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Archiv für April, 2009

Ich bin bafta

27. April 2009 2 Kommentare

bzw. nicht ganz zufrieden mit den diesjährigen Gewinnern des jährlichen Preises der British Academy of Film and Television Arts (gestern abend war die Preisverleihung): Baftas für David Mitchell in „Peep Show“ (Comedy Performance) und „The IT Crowd“ (Situation Comedy) — das sind zwei Baftas für x-te Staffeln mittlerweile doch eher schwächelnder Sitcoms, und null (in Zahlen: zero) Baftas für die in beiden Kategorien ebenfalls nominierten „Outnumbered“ respektive Claire Skinner in ihrer Hauptrolle darin. Shame! Und auch den Bafta für das beste „Comedy Programme“ hätte ich nicht an „Harry and Paul“ vergeben, sondern sicher eher an „Star Stories“. Wo  nicht „The Peter Serafinowicz Show“. Oder, wie es Karen formuliert hätte: „Up your beeping beep beep!“

Die gute Nachricht am Rande: Die zweite Staffel „Outnumbered“ ist noch besser als die erste und wird auf DVD erscheinen! Die schlechte: Allerdings erst im November.

Gäy döts

26. April 2009 2 Kommentare

Universal Pictures haben ein Poster zum „Brüno“-Film von Sacha Baron Cohen veröffentlicht; Filmstart: 10. Jüli. Röck döts sind nun Gäy döts.

Brüno

Brüno - ein töller Typ!

KategorienKomödie Tags: ,

It’s the hardest job in the world

24. April 2009 3 Kommentare

Noch nie habe ich eine Parodie auf Bill Hicks gesehen, und auch noch keine so schöne Parodie auf den klassischen britischen Fernseh-Sketch wie in der fünften Folge von „Stewart Lee’s Comedy Vehicle“, in der Lee über den Zustand des Stand Up Comedians im Allgemeinen und dem des amerikanischen im Besonderen räsoniert. Sein Bill Hicks heißt Dyl Spinks (und sein Eddie Murphy Cracker Saucerips), und der Clip beginnt bei 4:27.

Die Parodie auf den traditionellen Sketch, die Lee im letzten Drittel unterbringt, folgt auf einen rant über die Billigaccomodationen der Hotelkette Travelodge, wie ihn auch die Starkolumnisten diverser deutscher Magazine nicht schöner formulieren könnten. Bei Lee folgt dann allerdings die Einsicht, daß die besten Comedians zwar nicht unbedingt jung sterben — aber jedenfalls bevor sie beginnen, sich über Budget-Hotels zu ereifern. Oder über andere Bürokratie-Monster wie das National Apple Office (ab 4:03):

Es gibt die komplette Folge bei YouTube; wer schon mit Armando Iannucci und Chris Morris vertraut ist, sollte sich unbedingt mehr ansehen — beide waren an der Produktion von „Stewart Lee’s Comedy Vehicle“ beteiligt.

Fernsehsatire für Fortgeschrittene

24. April 2009 5 Kommentare

Prominente, die in einer Clipshow auf die letzten dreißig Jahre zurückblicken: Das klingt nicht nach einer besonders aufregenden Fernsehidee. Das ändert sich unmittelbar, wenn man die Retroshow im Jahre 2031 spielt: Der nostalgische Blick auf die erste Autopsie-Show, eine Makeover-Show, in der sich Kinder Schönheitsoperationen unterzogen, oder an die Nachrichten von dem Tag, als Terroristen erstmals auf die Idee kamen, Flugzeuge mit Hochhäusern anzugreifen, hat komisches Potential.

