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Archiv für Januar, 2011

Michael Scott meets David Brent

28. Januar 2011 2 Kommentare

„Comedy is a place where the mind goes to tickle itself.“ Or is it?

Die gute Nachricht des Tages

28. Januar 2011 2 Kommentare

Aardman Animations, Home of „Wallace And Gromit“, planen einen „Shaun The Sheep“-Film! Zwar wird er nicht von 2013 oder gar 2014 fertig sein, aber wenn das Warten sich lohnt, warte ich gerne.

Interessant: Daß Shauns Abenteuer von Anfang an ohne ein gesprochenes Wort auskamen, sollte ursprünglich die Produktion billiger und einfacher, sprich: schneller in der Herstellung machen. Ein Plan, der nicht aufgegangen ist: Geschichten nur durch Bilder zu erzählen bedeutet nämlich, daß man Handlung nicht durch Dialoge ersetzen kann — alle Beats müssen im Bild gezeigt werden. Das Ziel, so Aardman-Creative Director Richard Goleszowski, sei es, einen modernen Stummfilm im Stile Buster Keatons zu machen: also Slapstick pur und vom Feinsten. Word! Bzw. natürlich No Word!

Comedy-Rezession in England

28. Januar 2011 Keine Kommentare

Schlechte Zeiten für Britcoms: Die BBC hat angekündigt, sie sei gezwungen, einige (erfolgreich laufende) Sitcom-Formate absetzen zu müssen — aus finanziellen Gründen. Nun müsse diskutiert werden, welche Shows es treffen werde. Wahrscheinlich ist aber, daß die Budgetkürzungen genau die Formate treffen werden, die in diesem Blog diskutiert werden: Nämlich Sitcoms, die viel teurer zu machen sind als Comedy-Panel-Shows oder Docutainment á la Charlie Brooker. Bereits nächste Woche werden in der BBC weniger als vier Stunden neue Comedy laufen, nämlich nur sieben Shows von je einer halben Stunde, darunter vier Sitcoms („Not Going Out“, „Episodes“, „Coming Of Age“ und „Lunch Monkeys“).

Das klingt nach Jammern auf hohem Niveau, vor allem, wenn man weiß, daß die BBC alleine 33 Slots für Comedy-Serien pro Jahr hat. Tatsächlich aber kann ich sogar aus der Ferne feststellen, daß immer weniger neue Comedy produziert wird, die mich interessiert. Heißt: Immer weniger Sitcoms (auf Panel-Shows kann ich gut verzichten), und darunter immer weniger Sitcoms, zu deren Zielgruppe ich mich zählen würde. Außer „Episodes“ läuft zur Zeit eigentlich gar nichts, was mich was angeht: „Not Going Out“ ist mir zu sehr Mainstream, „Coming Of Age“ und „Lunch Monkeys“ ähnlich wie die „Inbetweeners“ auf ein jüngeres Publikum gezielt, als ich es bin.

Oder, wie es James Cary formuliert:

BBC1 tonight showed no comedy at all. None. Or last night. On Sunday night, there was a repeat of Gavin and Stacey at 10.30 (how many repeats, now?). And repeat of My Family at 4.25pm. On Saturday night, Come Fly With Me – a repeat from Thursday. On Friday night, a panel game and a chat show. On Thursday, Not Going Out. That’s not a lot of comedy – and I wouldn’t be able to tell you when I could regularly tune in to a sitcom. It used to be Friday night at 8.30. Not now. So when?

Dabei zeigt der Erfolg von „Miranda“ und die endlosen Wiederholungen alter Sitcom-Hits: Sitcoms sind genau das, was das Publikum will, was das Publikum liebt, woran man sich Jahre später noch erinnern wird, wenn alle Panel-Shows und alles Docutainment längst vergessen sind. Sitcoms sind das, was man sich auf DVD kauft und wieder und wieder ansehen kann. Wer guckt denn Reality-Shows auf DVD?

Besonders BBC2 steht vor einem sehr traurigen Problem: Der Sender hatte im vergangenen Jahr mit Sitcoms wie „Grandma’s House“, „Miranda“, „Rev“, „The Trip“ und „Whites“ und Sketch-Shows wie „Harry & Paul“ viel erfolgreiche Comedy im Programm (und mit „Bellamy’s People“, „Roger And Val Have Just Got In“, „Popatron“, „Shelfstackers“, „The Persuasionists“ und „Vexed“ noch ein paar halbgute, aber z.T. wenigstens ambitionierte Formate). Nun aber werden vermutlich auch einige Shows ins Gras beißen müssen, die sonst mit einer zweiten (oder dritten) Staffel wieder auf dem Bildschirm erschienen wären. „Harry & Paul“ steht, so zumindest ein (allerdings rasch dementiertes) Gerücht, ganz oben auf der Liste.

