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Artikel Tagged ‘Breaking Bad’

Ins Sofa gebissen

hätte ich beinahe während der letzten Folge „Breaking Bad“ (S03E07): so spannende Unterhaltung, so clevere Twists, so hervorragend inszenierte Action — das gibt es selten. Wie Dan Owen in seinem Blog bemerkt (Achtung, Spoiler!!), ist das der Grund, die lange Form (45 Min.) der Gattung Serie zu mögen: Weil sie es erlaubt, Charaktere lange einzuführen und präzise zu beschreiben — so lange, bis man sich als Zuschauer derart mit ihnen identifiziert, daß einem fast das Herz stehenbleibt, wenn sie so in Schwierigkeiten geraten wie hier.

Ohne allzu viel zu verraten: Es ist der DEA-Agent Hank Schrader (Dean Norris), der in dieser Folge im Mittelpunkt steht; seine Figur ist über die letzten Episoden in ihrer ganzen Zerissenheit zu einer der interessantesten geworden. Aber auch Aaron Paul (als Jesse Pinkman) brilliert in dieser Folge und empfiehlt sich, das sieht Dan Owen ganz recht, nun endgültig für einen Emmy. Würde mich nicht wundern, wenn nicht nur er, sondern die ganze Serie mit Preisen überschüttet würde dieses Jahr.

Mas, mas, mas

22. April 2010 6 Kommentare

„Mas“, „mehr“, war der Titel der letzten Episode „Breaking Bad“ (S03E05), mit der die Serie endgültig bewiesen hat, daß auch die dritte Staffel qualitativ nicht hinter der phantastischen ersten und sehr guten zweiten Season zurücksteht. Die erste Folge der aktuellen Staffel hieß „No mas“, und der Andeutung einer Kehrtwendung folgt ebendiese: Sogar zwei schön vorbereitete und inszenierte Wendepunkte, nach denen gleich drei Figuren und ihre Storys überraschende neue Richtungen einschlagen. Starke Richtungswechsel kurz vor Halbzeit der Staffel (mit insgesamt 13 Episoden): Respekt, das ist sehr gut. So gut, daß ich erst nach dem Klick auf „Mehr“ spoilern möchte.

Mehr…

Yeah, yeah, yeah: „Breaking Bad“ is back

22. März 2010 17 Kommentare

Das ist die gute Nachricht der Woche: „Breaking Bad“ geht endlich, endlich in die dritte Staffel, und die zweite ist endlich, endlich auf DVD raus. Wer keine Ahnung hat, wovon ich spreche, bestelle sich bitte ohne weitere Fragen die erste Season und lasse sich von Bryan Cranston und Aaron Paul als oddest couple der Drogenkriminalität wegblasen. Beide DVD-Boxen sind übrigens inklusive deutscher Synchronisation, weil „Breaking Bad“ hierzulande unter Ausschluß der Öffentlichkeit auf einem Sender namens AXN (und im Schweizer Fernsehen) gelaufen ist.

Hier zum Anfixen nochmal die erste Szene der ersten Folge, die der Guardian zur besten ersten Folge aller Zeiten gekürt hat.

Interessanterweise ist übrigens auf dem englischsprachigen Markt fast nur die Blue-Ray-Version der zweiten Staffel erhältlich — ich hoffe, diese Unsitte hält nicht auch hier Einzug, daß die Fans monatelang nur die viel teurere Blue-Ray-Discs kaufen können, bevor endlich reguläre DVDs von Serien erscheinen.

The best first episodes ever

7. November 2009 7 Kommentare

…fragt heute der Guardian ab und schlägt „Breaking Bad“ vor — eine Wahl, der ich mich ohne weiteres anschließen würde. Noch vor „24“, „Lost“ und „Prison Break“. Welche Sit- oder Britcom hat schon mit der ersten Folge so fulminant begonnen, daß man sich immer an sie erinnern wird? „Father Ted“? „I’m Alan Partridge“? „Spaced“? Oder gilt doch die alte Regel, daß bei Sitcoms oft die zweite Folge die erste richtig gute ist, weil man in der ersten so viel Energie darauf verwenden muß, das Setting und die Charaktere zu etablieren, so daß für Scherze, die aus dem Charakter der Figuren hervorgehen, kaum noch Luft bleibt?

Emmily Lame

21. September 2009 2 Kommentare

Die Emmy-Verleihung birgt keine Überraschung: Schon wieder ein Emmy für „30 Rock“, schon wieder keiner für Hugh Laurie. Dabei hat „30 Rock“ den Zenit m.E. schon in der zweiten Staffel überschritten — irgendwie ist das ja immer noch alles gut und schön, aber nicht mehr überraschend und oft auch nicht mehr so stringent erzählt wie in der ersten Staffel.

