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Artikel Tagged ‘Rufus Jones’

Zwei nicht ganz außer Rand und Band

11. Mai 2019 3 Kommentare

Nett ist natürlich immer ein Schimpfwort, aber es ist das erste, das mir zu „Stan & Ollie“ (jetzt in den Kinos) einfällt: eine vergnügliche, durchgehend harmlose Hommage an das Komikerduo, das hierzulande unter der üblich despektierlichen Bezeichnung „Dick und Doof“ firmierte, auf deutsch nacherzählt von der ansonsten nicht unter dem Verdacht großer Albernheit stehenden Kabarett-Legende Hanns Dieter Hüsch (siehe hier).

Klar, ein britischer Film über einen der (neben Chaplin) brillantesten englischen Comedians der frühen Kinojahre kann ja nur mit dem größten denkbaren Wohlwollen daherkommen (Buch: Jeff Pope). Zumal wenn einer der profiliertesten gegenwärtigen englischen Comedians, Steve Coogan, eine perfekte Kopie Laurels im Repertoire hat, und auch John C. Reilly als Oliver Hardy sehr präzise spielt. Biopics müssen ihre Helden ja überhöhen, seien es die guten oder schlechten Seiten ihrer Protagonisten.

Und so ist der zentrale Konflikt in „Stan & Ollie“ naturgemäß nicht sehr stark: Zu Beginn trennt sich das Duo, dessen kreative Hälfte (Laurel) auf eigene Rechnung Filme drehen möchte, während der eher vorsichtige Hardy lieber weiter bei Hal Roach unter Vertrag bleiben möchte — und mit seinem neuen Filmpartner prompt so wenig an frühere Erfolge anknüpfen kann, dass wir heute gar nicht mehr wissen, dass Stan und Ollie sich je getrennt haben.

Eineinhalb Jahrzehnte später, die größten Erfolge haben sie hinter sich, versuchen sie ein Comeback. Die beiden alternden Künstler touren gemeinsam durch England. Hardys Gesundheit ist nicht zum Besten, und der ungelöste Konflikt zwischen den beiden schwelt, angefeuert von den sehr unterschiedlich temperierten „besseren“ Hälften der beiden.

Das ist durch die Bank schön inszeniert (Regie: Jon S. Baird), unterhaltsam ausgespielte Comedy Routines der beiden Helden tun das ihre zum Zeitkolorit, und ich kann nicht sagen, dass ich mich gelangweilt hätte.

Sehr viel hängen geblieben ist andererseits auch nicht.

Am ehesten im Kopf geblieben ist mir Rufus Jones („Home“) als schön ungreifbarer Agent Delfont, dessen doublespeak einen schon als Zuschauer auf die Bäume treiben kann. Wie seine Doppelzüngigkeit erst Laurel und Hardy irre gemacht haben muss, kann ich nur spekulieren.

Aufs Ganze gesehen aber ist „Stan & Ollie“ eher dekorativ. Nett anzusehen, aber ohne die Substanz, ein wichtiger Film zu sein. Schade eigentlich.

„Even the one with Joey!“

10. März 2019 3 Kommentare

Eine gute Idee erkennt man daran, dass sie einem so naheliegend erscheint, dass man sich fragt, warum noch niemand früher darauf gekommen ist. Rufus Jones‘ neue Sitcom „Home“ (Channel 4, soeben angelaufen) ist so ein Fall.

Der aus Syrien geflüchtete Sami (Youssef Kerkour), der sich im Kofferraum einer britischen Mittelschichtsfamilie versteckt über den Kanal nach Großbritannien schmuggelt und dort von der großherzigen mater familias Katy (Rebekah Staton, „Raised by Wolves“) Obdach erhält, gegen den Willen ihres Freundes Peter (Jones), das ist ein Ansatz, mit der derzeitigen Weltlage umzugehen, mit Flucht und Umgang mit Flucht, der gleichzeitig aktuell und absolut klassisch ist: denn das ist das Rezept, das von „ALF“ bis „Pumuckl“ immer das gleiche ist.

Oder eben bei „Paddington“, den Peter selbst zur Sprache bringt: „He’s not Paddington!“ O doch, das ist er. Gut ausbalanciert ist das Verhältnis der Figuren in „Home“, denn Peter ist nicht etwa Ehemann von Katy, sondern ihr neuer Freund. Es ist ihr Haus, ihr Sohn, sie kann Peter ganz leicht in die Schranken weisen (oder sogar aus-), und die Ähnlichkeit zwischen Peter und Sami wird offensichtlich, als beide die Nacht auf je einem Sofa im Wohnzimmer verbringen müssen, obdachlos gemacht von Mächten, denen sie schutzlos ausgeliefert sind.