Trübe Aussichten also für britische Sitcoms. Wie schade.

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British Comedy Awards: Die Gewinner

23. Januar 2011 Keine Kommentare

Ganz wie erwartet, hat vor allem Miranda Hart für ihre Tollpatschcom „Miranda“ (BBC2) abgeräumt bei den diesjährigen British Comedy Awards: Nämlich in den Kategorien „Best New British TV Comedy“ und „Best Comedy Actress“, und den „People’s Choice Award“ gab’s gleich obendrauf. Nur in der Abteilung „Best Sitcom“ hatten „The Inbetweeners“ die Nase vorn. Was an „Miranda“ new sein soll, entzieht sich meinem Verständnis: die erste Staffel lief schon 2009 (ok, sie lief 2009 an), und altmodischer als „Miranda“ kann Sitcom kaum sein. Was soll’s, dem breiten Publikum gefällt’s halt, und so seien ihr die drei Awards gegönnt, auch wenn sie nun wirklich kein bißchen frischen Wind in das Genre gebracht hat.

Erfreulicher ist da schon, daß tatsächlich „Newswipe“ in der Kategorie „Best Comedy Entertainment Programme“ gewonnen hat, auch wenn sich Charlie Brooker nicht gegen Harry Hill als „Best Comedy Entertainment Personality“ durchsetzen konnte.

Daß „The Armstrong & Miller Show“ den „Best Sketch Show Award“ an die Kindersendung „Horrible Histories“ verloren hat: Meh. So gut „Horrible Histories“ sein mag, ich bevorzuge Comedy für Erwachsene.

Peter Capaldi kann sich über den Award für den „Best Comedy Actor“ für seine Rolle in „The Thick Of It“ freuen, das allerdings in der Kategorie „Best Sitcom“ nichts gerissen hat, und Kayvan Novak über seine Auszeichnung für die „Best British Comedy Performance In Film“, die ihm „Four Lions“ eingebracht hat.

Zuguterletzt: Sam Bain und Jesse Armstrong („Peep Show“ sowie ungezählte Co-Autorenschaften von „The Thick Of It“ bis „That Mitchell And Web Look“) haben den „Writer’s Guild Of Great Britain Award“ abgeräumt — verdientermaßen.

Bedauerlich ist und bleibt allerdings, daß weder „Rev.“ noch „Whites“ etwas abgekriegt haben vom schönen Awards-Segen — beide hätten es verdient gehabt. Tom Hollander war immerhin nominiert („Best Comedy Actor“); daß aber „Whites“ nicht einmal eine Chance hatte: Shame! Shame!

Ein paar Gedanken zu „Modern Family“

23. Januar 2011 4 Kommentare

Es gibt, abgesehen vielleicht von den „Simpsons“, im Moment keinen fester gebuchten Fernsehtermin in der Woche als den von „Modern Family“ (ABC, 2009 -). Aber nicht nur das: Außerdem haben die Frau und ich um Weihnachten herum noch einmal die ganze erste Staffel auf DVD geguckt. Und vor ein paar Tagen noch einmal die ersten vier, fünf Folgen mit einem gemeinsamen Freund. Und ich hätte nicht das kleinste Problem, mir alle Folgen direkt nochmal anzusehen. Ich muß gestehen: Ich habe mich in so ziemlich jedes Familienmitglied der „Modern Family“ verliebt.

Aber warum eigentlich? „Modern Family“ ist all das, was ich an amerikanischen Sitcoms nicht mag: Warm, freundlich, moralisch, versöhnlich, von tieferen Einsichten getragen — durch und durch positiv. Es gibt keinen einzigen Unsympathen. Permanent wird alles gut, keiner bleibt allein, wir sind eine Familie, friends will be there for you, where everybody knows your name. Genau das Gegenteil von britischen Sitcoms, in denen die Welt schlecht ist und das Leben scheiße und böse Menschen grausame Sachen tun und deswegen alleine bleiben und allenfalls trotzdem geliebt werden. Und auch das vielleicht nur vom Zuschauer, aber nicht von anderen Charakteren.

Andererseits muß ich einräumen: so süßlich „Modern Family“ ist, so klug ist es auch. Auf mehreren Ebenen.

