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Hit & Mister Bishop

1. August 2009 1 Kommentar

Sketchshows sind naturgemäß knifflig: Wenn man, wie der Kollege Murmel mal erzählte, für eine Show hunderte und aberhunderte Sketche schreibt, ist es ja naheliegend, daß nicht alle so funktionieren, wie man sich das vorstellt — dafür gibt es auf dem Weg von der Idee bis zum ausgestrahlten Witz einfach zu viele Möglichkeiten des Mißlingens. 40 bis 50 Prozent Treffer sind da schon sehr gut.

So gesehen ist die neue „Kevin Bishop Show“ (Channel 4) mit gefühlten 60 Prozent gelungenen Gags ganz gut gestartet (als Hugh „House“ Laurie ist Bishop allerdings etwas zu zappelig): Mit sehr komischen Scherzen über „Nixon/Frost“-Variationen, „Real Life Film Remakes — Classic Films with much more realistic plots“ (feat. „Real Life Night at the Museum“: „What was that noise?! — Ah, it was the pipes. It’s a fucking boring job“), und einer sehr lustigen Variante von Comedy-Neuauflagen, wie sie die jüngste „Reggie Perrin“-Verfilmung mit Martin Clunes vorgemacht hat: „Horne & Corden in ‚On The Buses'“. Sehr gut getroffen, die „Gavin & Stacey“-Stars, deren eigene Sketchshow „Horne and Corden“ wirklich unterirdisch war. Ganz im Gegensatz zu der Bishops, jedenfalls wenn man die Vorlagen seiner Parodien kennt. So wie bei der recht vergleichbaren deutschen Sketchshow „Switch“ halt auch.

Kein Empfang

Jede Fernsehshow braucht das gewisse Etwas: Einen Clou, der sie von allen anderen Shows unterscheidet und einzigartig macht. Und jeder Blogeintrag hier braucht etwas, das über die reine Kritik („hat mir gut gefallen“) hinausgeht und ihn idealerweise auch dann lesenswert macht, wenn man die Show selbst nicht gesehen hat. Bei „No Signal“ (FX, mittwochs) fällt mir so ein Text schwer, möglicherweise, weil sie das gewisse Etwas eben nicht hat: zu viel Ähnliches habe ich schon gesehen, sei es „Broken News“ oder die „Kevin Bishop Show“, die alle von kurzen, schnellen Fernsehparodien leben, wie sie hierzulande von „Switch“ sehr hübsch betrieben werden. „No Signal“ tut so, als zappe jemand mit ADS durch etwa 3876 digitale Kanäle und bliebe dabei hie und da hängen, etwa bei „America’s Next Serial Killer“ oder der „100 Greatest 100 Greatest TV Moments Show Show“, bei der auf Platz 100 die „100 Greatest Cheese on TV Moments“-Show liegt, zwischendurch läuft russisches Homeshopping etwa für russische Bräute oder DVD-Werbung für Actionfilme („Plotless II“). Optisch ist das alles prima, vermutlich weil die beiden Köpfe hinter der Show, Pete Cain und Louis Bogue, aus der Werbung kommen; wirklich komisch aber ist es nur hin und wieder (nämlich etwa „American’s Next Serial Killer“).

„No Signal“ ist in England lediglich deshalb aufgefallen, weil es die erste britische Eigenproduktion des Fox-Ablegers FX ist, der in Großbritannien seit fünf Jahren digital empfangbar ist, und daß ich dennoch hier darüber berichte, hat nur einen Grund: Die schöne Homepage der Serie, die es dem Betrachter unter nosignaltv.com ermöglicht, selbst durch etliche der Sketche durchzuzappen und sich so ein Bild zu machen. Wer auf TV-Parodien dieser Art steht (und ein bißchen Ahnung von britischem Fernsehen hat, das da parodiert wird), greife aber lieber zur oben schon empfohlenen „Kevin Bishop Show“; Kevin Bishop selbst hat schon als Mitglied des „Star Stories“-Ensembles Meriten erworben.