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Artikel Tagged ‘Shaun of the Dead’

Zombies FTW!!

Muß ich erst was über „Shaun of the Dead“, „Dead Set“, meine Vorliebe für die Melange von Comedy & Horror sowie Pegg/Frostsche Cameos in Romero-Filmen schreiben, um ein dünnes Alibi dafür zu haben, hier den „Zombieland“-Trailer zu zeigen? Nö, oder?

Top-Plakat auch!

UPDATE

Wie es der Zufall will, gibt’s sogar noch eine Rechtfertigung für diesen Eintrag: Nämlich daß offenbar auch im Vereinigten Königreich ein weiterer komischer Zombiefilm in der Mache ist, für den Noel „Mighty Boosh“ Fielding den König der Zombies geben wird: „I Spit On Your Rave“. Ich bin gespannt.

Pegg & Frost & Spielberg & Jackson

16. Januar 2009 2 Kommentare

Noch weiter rauf kann’s nun kaum mehr gehen: Simon Pegg („Spaced“, „Shaun of the Dead“) wird zusammen mit seinem Buddy Nick Frost („Spaced“, „Shaun of the Dead“) in einer Coproduktion von, bitte festhalten: Steven Spielberg und Peter Jackson zu sehen sein. In der Verfilmung der Hergé-Comics „Tim und Struppi“ spielen die beiden Tim und Struppi Schulz und Schultz. Das behauptet jedenfalls seit letzter Woche Pegg auf seiner Seite, und die IMDB glaubt’s auch schon. Im Kino ab 2010. Was bitte hat das noch mit Britcom zu tun?!

Spaced

14. Januar 2009 4 Kommentare

Wer mit Ende zwanzig noch von einer Karriere als Comiczeichner träumt, aber stattdessen nur im Monsterkostüm Handwerbung für einen Comicladen verteilt, wer mit fast dreißig liebend gerne Journalist wäre, aber immer, wenn es ans Schreiben geht, statt dessen lieber putzt, aufräumt oder eine Party gibt, wer in einem Alter, wo andere längst Kinder und Eigenheim haben, immer noch mit dem Skateboard herumfährt, der: sollte eigentlich mal erwachsen werden.

So wie Tim (Simon Pegg) und Daisy (Jessica Stevenson, heute Hynes) in „Spaced“. Er ein bißchen zu alt, um sich noch die Haare zu blondieren, sie ein bißchen zu pummelig, um bei Vorstellungsgesprächen mit äußeren Reizen zu punkten. Aber voller juveniler Begeisterung und vollwertige Bürger der freien Republik Popkultur, in der der Alltag zweier Nordlondoner Spätjugendlicher unversehens zu einer Montage aus Medien-Versatzstücken wird: das gräßliche moderne Tanztheaterstück wird zum Zombiefilm, ein kurzes Sinnieren über London zur Parodie auf Woody Allens „Manhattan“.

So clever und so dicht sind die Anspielungen in „Spaced“ (deren Macher später „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ drehten), daß es auf den DVDs „Homage-O-Meter“-Untertitel gibt, die alle Referenzen auflisten, so sympathisch und echt die Figuren, daß man sich sofort mit ihnen identifiziert und feststellt: Ja scheiße, mein Leben ist ja auch eine Mischung aus „Evil Dead 2″ und den „Simpsons“! Jeder Slapstick-Unfall, jeder tragische Abschied: Es war alles schon mal da, es geschieht nichts mehr Neues in der postmodernen Welt zu Beginn des dritten Jahrtausends. Aber das ist okay.

(zuerst erschienen in Neon 12/2007)

Nachtrag: „Spaced“ ist einer meiner all time favourites unter den Britcoms der jüngeren Geschichte — schon weil es meine erste große Liebe war, ca. 2003.  Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, es sind nur ziemlich viele kleinere Lieben dazugekommen. Ich versuche noch immer, alles zu sehen, wo die „Spaced“-Leute mitwirken, insbesondere Pegg und Mark Heap („Green Wing“, „Jam“, „Brass Eye“), und hoffe, daß Regisseur Edgar Wright nach „Hot Fuzz“ mal wieder ein richtiger Knaller wie „Shaun of the Dead“ gelingen möge.

