Doug Stanhope, seit Beginn der zweiten Staffel „Newswipe with Charlie Brooker“ fester Bestandteil der Show, äußert sich diese Woche zu Conan O’Brien und Jay Leno und warum er Late Night Shows haßt, die die Nachrichten des Tages launig kommentieren und sich dann anderem zuwenden, so daß alle beruhigt schlafen gehen können: War ja nur Comedy! — wenn man eigentlich zur Knarre greifen, Verantwortliche ausfindig machen und sie an die nächste Wand stellen müßte.
Einen weiteren schönen Ausschnitt aus der letzten „Newswipe“-Folge gibt es bei Nerdcore.
Fantasy ist nicht mein Genre. Horror schon eher, aber eigentlich nur, solange Zombies eine Rolle spielen. Geister halte ich für Kinderkram, und wenn ich irgend etwas auf den Tod (haha!) nicht ausstehen kann, dann Vampire. Schon gar nicht die kastrierten, asexuellen Vampire, die momentan Bücher und Leinwände bevölkern. Kinderkram, aber von der unangenehmen, der „Narnia“-Sorte.
Andererseits war ich froh, für „Misfits“ eine Ausnahme von meiner Fantasy-Abstinenz gemacht zu haben, und von dort war es kein weiter Weg mehr zu „Being Human“. Und abermals bin ich angenehm überrascht worden: „Being Human“ war zu Recht so erfolgreich, daß die BBC gerade die zweite Staffel zeigt (BBC3, sonntags, 21 Uhr).
Annie, Mitchell und George sind drei Twentysomethings, die zusammen in einem Haus in Bristol wohnen. Mitchell ist Ire, Pfleger in einem Krankenhaus, trägt gerne schwarze Klamotten und hat wegen seines ungezwungenen Charmes gute Chancen bei den Frauen. Und er ist ein Vampir. Damit geht er allerdings weit souveräner um als George mit seinem Handicap: Er ist Werwolf, verdrängt das aber, so gut es geht — schon weil es so überhaupt nicht zu seinem ansonsten eher zurückhaltenden, intellektuellen Wesen paßt. Annie schließlich lebt am längsten im Haus, bzw.: sie „lebt“ dort, denn genaugenommen ist sie tot, ein Geist, der an das Haus gebunden ist. Die drei haben sich nach langer Suche zu Beginn der Serie gefunden, denn sie eint eines: Sie wollen ihre dunklen Seiten nicht die Oberhand gewinnen lassen, sie wollen menschlich, wollen Menschen sein: being human.
Wie bei „Misfits“ halte ich es der Serie zunächst einmal zugute, daß dieses lächerliche Setup überzeugend genug erzählt wird, daß man die meisten dummen Fragen (warum, wie, woher) erst gar nicht stellt. Sondern zunächst dem Charme der Darsteller erliegt, und dann sogar die unausweichliche Transformation Georges in einen Werwolf hinnimmt, weil nicht einmal sie die Atmosphäre ruiniert (bin das ich oder sind Verwandlungen von Menschen in, nun ja, Schäferhunde immer und per se albern?).
Mit dem Fortschreiten der Serie trägt dann die zweite Ebene immer mehr: Daß neben allen Fantasy-/Horror-Plots beständig die conditio humana diskutiert wird. Denn Georges dunkle Seite als Werwolf ist natürlich kaum etwas anderes als eine Ästhetisierung der Triebe, die dem Menschen innewohnen und die es zu unterdrücken gilt, soll es zu so etwas wie Kultur und Zivilisation kommen; ähnlich könnte man Mitchells Vampirtum als Bildlichmachung des Bösen, Asozialen sehen, das ebenfalls bekämpft werden muß, will man nicht zur dunklen Seite der Macht gehören. Annies Geisterdasein schließlich ist etwas eher Passives, nämlich neurotische Bindung, unaufgelöste Konflikte, in ihrem Falle konkret mit ihrem Verlobten, der immer noch der Hausbesitzer und Vermieter ist und hin und wieder mit seiner neuen Freundin auftaucht.
Konkret komische Momente sind in „Being Human“ (sechs Folgen á knapp unter 60 Minuten) seltener als etwa in „Misfits“; allerdings spürt man unter der ernsten Oberfläche eine deutlich humorvolle Erzählhaltung. „Being Human“ nimmt sich insgesamt nicht so ernst wie reine Drama-Serien (etwa das sensationell humorfreie „Survivors“, das ich auch gerade sehen durfte) — ich meine: da leben ein Vampir, ein Geist und ein Werwolf in einer WG — wie ernst kann das sein? Und doch funktionieren auch die Horror- und Drama-Elemente: Als Annie etwa herausfindet, was genau sie noch in dieser Welt hält, und ihre tief sitzende, unkontrollierbare Wut sie zu einem Poltergeist macht, der beginnt, die Wohnungseinrichtung zu demolieren, ist das durchaus spannend. So spannend sogar, daß ich gar nicht allzu viel verraten möchte.
Von Autor Toby Whitehouse stammt auch das Comedy-Drama „No Angels“; er selbst ist auch Stand Up-Comedian und war in einer kleinen Rolle in „Bridget Jones’s Diary“ zu sehen.
Die Leser von Comedy.co.uk haben entschieden: Beste Sitcom 2009 war „The Thick of It“. Alle weiteren Preisträger, unter denen bei Comedy.co.uk auch immer die schlechtesten ihrer Kategorie aufgeführt sind, finden sich hier; die aufgeschlüsselten Auswertungen lassen allerdings noch auf sich warten.
Außerdem: Die 120 besten TV-Shows der Nullerjahre, gewählt von den Lesern von Dan’s Media Digest.
