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Weihnachten mit der Familie

Die Christmas Specials britischer Sitcoms sind, um den Scherz aus meinem eigenen Glossar zu wiederholen, perfekt für Menschen, die Weihnachten gerne mit der Familie verbringen, so lange es nicht die eigene ist: Eine mal 45minütiges, mal 60minütiges Bonus-Episode mit den bekannten Serienfiguren, die hier aber die Möglichkeit erhalten, die Routine der Serie zu verlassen — um außergewöhnliche Orte aufzusuchen, (prominente) Gäste zu laden oder Aspekte der Charaktere zu zeigen, die sonst nicht so deutlich herausgearbeitet sind.

Im Falle der charmantesten Fernsehfamilie der letzten Jahre, den Brockmans aus „Outnumbered“, bedeutet das Special vor allem: daß die Kinder ein bißchen nervtötender sind als sonst, die ohnehin so aufdringliche wie verzweifelte Freundin der Familie Jane, Mutter von Karens Freundin Alexa, ist noch ein bißchen aufdringlicher und verzweifelter, schließlich hat ihr Mann über Weihnachten das Sorgerecht für Alexa per Anwalt eingefordert, und der demente Großvater ist so unzertrennlich mit einem gleichfalls höchst senilen Heimmitbewohner, daß der auch noch eingeladen werden muß — und sich später als breitestes Schottisch sprechender ehemaliger Sicherheitsfachmann entpuppt, bzw.: „Ich war zehn Jahre Security-Mann. Davor war ich 20 Jahre lang Einbrecher.“

Eine hübsche Pointe, denn wir treffen die Brockmans zu Beginn des Specials dabei an, wie sie eine Liste aufstellen, was bei dem Einbruch weggekommen ist, dem sie zum Opfer gefallen sind: dies und das, und vielleicht, so überlegen Pete und Sue leider ein bißchen zu laut, auch noch Sues Schmuck, den sie ja damals nicht von der Versicherung ersetzt haben wollte. Das wäre natürlich eine Lüge, und nicht nur die siebenjährige Karen kann ihre Eltern nun mit einer Diskussion über Lügen und wann sie gerechtfertig sind verwickeln, auch Jake nutzt die Schwindelei als Steilvorlage für seine Argumentation über illegale Musikdownloads. Die damit endet, daß Liam (oder Noel?) Gallagher schließlich gesagt hätte, er gäbe sein Geld für Drogen aus, was ja nichts anderes bedeute als daß jeder, der eine Oasis-CD kauft, damit direkt Drogenkonsum fördere.

Daß die Kinder anstrengender sind als sonst, verzeiht man aber: ist ja auch nur realistisch, an Weihnachten. Und lustig ist es immer noch, nicht zuletzt weil etwa Karen ja auch immer recht hat. „A Christmas Carol“ etwa lehnt sie ab, schließlich mache ein Tag gutes Benehmen ja nicht tausend Jahre Mißgunst wett. Und wenn Hitler nach seinen Untaten versprochen hätte, von nun an bis an sein Lebensende gut zu sein — hätte man ihm verziehen?!

Das „Outnumbered“-Weihnachtsspecial erscheint am 18. Januar auf DVD.

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