Und so resultieren viele Witze weniger aus der Fremdheit Samis in seiner neuen Umgebung als aus seiner Ähnlichkeit mit ihr: Er ist Englischlehrer wie Katy, und er liebt, klaro, England ohnehin: „Winston Churchill! Elizabeth II.! Top Gear! Even the one with Joey!“ Ja, wir stehen Geflüchteten nicht mehr gegenüber wie die Familie Tanner ALF, wir wissen eigentlich ganz gut, wer sie sind und wie.

Bislang hat „Home“ noch keinen großen Widerhall gefunden, aber es ist ja auch noch früh. Die erste Folge gibt Anlass zur Hoffnung, hier komme mal wieder eine große kleine Sitcom aus Großbritannien, eine vom Zuschnitt „Lead Balloons“ etwa, „Fresh Meat“ oder „Extras“ (ich fürchte mich, btw, etwas vor Gervais‘ neuer Serie „After Life“ — jemand schon was gesehen davon?) — an diesen Serien hat Rufus Jones nun auch schon mitgeschrieben, also ist diese Hoffnung am Ende nicht ganz unberechtigt.

BBC-Film-Film: Das Leben des „Das Leben des Brian“

21. Juni 2011 9 Kommentare

Es ist noch gar nicht so lange her, daß „Monty Pyhton’s Life of Brian“ (1979) wieder in ganz Großbritannien gezeigt werden darf: Der Film hatte bis vor wenigen Jahren ein (freilich längst vergessenes) Aufführungsverbot in Aberystwyth (Wales) [oder auch nicht, siehe Kommentare]. Nun aber, da ausgerechnet die Judith von der People’s Front of Judea (alias Sue Jones-Davies) dort Bürgermeisterin ist war, darf auch der Film wieder in den Aberystwythschen Kinos aufgeführt werden.

Eine Anekdote, heute; seinerzeit aber gab es heftige Diskussionen um das vermeintlich blasphemische Meisterwerk der Pythons. Unter anderem in Irland und Norwegen durfte der Film nicht gezeigt werden, Kirchenvertreter in den USA und in Großbritannien liefen zu Proteststürmen auf — nicht zuletzt, weil viele den Film gar nicht richtig verstanden bzw. nie gesehen hatten und der irrigen Meinung waren, dort würde Jesus persönlich geschmäht. Tatsächlich aber kommt Jesus nur in einer Szene des Films vor, bei der Bergpredigt, und wird keineswegs durch den Kakao gezogen, sondern höchst respektvoll gezeigt. Die Trottel sind nur die, die ihn falsch verstehen.

Stoff für einen eigenen Film? Allerdings! BBC4 hat bekanntgegeben (und der Guardian berichtet), daß im Herbst ein 90-Minuten-Drama rund um „Das Leben des Brian“ ausgestrahlt wird: „Holy Flying Circus“. Die Pythons selbst werden dabei nichts mit dem Filmprojekt zu tun haben (hatten aber ein Mitspracherecht, das offenbar keiner von ihnen genutzt hat); der Film selbst soll kein Biopic werden, sondern mit surrealen Umschnitten, Puppen- und anderen Animationen arbeiten. Klingt… interessant. Hoffentlich wollen sich die Macher dabei nicht mit den Pythons in puncto Schrägheit messen, das könnte leicht schiefgehen.

Das Buch wird Tony Roche beisteuern, der Co-Autor u.a. von „The Thick of It“ und „In The Loop“ ist, und die Schauspieler, die die Pythons darstellen sollen, stehen auch schon fest:

Darren Boyd, John Cleese

Darren Boyd („Whites“, „Dirk Gentley“) wird John Cleese spielen — leuchtet mir unmittelbar ein, daß es da Ähnlichkeiten gibt, es unbestreitbar, und zwar nicht nur äußerlich. Boyd hat auch in seiner Art, unterdrückte Aggressionen zu spielen, gewisse Parallelen zum Spiel von John Cleese.

Charles Edwards, Michael Palin

Charles Edwards als Michael Palin hat ebenfalls deutliche Ähnlichkeiten.

Steve Punt, Eric Idle

Daß Steve Punt („The Mary Whitehouse Experience“) und Eric Idle sich ähnlich sehen, hat schon lange zu albernen Gerüchten geführt, Punt sei mit Idle verwandt oder gar sein Sohn — was natürlich Unsinn ist.

Tom Fisher, Graham Chapman

Mhm, geht auch klar…

Phil Nichol, Terry Gilliam

…genau wie diese Besetzung. Schön, daß mit Phil Nichol ein in Schottland geborener, aber in Kanada aufgewachsener Comedian einen amerikanischen Comedian in England spielt — fehlt nur noch eine Studienzeit in Australien oder so.

Rufus Jones, Terry Jones

Update: Und auch Rufus Jones als Terry Jones sollte funktionieren (ich hatte die Graphik vorbereitet, aber vergessen, sie hochzuladen. Mei, wo hab ich nur immer meinen Kopf?!).