Fast ein Jahr, bevor Sacha Baron Cohens “The Dictator” in die Kinos kommen soll, hat Paramount das erste offizielle Bild veröffentlicht:
Neulich auf dem Opernball
Im Film soll es um einen an Saddam Hussein angelehnten Diktator gehen, der durch einen Ziegenhirten ersetzt wird (ebenfalls gespielt von Cohen) und anschließend seinem Leben neuen Sinn geben muß — in New York. Hmmmm, ein merkwürdiger Ausländer, der in New York (vermutlich halbdokumentarisch) Leute verwirrt, wo habe ich diesen Plot bloß schon mal gehört?
Aber ich will nicht spekulieren, vielleicht finden Cohen und Larry Charles, der nach “Borat” und “Brüno” abermals Regie führt, ja einen völlig neuen Zugang zu dem Thema. Die Tagline ist jedenfalls lustig:
“The film tells the heroic story of a dictator who risked his life to ensure that democracy would never come to the country he so lovingly oppressed.”
Mit von der Partie werden sein Ben Kingsley und Anna Faris (aus den “Scary Movies”).
Wer einen großen Film erwartet, könnte enttäuscht sein. Aber “Paul” (Regie: Greg Mottola) will gar kein großer Film sein. Sondern eine sympathische Komödie von Geeks für Geeks — und genau das ist er auch.
Gestern abend im Kino (OV, versteht sich) war es ein bißchen, als seien die Wünsche der Simon-Pegg-Fans in Erfüllung gegangen, die sich immer mehr “Spaced” und “Shaun of the Dead” gewünscht haben statt mehr “How to Lose Friends and Alienate People” und “Burke and Hare”: Pegg und Frost waren endlich, endlich zurück. Genauer: der geekige SciFi-Freund und Comiczeichner Tim aus “Spaced” in Verbindung mit den besten Kumpels Shaun und Ed aus “Shaun of the Dead”. Hier heißen sie Graeme (Pegg) und Clive (Frost), sind zwei britische Buddys auf Fan-Urlaub in den USA und fahren nach einem Besuch der Comic-Con mit einem Wohnmobil nach Nevada in die Area 51, wo sie prompt einem Außerirdischen begegnen (Stimme: Seth Rogen). Binnen kurzem befinden sie sich gemeinsam auf der Flucht: vor Rednecks, deren Geländewagen sie angerempelt haben, einem Hillbilly-Priester, dessen Tochter mit ihnen flieht, und diversen Men in Black. Ihr Ziel: Paul vor den Menschen zu verstecken und den Seinen zurückzubringen.
Schnell wird klar, wer die wirklichen Aliens sind: Die Engländer Graeme und Clive, für die so ziemlich alles in den USA fremdartig ist. Paul dagegen ist, weil seit 1947 mit dem American Way of Life vertraut, bestens akklimatisiert, im Grunde sogar ein rechter Klugscheißer. Und für noch jemanden ist alles neu: Ruth (Kristen Wiig), die Pfarrerstochter und Kreationistin, die von dem merkwürdigen Trio fix eines Anderen, Besseren belehrt wird und sich schnell an einen neuen Lebensstil mit Fluchen, Sex und Drogen gewöhnt.
Selbstverständlich ist “Paul” randvoll mit Anspielungen, In-Jokes und Motiven, die man aus tausend SciFi-Filmen, aber auch aus “Spaced” und “Shaun of the Dead” kennt. Immer wieder finden sich Variationen von Scherzen aus frühen Pegg-und-Frost-Werken, aber nie werden Witze zweimal erzählt. Natürlich geht es höchst albern zu, mit vielen Zoten zum Thema anal probes und Alienweibern mit drei Brüsten, aber wer es nicht lustig findet, wenn Menschen vor Schreck ohnmächtig hintüberfallen, der sollte für “Paul” erst gar keine Tickets kaufen.
