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Archiv für August, 2009

In the Loop

29. August 2009 Keine Kommentare

Internationale Diplomatie ist ein Geschäft, in dem es auf jedes einzelne Wort ankommt, das öffentlich geäußert wird. Briten wiederum sind die Großmeister internationaler Diplomatie und verstehen sich darum bestens auf Wortklauberei. Mit einer Ausnahme vielleicht: der des unbedarften Minister for International Development Simon Foster (Tom Hollander). Der äußert sich, in einem harmlosen Radiointerview überrumpelt, zur britischen Haltung zu einem möglichen Krieg im Mittleren Osten: „War is unforeseeable“ — Krieg ist nicht vorhersehbar. Harmlos, sollte man meinen — doch diese drei Worte werden dem eigentlich eher bedeutungslosen britischen Minister zum Verhängnis, denn die britische Politik zu den Kriegsplänen der Amerikaner ist die, daß Krieg weder vorhersehbar noch unvorhersehbar ist.

Zunächst fällt in Armando Iannuccis brillanter Polit-Satire „In the Loop“ (BBC Films, 2009, seit letzter Woche auf DVD erhältlich) daraufhin die nationale Großpolitik in Gestalt des Spin-Doctors Malcolm Tucker (Peter Capaldi), der für den Prime Minister den Einpeitscher spielt, über den armen Foster her. Tucker versucht sich in Schadensbegrenzung („You may have heard him say that, but he didn’t say that. And that’s a fact“) und befleißigt sich im Übrigen im Umgang mit seinen Schäfchen einer Sprache, die das genaue Gegenteil von diplomatischem Understatement ist. Sie ist sogar so grenzenlos obszön, beleidigend und beißend vulgär, daß es die reine Freude ist, ihm bei seinen Schimpftiraden zuzuhören:

„Get me fucking Brian. If you don’t get  me Brian, I’m gonna come over there, I’m gonna lock you into a fucking flotation tank and pump it full of sewage until you fucking drown!!!“

Leider ist Foster auf eine David Brent-artige Weise einfältig genug, sich bei der nächsten Gelegenheit abermals öffentlich zu einem möglichen Krieg zu äußern („To walk the road of peace, sometimes we need to be ready to climb the mountain of conflict“), und so setzt er eine Kettenreaktion in Gang, bei der ihn sowohl amerikanische Befürworter als auch Gegner eines Kriegs für ihre Zwecke einspannen möchten — so daß Tucker kaum noch nachkommt mit seinen Versuchen, zu retten was zu retten ist.

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Zum Lachen, zum Weinen

28. August 2009 25 Kommentare

Es ist ja nur das eine, daß deutsche Journalisten die in Umfragen ermittelten „18 Prozent“ für Hape Kerkelings Horst Schlämmer nicht richtig interpretieren können oder wollen. Das andere ist, daß einige schon Probleme mit unterschiedlichen Medienformen haben, und daß alles aus und vorbei ist, wenn dann noch Komik ins Spiel kommt — Satire, Parodie, uneigentliches Sprechen, das ist offenbar zu hoch.

Jüngstes Beispiel: Ein Text von Minu Barati in der gestrigen Zeit, über dem in dicken, unsichtbaren Buchstaben stand: „Wir würden diesen Text auch drucken, wenn Minu Barati nicht die Frau von Joschka Fischer wäre.“ Sie hat offenbar sowohl den „Schlämmer“- als auch den „PARTEI“-Film gesehen, aber weder den einen noch den anderen verstanden, und das Phänomen, das sie dann beschreiben will, erst recht nicht. Geschenkt, daß auch Barati die „18 Prozent“ Schlämmerzustimmung, die Deutsche mit Sinn für Humor dem Forsa-Mann in den Block diktiert haben, wie all ihre Kollegen ernst nimmt und nicht als das, was sie sind: Einen Spaß, den Menschen in Umfragen eben mitmachen, wenn sie gefragt werden, ob sie sich vorstellen könnten, einem Spaßkandidaten ihre Stimme zu geben. Was das tatsächlich über Wahl- und Politikbegeisterung oder ihr Fehlen in Deutschland aussagen soll, ist mir vollkommen rätselhaft. Aber dann:

„In diesem Jahr erleben wir den wohl langweiligsten Wahlkampf aller Zeiten. Vielleicht bekommen Schlämmer und Sonneborn deshalb so viel Beachtung. Sie sind fiktive Figuren, wirken aber neben ihren ‚Politikerkollegen‘ erstaunlich real.“

Sonneborn eine fiktive Figur? Das wüßte ich. Während seiner Chefredakteurschaft bei TITANIC erschien er mir jedenfalls durchaus real, im Gegensatz zu Horst Schlämmer. Allerdings ist auch der nicht fiktiv, es gibt ihn ja, zumindest als eine Rolle des Komikers Kerkeling; Schlämmer ist mithin fiktional. Ein Unterschied, den man kennen könnte, wenn man an der „Berliner Fernsehakademie studiert“ hat und „eine Filmproduktionsfirma“ leitet.

Es scheint aber, als wäre es Barati lieber, die Wirklichkeit ihren Theorien anzupassen als umgekehrt:

„(Sonneborns) Gefolgschaft rekrutiert sich zum einen aus den eigenen Reihen der TITANIC-Anhänger und zum anderen aus Menschen, die nicht einmal eine rudimentäre politische Informationsfähigkeit empfinden und deren Konzentrationsfähigkeit auf einen Bierdeckel paßt. Hier wird ein Pool von Wählern gezeigt, den man zu fast allem mobilisieren kann.“

Ist das noch Ahnungslosigkeit oder schon Demagogie? Denn selbstverständlich hat Die PARTEI keineswegs die beschriebenen Vollidioten und willenlosen Zombies als Mitglieder, sondern Menschen, denen bewußt ist, daß Die PARTEI eine Satireveranstaltung ist, eine Parodie auf die echten Parteien und ihr mitunter leeres Geschwätz. Sie jubeln nicht den krausen Forderungen zu, die im übrigen kluge und mit Humor begabte Menschen wie Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Oliver Maria Schmitt zum Besten geben, sondern dem Umstand, daß man auch dem größten Unsinn mit einfachen Mitteln (grauer Anzug, seriöses Gesicht) den Anschein richtiger Politik geben kann. Es sind Menschen, die den Witz verstanden haben — anders offenbar als Minu Barati.

Darum ist der allergrößte Unsinn natürlich der Satz

„Sonneborn und Die PARTEI wirken wie ein schamanisches Heilsversprechen bei Krebs im Endstadium. Erstaunt wird man in ein Paralleluniversum eingeführt, in dem Satire und Ironie nicht existieren.“

Äh: What?! Man braucht also nur seinen Sinn für Humor abstellen und kann ohne weiteres all den reinen und blühenden Unsinn um einen herum ernst nehmen — und allen Beteiligten unterstellen, auch sie nähmen den Unsinn ernst und könnten am Ende Wirklichkeit und Fiktion nicht mehr unterscheiden? Da scheint ein gewaltiger Dachschaden vorzuliegen.

Also noch mal zum Mitschreiben: Horst Schlämmer ist eine fiktionale Figur, nämlich die des Komikers Hape Kerkeling. Er existiert nicht wirklich, kann dementsprechend auch nicht wirklich kandidieren, und hat auch keine echte Partei hinter sich. Martin Sonneborn ist eine reale Figur, nämlich ein Publizist mit Namen Martin Sonneborn, der nach allen Regeln des Rechtsstaates eine richtige Partei gegründet hat, die aber mit satirischen Nonsens-Inhalten gefüllt ist. Über den Aufstieg und Fall dieser Partei wiederum ist eine Dokumentation gedreht worden, die mit fiktionalen Elementen angereichert ist.

Aber womöglich weiß das Frau Barati ja und hat sich nur einmal zum Spaß dumm und humorlos gestellt, um zu sehen, was passiert, wenn man aus dieser Perspektive einen Text über komische Filme und Phänomene schreibt. Was passiert ist, daß Die Zeit es dann in ihren Politikteil hineindruckt.

Schon wieder Ricky Gervais

27. August 2009 2 Kommentare

…denkt man vermutlich, wenn man diesen Blog liest. Aber nicht nur: Die Kritik im Telegraph, die sich mit Ricky Gervais‘ jüngstem Stand Up-Programm beschäftigt, das vor zwei Tagen in Edinburgh Premiere hatte, hat einen ganz ähnlichen Tenor. Schon wieder! Und mit so viel Werbung davor! Ein paar halbgute Anekdoten, die man weitererzählen könnte, wenn man absolut nichts besseres zu tun hätte! Könnte das der lang erwartete Backlash für Gervais‘ Karriere sein? Daß langsam alle den Kanal von ihm so voll haben wie wir hierzulande sagen wir mal von Horst Schlämmer?

Mörder-Rolle für Simon Pegg

26. August 2009 Keine Kommentare

Simon Pegg, der momentan so gut im Geschäft ist, daß er seine bereits lang angekündigte Autobiographie „Out of ‚Spaced'“ um ein Jahr auf Weihnachten 2010 verschieben mußte, hat offenbar noch ein weiteres Filmprojekt angenommen. Er wird, wenn man Dread Central glauben darf, einen der beiden Serienmörder William Burke und William Hare spielen, die Anfang des 19. Jahrhunderts in England mordeten, um die Leichen dem Edinburgh Medical College für anatomische Zwecke zu verkaufen. Regie führen soll John Landis, der das Gerücht um Pegg auch gestreut hat. Hoffentlich spielt nicht Nick Frost den zweiten Killer, so brillant ist der Double Act der beiden nämlich auch nicht, daß ich ihn in jedem zweiten Film mit Pegg wieder sehen müßte.

Behind The Office

26. August 2009 Keine Kommentare

Der BBC-Comedy-Blog hat, bevor die BBC am Sonntag die ganze erste Staffel „The Office“ plus diverse Specials zeigt, schon mal einige Clips online gestellt, die freundlicherweise sogar außerhalb Großbritanniens geguckt werden dürfen — und sogar eingebettet! Darum hier in voller Länge:

The Beginning

The Style

Comedy V Humour

Staff Training

Impact

Wer alles zu Wort kommt in diesen Clips, entnehme man bitte den Tags; daß Christopher Guest dabei ist, sieht man schon daran, daß die Lautstärke-Regler der BBC-Player bis 11 gehen.

Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan!

24. August 2009 3 Kommentare

Ich stehe ja auf diese YouTube-Tierfilmchen mit lustigen Katzen, Papageien, Schimpansen und all dem anderen Getier, und auch bei der ansonsten weitgehend unerträglichen „Ups!“-Pannenshow bleibe ich immer wegen der Schnipsel hängen, in denen Tiere vorkommen (na ja, und Kinder). Darum mag ich auch Walk on the Wild Side (BBC1, Samstags, 17.05 Uhr), die Tier-Clip-Show des noch vergleichsweise jungen Stand Up-Comedians Jason Manford (28). Auch wenn sich die Clips (und Witze) der ersten Folge merkwürdigerweise in der zweiten schon wiederholt haben. Mal sehen, was noch kommt — hoffentlich noch so komische Sachen wie der Gorilla…

…die „Penguin’s Got Talent“-Show…

…und die Murmeltiere. Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan! Alan!