Archiv

Autor Archiv

Schlittenfahren mit der Polizei

17. Januar 2010 3 Kommentare

Daß es englische Polizisten mit Humor gibt, weiß ich schon seitdem ich als Schüler mal zum Sprachunterricht auf der sympathischen Insel war. Da wollte ich von der gegenüberliegenden Straßenseite aus ein Foto von dem Haus machen, in dem ich zu Gast war, und ließ erst den Bobby vorbei, der gerade angeradelt kam — schließlich wußte ich aus Antifazeiten, daß Polizisten für gewöhnlich nicht darauf stehen, fotografiert zu werden. Ich also drückte ab, der Bobby drehte sich um, rief mir fröhlich „You missed me!!“ zu und fuhr weiter.

Der Bobby im nachfolgenden Film aber, der da lustig auf seinem Schutzschild einen Rodelhang in Oxford hinunterfährt, mußte sich anschließend von seinem Vorgesetzten ermahnen lassen, daß „Rodeln im Dienst unter Verwendung von Polizeiausrüstung und auf Kosten des Steuerzahlers“ keine gute Idee sei. Wie humorlos!
https://www.youtube.com/watch?v=VMPROa70RJg&hl=de_DE&fs=1&

(via Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

KategorienAllgemein Tags:

Neue Helden

14. Januar 2010 10 Kommentare

Der Serienansatz ist nicht neu: Gewöhnliche Menschen, die plötzlich die Fähigkeiten von Superhelden haben, das gab es schon in „Heroes“ und „The 4400“. Aber „Misfits“ (E4 2009), die britische Variante des Themas, ist besser, weil es typisch englisch ist: einen Ticken dreckiger — und zwei lustiger.
https://www.youtube.com/watch?v=dkL6AOFgmls&hl=de_DE&fs=1&

Sie sind die letzten, von denen man sich retten lassen würde, und sie haben auch nichts dergleichen vor: fünf straffällig gewordene Jugendliche reißen ihre Sozialstunden in einem pittoresk desolaten Industriestadtviertel herunter. Großmaul Nathan wird von seiner Mutter vor die Tür gesetzt und ist damit obdachlos, Supernerd und Brandstifter Simon hat den flackernden Blick eines jungen Klaus Kinski, Vorstadtschlampe Kelly gibt sich als die Billigversion von Katie Price (falls das überhaupt vorstellbar ist), Partygirl Alisha ist beim Autofahren unter Alkoholeinfluß erwischt worden, und der Schwarze Curtis hat sich eine hoffnungsvolle Sportlerkarriere durch Drogenhandel versaut. Nun müssen sie Parkbänke streichen und Senioren die Langeweile bei Kaffee und Kuchen vertreiben — und nach einem mysteriösen Gewitter, bei dem sie beinah von koffergroßen Hagelkörnern erschlagen werden, auch noch mit merkwürdigen Begabungen umzugehen lernen, die einer nach dem anderen an sich feststellt: Kelly kann Gedanken lesen (die meistens nicht sehr schmeichelhaft für sie sind — sogar ihr Hund schlabbert ihr erst das Gesicht ab und denkt dann: Wenn die wüßte, daß ich mir gerade die Eier geleckt habe…), Simon wird hin und wieder unsichtbar, ohne diese Gabe aber steuern zu können, und Curtis hat in besonderen Momenten Flashforwards (bzw. kann tatsächlich in der Zeit zurückreisen und die Gegenwart verändern). Ihr Problem: Nicht nur sie haben durch das Gewitter merkwürdige Befähigungen erhalten…

Spoilers ahead, darum hier mein Tip: Wer dieses düster-komische Jugenddrama im Stile von „Skins“ mit allen überraschenden Wendungen sehen möchte, sollte lieber bestellen statt weiterzulesen.

Mehr…

KategorienComedyDrama Tags: , , ,

Go on, go on, go on, go on, go on!

10. Januar 2010 7 Kommentare

Eine gute Nachricht für alle Fans von Victoria Pile und „Green Wing“: „Campus“, Piles jüngster Pilot, erhält eine eigene Serie. Das behauptet der British Comedy Guide, allerdings ohne Angabe von Quellen. Ganz egal, wie sehr sich Pile selbst plagiiert, indem sie das nicht mehr ganz frische Konzept von „Green Wing“ einfach auf die neue Serie überträgt und nur den Schauplatz von Krankenhaus auf Universität verlegt — ich werde es gerne sehen. Habe ich doch festgstellt, daß ich sogar das (auch ansonsten schöne) ComedyDrama „Teachers“ schon wegen seiner „Green Wing“ nicht ganz unähnlichen surrealen Momente gerne sehe, die dort aber sehr viel seltener sind als bei „Green Wing“ — mit Messerspitzen dosiert statt mit Schöpfkellen, sozusagen.

