Archiv

Archiv für August, 2010

The Return of Alan Partridge

31. August 2010 3 Kommentare

Es könnte in absehbarer Zeit neue Mini-Folgen mit Steve Coogans beliebtestem Charakter Alan Partridge geben — online only und gesponsort von einer großen australischen Biermarke. Das berichtet GetComedy. Und nicht nur Coogans Erfolgsserie könnte in one-offs auferstehen, auch andere Comedy-Knaller wie die „Fast Show“ sollen reanimiert werden.

Es darf getrost angezweifelt werden, daß das eine gute Nachricht ist. Zwar ist Fosters schon länger in die britische Comedy-Industrie involviert, sponsert beispielsweise das größte britische Comedy-Festival in Edinburgh und vergibt die Comedy-Awards. Aber ob aus der Verbindung von Werbung, insbesondere für Bier (und, ähm, ziemlich schlechtes noch dazu), und Comedy-Geniestreichen von gestern und vorgestern wirklich etwas Sehenswertes hervorgeht…? Wenn es irgend etwas nicht braucht, dann die Rückkehr Alan Partridges als bierbefeuerter Werbezombie. Ein wenig verhalten klingt denn auch die Begeisterung des Guardian.

„Misfits“: Dritte Staffel bestätigt

29. August 2010 Keine Kommentare

Noch vor Ausstrahlung der zweiten Staffel „Misfits“ hat E4 bereits eine dritte bestellt. Das hat Howard Overman gerade bestätigt. Außerdem soll es ein Weihnachts-Special geben, das einen Link zwischen Staffel  zwei und drei herstellen soll und den Autor vor ein ganz besonderes Problem stellen wird: Es wird nämlich just eine Woche nach der sechsten und letzten Episode der zweiten Staffel zu sehen sein und infolgedessen von den Zuschauern als siebte Episode wahrgenommen werden, soll aber den typischen Charakter von Weihnachts-Sonderfolgen haben, die traditionell in sich abgeschlossen und sozusagen „außer der Reihe“ stehen.

Über die zweite Staffel des Comedy-Dramas rund um eine Handvoll delinquenter Jugendlicher, die peu á peu feststellen, daß sie über Superkräfte verfügen, ist noch wenig bekannt; Overman hat aber bereits berichtet, daß der sensationelle Cliffhanger der ersten Staffel sofort aufgelöst werden soll: Die erste Folge der zweiten Season wird schon wenige Tage nach dem Ende der ersten den Handlungsfaden wieder aufnehmen. Außerdem steht schon fest, daß wiederum die dritte Staffel große Veränderungen mit sich bringen wird: Das Häufchen merkwürdiger Superhelden wird nämlich bis dahin die Jugendstrafen verbüßt haben — und die Serie damit eine ganz neue Handlungsgrundlage benötigen.

Nicht zuletzt darin ähnelt „Misfits“ also „Skins“, das ebenfalls nach zwei Staffeln ein großes Problem bekam, weil alle Figuren mit ihrem Schulabschluß die Klammer verloren, die die Geschichte zusammengehalten hatte. „Skins“ hat das Problem damals radikal gelöst — und (bis auf einige wenige Nebenfiguren) einen komplett neuen Cast zusammengestellt. Was der Serie überraschenderweise und zum Glück nicht geschadet hat. Eine ähnlich radikale Lösunge wäre auch bei „Misfits“ vorstellbar. Und sie hätte den Nebeneffekt, daß mit neuen Figuren auch ganz neue Superkräfte und die Folgen ihrer Anwendung durchgespielt werden könnten.

Overman soll außerdem (wie bereits berichtet) für die BBC einen Piloten zu Douglas Adams‘ „Dirk Gentleys holistische Detektei“ schreiben und steckt hinter der von der Kritik zu Recht verrissenen Cop-Comedy „Vexed“.