Dafür aber alle, die eine Beat für Beat ordentlich gemachte Komödie sehen wollen, in der mit Jason Bateman und Jeffrey Tambor zwei “Arrested Development”-Größen mitspielen (Mottola hat seinerseits bei einigen Folgen “AD” Regie geführt) und ein paar nette Cameo-Auftritte von noch größeren Stars warten. Alle, die den Plot von “E.T.” einmal als Komödie ausgespielt sehen möchten. Und alle Fans, die in diesem “Fish out of Water”-Film Nick Frost und Simon Pegg mal wieder aber sowas von in ihrem Element sehen möchten.
Hier noch ein alternativer Trailer mit (ein paar) anderen Ausschnitten:
Wer sich fragt, warum man in letzter Zeit so wenig von John Landis (“Blues Brothers”, “An American Werewolf in London”) gehört hat, dem möchte ich es ersparen, sich auf der Suche nach einer Antwort seine erste Regiearbeit nach zwölf Jahren in voller Länge anzusehen: “Burke And Hare” (2010) legt nahe, daß Landis einfach der nötige Musenkuß fehlt. Was aber leider nicht das einzige Problem des Films ist.
William Burke und William Hare (Simon Pegg und Andy Serkis), zwei einfache irische Arbeiter im Edinburgh des frühen 19. Jahrhunderts, finden eines Morgens einen Zimmernachbar in ihrer Pension tot in seinem Bett. Weil der Mann noch Miete schuldig ist (und niemand für sein Begräbnis aufkommen möchte), bringen sie den Leichnam zu Dr. Knox (Tom Wilkinson, “The Full Monty”, “Shakespeare in Love”), einem Anatomen der Universität Edinburgh, der aufgrund der rechtlichen Lage große Probleme hat, an frische Studienobjekte zu kommen. Burke und Hare wittern eine Einnahmequelle, und nach einigen fruchtlosen Umwegen über Grabräuberei beginnen sie schließlich zu morden, um die Toten zu verkaufen.
Das grundlegende Problem von “Burke And Hare” liegt damit schon auf der Hand: Wie läßt man diese zwei Mordburschen mit den denkbar niedrigsten Motiven sympathisch erscheinen? Landis versucht es mit Grausamkeiten und momentweise übertriebenem, komisch gemeintem Gore, indem er etwa eine öffentliche Hinrichtung zu Beginn des Films und kaum später eine ärztliche Vivisektion sehr blutspritzend zeigt, um damit anzudeuten: Hey, die Paradigmen waren eben andere damals, unsere beiden Helden sind gar nicht so viel grausamer als ihre Zeitgenossen. Doch das funktioniert leider nicht so recht, denn dieses quasi unschuldige “Hineinrutschen” ins Berufsmördertum habe zumindest ich an keiner Stelle so richtig geschluckt. Vielleicht aber ist das eher ein Problem der Drehbuchautoren Piers Ashworth und Nick Moorcroft.
Gewiß des Regisseurs Problem ist aber die holpernde Dramaturgie. Mir kam es so vor, als ob ich Landis’ Handschrift aus den “Blues Brothers” wiedererkannt hätte: diese Abgehackte, Stotternde, nie so richtig Flüssige. Das war bei dem episodisch angelegten “Blues Brothers”, wo Jake und Elwood ein Bandmitglied nach dem anderen wiederfinden und überzeugen mußten, möglicherweise nicht so schlimm. Hier aber wirken die Szenen irgendwie zusammenhanglos, fragmentarisch, als hätten sie im Schnitt auch ganz anders zusammengesetzt werden können. Daß der Motor des Films nie rund läuft, macht “Burke And Hare” sehr anstrengend.