Die „Gavin and Stacey“-Macher haben prophezeit, daß trotz des offiziellen Serienendes womöglich weitere Folgen der allzu romantischen Comedy produziert werden könnten: 140 000 Freunde hat die Fortsetzungs-Petition schon bei Facebook (wo ich allerdings mindestens zwei Gruppen mit je 194 000 und 379 000 Mitgliedern sehe), zumindest ein weiteres Weihnachts-Special dürfte gesichert sein — in dem Stacey, zu Serienende schwanger wie ich es schon geahnt hatte, ihr Kind dann bereits haben dürfte, o je.

Weitere Folgen wird es außerdem geben von Miranda Harts Tollpatschcom „Miranda“ sowie von Charlie Brookers Panel Show „You Have Been Watching“.

Eddie Izzard über alles

8. Januar 2010 2 Kommentare

Nein, er zieht sich nicht aus. „Stripped“ heißt das jüngste Programm des britischen Stand Up Comedian Eddie Izzard, das nun auf DVD erschienen ist, weil er auf Drag-Fummel und High Heels verzichtet und das Bühnenbild ein bißchen reduzierter hat gestalten lassen. Die hohen Absätze hätten ihn zuletzt in seiner Bewegungsfreiheit zu sehr eingeschränkt, erzählt Izzard, nun könne er wieder über die Bühne flitzen. Das entspricht auch seinem Vortrag: Die freien Assoziationsketten, die seine Comedy prägen, kreisen in „Stripped“ um alles von den Anfängen der Menschheit bis heute, um Wissenschaft und Gottesbegriff („Wissenschaftler haben Bunsenbrenner und Petrischalen und können Glas verbiegen. Religiöse Menschen haben ein Buch.“), Evolution, Wikipedia, Kühe (die über die Jahre offenbar nichts an Faszination für Izzard eingebüßt haben) und Sprache. Scrabble etwa muß während der Steinzeit mehr Spaß gemacht haben als heute:

Man muß schon ein bißchen aufpassen bei Izzard (zum Glück hat die DVD Untertitel [sogar deutsche  sowie rumänische und ukrainische!], was sich auch bei Stand Up-Programmen mittlerweile eingebürgert zu haben scheint) — paßt man eine Sekunde nicht auf, verliert man den Faden, ist man aus seinen rasenden Assoziationsmäandern schnell draußen. Kann man ihnen aber folgen, baut Izzard mit sicherer Hand irre Konstruktionen aus komischen Versatzstücken, entwickelt Running Gags und Referenzen auf Gags, die sich gegen Ende des Programms so verselbständigen und verdichten, daß jeder, der nur die letzte halbe Stunde sieht, ihn (und sein Publikum) für völlig bekloppt halten muß: Das ergibt für jeden, der die ersten 90 Minuten nicht gesehen hat, überhaupt keinen Sinn mehr. Wer aber der Erschaffung dieser Komik-Welt in 12 000 Sekunden beigewohnt hat, liegt, wenn er nicht sehr aufpaßt, vor Lachen auf dem Boden.

KategorienStand Up Tags: ,

Neogierig auf 2010

5. Januar 2010 9 Kommentare

Aua, aua, das neue Jahr fängt ja mit einem schön beschissenen Wortspiel an. Neugierig bin ich aber tatsächlich auf die Pläne, die ZDFneo für dieses Jahr hat. Hat der Sender, der Fernsehen für Leute macht, die nicht mehr fernsehen, doch nun nach „Taking the Flak“ eine weitere, ebenfalls recht junge BBC-Britcom: „Free Agents“, bei ZDFneo „Free Agents — Zweisam einsam“ (ab übermorgen immer donnerstags um 22.30 Uhr). Immer noch im Angebot hat der Spartenkanal außerdem „30 Rock“ (mittwochs ab 22.30 Uhr in Doppelfolgen) und „Seinfeld“ (wochentags ab 14.30 Uhr ebenfalls im Doppelpack), zwei weitere gute Argumente, dort mal vorbeizuschauen.

