Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Clip Show’

It’s so offshore!

24. August 2012 1 Kommentar

Als Redakteur einer namhaften deutschen Satirezeitschrift war ich nie besonders glücklich, wenn es darum ging, sogenannte „Aktionen“ zu machen. „Aktionen“ bestanden meistens hauptsächlich daraus, dass man einen Tapeziertisch einpackte und einen Haufen Bücher (ganz egal welche), sich damit an einem belebten Teil der Frankfurter Zeil aufbaute, und dann Leuten mit Fragebögen auf die Nerven ging. Zu besseren Aktionen verkleideten wir uns zusätzlich, als Postboten, SPD- oder FDP-Mitglieder, und gingen dann Leuten mit Fragebögen auf die Nerven. Fragebögen, weil die das Mittel der Wahl waren, an Textbausteine zu kommen, die uns später das Artikelschreiben erleichterten. Bis heute sind einzelne ehemalige Titanic-Mitarbeiter sehr gut in dieser Art der Guerilla-Satire.

Meins war das nie, weil ich furchtbar schlecht darin bin, mich zu verstellen und in die Rolle von Nervensägen zu schlüpfen, die harmlosen Zeitgenossen auf den Sack gehen — ich bin für sowas zu konfliktscheu und leider auch nicht besonders schlagfertig. Außerdem schien es mir manchmal ein bisschen beliebig, sich zufällige Opfer auf der Straße zu suchen — das machten irgendwann alle, vor allem viele halblustige Comedians in halblustigen Fernsehshows, die Menschen drangsalierten, denen sie jederzeit deutlich überlegen waren. Aktionssatire war also kein Alleinstellungsmerkmal für Titanic mehr; wie das Heft sowieso immer mehr gegen ubiquitäre (und kostenlose) Comedy zu kämpfen hatte, die erst vom Fernsehen, dann auch noch via Internet verbreitet wurde.

Doch wenn man sich die richtigen Opfer sucht und ihnen richtig auf die Nerven geht: dann kann Aktionssatire noch funktionieren. Das beweist gerade die neue Prank-Clipshow „The Revolution Will Be Televised“ (BBC3). Dort such sich Heydon Prowse und Jolyon Rubinstein Opfer, die größer sind als sie: Banker, steuerhinterziehende Milliardäre, den MI6. Und Botschafter in London, die sich die Congestion Charge sparen, weil sie wegen diplomatischer Immunität nicht belangt werden können. Prowse und Rubinstein, in Verkleidung als männliche Politessen, bringen ein paar Wegfahrsperren an Botschaftswagen an und versuchen dann, von den Botschaftsmitarbeitern die aufgelaufenen Congestions Charges einzutreiben: bei der finnischen Botschaft (133 000 Pfund), und bei der deutschen (3,6 Millionen Pfund (!)). Besonders die Deutschen kommen, Überraschung, bei dieser Konfrontation nicht so gut weg:

The guy at the Finnish embassy is a very jovial chap. Whereas the high-ranking German diplomat is a total Arschloch. He, and his scary henchmen, are pretty stupid too – how can they really think that a guy in a Day-Glo bib turning up asking for a cheque for £3.6m is anything but a joke?

Vielen Dank dafür, dass wir das im Guardian über Deutsche im Ausland lesen dürfen, die ja aufgrund ihres Berufes eigentlich irgendwie diplomatisch und politisch geschult sein sollten.

Hier ist die komplette Show, die Deutschen werden ab 4:18 vorgeführt:

Aber die beiden schleichen sich auch als Verkäufer bei Topshop ein, dessen Besitzer über ein paar Steuertricks, die vor allem mit seiner Ehefrau und ihrem ersten Wohnsitz in Monaco zu tun hatten, 285 Millionen Pfund gespart hat. In seinen Läden führen sie lustige Verkaufsgespräche („It looks so offshore!“) und stellen eine Schaufensterpuppe in die Auslage, die ein T-Shirt „Hate Taxes — Love Monaco“ trägt.

Und sie sammeln Spenden von Londoner Innenstadtbankern, die sich mit öffentlichem Geld hatten retten lassen. Ihre Aktion heißt GUBOFMYC: „Give us back our fucking money, you cunts“. Erfrischend direkt, könnte man sagen.

Vor allem aber ist es politisch, zutiefst aufklärerisch und doch komisch — meistens jedenfalls. Hin und wieder merkt man schon, dass das Format nicht ganz neu ist. Aber die Dreistigkeit, mit der Prowse und Rubinstein bei Tony Blairs Wohnung auflaufen, um eine Hinterglasmalerei vom „heiligen Tony“ über seiner Tür anzubringen (die sie im Zuge ihrer Kampagne für die Heiligsprechung von Tony Blair haben anfertigen lassen), ist sehr lustig. Überhaupt ist es meistens komisch, wenn die Polizei kommt, wie etwa zum Sitz des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, vor dem eine Meute „holländischer“ Partypeople Einlass begehrt zum SM- und Bondage-Club, von dem sie schon so viel gehört haben. Oder wenn die Polizei schon da ist und mitten während Occupy-Demos dumme Fragen beantworten muss, die ihnen ein extrem konservativer, sensationsgeiler Reporter stellt. Sein Name: Dale Maily.