Am bedauerlichsten aber ist, daß “Burke And Hare” ein enormes Aufgebot britischer Comedians vollkommen verschenkt. Von mittleren Rollen bis zu kleinsten Cameos sind praktisch alle dabei, die Rang und Namen haben: Bill Bailey, Ronnie Corbett, Simon Farnaby, Jessica Hynes, Stephen Merchant, Reece Shearsmith, Paul Whitehouse; ich meine sogar Lee Evans gesehen zu haben. Tim Curry (der Frank’n'furter aus der “Rocky Horror Picture Show”) hat eine tragende Rolle, und sogar Sir Christopher Lee ist in einer Szene zu sehen. Doch keiner (bis auf eine komische Szene mit Whitehouse) darf sein Talent ausspielen, keiner hat einen wirklich guten Gag im Buch stehen! Als ob die bloße Anwesenheit der Comedy-Creme schon ausreichte. Tut sie leider nicht.
Nicht einmal das Comedian-Spotting zwecks Trivialitäten-Klatsches nach dem Film (Isla Fisher ist übrigens die Ehefrau von Sacha Baron Cohen!) macht Spaß: Denn obwohl (wie gesagt) die meisten Komik-Stars wirklich winzige Cameos haben, werden sie im Abspann prominent der Reihe nach noch einmal vorgezeigt. Seht her, wir haben zehn Sekunden mit Stephen Merchant im Film! Und fünf mit Christopher Lee! Nein, so sehr ich es wollte: Ich konnte “Burke And Hare” nicht einmal als gescheiterten Film sympathisch finden. Die miesen 35% bei Rotten Tomatoes gehen leider völlig klar.
Aardman Animations, Home of “Wallace And Gromit”, planen einen “Shaun The Sheep”-Film! Zwar wird er nicht von 2013 oder gar 2014 fertig sein, aber wenn das Warten sich lohnt, warte ich gerne.
Interessant: Daß Shauns Abenteuer von Anfang an ohne ein gesprochenes Wort auskamen, sollte ursprünglich die Produktion billiger und einfacher, sprich: schneller in der Herstellung machen. Ein Plan, der nicht aufgegangen ist: Geschichten nur durch Bilder zu erzählen bedeutet nämlich, daß man Handlung nicht durch Dialoge ersetzen kann — alle Beats müssen im Bild gezeigt werden. Das Ziel, so Aardman-Creative Director Richard Goleszowski, sei es, einen modernen Stummfilm im Stile Buster Keatons zu machen: also Slapstick pur und vom Feinsten. Word! Bzw. natürlich No Word!
“Drei große Momente” seien es, so Graham Linehan neulich, die für das Gelingen einer Sitcom-Folge wichtig seien — viel wichtiger als ausgefuchste, konsistente Plots (wir berichteten). Tatsächlich konnte man sich kürzlich während der langen “Father Ted”-Nacht in gleich zweiDokumentationen abermals davon überzeugen, wie viele solcher unvergeßlicher Momente es in “Father Ted” gab. (Und wo der Punkt war, an dem diese Momente ein bißchen zu groß wurden, um noch in die eher traditionelle Sitcom-Narration der Serie zu passen: nämlich da, wo Teds Flugangst so überwältigend wird, daß er sich an das Fahrwerk eines Flugzeugs klammert, und wir ihn dann im Wohnzimmer des Pfarrhauses sehen — noch immer an das Fahrwerk geklammert.)
In Filmen heißen solche großen Momente Setpieces. Jeder Actionfilm hat im dritten Akt ein Setpiece, viele auch schon eines am Anfang des ersten. Eines der schönsten Beispiele für Setpieces in Komödien habe ich gestern abend mal wieder bewundern dürfen: “The Party” (1968, auf Deutsch: “Der Partyschreck”) vom immer noch unterschätzten Blake Edwards, der leider Mitte Dezember gestorben ist. Ganz abgesehen davon, daß der ganze Film ein reiner Werbeclip für Peter Sellers’ Slapstick-Talente ist und eine Aneinanderreihung von kleinen und großen Setpieces, ist doch der Showdown im letzten Akt ein prima Beispiel dafür, wie richtig Graham Linehans Comedy-Konzept ist — und wie unwichtig nicht ganz logische Handlungselemente sind, wenn ihr Pay-Off nur schön inszeniert ist.
