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Will they never leave?

Nun ist die League of Gentlemen umgezogen: Von Royston Vasey (Grußschild am Ortseingang: „You’ll never leave“) nach „Psychoville“ (BBC2, donnerstags). Bislang (zwei Folgen) kein sehr weiter Umzug: Auch in Psychoville begegnen wir wieder inzestuösen Hinterwäldlern, amtlichen Irren und dem typischen Pemberton-Shearsmith-Gatiss-Humor zwischen Goth-Horror und „Little Britain“-Nonsens.

„Psychoville“ allerdings geht einen Schritt weg vom „League of Gentlemen“-Realismus und sieht bislang aus, als ob Stephen King sich an einer Comedy probiert hätte: Eine illustre Runde grotesker Figuren erhält von unbekannter Seite Drohbriefe — in der ersten Folge schön auf Büttenpapier abgefaßte und versiegelte Briefe mit den Worten „I know what you did“, in der zweiten Folge schon persönlichere Botschaften mit den Worten „You killed her“. Die Adressaten sind der böse Clown Mr. Jelly (Reece Shearsmith), der bei seinen Auftritten im Clown-Leichenwagen vorfährt und Kinder mit seinem Armstumpf erschreckt, ein offenbar direkt aus Royston Vasey stammendes und inzestgezeichnetes Mutter-Sohn-Duo (Steve Pemberton und Shearsmith), das sich für Serienkiller begeistert, ein ungepflegter blinder Millionär, der Plüschfiguren sammelt (Pemberton), eine psychotische Hebamme, die permanent eine Babypuppe mit sich herumträgt und diese für ein echtes Baby hält (Dawn French), und ein kleinwüchsiger Schauspieler, der sich vom Schneewittchen aus seinem Theaterensemble permanent sexuell demütigen läßt („you’re giving it to her — all both inches!“).

Mr. Jelly in action:

Was genau diese Geisterbahngestalten getan haben, in welcher Verbindung sie stehen und wer der geheimnisvolle Erpresser ist, ist noch keineswegs klar; klar ist allerdings: die Begeisterung von Zusehern und Presse ob des neuen LoG-Projekts ist groß und wird durch virale Sperenzchen wie eigenen Internetseiten der Figuren auch von Seiten der Produzenten befeuert (eine schöne Übersicht hat der Comedy-Guide im Angebot). Ein noch kommender Gastauftritt von Mark Gatiss wird ebenso vorab bejubelt wie die Ankündigung, die letzten beiden Folgen seien praktisch in einem Take gedreht, und man kann der Serie durchaus zugutehalten, daß sie überdurchschnittliche Schauwerte hat, wie „The League of Gentlemen“ ja auch.

Mutter und Sohn Sowerbutts und ihre Serienkillerbegeisterung:

Meins, man ahnt es vielleicht schon, ist es trotzdem mal wieder nicht. Wie schon bei „League of Gentlemen“ (und auch bei „Little Britain“) kann ich einfach nichts mit diesen Provinzbeschimpfungen anfangen, die sich über tumbe bis bösartige Hillbillies lustig macht. Degeneration allein finde ich zu wenig Fallhöhe für eine Sitcom. Und das Rezept Comedy plus Horror geht in meinen Augen gar nicht: So lange die Comedy im Vordergrund steht, finde ich den Horror keinen Millimeter gruselig. Ganz im Gegensatz, natürlich, zum umgekehrten Rezept Horror plus Comedy: „Dead Set“ finde ich sensationell, weil comic relief nach oder in packenden Horror-Szenen immer funktioniert.

Andere mögen das aber anders sehen, und vielleicht sogar auf Pro7, die schließlich „The League of Gentlemen“ auch schon ausgestrahlt haben (die entsprechenden DVDs gibts also auch auf deutsch).

  1. svengali
    30. Juni 2009, 14:21 | #1

    Kleine Spitzfindigkeit am Rande: Nur der blinde Millionär und der einarmige Clown sind aus dem Norden Englands, die anderen kommen aus dem Süden. So richtiges englisches Hillbilly County ist eigentlich auch nur Yorkshire, wo der Millionär wohnt, aber das ist vielleicht Geschmacksache.

    Ich fand die ersten Folgen gar nicht so schlecht, nichts Überraschendes nach LoG zwar, aber im Unterschied zu Little Britain liebevoller und mit einer verqueren, aber echten Begeisterung für das Original-Genre.

  2. 1. Juli 2009, 11:28 | #2

    danke, habs korrigiert!

  3. Dashcroft
    1. September 2009, 12:25 | #3

    „Psychoville“ hätte, nach „Murder Most Horrid“, „Spaced“, „Dr. Terrible’s House of Horrible“, „Funland“ und „The League of Gentlemen“, wirklich nicht auch noch sein müssen, zumal in dieser an Popkulturreferenzen wahrlich nicht armen Zeit, von den etwa 2000 einschlägigen Genrefilmpersiflagen gar nicht zu reden. Trotz allem Aufwand, der hier offenbar betrieben wurde (wie die Produzenten und Mitwirkenden ja auch nicht müde wurden kundzutun), scheitert „Psychoville“ letztlich an dem Vorhaben, Horror, Suspense/Thriller, Panto und Sitcom auf halbwegs glaubhafte – und unterhaltsame – Weise zusammenzuführen, und verzettelt sich statt dessen in Firlefanz. Auf jeden guten, witzigen Einfall kommen zehn müde Höhöhö-Gags und doppeldeutige Albernheiten, die auf die Dauer doch arg erschöpfen und in ihrer schieren Menge jegliche aufkommende Spannung im Keim ersticken.

    Die vierte Folge mit dem vorab gefeierten Gastauftritt von Mark Gatiss ist zugegeben eine technisch brillant umgesetzte, wie ihr Vorbild in zwei längeren Takes gedrehte Hommage an Hitchcocks „Rope“. Gewiß – und dennoch bleibt bei alldem doch auch ein schaler Nachgeschmack von Gefallsucht und Strebertum. Dieser übertriebene Ehrgeiz, alles auf einmal und noch einiges mehr sein zu wollen, der schon dem Weihnachtsspecial und der dritten Staffel von „The League of Gentlemen“ und erst recht dem grotesk mißlungenen Kinofilm „The LOG’s Apocalypse“ so schlecht bekommen war, hat mir denn auch einen Großteil der Serie verleidet.

    Die zahllosen Ungereimtheiten, die flachen, schlüpfrigen Witzchen und Minisketche, die längst von anderen Autoren abgefrühstückten Anspielungen auf Klassiker wie „Psycho“, „Carrie“, „Child’s Play“, „Freaks“ und „One Flew Over the Cuckoo’s Nest“ und das haarsträubend kalkulierte Ende der letzten Folge, das zu verraten ich mir gerade noch verkneifen kann, taten ein Übriges.

    Ach, und daß dem ausgesucht törichten, an „Royston Vasey“ gemahnenden Titel „Psychoville“ jeglicher Bezug zum Inhalt der Serie fehlt, kann da auch fast nicht mehr überraschen.

  4. Kenny von Spenny
    2. September 2009, 09:53 | #4

    Großartige Sendung! Hoffentlich folgen bald neue Folgen. Und vielen Dank auch für den Tip hier im Blog,
    hätte „Psychoville“ sonst womöglich niemals zu sehen gekriegt.

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