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Der schwere Rucksack der Bedeutung

17. Januar 2009 4 Kommentare

Manchmal, wenn ich Spielfilme gucke, insbesondere britische, die leider viel zu selten wirklich gut sind, bemerke ich erst, wie sehr ich Fernsehen liebe und Fernsehserien. Gestern: „Son of Rambow“ (gedreht von Hammer & Tongs alias Garth Jennings und Nick Goldsmith, „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“), gesehen wegen Jessica Hynes, geb. Stevenson („Spaced“).  „Son of Rambow“ ist die Geschichte zweier Zehnjähriger, die auf den ersten Blick kaum etwas gemein haben: Der eine ist ein schüchterner, schmächtiger Pennäler aus einer religiösen Spinnerfamilie, der andere ein Bully, wie er im Klassenbuch steht; die beiden freunden sich against all odds an und drehen gemeinsam einen an „Rambo“ angelehnten Akschnfuim; einer hinter der Kamera, einer als Stuntman/Hauptdarsteller davor. Der ganze Film spielt in einer durch und durch künstlichen Frühe-80er-Jahre-Setting, das deutlich von den Fantasy-Welten des überschätzten Terry Gilliam inspiriert ist und in dem Zehnjährige halsbrecherische Actionspektakel zwischen den Kühltürmen eines stillgelegten Kraftwerks drehen und Teenager zu diesem Zweck Kübelwagen kaputtfahren können, ohne daß sie hinterher alle vor dem Jugendgericht landen, sondern mit ihrem Film ins Kino kommen, als Vorfilm von „Yentl“. Die fabelhafte Welt der Präpubertären sozusagen.

Dabei benehmen sich die Blagen aber nie wie Kinder, sondern immer so, wie Erwachsene sich das zurechtphantasieren und in ihrer Erinnerung an eigene Kindheitstage verklären: Die Schule mit ihren drakonischen Strafen! Die geheimnisvolle Erwachsenenwelt, durch Kinderaugen gesehen! Und natürlich die bffs (best friends forever) inklusive Blutsbrüderschaft und einer für alle, alle für einen! Aber da muß natürlich jeder durch, Stichwort coming of age und so, Charakterbildung, selbständig werden, klar, klar. Richtig aufregen könnte ich mich, je länger ich darüber nachdenke.

Möglicherweise rege ich mich auch deshalb so über diese Phantasiekinder auf, die in „Son of Rambow“ mit der Autorenfilmschablone gezeichnet worden sind, weil ich bis vor Wochenfrist noch die zweite Staffel „Outnumbered“ gesehen habe, die eindrucksvoll beweist, wie es eben auch gehen kann: Mit Kindern, die sich wie Kinder benehmen, ohne dabei in Reality TV-Verdacht zu geraten. Nein, „Outnumbered“ zeigt das Leben einer Mittelschichtsfamilie am Rande Londons in einem realistischen Stil, den es so bis dahin noch nicht gegeben hat, denn die Kinder improvisieren einen Gutteil der Szenen. Dabei ist zwar, ähnlich wie bei „Curb Your Enthusiasm“, Ausgangs- und Endpunkt jeder Szene klar, dazwischen aber und vor allem nach dem Endpunkt sind die drei fünf, sieben und elf Jahre alten Nachwuchsschauspieler frei zu improvisieren, und sie sind ganz offenbar Naturtalente.

Das Angenehmste bei „Outnumbered“ ist jedoch, wie unbekümmert hier mit der Story umgegangen wird: Es gibt nämlich kaum eine. Zwar gibt es eine gewisse Rahmenhandlung: Der Elfjährige geht auf eine neue Schule, die Eltern müssen sich zunehmend um den vergeßlichen Großvater kümmern, Konflikte mit nahen Familienmitgliedern wollen gelöst werden usw. Doch die einzelnen Folgen sind annähernd about nothing, viel mehr sogar als „Seinfeld“, das als „Show about nothing“ gehandelt wurde, es in Wirklichkeit aber nie war, denn „Seinfeld“-Folgen lassen sich ja problemlos nacherzählen, was bei z.B. „The Royle Family“ oder eben „Outnumbered“ deutlich schwerer fällt.

Es scheint eine der Freiheiten des Fernsehens zu sein, solche plotlosen Geschichten erzählen zu können und ohne Subtext auszukommen, den Spielfilme wie „Son of Rambow“ Gott weiß warum immer wie einen Rucksack voller Bedeutung mit sich herumschleppen müssen, vielleicht damit die Zuschauer etwas zum Nachdenken und Diskutieren haben, wenn sie aus dem Kino herauskommen. Statt einfach mal gut und kurzweilig unterhalten worden zu sein. Schade eigentlich.

Mehr zu „Outnumbered“ (erste Staffel auf DVD erhältlich) in der nächsten Humorkritik in TITANIC 2/2009!

Pegg & Frost & Spielberg & Jackson

16. Januar 2009 2 Kommentare

Noch weiter rauf kann’s nun kaum mehr gehen: Simon Pegg („Spaced“, „Shaun of the Dead“) wird zusammen mit seinem Buddy Nick Frost („Spaced“, „Shaun of the Dead“) in einer Coproduktion von, bitte festhalten: Steven Spielberg und Peter Jackson zu sehen sein. In der Verfilmung der Hergé-Comics „Tim und Struppi“ spielen die beiden Tim und Struppi Schulz und Schultz. Das behauptet jedenfalls seit letzter Woche Pegg auf seiner Seite, und die IMDB glaubt’s auch schon. Im Kino ab 2010. Was bitte hat das noch mit Britcom zu tun?!