Bislang habe ich noch nicht recht viel gesehen dort außer einer Folge „30 Rock“, die mir immerhin solide synchronisiert schien. Daß aber zum einen die Originaltitel der britischen/amerikanischen Serien erhalten geblieben sind und daß vor allem die Comedy-Programmierung auf 22.30 Uhr (Mi. und Do.) offenbar durchgehalten wird und man so verläßlich einfach einschalten kann, um mal zu sehen, was da kommt: das bringt ZDFneo zwei dicke Sympathiepunkte ein. Wenn sich erweisen sollte, daß es sich tatsächlich ein öffentlich-rechtlicher Sender zur Aufgabe gemacht hat, seinem Publikum intelligente britische Sitcoms anzubieten, die die Privaten nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden, und das womöglich sogar mit einer anständigen Synchronisation, dann kriegt ZDFneo auf meiner Fernbedienung einen Ehrenplatz.

(Hier übrigens das Programm dieser Woche als.pdf.)

Weihnachten mit der Familie

29. Dezember 2009 Keine Kommentare

Die Christmas Specials britischer Sitcoms sind, um den Scherz aus meinem eigenen Glossar zu wiederholen, perfekt für Menschen, die Weihnachten gerne mit der Familie verbringen, so lange es nicht die eigene ist: Eine mal 45minütiges, mal 60minütiges Bonus-Episode mit den bekannten Serienfiguren, die hier aber die Möglichkeit erhalten, die Routine der Serie zu verlassen — um außergewöhnliche Orte aufzusuchen, (prominente) Gäste zu laden oder Aspekte der Charaktere zu zeigen, die sonst nicht so deutlich herausgearbeitet sind.

Im Falle der charmantesten Fernsehfamilie der letzten Jahre, den Brockmans aus „Outnumbered“, bedeutet das Special vor allem: daß die Kinder ein bißchen nervtötender sind als sonst, die ohnehin so aufdringliche wie verzweifelte Freundin der Familie Jane, Mutter von Karens Freundin Alexa, ist noch ein bißchen aufdringlicher und verzweifelter, schließlich hat ihr Mann über Weihnachten das Sorgerecht für Alexa per Anwalt eingefordert, und der demente Großvater ist so unzertrennlich mit einem gleichfalls höchst senilen Heimmitbewohner, daß der auch noch eingeladen werden muß — und sich später als breitestes Schottisch sprechender ehemaliger Sicherheitsfachmann entpuppt, bzw.: „Ich war zehn Jahre Security-Mann. Davor war ich 20 Jahre lang Einbrecher.“

https://www.youtube.com/watch?v=O-xn17G_Hck&hl=de_DE&fs=1&

Eine hübsche Pointe, denn wir treffen die Brockmans zu Beginn des Specials dabei an, wie sie eine Liste aufstellen, was bei dem Einbruch weggekommen ist, dem sie zum Opfer gefallen sind: dies und das, und vielleicht, so überlegen Pete und Sue leider ein bißchen zu laut, auch noch Sues Schmuck, den sie ja damals nicht von der Versicherung ersetzt haben wollte. Das wäre natürlich eine Lüge, und nicht nur die siebenjährige Karen kann ihre Eltern nun mit einer Diskussion über Lügen und wann sie gerechtfertig sind verwickeln, auch Jake nutzt die Schwindelei als Steilvorlage für seine Argumentation über illegale Musikdownloads. Die damit endet, daß Liam (oder Noel?) Gallagher schließlich gesagt hätte, er gäbe sein Geld für Drogen aus, was ja nichts anderes bedeute als daß jeder, der eine Oasis-CD kauft, damit direkt Drogenkonsum fördere.

Daß die Kinder anstrengender sind als sonst, verzeiht man aber: ist ja auch nur realistisch, an Weihnachten. Und lustig ist es immer noch, nicht zuletzt weil etwa Karen ja auch immer recht hat. „A Christmas Carol“ etwa lehnt sie ab, schließlich mache ein Tag gutes Benehmen ja nicht tausend Jahre Mißgunst wett. Und wenn Hitler nach seinen Untaten versprochen hätte, von nun an bis an sein Lebensende gut zu sein — hätte man ihm verziehen?!

Das „Outnumbered“-Weihnachtsspecial erscheint am 18. Januar auf DVD.