Erstmal bin ich schon fast der Überzeugung, daß „Modern Family“ die Erzähltechnik der Mockumentary auf die nächste (dialektische? Was weiß ich) Ebene hebt: Zwar ist es formal an eine Dokumentation angelehnt, inklusive vieler talkings heads-Szenen, in denen Charaktere alleine oder zu zweit in die Kamera hineinphilosophieren. Abgesehen von seltenen Blicken in die Kamera aber scheint den Rest der Zeit das Kamerateam überhaupt nicht anwesend zu sein: Weder sind die Familienmitglieder verkabelt, noch scheint die Anwesenheit des öffentlichen Auges ihre Handlungsweise in irgendeiner Form zu beeinflussen (was etwas bei „The Office“ eine zentrale Idee war). Ja, häufig ist die Kamera sogar in Situationen anwesend, wo sie es nicht sein könnte, hätten wir es mit einer echten Dokumentation zu tun: Etwa wenn Haleys Freund Dylan im Haus der Dunphys versehentlich eingeschlossen wird und wegen der Alarmanlage nicht hinaus kann, die Kamera aber bei ihm bleibt. Was aus mehr als einem Grund nicht plausibel ist: Die Dunphys hätten das Haus nicht Hals über Kopf verlassen und das Kamerateam dabei einfach übersehen und eingeschlossen (schon weil sie ja alle eigentlich verkabelt sein müßten), Dylan selbst hätte in so einer Situation die Kamera ebenfalls nicht einfach ignoriert, und die Kamera (ein zweites Team?) bleibt außerdem weiterhin bei den Dunphys.

Nicht nur gibt es aber offenbar kein Kamerateam. Auch die Anmutung der Show legt keinen Wert darauf, authentisch zu sein: Ganz offensichtlich haben wir es mit einem Single Camera-Setup zu tun, und ebenso offensichtlich ist hier nichts improvisiert. Like cinéma vérité never happened. Die Selbstreflexion, die der Dokumentationsgestus in die Fernsehcomedy gebracht hatte, fehlt bei „Modern Family“ vollkommen; die Form der Mockumentary soll uns nichts über das Fernsehen und seinen Einfluß auf die abgebildete Wirklichkeit vermitteln. Das aber ist kein Rückschritt, sondern eine Weiterentwicklung, die es erlaubt, die Figuren noch facettenreicher zu schildern: Weil wir hören, was sie über sich selbst denken und sagen — und sehen, wie viel oder wenig das damit zu tun hat, wie sie agieren. Die Figuren werden also tiefer, vielschichtiger, und es gibt mehr Möglichkeiten für Gags, die auf ihren Charaktereigenschaften beruhen. Was eher englisch ist. Daß dabei die Frequenz an Onelinern trotzdem hoch bleibt, ist allerdings wiederum sehr amerikanisch.

Genau wie die thematische Narration. Viele Folgen haben ein Thema, das in drei Subplots (einer pro Familie) variiert wird: Was es ausmacht, ein guter Vater zu sein, oder, in „Run For Your Wife“, wie sehr man seine Kinder behüten soll. In dieser Folge, es ist der erste Schultag nach den Ferien, will Manny in seinem columbianischen Poncho zur Schule gehen, was sein Stiefvater Jay verhindern möchte, um ihn nicht dem Spott seiner Mitschüler auszusetzen. Mitchell und Cameron geraten in Panik, weil sich Baby Lily den Kopf angeschlagen hat, und Phil fühlt sich herausgefordert, in einem Dauerlauf gegen Claire anzutreten — die ihn gewinnen läßt, um sein Ego nicht allzu sehr zu beschädigen.

Nun ist das Thema des (Über-) Behütens hier so subtil angelegt, daß man es gar nicht bewußt wahrnehmen muß. Wenn aber doch, wird einem der hübsche Dreh auffallen, daß in der dritten Variation der Familienvater Phil die Rolle des Kindes einnimmt und von seiner eigenen Ehefrau geschont wird. Das ist clever — und ziemlich lustig. Noch lustiger wird es allenfalls, wenn die drei parallelen Plots in bester „Seinfeld“-Manier auch noch miteinander verwoben werden und in einer einzigen großen Slapstick- oder jedenfalls Ensemble-Nummer enden.

All das: die formalen wie die inhaltlichen Drehs, sind nicht neu. Allenfalls erneuert. Aber sie haben es geschafft, das Genre der Familien-Sitcom (in beiden Bedeutungen: über eine und für die ganze Familie) im Alleingang wiederzubeleben. Und es sogar für einen einsamen, verbitterten, zynischen, abgebrühten alten Arsch wie mich konsumierbar gemacht.

How TV Ruined Your Life

20. Januar 2011 3 Kommentare

Was hat das Fernsehen mit der Realität zu tun? — Soll ich mal raten, welche Antwort Charlie Brookers neue Show auf diese Frage gibt? Ab nächsten Dienstag wissen wir es genau: Dann läuft nämlich „How TV Ruined Your Life“ auf BBC2 an.