Über „The Revolution Will Be Televised“ werden sich vor allem die freuen, denen das „post“ in „postmoderne Satire“ auf die Nerven geht. Geeignete Ziele für Satire gibt es mehr denn je.

Können Tiere lustig sein?

29. Januar 2010 3 Kommentare

Clipshows genießen zu Recht den schlechten Ruf billig produzierter Fernseh-Dutzendware: Es gibt sie schon, seit Videokameras so günstig wurden, daß der Durchschnittsverdiener sich eine leisten konnte – also etwa seit Martin Luther, der nur zufällig nicht dabei gefilmt worden ist, wie er sich ordentlich auf den Daumen gehämmert hat, als er seine Thesen an die Kirchentür nageln wollte. Alle anderen Mißgeschicke von kleinen Kindern, Sportlern, Tieren und Autofahrern aber sind auf VHS bzw. seit dem Ersten Weltkrieg zusätzlich digital dokumentiert worden und werden seitdem auf diversen Fernsehkanälen regelmäßig verklappt. Damit auch der dümmste Zuschauer merkt, daß da ohne jeden finanziellen Aufwand Sendezeit gefüllt werden soll, bemühen sich die meisten Shows dieser Art, auch für Moderatoren, Off-Sprecher, Kulissen und Autoren möglichst kein Geld auszugeben.

Dabei ließe sich selbst aus einem ermüdenden Format wie diesem noch etwas machen. Man müßte lediglich die von Zuschauern hausgemachten Wackelfilmchen durch sagenwirmal hübsch gefilmte BBC-Wildlife-Aufnahmen mit Gorillas, Haien, Pandas und Pinguinen ersetzen und ein paar talentierte Comedians damit beauftragen, sich komische Synchronisationen für die Viecher auszudenken. Wie komisch könnte diese Show sein!

Ohne weiteres ließe sich ein Running Gag denken, bei dem ein Murmeltier immer und immer wieder seinen Kumpel Alan ruft, einige Dachse, die sich geschäftig am Bauch kratzen, was mit entsprechenden Soundeffekten sehr nach dem Scratchen von Hip-Hop-Platten aussähe, oder eine Gruppe von Haien, die ihre Mäuler zu »Bohemian Rhapsody« auf- und zuklappen. Pupsende Gorillas, Frösche, die ein Unterwasserorchester dirigieren, Talentshows mit Pinguinen – alles wäre möglich! Habe ich schon das Murmeltier erwähnt, das »Alan« rufen könnte, »Alan! Alan! Alan! Alan! Alan«?

Natürlich würde diese Show auch davon profitieren, daß verblüffendes Filmmaterial zum Einsatz käme, wie man es auch in aufwendigen Dokumentationen findet: von seltenen Echsen, ungewöhnlichen Raupenprozessionen durch die Wüste oder miteinander rangelnden Giraffen. Wenn man dann noch ein paar prominente Gastsprecher auftriebe, vielleicht Tom Jones, Stephen Fry und Ozzy und Sharon Osbourne – fertig wäre eine familienkompatible BBC1-Samstagnachmittagsshow namens »Walk On The Wild Side«, die man ab Februar auf DVD per Import ordern könnte. Ein Traum!

Zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 2/2010.

Leider ist der Erscheinungstermin der DVD auf unbestimmt verschoben; möglicherweise, weil sie zu Beginn der zweiten Staffel „Walk on the Wild Side“ herauskommen soll.

Nighttime… Daytime! Nighttime…

11. September 2009 Keine Kommentare

Ach, lustige Tiere! Ich krieg einfach nicht genug davon.

„Walk on the Wild Side“, so lustig.

Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan!

24. August 2009 3 Kommentare

Ich stehe ja auf diese YouTube-Tierfilmchen mit lustigen Katzen, Papageien, Schimpansen und all dem anderen Getier, und auch bei der ansonsten weitgehend unerträglichen „Ups!“-Pannenshow bleibe ich immer wegen der Schnipsel hängen, in denen Tiere vorkommen (na ja, und Kinder). Darum mag ich auch Walk on the Wild Side (BBC1, Samstags, 17.05 Uhr), die Tier-Clip-Show des noch vergleichsweise jungen Stand Up-Comedians Jason Manford (28). Auch wenn sich die Clips (und Witze) der ersten Folge merkwürdigerweise in der zweiten schon wiederholt haben. Mal sehen, was noch kommt — hoffentlich noch so komische Sachen wie der Gorilla…

…die „Penguin’s Got Talent“-Show…

…und die Murmeltiere. Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan!