Die Außenseiter

25. Januar 2012 2 Kommentare

“Misfits” (E4, seit 2009) ist vermutlich auch unter den Lesern dieses Blogs längst kein Geheimtip mehr: Zwar haben fundamentale Neubesetzungen die Show in der letzten, dritten Staffel verändert, und dass der staffelübergreifende Superhoodie-Plot so in den Hintergrund getreten ist, darf kritisiert werden — alles in allem aber ist die düster-komische Jugendserie rund um straffällige Jugendliche, die sich plötzlich mit zum Teil recht merkwürdigen Superkräften ausgestattet wiederfinden, immer noch äußerst sehenswert. Dass Howard Overman, der Creator der Show, ein Guter ist, hat er ja spätestens mit der Adaption von Douglas Adams’ “Dirk Gently” bewiesen.

Im deutschen Fernsehen ist “Misfits”, wie so viele englische Serien, leider nicht zu sehen — und aber doch auf deutsch erschienen: zumindest auf iTunes, wo gerade schon die zweite Staffel online ist (erste Folge dieser Tage noch kostenlos abrufbar). Die deutsche Synchro erscheint mir recht solide; Abstriche muss man natürlich etwa bei Super-Chav Kelly (Lauren Socha, in der dritten Staffel sinnloserweise zu sehr im Mittelpunkt) und ihrem im Original hin und wieder beinahe unverständlichen Slang machen, der klarerweise nicht einzudeutschen ist, ohne an Kontext zu verlieren. Auf Hulu war “Misfits” mit 10 Millionen Abrufen eine der erfolgreichsten Serien des letzten Sommers, und in Deutschland liegen sie schon nach einer Woche auf Platz drei der am meisten heruntergeladenen Fernsehserien. Ende Februar erscheint die deutsche DVD.

Mehr Informationen finden sich drüben bei Serienjunkies, die deutschen Misfits haben außerdem einen Facebook- sowie einen Twitteraccount.

Die Comedy.co.uk Awards 2011

23. Januar 2012 1 Kommentar

Im British Comedy Guide haben die Leser abgestimmt und sowohl beliebteste als auch unbeliebteste Comedys des vergangenen Jahres gekürt — und mich ein bisschen überrascht, denn zur besten britischen Comedy des Jahres 2011 wurde eine Kindershow gewählt: “Horrible Histories” (CBBC/BBC1, seit 2009)! Nun ist dieser fröhliche Geschichtsunterricht nach den Büchern von Terry Deary zwar tatsächlich eine feine Sache, aber dass er gleich zwei Awards gewinnt (nämlich auch noch den als beste Sketchshow), das verblüfft mich dann doch.

Weniger überraschend dagegen: “Mrs. Brown’s Boys” (BBC1) gilt als schlechteste neue Comedyshow 2011, und tatsächlich habe ich nur eine einzige Folge dieses irischen Männer-in-Frauenkleider-Spaßes ausgehalten. Nichts gegen Holzhammercomedy, aber Mrs Browns Scherze sind allzu durchsichtig, und die direkte Publikumsansprache, der zumindest zeitweise Verzicht auf die “fourth wall”, geht mal gar nicht. Das durfte zum letzten Mal Julian Clary in “Terry and Julian” (Channel 4), und das war 1992.

Beste wiederkehrende Britische Fernseh-Sitcom ist “Absolutely Fabulous” (guckstu zwei weiter unten) — sehr zu recht, selbstverständlich.

Alle weiteren Preisträger finden sich hier, darunter “The Ricky Gervais Show” (Channel 4), die nun die Auszeichnung “schlechteste britische Fernseh-Entertainmentshow 2011″ ihr eigenen nennen darf, und “Fresh Meat” (Channel 4, bestes Comedy-Drama), in unserem kleinen Poll hier neulich auf dem zweiten Rang hinter “Episodes” gelandet. Beste neue Fernsehsitcom ist “Spy” (Sky1), offenbar muss ich das nun doch endlich mal gucken…

Kurze Unterbrechung

15. Januar 2012 2 Kommentare

aus Anlass des zehnten Geburtstags von “Look Around You” (BBC2, 2002 – 05):

Vielen Dank, Sie dürfen jetzt weitersurfen.

Oder natürlich “Look Around You” erwerben, Robert Poppers und Peter Serafinowiczs hervorragendes Schulfernseh-Pastiche, das man bei YouTube schön einsehen kann, das auf DVD aber mit vielen liebevollen Bonus-Schmankerln, nerdigen Menüs und überhaupt so viel verdrehtem Humor aufwartet, dass man sich fragt, warum das nicht rund um die Uhr auf einem eigenen Sender läuft.

Ab Fab Forever

7. Januar 2012 1 Kommentar

“Ab Fab” lebt also und ließe sich problemlos fortsetzen, die Show ist immer noch genauso frisch und unverbraucht wie eh und je habe ich vor einer guten Woche in die Kritik der Weihnachts-Specials hineingeschrieben, und offenbar sieht man das bei der BBC genauso: Nun haben, nachdem das Neujahrs-Special abermals über sieben Millionen Zuschauer eingefahren hat, die BBC-Oberen Jennifer Saunders offenbar um eine weitere komplette Staffel “Absolutely Fabulous” gebeten. Jennifer Saunders Antwort auf dieses Angebot ist noch nicht bekannt.

“Absolutely Fabulous” lief ursprünglich in drei Staffeln zwischen 1992 und 1996 auf BBC1 und erzählt die Geschichte von Edina Monsoon (Saunders), einer erfolgreichen, aber ziemlich kindischen PR-Agentin (die man niemals ernsthaft bei der Arbeit sieht) und ihrer besten Freundin, der Modejournalistin Patsy Stone (Joanna Lumley), die ebenfalls nie wirklich arbeitet. Stattdessen versuchen beide verzweifelt, modisch “hip” zu sein, trinken zu viel, nehmen Drogen (Patsy deutlich mehr als Edina) und benehmen sich absolut unerwachsen — ganz im Gegensatz zur spießigen, stets zu ernsthaften Tochter Edinas, Saffron (Julia Sawalha), die in ihrer über-erwachsenen Rolle aber meist ebenso schlecht wegkommt wie ihre zweimal geschiedene, für ihr Verhalten deutlich zu alte Mutter.

“Ab Fab” beruht auf einem Sketch des damaligen Double-Acts von Saunders und Dawn French und war in den Neunzigern sensationell erfolgreich — vermutlich, weil hier einerseits die damals virulente Softie-Welle konterkariert wurde, wie es für die Männer auch Simon Nyes “Men Behaving Badly” tat, wo das genaue Gegenteil des “New Man”-Ideals gefeiert wurde, nämlich der saufende, sexistische, sich schlecht bzw. eben laddish benehmende Mann. Andererseits waren die Anti-Heldinnen Edina und Patsy mit ihrer Parodie auf den PR-, Werbe- und Promi-Wahn ihrer Zeit, auf Charitys und Marketing am Puls der Zeit — und bald auch noch Ikonen der Emanzipation, denn offenbar (man sieht es ja nie explizit) waren sie beruflich so erfolgreich, dass sie sich ihren exzessiven Lebensstil auch leisten konnten: Weibliche Selbstermächtigung pur und vom Feinsten. Und durch die Ergänzung des Casts durch Edinas patente Mutter (June Whitfield) als (zumindest Patsy gegenüber) kritischer und wacher Geist und Ersatzmutter für Saffy sowie durch Edinas Assistentin Bubble (Jane Horrocks), die durch ihre strahlende, Homer-Simpson-Father-Dougal-artige Dummheit enormes komisches Potential und Abgrenzung zur nicht ganz so strahlenden Dummheit Edinas und Patsys in die Serie bringt, durch diesen Cast also, der Frauen in vielen komischen Facetten zeigt, wurde “Ab Fab” zu einer der wichtigsten Serien der (Comedy-) Frauenbewegung.

Dass “Ab Fab” über Generationen hinweg funktionierte und geliebt wird, zeigte sich im langen Leben der Serie und vor allem der Specials: Nach einem zweiteiligen Fernsehfilm (“The Last Shout”, 1996) liefen von 2001 bis 2003 abermals zwei ganze Staffeln und drei weitere einstündige Specials; der letzte Clip der Show war ein “Comic Relief”-Sketch 2005. Neben den drei diesjährigen Specials ist Gerüchten zufolge ein Film geplant.

“Absolutely Fabulous” rangiert in der Liste der “greatest British TV shows of all time” des British Film Institute auf Rang 17 und in vergleichbaren Rankings ebenfalls stets weit oben; die Show gehört auf jeden Fall zu den wichtigsten Sitcoms der letzten dreißig Jahre und in jeden Grundkurs Britcom.

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Heute ist der dritte Geburtstag dieses Blogs, sehe ich grade. Also, happy birthday, britcoms.de!

What a wonderful world

5. Januar 2012 Keine Kommentare

Ein wenig verspätet, aber doch: Frohes Neues, und schöne Grüße von David Attenborough. BBC-Dokumentationen, jedes Mal wieder zum Verlieben.

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That Was The Year That Was

31. Dezember 2011 Keine Kommentare

Charlie Brookers “Screenwipe 2011″ (BBC4) anyone? Bittesehr.

Die einzige Frage zu 2011, die leider offen bleibt: Was hat sich denn da um Himmels willen auf Brookers Kopf zum Sterben hingelegt?!