Hier nochmal der Trailer zur ersten Staffel „Misfits“, die im letzten Jahr mit einem Bafta (bestes Drama) ausgezeichnet wurde:

Muselmann mit Judenwitz

27. August 2010 1 Kommentar

Eine Szene zu Beginn des Films etabliert die Tonlage von »The Infidel« (gerade auf DVD erschienen). Lange bevor der muslimische Londoner Minicab-Fahrer Mahmud Nasir herausfindet, wer er in Wirklichkeit ist, tritt er aus seinem Haus auf die Straße. Starren Blicks sehen wir ihn plötzlich innehalten, die Kamera fährt auf ihn zu, Wind kommt auf und wirbelt Schmutz hoch, das Rauschen eines Sturmes schwillt an, erstickt alle Alltagsgeräusche – und ein Straßenreiniger mit Laubbläser marschiert durch das dramatische Bild und ruiniert es im Handumdrehen. Nein, tiefgründig, bedeutungsschwer, bedrohlich will »The Infidel« nicht sein, nicht Satire, sondern Komödie.

Dabei hätte der Plot das Zeug dazu: Ein Moslem erfährt, daß er in Wirklichkeit Jude ist, und stürzt in eine Identitätskrise. Sein leiblicher Vater lebt noch, mit ihm will Mahmud Kontakt aufnehmen. Zuvor muß er jedoch ein waschechter Jude werden, denn der fromme Alte ist schwer krank und äußerst labil. Obwohl Mahmud nicht besonders religiös ist, hat er damit seine liebe Not; und daß sein Sohn eine Freundin hat, deren Stiefvater ein radikaler Imam ist, macht die Sache nicht einfacher. Um dessen Zustimmung zur Hochzeit zu erhalten, muß Mahmud seine Durchschnittsfamilie nämlich als strenggläubigen Bilderbuch-Clan präsentieren.

Auf das Drehbuch hätte man auch gleich mit dicken Buchstaben das Wort »Fatwa« schreiben können. Die BBC zog sich aus der Produktion vorsichtshalber zurück. Doch dem Autor David Baddiel und seinem Hauptdarsteller Omid Djalili gelingt es, den Fokus nicht auf die Religionskritik, sondern völlig auf den Clash der Kulturen zu richten, mit Stereotypen und Vorurteilen zu spielen, und so eine bodyswap-Komödie zu inszenieren, die eher leicht ist und vor allem eines: komisch.

Als er im Nachlaß seiner Mutter die Adoptionsurkunde entdeckt, will Mahmud auf dem zuständigen Amt seine wahre Identität herausfinden. Die darf ihm die Sachbearbeiterin freilich nicht offenlegen, also entwindet Mahmud ihr die Akte mit Gewalt und erfährt, während sie die Wachleute ruft, seinen Geburtsnamen: Solomon Shimshillewitz. Die Wache führt ihn ab, und Mahmud alias Solomon ruft: »Gimme a break – you find out you’re jewish, and suddenly some bloke in a uniform is leading you away?«

Ja, er ist jüdisch, und die Unterrichtsstunden im Jüdischsein, die er von seinem amerikanischen Taxler-Konkurrenten Lenny Goldberg (Richard Schiff) erhält, gehören zu den besten Momenten des Films. Dabei können sich die beiden eigentlich nicht ausstehen: Goldberg parkt gerne vor Mahmuds Haus. Der beschimpft ihn dafür hingebungsvoll, und dabei rutscht es ihm raus: Ich bin ja selbst Jude! Prompt fährt Goldberg sein Taxi weg. Was, weil er Jude sei? fragt Mahmud verblüfft, und erhält die Antwort: »Welcome to the world wide conspiracy!«

Nein, die islamische Welt kann sich über zu böse Kritik in »The Infidel« wahrlich nicht beschweren: Mahmud und seine Familie sind weltliche Muselmanen von nebenan, Extremisten werden auf beiden Seiten zur Räson gebracht, und die meisten Scherze sind ziemlich gutmütig: Nicht nur das Fernsehen, so sinnieren einmal Mahmuds muslimische Kollegen, sei von Juden beherrscht, ganze Länder würden ja von Juden geführt! Die USA zum Beispiel! Und Israel!