Simon Day, Charlie Higson und Paul Whitehouse haben sich ihre Meriten schon vor langer Zeit verdient: Mit der „Fast Show“ haben sie Mitte der Neunziger im Alleingang das totgeglaubte Genre der auf Catchphrases basierenden Sketchshow wiederbelebt; insbesondere Whitehouse hat auch außerhalb der Show in unterschiedlichsten Rollen oft hoch komische Figuren gespielt — etwa in (dem leider nie auf DVD erschienenen) „Help“, wo er an der Seite von Chris Langham als Psychologen sämtliche Patientenrollen übernahm. Dementsprechend große Erwartungen hatte ich an ihre erste gemeinsame Fernsehproduktion seit damals, die nun angelaufene Spoof-Show „Bellamy’s People“ (BBC2, donnerstags). „Bellamy’s People“ ist die Fernsehadaption der erfolgreichen Radioshow „Down the Line“, einer Parodie auf Call-in-Shows, bei der der ahnunglose Moderator sich mit Anrufern, die sämtlich von prominenten Comedians gespielt werden, über vorgegebene Themen unterhält. Das Team ist das gleiche geblieben, allen voran Rhys Thomas als Moderator; auch er war bei der „Fast Show“ schon als Gast dabei.
Leider hat zumindest die erste Folge die Adaption nur so lala überstanden. Nun besucht der Moderator die regelmäßigen Anrufer auf seinen Reisen durch England, die Parodie richtet sich also gegen Promi-Reiseshows, und stolpert über exzentrische Briten noch und nöcher: etwa die beiden blaublütigen Schwestern, die ihr Schlösschen je zur Hälfte nach ihren politischen Ansichten eingerichtet haben: halb kommunistisch, halb faschistisch. Oder den Schwarzen, der sich den „Lion of Harlesden“ nennt und seine schön geschmacklose Wohnungseinrichtung unter dem Leitmotiv des Löwen eingerichtet hat — und sich auch vom Moderator nicht davon überzeugen läßt, daß die Porzellanstatue einen schwarzen Panther darstellt und der Teppich aus Zebrafell ist. Oder den moslemischen Community Leader Mr. Khan, der offenbar nicht so genau weiß, was er in seiner Position überhaupt für Aufgaben hat. Manche Charaktere sind da recht überzeichnet, andere bleiben ein bißchen näher an der Realität, aber oft fehlen die entscheidenden Witze, die aus dem Set Up erst den Honig gesogen hätten: Auf’s Brett gestiegen, aber nicht abgesprungen.
Möglich aber, daß, wie der Guardian vermutet, für die erste Folge die Prämisse und die Figuren ein bißchen zu deutlich erklärt werden mußten und deswegen die Gags unter den Tisch gefallen sind. Möglich, daß „Bellamy’s People“ wird, was ebenfalls der Guardian hofft: eine Art „Little Britain“ für Erwachsene.
Winterhysterie, Computerangst, Islamererphobie: Schön wäre es schon, wenn sich ein Fernsehfuchs wie Charlie Brooker einmal an den speziell deutschen Ängsten versuchen würde, wie er es in der ersten Ausgabe der zweiten Staffel „Newswipe“ (BBC4) nun mit den britischen getan hat. Allerdings sind die meisten Ängste, die die Massenmedien zu immer lauterem Geschrei veranlassen, durchaus übertragbar, und vor allem sind es die media narratives, die Diskurse, in die etwa 200 000 tote Haitianer viel besser hineinpassen als Millionen Tote durch irgendwelche irrelevanten Bürgerkriege in Afrika. Brooker schlägt einen schönen Bogen von den Schrecken von Acid House und Rave (und dem unmittelbar damit zusammenhängenden Horror der Drogen) in den späten Achtzigern über fleischfressende Bakterien, road rage, den Millenium-Bug, Terror und Pädophilie bis, tatsächlich, zum Winter- und Schnee“chaos“ von vor ein paar Wochen.
Doug Stanhope, in einer Verkleidung als verlotterter Versicherungsvertreter, stellt seine Sicht auf den Angst-Kult der US-Medien dar:
https://www.youtube.com/watch?v=o7wIomeEqCc&hl=de_DE&fs=1&
Komisch wirkten in dieser „Newswipe“-Folge vor allem die Ausschnitte von vor zwanzig Jahren, in denen der kleine Mann auf der Straße (gerne Hornbrillenträger und ältere Damen) ihre medial geprägten Ansichten zu Rave und Drogenkonsum äußern dürfen. Ich mußte aus irgend einem Grund an Frank Schirrmacher und Henryk M. Broder denken.
„I like a drink as much as the next man. Unless that man is Mel Gibson!“
Er hat’s immer noch drauf.
https://www.youtube.com/watch?v=qbe2dtRt0Ik&hl=de_DE&fs=1&
UPDATE Na ja, oder halt wenigstens ein Teil davon hier:
https://www.youtube.com/watch?v=6RSJ9eE43U0&hl=de_DE&fs=1&
UPDATE II: Chortle faßt den Abend und einige Reaktionen auf Gervais‘ Moderationen zusammen, und die nicht so freundlichen Kritiken lesen sich etwa so:
In the Daily Telegraph, author Toby Young blogged 45 minutes into the show: ‘His timing was off during his opening monologue and he seemed to get increasingly nervous as it became clear that his penis gags and ironic-but-not-really attempts to promote his DVDs were falling flat. At one point, it looked as though he might break into a flop sweat, the fear that haunts every stand up comedian. In future, Gervais should stick to poking fun at these sorts of events from the sidelines rather than being an official spokesman.’
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