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Chris Morris, Satire-Gott

Reichlich verspätet habe ich nun gerade eben „Four Lions“ gesehen, die böse Komödie von Chris „Satire-Gott“ Morris rund um eine Handvoll muslimischer Selbstmordattentäter in spe. Eine ausführliche Kritik folgt in der Humorkritik der nächsten Titanic, aber ich kann ja schon mal soviel verraten: Ich habe schon lange keine Sternchen mehr gesehen vor Lachen — eben aber doch. Chris Morris,  Jesse Armstrong und Sam Bain haben alles, alles richtig gemacht. Die Fallhöhe stimmt: Es geht tatsächlich um ein Bombenattentat, um dem Dschihad gegen „Kuffars“, also Ungläubige; es werden richtige Bomben gebaut, und Menschen (und Tiere) sterben im Verlauf der Story. Die Charaktere und ihre Motive sind hoch glaubwürdig, ebenso ihr kathartisches Scheitern. Und die Haltung des Films zu seinem Gegenstand ist, wie immer bei Chris Morris, unangreifbar: Es gibt weder billige Ausfälle gegen den Islam selbst, noch könnte man jedoch, was viel wichtiger ist, „Four Lions“ die Versöhnlichkeit von etwa „The Infidel“ oder gar Verharmlosung vorwerfen. Morris beherrscht die Kunst, mit der Erwartung des Zuschauers, mit seinem Bedürfnis nach eindeutigen Hinweisen zur Position des Films, zu einer Position zum Islam und zum „Islamismus“ so zu spielen, daß man sich immer mal wieder ertappt fühlt. Aber nur, und genau dafür liebe ich diesen Film, wenn man gerade zwischen zwei Pointen dazu kommt, Luft zu schnappen. Ein großer Film also, der seine Zuschauer mehr über suicide bombers lehrt und wie sie ticken, als tausend Stunden Interview mit Peter Scholl-Latour — und dabei so komisch ist, daß man selbst explodiert. Vor Lachen.

Edit: Die DVD (es gibt Untertitel!) ist so schön gestaltet wie schon die „Nathan Barley“-DVD (die allerdings zusätzlich ein dickes Booklet mitbrachte): aus schwerem Karton mit DVD-Tasche und also ohne Plastik und entsprechende Plastiknippel, die abbrechen können bzw. Klarsichtplastik, das einreißen kann. Morris scheint auf solche Details sehr zu achten: schon die DVD-Ausgaben von „Jam“ und „The Day Today“ hatten Karton-Umverpackungen und waren clever und minimalistisch designt. Sieht schöner aus, faßt sich besser an, geht nicht kaputt. Ich weiß nicht, warum nicht viel mehr Leute auf höherwertige DVD-Ausgaben achten, wo doch längst klar ist, daß die Standardverpackung oft nicht sehr ansehnlich altert.

Hier noch mal der Trailer.

  1. Dashcroft
    6. September 2010, 15:56 | #1

    „You fucked up rabbits with no ears!“

  2. 6. September 2010, 16:24 | #2

    „we are the martyrs/you’re just smashed tomatoes!“

  3. Dashcroft
    6. September 2010, 17:14 | #3

    „You just killed the special needs donkey!“

  4. 6. September 2010, 18:51 | #4

    ich hab schon lange nicht mehr so gelacht bei einem film wie bei der szene wo der eine typ erklärt, ja, er habe die chemikalien zum bombenbauen alle in einem geschäft gekauft, aber er hat jedes mal dabei seine stimme verstellt. und wie er das dann demonstriert: herrlich!

  5. Casiraghi
    7. September 2010, 15:31 | #5

    „this is definitely not my confused face!“

  6. 8. September 2010, 00:47 | #6

    „the wookie is down! the wookie is down!“

  7. Murmel
    8. September 2010, 07:48 | #7

    One sheep was blown up in the making of this film.

  8. Horst_Hirst
    16. September 2010, 12:11 | #8

    „Fuck Mini Babybel!“

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