Der Drama-Emmy für „Mad Men“ geht in Ordnung, auch wenn ich ihn natürlich „Breaking Bad“ verliehen hätte, das hierzulande zwar in der breiten Öffentlichkeit noch immer unter der Wahrnehmungsoberfläche bleibt, aber in DVD-Junkie-Kreisen mittlerweile schon die Ehre erfährt, die ihm gebührt. Gerade habe ich in illustrer kleiner Runde in Wien aus dem Nichts eine schöne (und schon recht betrunkene) Stunde mit mir weitgehend unbekannten Medienmenschen verbracht, die eingeleitet wurde mit dem an mich herangetragenen Geheimtip „Breaking Bad“ — wer mir so kommt, wird natürlich mit Instant-Freundschaft belegt, und sei’s nur für den Abend. Wenigstens hat der brilliante Bryan Cranston den Emmy für Drama-Hauptrolle abgestaubt.

Ich meinerseits werde mich demnächst mal an die Charts meiner Lieblingsserien des letzten Jahres bzw. gleich Jahrzehnts machen — jedenfalls sobald ich die Herbst-Season überblicken kann. Da steht ja einiges auf dem Programm: „Curb“ geht weiter und „The Office“, in England „Peep Show“, und sogar „Doc Martin“ ist wieder da, über den ich noch eine große Lobeshymne schreiben muß, o ja, o mei, wann soll ich eigentlich noch auf die Wiesn gehen?!

1000 ways to use a mobil

10. August 2009 Keine Kommentare

„Breaking Bad“, „Dexter“ und nun „Burn Notice“ (2007 — , USA Network): (Comedy-)Dramas, in denen der Held aus ehrenwerten Gründen Unmoralisches tut, haben offenbar gerade Saison.

In „Burn Notice“ ist es Michael Westen (Jeffrey Donovan), der quasi nebenberuflich Bösewichte jagt, die mit Versicherungen bescheißen und ihre Angestellten dafür hinhängen wollen, Omis um ihr Erspartes bringen oder hilflose Mütter und ihre Töchter bedrohen, die Augenzeugen ihrer Schurkereien geworden sind, und immer sorgt er dabei eher für einen Täter-Opfer-Ausgleich, als die Kriminellen der Polizei zu übergeben.

Hauptberuflich allerdings ist Michael Geheimagent — oder vielmehr: war. Denn er hat, ungünstigerweise mitten in einem Auftrag in Afrika, eine Burn Notice erhalten, quasi die betriebsbedingte Kündigung. Diese bedeutet für Agenten: Sie sind verbrannt, gestrandet ohne Geld und Kontakte, weil ihr Auftraggeber sie vollständig fallen läßt. Sie haben keine Biographie (schlecht für zukünftige legale Jobs). Und sie können, weil sie fortan unter Beobachtung durch die Behörden stehen, sich nicht frei bewegen, sondern sitzen fest, wo sie gerade sind. In Michaels Fall ist das Miami. Dort hat er nur zwei Kontakte, auf die er sich verlassen kann: seine Ex-Freundin Fiona, vormalige IRA-Terroristin, und der Halb-Privatier und ehemalige Spion Sam. Sowie seine Mutter, die ihm gehörig auf die Nerven geht. Zupaß kommen Michael seine Fähigkeiten als Agent: Er kennt alle Taktik-Tricks, und er kann aus handelsüblichen Handys und Baumarkt-Technik praktisch alle basteln: Wanzen, Bewegungsmelder, Wegfahrsperren, Bomben-Fernzündungen, um nur mal eine Handvoll zu nennen. Der staffelüberspannende Story Arc ist klar: Michael muß klären, wer ihn warum verbrannt hat — und wieder ins Geschäft kommen.

„A-Team“ meets „McGyver“ lautet das Prinzip von „Burn Notice“, das streckenweise ganz gut funktioniert: Auf der Haben-Seite stehen trockener Humor, Technik-Sperenzchen vor karibischen Großstadtkulissen, die trotz erkennbar beschränktem Budget hübsch anzusehen sind, und DER B-Movie-Star schlechthin in der Rolle des Sam, nämlich Bruce „Evil Dead“ Campbell.

Dem steht auf der Soll-Seite leider einiges gegenüber: Nämlich z.B. eine Erzählweise, die auch ohne permanentes Voice-over auskommt. Diese ewigen Erklärungen und Kommentare haben mir schon „Arrested Development“ ordentlich verleidet, wenn ich mich recht erinnere. Bei „Burn Notice“ kommen außerdem Einblendungen dazu, die Namen und Funktionen der handelnden Personen erklären — solche Informationen sollten Drehbuch und Regie eigentlich anders zu vermitteln in der Lage sein.

Am Ende des Tages ist „Burn Notice“ dann leider doch arg konventionell gestrickt, „A-Team“ und „McGyver“ dürfen auch bei den Privatdetektiv-Stückchen jeder Episode als Maßstäbe dienen. Und Michael und Fi kommen außerdem leider nicht besonders sympathisch rüber. Da gucke ich doch lieber nochmal beide Staffeln „Breaking Bad“, bevor endlich die dritte anläuft.

Die erste von bisher drei Staffeln „Burn Notice“ soll im Herbst auf Vox ausgestrahlt werden.