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Artikel Tagged ‘George A. Romero’

Zombies FTW!!

Muß ich erst was über „Shaun of the Dead“, „Dead Set“, meine Vorliebe für die Melange von Comedy & Horror sowie Pegg/Frostsche Cameos in Romero-Filmen schreiben, um ein dünnes Alibi dafür zu haben, hier den „Zombieland“-Trailer zu zeigen? Nö, oder?

Top-Plakat auch!

UPDATE

Wie es der Zufall will, gibt’s sogar noch eine Rechtfertigung für diesen Eintrag: Nämlich daß offenbar auch im Vereinigten Königreich ein weiterer komischer Zombiefilm in der Mache ist, für den Noel „Mighty Boosh“ Fielding den König der Zombies geben wird: „I Spit On Your Rave“. Ich bin gespannt.

Dead Brother

1. Dezember 2008 3 Kommentare

Das Reality-TV-Format „Big Brother“, so out es hierzulande ist, erfreut sich in Großbritannien nach wie vor großer Beliebtheit. Neun Staffeln sind dort schon auf Channel 4/E4 gelaufen, moderiert von Davina McCall (die älteren Zuschauern noch aus den frühen Jahren des deutschen MTV bekannt sein könnte). In eben diesem Setting, dem „Big Brother“-Haus, mit einigen echten ehemaligen Kandidaten und mit Davina McCall (als Moderatorin) hat nun Charlie Brooker für Channel 4/E4, ja, genau: eine Zombieserie gedreht.

Und „Dead Set“ ist bei Gott keine Parodie geworden, weder auf „BB“ noch auf Zombiefilme, sondern ein waschechter Horror-Thriller. Da laufen echte Romero-Zombies herum, heutigen Maßstäben entsprechend so fix wie die Untoten aus „28 Days Later“ und gefilmt im Stile von „24“. Sie sind überall, ganz England ist menschenleeres Ödland – nur die Insaßen des „Big Brother“-Containers haben überlebt und müssen nun zusammenarbeiten, um der Plage standzuhalten. Obwohl sie genau so gecastet wurden, daß sie sich gegenseitig hassen.

Spätestens hier wird, so apokalyptisch die Szenerie anmutet, der satirische Twist klar, den Brooker, wie er freimütig zugibt, bei Georg A. Romeros „Dawn Of The Dead“ abgekupfert hat. Dort war es ein Kaufhaus, in dem sich die Überlebenden verschanzten, und zwar mit durchaus kapitalismuskritischer Absicht des Regisseurs. Hier zielt Brooker auf die Auswüchse der Mediengesellschaft, und so gucken die „Big Brother“-Kandidaten überrascht, als sich herausstellt, daß das, was sie für Fangeschrei vor dem Container hielten, zwar tatsächlich Fangeschrei war, aber kein freudiges. Zombies, die wie hypnotisiert auf Regiemonitore und durch Einwegscheiben glotzen, weil sie nicht an die „Big Brother“-Stars herankommen, sorgen ebenso für satirisch-komische Momente wie die Containerinsaßen selbst, die zunächst gar nichts von der Katastrophe mitbekommen, dann aber als erstes fragen: „Bedeutet das, daß wir gar nicht mehr im Fernsehen sind?!“

Für mich zählt „Dead Set“, das in England in den Tagen vor Halloween ausgestrahlt wurde und seit Anfang November auf DVD erhältlich ist, zu den Fernsehhöhepunkten des Jahres, und sollten Sie mit dem Gedanken spielen, sich die Serie zuzulegen, besorgen Sie sich doch gleich noch „Nathan Barley“, das ebenfalls von Brooker (und Chris Morris) stammt und zu den bösesten und schwärzesten Medien-Sitcoms aller Zeiten zählt.

(zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 12/2008)

RomComZom

Mit dem Zombiefilm scheint auch prompt seine Parodie aus dem Grab gestiegen zu sein: Kaum waren Danny Boyles „28 Days Later“ und das Remake von „Dawn of the Dead“ aus den Kinos, floppte in Deutschland der Pennälerstreifen „Die Nacht der lebenden Loser“, während wer mal wieder alles richtig machte? Natürlich, die Briten.

„Shaun of the Dead“ (deutscher Kinostart: 30.12.) heißt der Überraschungs­erfolg von Regisseur Edgar Wright, laut Original-Untertitel eine „Romantic Comedy – with Zombies“ (oder eben RomComZom), die dank origineller Regie-Ideen, einer klug konstruierten Geschichte und glaubwürdigen Schauspielern sowohl eingefleischte Horrorfans als auch Komödienfreunde bestens unterhält. Hauptfigur Shaun nämlich ist eine 1a-Identifikationsfigur für jeden Zombiefilmgucker: Um die dreißig, mit einem perspektivlosen McJob, einer Freundin, die ihn schließlich verläßt, weil sie von einer Beziehung mehr erwartet als jeden Abend im gleichen Pub zu sitzen, und einem dicken Buddy der noch weniger erreicht hat im Leben als er selbst. Ein nicht mehr ganz junger, eher ambitionsloser Mann an der Schwelle zu einer ernsten Lebenskrise also, der er aber mit ausgiebigem PlayStation-Spielen und Alkoholzufuhr mehr oder weniger erfolgreich aus dem Weg zu gehen versucht. Daß in dieser Situation eine ausgewachsene Zombie-Plage über die Stadt hereinbricht, entspricht perfekt der Struktur des klassischen Zombiefilms, und daß Shaun auch diese Krise zu bewältigen versucht, indem er auf seine klassische Problemlösung zurückgreift und sich in seiner Stammkneipe verschanzen will, ist zwar komisch, bricht das Genre aber nicht – und das ist auch besser, denn so funktioniert der Film in doppelter Hinsicht. Je besser man das Genre kennt, desto reicher die Belohnung für den Zuschauer, denn Anspielungen auf und Zitate des klassischen Untotenfilms fehlen ebenso wenig wie, für den deutschen Kinogänger natürlich weniger relevant, diverse Cameo-Autritte britischer Comedy-Prominenz.

Das Team aus Regisseur Wright und den Hauptdarstellern Simon Pegg (in der Rolle des Shaun), Nick Frost und Peter Serafinowicz funktioniert auch deswegen so gut, weil es reichlich Gelegenheit hatte zu üben: Die Figurenkonstellation, der clevere Umgang mit Versatzstücken populärer Filmgenres, die gut geerdeten Storys, die Glaubwürdigkeit des ganzen Unternehmens ist über zwei Staffeln einer preisgekrönten TV-Sitcom namens „Spaced“ erprobt, die jedenfalls via Import auf DVD erhältlich ist, dito „Shaun of the Dead“; eine überlegenswerte Anschaffung, denn die deutsche Synchronisation dürfte nicht annähernd auf dem Niveau des Films sein. Der sollte in Deutschland ursprünglich nur auf DVD erscheinen und ist, so steht zu vermuten, mit entsprechend niedrigem Budget nachvertont worden. Wright und Pegg, die übrigens auch das Autorenteam bilden, arbeiten schon am nächsten Film und haben bereits Cameo-Auftritte in „Land of the Dead“ absolviert, den wiederum Zombie-Gottvater George A. Romero gerade dreht, und Danny Boyle werkelt bereits an „28 Weeks Later“ – dem horror- und comedyaffinen Kinogänger stehen also auch 2005 goldene Zeiten bevor.

(zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 1/2005)