RomComZom

Mit dem Zombiefilm scheint auch prompt seine Parodie aus dem Grab gestiegen zu sein: Kaum waren Danny Boyles „28 Days Later“ und das Remake von „Dawn of the Dead“ aus den Kinos, floppte in Deutschland der Pennälerstreifen „Die Nacht der lebenden Loser“, während wer mal wieder alles richtig machte? Natürlich, die Briten.

„Shaun of the Dead“ (deutscher Kinostart: 30.12.) heißt der Überraschungs­erfolg von Regisseur Edgar Wright, laut Original-Untertitel eine „Romantic Comedy – with Zombies“ (oder eben RomComZom), die dank origineller Regie-Ideen, einer klug konstruierten Geschichte und glaubwürdigen Schauspielern sowohl eingefleischte Horrorfans als auch Komödienfreunde bestens unterhält. Hauptfigur Shaun nämlich ist eine 1a-Identifikationsfigur für jeden Zombiefilmgucker: Um die dreißig, mit einem perspektivlosen McJob, einer Freundin, die ihn schließlich verläßt, weil sie von einer Beziehung mehr erwartet als jeden Abend im gleichen Pub zu sitzen, und einem dicken Buddy der noch weniger erreicht hat im Leben als er selbst. Ein nicht mehr ganz junger, eher ambitionsloser Mann an der Schwelle zu einer ernsten Lebenskrise also, der er aber mit ausgiebigem PlayStation-Spielen und Alkoholzufuhr mehr oder weniger erfolgreich aus dem Weg zu gehen versucht. Daß in dieser Situation eine ausgewachsene Zombie-Plage über die Stadt hereinbricht, entspricht perfekt der Struktur des klassischen Zombiefilms, und daß Shaun auch diese Krise zu bewältigen versucht, indem er auf seine klassische Problemlösung zurückgreift und sich in seiner Stammkneipe verschanzen will, ist zwar komisch, bricht das Genre aber nicht – und das ist auch besser, denn so funktioniert der Film in doppelter Hinsicht. Je besser man das Genre kennt, desto reicher die Belohnung für den Zuschauer, denn Anspielungen auf und Zitate des klassischen Untotenfilms fehlen ebenso wenig wie, für den deutschen Kinogänger natürlich weniger relevant, diverse Cameo-Autritte britischer Comedy-Prominenz.

Das Team aus Regisseur Wright und den Hauptdarstellern Simon Pegg (in der Rolle des Shaun), Nick Frost und Peter Serafinowicz funktioniert auch deswegen so gut, weil es reichlich Gelegenheit hatte zu üben: Die Figurenkonstellation, der clevere Umgang mit Versatzstücken populärer Filmgenres, die gut geerdeten Storys, die Glaubwürdigkeit des ganzen Unternehmens ist über zwei Staffeln einer preisgekrönten TV-Sitcom namens „Spaced“ erprobt, die jedenfalls via Import auf DVD erhältlich ist, dito „Shaun of the Dead“; eine überlegenswerte Anschaffung, denn die deutsche Synchronisation dürfte nicht annähernd auf dem Niveau des Films sein. Der sollte in Deutschland ursprünglich nur auf DVD erscheinen und ist, so steht zu vermuten, mit entsprechend niedrigem Budget nachvertont worden. Wright und Pegg, die übrigens auch das Autorenteam bilden, arbeiten schon am nächsten Film und haben bereits Cameo-Auftritte in „Land of the Dead“ absolviert, den wiederum Zombie-Gottvater George A. Romero gerade dreht, und Danny Boyle werkelt bereits an „28 Weeks Later“ – dem horror- und comedyaffinen Kinogänger stehen also auch 2005 goldene Zeiten bevor.

(zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 1/2005)