In “The Party” spielt Sellers den äußerst ungeschickten, aber liebenswürdigen indischen Schauspieler Hrundi V. Bakshi, der zu Beginn der Handlung die Dreharbeiten zu einem Monumentalfilm ruiniert (erstes Setpiece): Erst ruiniert er eine Massen-Szene, dann löst er vorzeitig eine Explosion aus und zerstört so nicht nur die Kulissen, sondern den ganzen Film. Daraufhin wird er von den Studio-Bossen auf eine Schwarze Liste gesetzt — bzw. eben nicht, sondern versehentlich auf die Einladungsliste zu einer Party des Produzenten. Die findet in einer schicken, vollautomatischen Villa mit großer Pool-Landschaft statt und endet in vollkommener Zerstörung — durch Schaum. Wie ein riesiger Blob wächst dieses Schaum-Monster, droht die immer weiter dudelnde Jazz-Band zu verschlucken und Gemälde zu zerstören, läßt eine ganze Verfolgungsjagdgesellschaft einen nach dem anderen verschwinden, quillt und wabert immer mächtiger, bis alles, alles in einer weißen Wand aus Schaum verschwindet.
Beginnt man nun genau hier, von hinten, kann man sich schon recht lebhaft vorstellen, wie Edwards’ (der auch das mit 60 Seiten eher dünne Drehbuch mitschrieb) Gedankenprozeß ablief: “Ich will, daß die ganze Villa in weißem Schaum versinkt, in Schaum, der die hilflose Wut der einen verschluckt wie der Londoner Nebel die Untaten von Jack the Ripper, und der die Ausgelassenheit der anderen noch steigert, die sich wie kleine Kinder über Schaumberge in der Badewanne freuen. Aber wie kommt das ganze Waschpulver in den Pool? Schüttet es jemand einfach hinein? Welches Motiv hätte er dafür? Nein, wir brauchen etwas, das im Pool gewaschen werden muß. Es muß etwas großes sein, so groß, daß es viele Leute mit Bürsten und Besen schrubben und große Mengen Schaum erzeugen können. Es muß so groß sein wie ein Elefant. Das ist es! Ein Elefant! Bakshi ist Inder, das würde schon mal passen. Aber warum muß der Elefant gewaschen werden? Hat ihn jemand bemalt? Na klar, wir haben die späten Sechziger, junge Leute machen die verrücktesten Sachen, wenn sie gegen das Establishment revoltieren. Wir behaupten einfach, da kommt die Tochter des Produzenten mit ihrer Hippie-Clique von einer Demonstration, sagen wir: von einem Love-In, und die haben einen Elefanten dabei, auf den sie allerlei psychedelische Muster und Sponti-Sprüche gemalt haben. Und Bakshi, dem Elefanten heilig sind, überzeugt die junge Frau davon, daß der Elefant sauber gemacht werden muß. Bingo! Werden uns die Leute glauben, daß eine Handvoll junger Hippies nur für ein öffentliches Happening irgendwo einen Elefanten besorgt hat? Und dann bemalt? Ach, egal, wird schon gehen…”
Ging ja auch. Sehr gut sogar. Ich habe das ganze Jahr noch nicht so gelacht wie gestern abend bei “The Party” — und bin kurz davor, mir die “Pink Panther”-Box zu bestellen. Auch wenn ich die schon tausendmal gesehen habe: So schön inszenierter Slapstick wird auch beim tausendersten Mal sehen nicht alt.
Ich fahre gerne mit der Bahn. Gewiß, es nervt, wenn man mal wieder auf irgendeinem Provinzbahnhof gestrandet ist, weil man den einen Anschlußzug verpaßt hat und der nächste eine Dreiviertelstunde Verspätung hat — aber deshalb werde ich nicht zum Bahn-Hasser.
Allerdings werde ich zum Bahnfahrer-Hasser; jedenfalls bei Reisen, die länger als drei Stunden und/oder mehr als zwei Tage am Stück dauern. Ich fühle mich einfach belästigt: Durch junge Mütter über Vierzig, die (statt das Kleinkindabteil zu nehmen) den gesamten Großraumwagen durch stundenlanges Geschrei ihres Nachwuchses ruckzuck vom Segen der Kinderlosigkeit überzeugen. Durch Businessfrauen, die sich so zwanghaft an ihren Koffer klammern, daß sie selbst im überfüllten Zug lieber einen Sitzplatz mit ihrem Lieblingsgespäckstück blockieren, statt es ins Gepäckfach zu tun. Durch Dauertelefonierer. (Btw: Wer nicht nur rücksichtslos, sondern auch noch dumm genug ist, seine Geschäftstelefonate in höchster Lautstärke zu führen und dabei auch noch die eigene E-Mail-Adresse durchzutrompeten, muß sich über ein erhöhtes Aufkommen von Newslettern des Hörgeschädigtenverbandes nicht wundern.) Und dann gibt es noch diese massiv adipösen, nach Rauch und Schweiß stinkenden Assos, die sich neben einen an einen Tisch quetschen, sofort anfangen, Frikadellenbrötchen, Krautsalat und Dosenbier zu verzehren, sich über Kriegsfilme zu unterhalten und nach einem Toilettengang zurückkommen mit der Bemerkung, sie hätten nicht kapiert, wie “man das Waschbecken anschaltet”. Das Waschbecken schaltet man gar nicht an, Idiot! Man hält einfach seine Pfoten unter den Hahn, so wie bei praktisch allen Autobahnraststätten seit zehn Jahren auch! Iihhh!!
Noch schlimmer sind höchstens die Deppen, die am Ende der Fahrt den eben beschriebenen Flegeln attestieren, ihre Rücksichts- und Manierenlosigkeit sei schon in Ordnung. Diese Unterwürfigkeit gegenüber Leuten, die weder geschriebene noch ungeschriebene Regeln kennen bzw. sie vielleicht sogar kennen, aber schlicht nicht akzeptieren, scheint mir neu. Vielleicht bewundern tatsächlich immer mehr Knallköpfe andere Knallköpfe, die einfach mehr Mut zum “Ich zuerst” haben als sie selbst.
Nun denn. Auf solchen Bahnfahrten gibt es nur eine Möglichkeit: Notebook und Kopfhörer auspacken (ja, liebe kinderreiche Familien und Bundeswehrler: Filme guckt man im Großraumabteil IMMER mit Kopfhörern! IMMER!!) und all das nachholen, was über die letzten Monate liegengeblieben ist. Lieber selbst einen möglicherweise schlechten Film gucken als Trottel über “Killing Fields” reden hören und wie gerne sie da mal hinfahren würden, um sich das selbst anzusehen (“Ob da noch Totenköpfe rumliegen?” Grundgütiger!).
Für eine solche Fahrt taugt etwa “Magicians” (2007) ganz gut. Der lag schon sehr lange bei mir herum — weil er nicht nur bei Rotten Tomatoes eine sensationell schlechte Bewertung hat, sondern weil auch andere, die ihn gesehen hatten, ihn eher so mittel fanden. Meine nicht sehr hohen Erwartungen aber hat er mühelos übertroffen.
Das lag bestimmt zum Großteil am Charme von David Mitchell und Robert Webb, die hier eine Variation ihrer Charaktere aus “Peep Show” spielen. Hier sind ein magischer Double Act, dessen Karriere zu Beginn des Films gescheitert ist: Harry (Mitchell) hat Karl (Webb) mit seiner Frau, der gemeinsamen Assistentin, in flagranti erwischt — und sie anschließend bei einem Zauberunfall mit einer Guillotine enthauptet. Jahrelang haben sich beide daraufhin mit Jobs über Wasser gehalten, doch nun möchte Harry wieder ins Geschäft einsteigen: Ein Magier-Wettbewerb winkt mit einem Preisgeld von 20 000 Pfund — Grund genug für Harry, über seinen Schatten zu springen und Karl um einen einzigen gemeinsamen Auftritt zu bitten, mit dem sie das Preisgeld abräumen, teilen und sich wieder voneinander verabschieden können.
Dieser Wettbewerb gibt das Grundgerüst von “Magicians” ab, um das herum kleine Storys rund um eine neue Assistentin (Jessica Hynes, “Spaced”), Zauberkonkurrenten (etwa Steve Edge, “Star Stories”, “Phoenix’ Nights”) und Karls Manager (Darren Boyd, “Whites”) gebaut sind; das Drehbuch haben die “Peep Show”-Autoren Sam Bain und Jesse Armstrong übernommen. (Wann kommen die eigentlich noch zum Essen und Schlafen? “The Thick of It”, “The Old Guys”, “Peep Show”, “The Mitchell and Webb Look”, “In The Loop” — ein beachtlicher Output, den dieses Duo hat.) In weiteren Nebenrolle glänzen Peter Capaldi und Rasmus Hardiker (“Lead Balloon”, “Saxondale”), und dieser ansehnliche Cast macht auch die etwas einfallslose Regie (Andrew O’Connor) wett. Ein im besten Sinne kleiner Film, der wahrscheinlich enttäuschen würde, wenn man ihn mit großen Erwartungen im Kino gesehen hätte — aber perfekte 90 Minuten Fernsehunterhaltung.
Auch Frank Oz‘ “Death at a Funeral” (2007) fällt in diese Kategorie, wenngleich er die deutlich bessere Dramaturgie hat. Das Begräbnis des Vaters führt die erwachsenen Kinder und viele Trauergäste auf einem prächtigen Landsitz in England zusammen und sorgt für die Fallhöhe, die eine Farce braucht; ein Bruderzwist, die Verwechslung einer stark halluzinogenen Droge mit Valium sowie ein Kleinwüchsiger, der mit Enthüllungen ihn und den Verstorbenen betreffend droht, machen “Death at a Funeral” zu einer klassischen Screwball-Komödie. Daß ihr die großen Stars ein wenig fehlen, gleicht sie durch ein prima Ensemble aus (u.a. Kris Marshall und Andy Nyman, der cholerische Producer in “Dead Set”). Dafür, daß ein Amerikaner ihn gemacht hat, ein sehr englischer Film: Selbstverständlich fällt der Sarg um und der Verstorbene purzelt ins Wohnzimmer, trotzdem bleibt (ich weiß nicht genau, wie) die Würde des Toten unangetastet — ich hatte jedenfalls nie den Eindruck, daß da mit billigen Mitteln Witze auf Kosten von Toten gerissen würden.
Soviel zu alten Filmen. Den Rest der Zugfahrten habe ich mit alten Serien zugebracht, über die ich hier nicht en detail berichten möchte, aber auch mit einer neuen, die ich jetzt schon mal sehr empfehle: “Terriers”, eine der neuen US-Serien des Herbstes. Kritik folgt, sobald ich genau sagen kann, was genau so toll ist an der Serie. Der Plot ist an sich nämlich nicht besonders originell: Ein Ex-Bulle und trockener Alkoholiker löst zusammen mit seinem halbkriminellen Kumpel als Privatdetektiv ohne Lizenz Fälle in Kalifornien. Klingt irgendwie nach “Trio mit vier Fäusten”, ist aber dank immer neuer Wendungen und Ideen, bei denen ich oft mit offenem Mund dasitze und “Das habt ihr jetzt nicht gemacht, oder?!” denke, eine der besseren Serien dieses Jahres und ein echter Geheimtip.
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