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Archiv für die Kategorie ‘Sketchshow’

Captain! Look out for that big ice cube over there!

Am Freitag beginnt die zweite Staffel der „Kevin Bishop Show“ (Channel 4), am 10. August kommt die erste auf DVD heraus — das entschädigt immerhin ein wenig dafür, daß es dieses Jahr keine weitere Staffel „Star Stories“ geben wird. Die erste Staffel von Bishops eigener Show im August vergangenen Jahres war nicht die Neuerfindung des Rades bzw. der schnell geschnittenen Sketchshow, aber eine Aktualisierung des Konzepts und voller prima Gags wie z.B. der Vorschau auf die DVD „Hollywood Classics with nice happy endings that won’t upset your mum“:

Für die zweite Staffel verspricht Bishop, keine Scherze über Jade Goody, Michael Jackson und Maddie McCann zu machen (Weichei!), dafür aber über Hugh Laurie und Simon Cowell. Ich zweifle aber nicht daran, daß er es wieder unter die Top 5 in puncto Beschwerdeanrufe bei Channel 4 schaffen wird (2008 Platz 2 hinter „Big Brother“, u.a. wegen einer schön geschmacklosen Musical-Version des Nazidramas „Sophie’s Choice“). Wenn er dann bei den British Comedy Awards wieder Ricky Gervais mit Zwischenrufen stört und Flaschen nach den Produzenten und Schauspielern von „The Inbetweeners“ wirft, kann er sich meiner Sympathien weiterhin gewiß sein.

Fast wie im richtigen Leben

27. Juli 2009 3 Kommentare

Ein Problem bei Serien ist ja: Sie zünden nicht im ersten Moment. Oft braucht es eine zweite, eine dritte Folge, bis man dem Charme der handelnden Figuren und ihrer Konstellationen erliegt. „Star Stories“ bildet da eine Ausnahme, und das gleich aus mehreren Gründen: Jede Folge ist eine abgeschlossene Geschichte — und man kennt ihre Protagonisten schon mehr oder weniger gut. Genau deshalb ist „Star Stories“ von Anfang an ein großer Spaß.

Denn „Star Stories“ erzählt das Leben der Promis in der Form völlig überdrehter Ensemble-Parodien: Die Biographien von u.a. Madonna, Take That, George Michael, David & Victoria Beckham, Tom Cruise und Kate Moss werden da geschnetzelt, gut durchmischt und mit blühendem Quatsch angedickt. Daß dabei der immer gleiche Ensemble-Cast (allen voran Kevin Bishop, dessen ebenfalls hoch komische „Kevin Bishop Show“ bald in die zweite Runde geht, Tom Basden und Daisy Beaumont) in immer neue Rollen schlüpft und beim Parodieren hemmungslos übertreibt, ist eher von Vorteil als von Nachteil, weil das Gewicht ohnehin auf Comedy liegt, nicht auf Parodie: Der Spaß, in allerlei glänzend gemachte Kostüme zu schlüpfen und in den Leben von Klatschspaltenbewohnern herumzuchargieren, überträgt sich nahtlos auf den Betrachter.

Leider ist Channel 4 sehr restriktiv, was die Einbettung von Clips angeht, darum gibt es an dieser Stelle nur einen schrecklich unsynchronen Ausschnitt aus der „Take That“-Folge. Der Blonde ist Robbie Williams:

Star Stories, Robbie Williams And Oasis At Glastonbury !The funniest movie is here. Find it
Es empfiehlt sich aber ohnehin, sich die DVDs zu holen, denn mit „Star Stories“ kann man jederzeit bei Leuten punkten, die auch nur ein entferntes Interesse an komischer Fernsehunterhaltung und Popkultur haben. Die dritte Staffel ist heute erschienen und lohnt schon wegen der sensationell lustigen Folge rund um Bono.

Changes

gab es leiderleider bei der „Time Trumpet“-Edition für die DVD, die ich nun auch endlich gesehen habe: So ist etwa am Ende der ersten Folge der gleichnamige Song von David Bowie rausgeflogen, über den Armando Iannucci die entsprechenden Worte und Satzfetzen von Tony Blair und David Cameron aus ihren Wahlkampfreden montiert hatte („Just gonna have to be a different man“, ha, ha) — zu teuer, der Bowie-Song, vermute ich mal. Ohne diesen ergibt die Montage natürlich keinen rechten Sinn mehr. Schade weiterhin, daß jegliche Extras fehlen bei dieser DVD. Ich mag Extras.

It’s the hardest job in the world

24. April 2009 3 Kommentare

Noch nie habe ich eine Parodie auf Bill Hicks gesehen, und auch noch keine so schöne Parodie auf den klassischen britischen Fernseh-Sketch wie in der fünften Folge von „Stewart Lee’s Comedy Vehicle“, in der Lee über den Zustand des Stand Up Comedians im Allgemeinen und dem des amerikanischen im Besonderen räsoniert. Sein Bill Hicks heißt Dyl Spinks (und sein Eddie Murphy Cracker Saucerips), und der Clip beginnt bei 4:27.

Die Parodie auf den traditionellen Sketch, die Lee im letzten Drittel unterbringt, folgt auf einen rant über die Billigaccomodationen der Hotelkette Travelodge, wie ihn auch die Starkolumnisten diverser deutscher Magazine nicht schöner formulieren könnten. Bei Lee folgt dann allerdings die Einsicht, daß die besten Comedians zwar nicht unbedingt jung sterben — aber jedenfalls bevor sie beginnen, sich über Budget-Hotels zu ereifern. Oder über andere Bürokratie-Monster wie das National Apple Office (ab 4:03):

Es gibt die komplette Folge bei YouTube; wer schon mit Armando Iannucci und Chris Morris vertraut ist, sollte sich unbedingt mehr ansehen — beide waren an der Produktion von „Stewart Lee’s Comedy Vehicle“ beteiligt.

Fernsehsatire für Fortgeschrittene

24. April 2009 5 Kommentare

Prominente, die in einer Clipshow auf die letzten dreißig Jahre zurückblicken: Das klingt nicht nach einer besonders aufregenden Fernsehidee. Das ändert sich unmittelbar, wenn man die Retroshow im Jahre 2031 spielt: Der nostalgische Blick auf die erste Autopsie-Show, eine Makeover-Show, in der sich Kinder Schönheitsoperationen unterzogen, oder an die Nachrichten von dem Tag, als Terroristen erstmals auf die Idee kamen, Flugzeuge mit Hochhäusern anzugreifen, hat komisches Potential.

Dieses Potential hat der italienischstämmige Schotte Armando Iannucci für seine sechsteilige Satire »Time Trumpet« (ab Montag auf DVD erhältlich) weidlich ausgenutzt. Iannucci, der seit seinen Anfängen bei »The Day Today« und »I’m Alan Partridge« ein Händchen für Parodien bewiesen hat, zieht hier alle Register seines phantasievoll-abseitigen, meist aber eher leisen Humors: Brillant von CGI-Animationen unterstützt, breitet er seine höchst eigene Vision vom Fernsehen der Zukunft aus. Dieses wird ab 2010 mit »Rape an Ape« Quotenerfolge feiern, einer Spielshow, in der die Kandidaten versuchen müssen, einen Gorilla zu bespringen: »Am Anfang wurde mir richtiggehend schlecht davon«, erinnert sich zu entsprechenden Ausschnitten da ein gealterter David Beckham, »abgesehen von den paar kurzen Momenten, die wahnsinnig komisch waren. Heute ist es natürlich ein Klassiker!« – »Ich hab es nie gemocht, aber ich hatte auch nichts dagegen, solange der Affe nicht verletzt wurde … oder wenn er verletzt wurde, zumindest hinterher medizinische Betreuung erhielt!« – »Man wußte genau, wie spät es war, wenn die Titelmelodie lief: Hey, ›Rape an Ape‹ kommt, so spät schon! Man fühlte sich geborgen, wenn die Titelmusik lief. Das war die kuscheligste vergewaltigungsbasierte Titelmelodie aller Zeiten.«

»Time Trumpet« über die Veränderung der Medien unter dem Einfluß des user generated contents:

»Time Trumpet« ist nicht auf schnelle Lacher aus; die meisten Szenen hinterlassen beim Zuschauer ein beinah unbehagliches Gefühl – wären viele Ideen (wie der Überfall der Supermarktkette Tesco auf Dänemark 2012) nicht eine Spur zu grotesk, um als kritisch-aufklärerische Satire durchzugehen. Oft ist es Iannuccis melancholische Off-Stimme, die am längsten in Erinnerung bleibt, sein sinnierender Tonfall, der einen im unklaren läßt, wieviel Kritik am Zeitgeist da beabsichtigt ist und wo der reine Nonsens beginnt. Wie ein LSD-Trip oszilliert »Time Trumpet« – die halluzinationsartigen Computeranimationen unterstützen diesen Vergleich – zwischen blühendem Quatsch und tiefer Philosophie, ist dabei aber immer unterhaltsam: Comedy auf Intellektuellen-Niveau. Wer zu sparsam ist, um für nur eine DVD hohe Versandkosten zu bezahlen, möge zusätzlich Iannuccis ebenfalls grenzgeniale »Armando Iannucci Shows« ordern – und staunen, in welche Phantasiewelten einen die Observational Comedy-Mäander Iannuccis tragen können.

Zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 5/2009

Oh Claude, Serge love

22. April 2009 1 Kommentar

Auf einen gemeinsamen Nenner lassen sich die YouTube-Clips von Adam Buxton nicht so recht bringen: Manche sind komplett selbst gedreht und variieren von Musik-Videos bis zu Parodien auf die Making-Ofs von Kinofilmen, andere bearbeiten Fernsehmaterial digital nach, wie es Armando Iannucci in „Time Trumpet“ gemacht hat (wo Buxton auch mitgewirkt hat; zu „Time Trumpet“ demnächst mehr an dieser Stelle). Die Pilotfolge „MeeBOX“ aus dem letzten Jahr (eine ganze Serie hat BBC3 dann doch nicht in Auftrag gegeben) sieht denn auch aus wie eine  Gemischtwarenhandlung und ist, recht durchwachsen, mal mehr, mal weniger komisch. Meine Lieblingsnummer war dieser funky song of praise (with subtitles):

Und mein zweitliebster Ausschnitt ist diese Wurstverherrlichung, eine musikalische Version der TITANIC-Wurstwerbung: