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Artikel Tagged ‘Chris Morris’

Die IT-Krauts

17. September 2009 7 Kommentare

Ab Sonntag läuft „The IT Crowd“ bei Comedy Central (immer sonntags, 22.15 Uhr), und sie klingen, als hätte die B-Mannschaft des Theater-Grundkurses an der „Reich und schön“-Oberschule in Mölln sie eines nebligen, grauen Tages synchronisiert, obwohl sie weiß Gott keine Lust dazu hatte.

Chris Morris (Denholm Reynholm), verdienter Satire-Haudegen des britischen Fernsehens und hier Senior-Gaststar mit nur wenigen Auftritten, wird von einem Schnösel im genau gleichen Alter wie der Rest der Bande gesprochen, ohne auch nur annähernd soviel Distanz und Autorität in der Stimme wie das Original. Von Chris O’Dowds (Roy) Loser-Irisch ist nichts übriggeblieben, und auch die kieksige Unsicherheit von Katherine Parkinson (als Jen) ist weg. Ganz zu schweigen von Richard Ayoades (Moss) mokantem Näseln, das durch eine Nerd-Stimme ersetzt worden ist, die in meiner Erinnerung gerade wie Willie aus der „Biene Maja“ klingt. Hoffentlich kriegt CC nie Graham Linehans noch größeren Geniestreich „Father Ted“ in die Finger…

It’s the hardest job in the world

24. April 2009 3 Kommentare

Noch nie habe ich eine Parodie auf Bill Hicks gesehen, und auch noch keine so schöne Parodie auf den klassischen britischen Fernseh-Sketch wie in der fünften Folge von „Stewart Lee’s Comedy Vehicle“, in der Lee über den Zustand des Stand Up Comedians im Allgemeinen und dem des amerikanischen im Besonderen räsoniert. Sein Bill Hicks heißt Dyl Spinks (und sein Eddie Murphy Cracker Saucerips), und der Clip beginnt bei 4:27.

Die Parodie auf den traditionellen Sketch, die Lee im letzten Drittel unterbringt, folgt auf einen rant über die Billigaccomodationen der Hotelkette Travelodge, wie ihn auch die Starkolumnisten diverser deutscher Magazine nicht schöner formulieren könnten. Bei Lee folgt dann allerdings die Einsicht, daß die besten Comedians zwar nicht unbedingt jung sterben — aber jedenfalls bevor sie beginnen, sich über Budget-Hotels zu ereifern. Oder über andere Bürokratie-Monster wie das National Apple Office (ab 4:03):

Es gibt die komplette Folge bei YouTube; wer schon mit Armando Iannucci und Chris Morris vertraut ist, sollte sich unbedingt mehr ansehen — beide waren an der Produktion von „Stewart Lee’s Comedy Vehicle“ beteiligt.

Blasphemy! He’s said it again! „Jerry Springer – The Opera“

20. April 2009 5 Kommentare

Eine der schönsten Traditionen Großbritanniens sind Skandale rund um Comedians und komische Produkte. Vor allem die religiöse Rechte setzte und setzt sich sehr für den Erhalt des Brauchtums ein, schon zu trommeln und zu wehklagen, noch bevor irgend jemand etwas genaues weiß. Die Monty Pythons hatten seit der ersten Ausstrahlung des „Flying Circus“ am 5. Oktober 1969 Ärger mit Christen bzw. eben schon vorher: Denn der „Flying Circus“ erhielt, ausgerechnet, einen Sendeplatz, den zuvor eine religiöse Sendung gehabt hatte. Keine glückliche Wahl der BBC, die sich seit Mitte der sechziger Jahre mit einer gewissen Mary Whitehouse und ihrer „National Viewers‘ and Listeners‘ Association“ herumschlagen mußte.

<Abschweifung>Whitehouse, Lehrerin aus Shropshire, organisierte regelmäßig Kampagnen für „sauberes Fernsehen“ und gegen das, was sie für Pornographie und die Verletzung religiöser Gefühle hielt, und wurde, nicht zuletzt weil die Medien sie und ihre spinnerten Anliegen bereitwillig ventilierten, schnell zu einer Figur des öffentlichen Lebens. Comedians revanchierten sich auf ihre Weise, nicht zuletzt durch die Stand Up/Sketch-Show „The Mary Whitehouse Experience“ (und auch die Pornographen benannten die vormalige Schmuddelseite whitehouse.com nicht nach dem Weißen Haus, sondern nach Mary Whitehouse). Etliche recht komische Bezugnahmen auf Mary Whitehouse in der Popkultur finden sich hier; Bernard Manning kommentierte ihr Ableben im Jahre 2001 so: „She’ll be sadly missed, I imagine, but not by me.“</Abschweifung>

springer-1Auch der noch vor dem Gezeter um „The Life of Brian“ zweitgrößte Comedy-Skandal Großbritanniens funktionierte so (der größte war, nach Zählung der Sendung „50 Most Shocking Comedy Moments“ von 2006, Chris Morris‘ „Brass Eye“-Spezial über Pädophilie). Eine mächtige Welle der Empörung brach über Richard Thomas‘ und Stewart Lees Musical „Jerry Springer — The Opera“ herein: 55 000 Beschwerden erreichten BBC2 bereits vor der Sendung im Januar 2005; 8000 danach — die Fernsehversion der Jerry-Springer-Oper wurde mit 2,4 Millionen Zuschauern die erfolgreichste TV-Oper bis dahin. Die Verantwortlichen der BBC erhielten Morddrohungen, einige mußten sogar kurzfristig umziehen, um den Protesten aufgebrachter Christen zu entgehen. Vor der geplanten Tournee durch das Vereinigte Königreich übte die christliche Lobbyistengruppe Christian Voice Druck auf die Spielstätten aus, die „Jerry Springer — The Opera“ in ihr Programm aufnehmen wollten. Ein Drittel davon sprang daraufhin ab und machte die Tour beinahe finanziell unrentabel, zumal das Arts Council ihr Fördermittel verweigerte. Und das, obwohl das Stück im Londoner West End extrem erfolgreich gelaufen war, etliche Preise gewonnen hatte — und nebst allerlei anderer Prominenz Jerry Springer selbst unter den Zuschauern gewesen war, ohne hinterher vor Wut explodiert oder vor Gericht gezogen zu sein. Im Gegenteil.springer-2

Grund genug hätte er dabei gehabt, guckt man nur auf die Oberfläche: In Thomas‘ und Lees Musical wird Springer, der englischstämmige Vater aller Krawall-Talkshows, auf offener Bühne erschossen und fährt zur Hölle. Die Ausdrucksweise, der sich bereits im ersten Akt Springers Talkshowgäste befleißigt haben, ist, um es vorsichtig zu formulieren, rüde:

„My mom used to be my dad. I was jilted by a lesbian dwarf, but she gave good head. I used to be a lapdancing preoperative transsexual, a chick with a dick“

singt der Chor der Talkshowgäste, und der Kontrast zwischen ernsthafter Operninszenierung und niedrigster Gossensprache könnte komischer kaum sein. Seinen Gästen, den Windelfetischisten, Ehebrechern und Frauenhassern, ist nach ihrem Auftritt in der „Jerry Springer Show“ nichts Gutes widerfahren; Jerry begegnet ihnen im zweiten Akt in der Vorhölle wieder, wo über ihn zu Gericht gesessen wird. Nach seinem Schuldspruch landet er schließlich in der Hölle. Dort stellt Satan ihn vor eine unlösbare Aufgabe und droht Jerry damit, ihm neben dem regulären höllischen Zwicken und Zwacken auch noch einen mit Stacheldraht umwickelten Pfosten in den Arsch zu rammen, sollte er scheitern.

springer-3Die eigentliche Blasphemie ist das noch nicht, klarerweise, ich will aber nicht unfair sein: Jeder, der zwei Stunden unmotivierte Singerei auf offener Bühne aushalten kann und will (ich selbst lehne Musicals aus ästhetischen Gründen entschieden ab und habe nicht vor, nach dieser noch eine weitere Ausnahme zu machen), soll dafür wenigstens mit der gleichen komischen Wucht getroffen werden, die mich im dritten Akt minutenlang hat lachen lassen wie nicht ganz dicht — ja, ich glaube, ich habe sogar ein bißchen geweint vor Lachen. Darum werde ich die überraschende Wendung hier nicht verraten (sondern erst auf der nächsten Seite) und beschränke mich auf den Hinweis, daß (bei Amazon.uk für ganze £2,98) die DVD erhältlich und, neben einigen schönen Extras, auch mit sehr hilfreichen Untertiteln versehen ist. Die Inszenierung ist, soweit ich als Musical-Laie das beurteilen kann, tatsächlich sehr gelungen, allerdings ist der erste Akt mit 55 Minuten so lang wie der zweite und dritte zusammen und damit vielleicht ein weniges zu lang. Über Stewart Lee werde ich demnächst wohl noch ausführlicher berichten, ich gucke mich gerade durch seine beiden Stand Up-DVDs und bin jetzt schon ganz eingenommen für ihn und seine klare politische Haltung, die ihn von den meisten eher unpolitischen Stand Ups unterscheidet. Mehr…

You are all idiots!

13. April 2009 8 Kommentare

Ich kann mittlerweile weite Teile auswendig mitsprechen, so sehr liebe ich „Nathan Barley“ (2005, Channel 4), die Mediensatire-Serie der nuller Jahre von Chris Morris und Charlie Brooker rund um selbstverliebte junge Medienaffen, die coole Websites, hippe Stadtmagazine und ganz generell „was mit Medien“ machen. Nathan Barley (Nicholas Burns) ist der Oberaffe, dessen Webpage trashbat.co.ck (dot cock, got it?) ihm als Ort der Selbstdarstellung dient, an dem er seine Gratismeinungen über George W. Bush neben „lustige“ Videoschnipsel mit gemeinen Streichen stellt, die er seinem Praktikanten spielt. Ein ganzer Affenfelsen für Hipster-Medienprimaten ist die Redaktion des Untergrund-Magazins „Sugar Ape“ (das „Suga“ steht klein im Bauch des R von „RAPE“): Dort sieht man sie mit ihren lustigen Hütchen auf ultramodernen Handys herumspielen, während sie schaukeln oder albern mit Tretautos herumfahren, sich in Hipster-Speak unterhalten und „Cock, Muff, Bunghole“ spielen, eine obszöne Variante von „Stein, Schere, Papier“ — so habe ich mir die Spex-Redaktion in den späten Neunzigern immer vorgestellt (bestimmt sehr zu Unrecht!). Permanent grinsende Idioten, die sich für etwas Besseres halten, für „in“ und „vorne“.

Für „Sugar Ape“ schreibt Dan Ashcroft (Julian Barratt, „The Mighty Boosh“), dem allerdings diese Idioten sehr auf den Sack gehen. „The Rise of the Idiots“ heißt sein wegweisender Essay über die Spezies, als deren Spitzenkraft Barley gelten kann:


Doch kaum ist Dans Leitartikel erschienen, gratulieren ihm ebendiese Idioten herzlichst zu seinen kritischen Auslassungen, jubeln ihm nach Kräften zu und beginnen ihn regelrecht als Preacher zu verehren. Eine Rolle, die er aus Sachzwängen (Geldnot) annimmt, um in der zweiten Folge auf einer Club-Bühne als Prediger verkleidet aufzutreten. Ein Auftritt, der ihm zutiefst widerstrebt, bei dem er schließlich aus der Rolle fällt und alle als Idioten beschimpft: „You are all idiots!“ — „Yes, we are all idiots!“ schallt es zurück; was sonst.

„Nathan Barley“ (die Figur geht auf Brookers satirische Website TVgohome zurück, hier gesammelte Barley-Einräge) ist atmosphärisch dicht, so voller böser, lustiger Details, daß man erst beim wiederholten Sehen alle wahrnimmt: Wie etwa ein Plakat im Hintergrund, das für „Email the Musical“ wirbt („Ross Kemp as Pixel, Lyrics by Ben Elton“). Es geht um die Sorte Kunst, die meine Frau als „Kunscht“ bezeichnet, wenn etwa eine Vernissage von Schwarzweißfotos vorkommt, in der Prominente beim Urinieren (z.B. in einen Toaster) ausgestellt werden („When you urinate you are actually a lot more relaxed than when you sleep!“) und um einen Klamottenladen namens „bumphuk“ — alles spot on gezeichnet. Allen voran die Figur des Nathan Barley, der über einen Beischlaf prahlt: „Kicked the brown door in, painted it white on the way out.“

Drastisch und hochkomisch, das alles. So nimmt es kaum Wunder, daß im Abspann praktisch nur Menschen stehen, denen ich jederzeit mein gesamtes Erspartes ausleihen würde, bräuchten sie denn Geld für eine neue Serie: Neben den Giganten Chris Morris („Jam“, „The Day Today“, „Brass Eye“) und Charlie Brooker („Dead Set“, „Charlie Brooker’s Screenwipe“, „Newswipe With Charlie Brooker“) u.a. Noel Fielding (wie Barratt in „The Mighty Boosh“), Oliver Chris („The Office“, „Green Wing“) und Richard Ayoade („The IT Crowd“); für die Musik zeichnet neben Morris selbst (der auch „Jam“ bereits zu Radiozeiten selbst mitvertont hat) auch Jonathan Whitehead verantwortlich, der seinerseits etwa den perfekten „Green Wing“-Score komponiert und eingespielt hat und immer phantastisch ist, wenn es um parodistische Musik geht.

Weiteres „Nathan Barley“-Material, das gerüchteweise in der Pipeline ist, würde ich aufs Entschiedenste begrüßen, selbst wenn es so schrecklich erfolglos sein sollte, wie es die Serie zu ihrer Zeit leider war. „Nathan Barley“ ist, soweit ich das überblicken kann, so ziemlich komplett bei YouTube zu sehen, und weil ich die Schnipsel hier nicht einbetten kann, gibts halt nur einen Link — mit der dringenden Empfehlung, sich die DVD zu kaufen, die ihrerseits ein veritables Gesamtkunstwerk mit aufwendigem Booklet und tollen Menüs und allem ist. Kaufzwang!

Armando the great adult

21. Februar 2009 6 Kommentare

Armando Iannuccis Werk ist auch in England immer noch ein Geheimtip. Zu wenig zieht es ihn vor die Kamera, lieber schreibt und produziert er, von seinen Anfängen bei „The Day Today“ an immer wieder mit Steve Coogan und Chris Morris, und oft seziert er dabei die Mechanismen von Fernsehen und Komik, was ihn mehr zu einem Comedian’s Comedian macht als zum Publikumsliebling. Lange kokettierte er damit, daß alle seine erfolgreichen Formate kennen, aber niemand seinen Namen richtig schreiben kann. Das dürfte sich spätestens mit der bösen Polit-Satire-Serie „The Thick Of It“ geändert haben, aber mir gefallen seine versponnen-philosophischen Armando Iannucci Shows besser, deren Sketche häufig mit Oberservational Comedy beginnen, indem Iannucci etwa darüber reflektiert, daß Kinder sich immer mehr wie Erwachsene benehmen, dann aber schön regelmäßig ins Surreale abgleiten, wie hier, wo er einige Schüler auf kindgerechte Weise davon abbringen möchte, erwachsen sein zu wollen:

Iannucci ist immer dann gut, wenn er leise, aber irritierende Töne anschlägt und dabei traditionelle Komikmuster dekonstruiert, ja transzendiert — aber was rede ich da, wenn man sich es ebensogut ansehen kann! Hier etwa ein schön zerstörter Stand Up mit Powerpoint-Unterstützung, ebenfalls aus den „Armando Iannucci Shows“:

Schon bei den „Iannucci Shows“, die bereits auf DVD erschienen sind (£4.98!) und definitiv in jede Britcom-Bibliothek gehören, hatte Iannucci Unterstützung von den Computer-Animatoren, die auch die Dinosaurier der BBC-Dino-Dokus zum Leben erweckt haben, die Pro7 hin und wieder ausstrahlt. Eben diese Animations-Götter haben auch Iannuccis bis dato letzter eigener Serie „Time Trumpet“ zugeliefert, einer Parodie auf Nostalgie-Shows, die aus dem Jahr 2031 auf die ersten dreißig Jahre des Jahrtausends zurückblickt – und darin z.B. auf TV-Shows wie „Rape An Ape“:

„Time Trumpet“ erscheint Ende April auf DVD, und es funktioniert prima als Gegengift etwa zu den grauenhaften Retro-Shows, wie ich sie vorhin aus Versehen beim Frühstück auf RTL eingeschaltet habe, wo Oliver Geißen die lustigsten Lieder von Fips Asmussen und Bernd Stelter–, ach, ich darf gar nicht darüber nachdenken. — Mit von der Partie ist bei „Time Trumpet“, man hat es im Ausschnitt gesehen, u.a. Richard Ayoade („The IT Crowd“, „The Mighty Boosh“).

The talented Mr Allan

10. Januar 2009 2 Kommentare

„Tonight is what I call a JFK kind of a night because, just as everyone can remember what they were doing when President Kennedy was shot in the head, I like to think that thirty years form now, people will remember what they were doing when I first said ‚Ah-haa.'“

Mit diesen leicht irritierenden Worten beginnt Alan Partridge die erste Folge seiner eigenen Fernsehshow „Knowing Me, Knowing You… With Alan Partridge“ (BBC 1994) (oder „KMKYWAP“, wie Alan (Steve Coogan) sie selbst gerne nennt), eine klassische Fernseh-Talkshow mit prominenten Gästen, Musik und Showacts. Die Bühne ist „der Lobby eines internationalen Top-Hotels“ (Partridge) nachempfunden, hat eine eigene Showband sowie, „for the first time ever on a chat show“, einen Springbrunnen. Und vom ersten Moment, in dem Alan in seinem etwas zu großen, auberginefarbigen Blazer auf die Bühne rennt, pantomimisch eine Pistole zieht und ins Publikum schießt, um anschließend die erste von vielen merkwürdigen Metaphern zu verwenden („As tonight’s motorcade of chat cruises through celebrity city, let’s hope there isn’t a lone sniper waiting to pick off my star guest!“), ahnt der Zuschauer: Hier geht es weniger um die Gäste als um den merkwürdigen Gastgeber, der ohne erkennbaren Grund sehr von sich eingenommen scheint, seinen Gästen gegenüber eine bestenfalls unklare Haltung an den Tag legt, sie schlimmstenfalls aber beleidigt und beschimpft, und der von einer geistigen und emotionalen Armseligkeit ist, die immer wieder zu peinlichen, mitleiderregenden und sehr häufig hochkomischen Momenten führt.

So lädt Alan etwa die britischen Staffelläuferinnen der Berliner Olympiade von 1936 ein, hochbetagte Damen, von deren erstem Treffen nach langer Zeit Alan sich tränentreibende Momente erhofft. Natürlich kann er seine Enttäuschung nicht verbergen, als sich herausstellt, daß das Wiedersehen bereits ein halbes Jahr zuvor bei Alans Konkurrent Dave Lee Travis vom Privatfernsehen stattgefunden hat und die Damen darum lieber ein kleines privates Schwätzchen halten als vor Rührung telegen zu weinen.

Alan: „I don’t believe it. He’s done it again. Did you cry on his show?“

Elsie, Georgina and Ann: „Oh, yes, buckets, didn’t we?“

Alan: „Oh, great.“

Elsie: „Even David cried.“

Im Anschluß bittet Alan, man möge sich vorstellen, es sei 1936 und man sei im Berliner Olympiastadion — „Everyone’s here: Hitler’s in his box; Jesse Owens just waved at him — he doesn’t like that“ — und läßt dann die Ladys vor Hakenkreuzkulisse einen Mini-Staffellauf-Parcours absolvieren. Zum Schluß dieser, der dritten Folge, treten dann Hot Pants auf, die Tanztruppe des deutschen Getränkeherstellers Sprünt, für den Alan in der Sendung Schleichwerbung gemacht hat, und Alan setzt sich schonmal halbnackt in den Jacuzzi — nicht wissend, daß Hot Pants vier gut gebaute schwarze Stripper sind, die nach ihrer Showeinlage zu Alan ins Wasser kommen: „Ahh! They’re men! They’re men! And on that bombshell, goodnight, ah-haa! Sprünt! Sprünt!“

Alan Partridge ist Steve Coogans erfolgreichste Figur, und mit „Knowing Me, Knowing You“ gelang ihm 1994 der Durchbruch. Er war zuvor (schon mit 24) als Stimme in „Spitting Image“ aufgefallen, hatte bereits Radio und Fernsehen gemacht und auch die Figur des scheiternden Moderators Alan Partridge schon für Chris Morris‘ Nachrichtenspoof „The Day Today“ auf die Mattscheibe gebracht, als es ihm der Erfolg dieser Sitcom ermöglichte, den Grundstein zu seinem eigenen Comedy-Imperium zu legen, das heute eine eigene Produktionsfirma (BabyCow) und eine leidliche Karriere in Hollywood umfaßt. Hinter den Kulissen wirkte der geniale Armando Iannucci als Produzent und Coautor mit, und das Schauspielerteam Rebecca Front, Patrick Marber und David Schneider sollte Coogans Karriere ebenfalls zu beiderseitigem Nutzen begleiten.

Die Figur Partridge tauchte 1997 und 2002 in „I’m Alan Partridge“ wieder auf, als seine (fiktionale) Karriere bereits steil nach unten geführt hatte und Partridge Radiomoderator in der englischen Provinz war. Noch immer gibt es Gerüchte um einen geplanten Kinofilm mit Alan Partridge: Die Figur ist laut Coogan jedenfalls nicht tot — wenn es ihm einfiele, packe er sie wieder aus und reanimiere sie. Bis dahin wird man sich „KMKYWAP“ inklusive des Weihnachts-Specials „Knowing Me, Knowing Yule“, in dessen Verlauf Alan live von seinem Arbeitgeber gefeuert wird, immer wieder ansehen und vor Peinlichkeitslachen auf dem Sofa kringeln müssen (auf DVD erhältlich).