Baddiel ist in seinem Bemühen, eine Fatwa zu vermeiden, sogar ein wenig über das Ziel hinausgeschossen: Allzu versöhnlich und reichlich konstruiert ist nämlich der Schluß des Films, den man sogar als Plädoyer für eine gewisse Religiosität lesen könnte (was ja doch Wunder nimmt, wenn es von einem erklärten Atheisten wie Baddiel kommt). Das riecht dann allzusehr nach abrahamitischer Ökumene. Doch genau so habe er das gewollt, erklärt Baddiel. Und wer es lieber böse mag, kann ja statt zu »The Infidel« lieber zu Chris Morris’ ebenfalls bald auf DVD erscheinenden Islamisten-Satire »Four Lions« greifen, in der eine Handvoll unterbelichteter Möchtegern-Selbstmordattentäter… Doch dazu ein anderes Mal mehr.

Zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 9/2010

Ergo vs. „High Fidelity“

26. August 2010 14 Kommentare

Zugegeben, die Verbindung zwischen diesem Clip und dem Thema meines Blogs ist, nun ja, vage. Aber immerhin ist die Roman-Vorlage von „High Fidelity“ englisch, auch wenn der Film in Chicago spielt. Und „Vorlage“ ist das Stichwort, denn da, bei „High Fidelity“, hat sich jemand bedient, nämlich ein nicht ganz so kreativer Kreativer bei einer Werbeagentur, die zu recherchieren ich zu faul bin. Zu diesem Schluß könnte man jedenfalls kommen, wenn man den leicht ekligen „Ergo“-Werbefilm und „High Fidelity“ vergleicht. Was hier jemand getan hat:

(via)

UPDATE Das Video bei YouTube ist gelöscht, aber Horizont.net hat es noch.

KategorienAllgemein Tags:

Dirk Gently’s Holistic TV Series

26. August 2010 3 Kommentare

Talking of Howard Overman („Vexed“, „Misfits“): Eben jener soll nach Angaben seiner Agentur einen Piloten zu „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ für die BBC entwickeln. Jepp, „Dirk Gently“, das ist das andere Großwerk von Douglas „Hitchhiker“ Adams, und es lief als Radio-Hörspiel 2007 und 2008 mit großem Erfolg bei Radio 4. In der Hauptrolle dort zu hören war Harry Enfield, außerdem waren Andrew Sachs, Olivia Colman und Felicity Montagu mit von der Partie; ob jemand aus diesem Cast allerdings auch bei der Verfilmung mit von der Partie ist, ist ungewiß. Genau genommen weiß noch niemand sehr viel über das Projekt — lediglich, daß es von BBC3 zu BBC4 verschoben worden ist, 60 Minuten lang sein soll und zunächst als One-of geplant ist — bei entsprechender Einschaltquote und guten Kritiken aber gewiß mit Option auf eine Serie. Gerüchten zufolge soll in Bristol gedreht werden.

Es gibt zwei „Dirk Gently“-Romane, „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ von 1987, und „The Long Dark Tea-Time of the Soul“ von 1988. Ein dritter Band war in Arbeit, als Douglas Adams 2001 gestorben ist. Der geplante Pilot wird sich wohl an den ersten Band anlehnen.

„Vexed“ (adj.): „ärgerlich“

24. August 2010 2 Kommentare

Nein, es wird wohl keine gute neue Serie mehr geben in diesem Monat. Nicht einmal Howard Overman, auf dessen Konto immerhin das sehr schöne „Misfits“ (E4) geht, und Regisseur Matt Lipsey („Human Remains“, „Saxondale“, „Psychoville“) reißen mehr was: Auch „Vexed“ (BBC2) kann man, sofern ich das nach zwei von drei Folgen richtig beurteile, wohl abschreiben.

Hauptfiguren dieses je 60minütigen ComedyDramas sind die beiden Cops Kate Bishop (Lucy Punch, „Doc Martin“) und Jack Armstrong (Toby Stephens), die gemeinsam ermitteln: In der ersten Folge einen Serienkiller, in der zweiten, wer es auf das Leben eines suizidalen Bänkers abgesehen hat. Jack ist dabei faul, inkompetent und immer hinter irgend welchen Weibern her, Kate, die etwas professionellere, ist verheiratet und genervt von Jack, der ihr qua seines Charmes und seiner Unfähigkeit zum Trotz oft einen Schritt voraus ist. Die beiden scheinen merkwürdigerweise stets vollkommen alleine, ohne weitere Anbindung an die Polizei zu agieren — einzig ein Spurensicherer steht ihnen zur Seite. Ihr Hauptquartier ist nicht das Polizeipräsidium, sondern eine Café-Bar, in der als komischer Sidekick ein Schwarzer das Regiment führt, der Kate permanent wegen ihres vermeintlichen Rassismus aufzieht und, wenn ich das richtig verstanden habe, hellseherische Fähigkeiten hat. Ein komisches Setup also, in beiden Bedeutungen des Wortes: einerseits lustig, andererseits merkwürdig.

Damit aber nicht genug: Statt daß nun, um eine gewisse Fallhöhe zu schaffen, in dieser schrägen Welt wenigstens eine ernste Handlung vonstatten geht, scheint es permanent, als würden die beiden Ermittler ihre Fälle nicht wirklich ernst nehmen. Weder sind sie in der ersten Folge darum besorgt, es mit einem Serienkiller zu tun zu haben, der hinter alleinstehenden, emotional verletzlichen Frauen her ist, noch wird schlüssig erklärt, warum sie in der zweiten Folge den Bänker, auf den immerhin ein Bombenattentat verübt worden ist, nicht aus der Nervenklinik in eine sichere Umgebung verlegen oder zumindest eine Polizeieinheit zu seinem Schutz abstellen, sondern nur zu zweit und abwechselnd vor seiner Tür Wache schieben — ohne auch nur die anderen Patienten der Klinik zu verhören.

Und dann kommen die Witze. In der ersten Szene der ersten Episode lassen sich die beiden von einem Makler eine Wohnung zeigen, bewundern ausführlich ihre Eigenschaften und ihre Schönheit — und steigen dann nonchalant über das Mordopfer auf dem Boden, um zu diskutieren, wie man am besten das viele Blut aus dem Teppich kriegt, das da vergossen worden ist. Wenig später stopft Jack sorglos Pralinen in sich hinein — und halb gegessen wieder in die Packung zurück, als Kate ihn darauf hinweist, daß sie sich immerhin noch an einem Tatort befinden. Witze über die Insaßen der Psychiatrie und ihre Krankheiten verstehen sich da von selbst (und sind aber allerdings sogar noch die besseren). Wenn die Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren stimmte, wenn sie irgendwie funktionierten, sprich: interessant wären, weil sie gebrochen sind oder sonstwie Tiefe hätten, könnte man sogar über maue Witze hinwegesehen — aber leider: auch da ist Fehlanzeige total.

Es scheint, als wäre da zu vieles übers Knie gebrochen worden. Möglicherweise war schlicht zu wenig Zeit, die Serie richtig zu entwickeln. So wirkt es jedenfalls, wenn man nach einer Stunde eine doch sehr übersichtliche, um nicht zu sagen unterkomplexe Handlung Revue passieren läßt. Da scheint je eine gute Viertelstunde Luft in der Story zu sein — mindestens. Vielleicht wären auch die Charaktere, hätte der Autor sie noch ein wenig poliert und ihnen ein, zwei Facetten mehr mitgegeben, am Ende sogar halbwegs interessant geworden. So aber fehlt „Vexed“ ziemlich viel, um Spaß zu machen. Die Chancen auf eine zweite Staffel halte ich angesichts dessen für äußerst mager. Sei’s drum.