Dieses Potential hat der italienischstämmige Schotte Armando Iannucci für seine sechsteilige Satire »Time Trumpet« (ab Montag auf DVD erhältlich) weidlich ausgenutzt. Iannucci, der seit seinen Anfängen bei »The Day Today« und »I’m Alan Partridge« ein Händchen für Parodien bewiesen hat, zieht hier alle Register seines phantasievoll-abseitigen, meist aber eher leisen Humors: Brillant von CGI-Animationen unterstützt, breitet er seine höchst eigene Vision vom Fernsehen der Zukunft aus. Dieses wird ab 2010 mit »Rape an Ape« Quotenerfolge feiern, einer Spielshow, in der die Kandidaten versuchen müssen, einen Gorilla zu bespringen: »Am Anfang wurde mir richtiggehend schlecht davon«, erinnert sich zu entsprechenden Ausschnitten da ein gealterter David Beckham, »abgesehen von den paar kurzen Momenten, die wahnsinnig komisch waren. Heute ist es natürlich ein Klassiker!« – »Ich hab es nie gemocht, aber ich hatte auch nichts dagegen, solange der Affe nicht verletzt wurde … oder wenn er verletzt wurde, zumindest hinterher medizinische Betreuung erhielt!« – »Man wußte genau, wie spät es war, wenn die Titelmelodie lief: Hey, ›Rape an Ape‹ kommt, so spät schon! Man fühlte sich geborgen, wenn die Titelmusik lief. Das war die kuscheligste vergewaltigungsbasierte Titelmelodie aller Zeiten.«

»Time Trumpet« über die Veränderung der Medien unter dem Einfluß des user generated contents:

»Time Trumpet« ist nicht auf schnelle Lacher aus; die meisten Szenen hinterlassen beim Zuschauer ein beinah unbehagliches Gefühl – wären viele Ideen (wie der Überfall der Supermarktkette Tesco auf Dänemark 2012) nicht eine Spur zu grotesk, um als kritisch-aufklärerische Satire durchzugehen. Oft ist es Iannuccis melancholische Off-Stimme, die am längsten in Erinnerung bleibt, sein sinnierender Tonfall, der einen im unklaren läßt, wieviel Kritik am Zeitgeist da beabsichtigt ist und wo der reine Nonsens beginnt. Wie ein LSD-Trip oszilliert »Time Trumpet« – die halluzinationsartigen Computeranimationen unterstützen diesen Vergleich – zwischen blühendem Quatsch und tiefer Philosophie, ist dabei aber immer unterhaltsam: Comedy auf Intellektuellen-Niveau. Wer zu sparsam ist, um für nur eine DVD hohe Versandkosten zu bezahlen, möge zusätzlich Iannuccis ebenfalls grenzgeniale »Armando Iannucci Shows« ordern – und staunen, in welche Phantasiewelten einen die Observational Comedy-Mäander Iannuccis tragen können.

Zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 5/2009

Oh Claude, Serge love

22. April 2009 1 Kommentar

Auf einen gemeinsamen Nenner lassen sich die YouTube-Clips von Adam Buxton nicht so recht bringen: Manche sind komplett selbst gedreht und variieren von Musik-Videos bis zu Parodien auf die Making-Ofs von Kinofilmen, andere bearbeiten Fernsehmaterial digital nach, wie es Armando Iannucci in „Time Trumpet“ gemacht hat (wo Buxton auch mitgewirkt hat; zu „Time Trumpet“ demnächst mehr an dieser Stelle). Die Pilotfolge „MeeBOX“ aus dem letzten Jahr (eine ganze Serie hat BBC3 dann doch nicht in Auftrag gegeben) sieht denn auch aus wie eine  Gemischtwarenhandlung und ist, recht durchwachsen, mal mehr, mal weniger komisch. Meine Lieblingsnummer war dieser funky song of praise (with subtitles):

Und mein zweitliebster Ausschnitt ist diese Wurstverherrlichung, eine musikalische Version der TITANIC-Wurstwerbung:

Die beste Idee Deutschlands (hat die BBC)

21. April 2009 5 Kommentare

Klar, kann natürlich lizensiert sein. Aber warum will ich einfach nicht dran glauben, daß Sat.1 vor der Entwicklung von „Die beste Idee Deutschlands“ (bei der Zuschauer ihre “ teils bahnbrechenden, teils verrückt anmutenden Einfälle“ einer Jury vorstellen) bei BBC2 gefragt hat, ob sie „Genius“ kopieren dürfen (wo Zuschauer ihre „extraordinary notions, amazing concepts and barn-storming ideas“ dem Team Genius vorstellen)? Eine feine Ironie, daß ausgerechnet Fernsehleute, denen selbst nichts besseres einfällt als britische Vorbilder zu kopieren, ihre Zuschauer um gute Ideen bitten. — Wer’s besser weiß, belehre mich bitte.

UPDATE Ähem, tatsächlich beruht die Sendung auf dem niederländischen „Het Beste Idee van Nederland“. Dank an Dashcroft.