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Artikel Tagged ‘Ardal O’Hanlon’

Pausenmusik: Father Ted & Father Dougal – “My Lovely Horse”

22. Juli 2010 1 Kommentar

Die Folge “Father Ted” (Channel4, 1995 – ’98), die ich mit Abstand am häufigsten gesehen habe, ist “A Song for Europe”: Father Dougal (Ardal O’Hanlon) ist schon ganz gespannt auf den European Song Contest, doch es ist gerade mal halb fünf, und der Song Contest beginnt erst im Mai. Also hört er bis dahin seine Plattensammlung (i.e. eine einzige Single): den Song einer völlig unbekannten Priester-Band namens Nin Huguen and the Huguenotes, die in der norwegischen Grand-Prix-Vorentscheidung von 1976 auf den fünften Platz gekommen war. Eine Inspiration! Dougal und Ted (Dermot Morgan) beschließen, bei der irischen Vorrunde anzutreten. Das Komponieren stellt sich allerdings als schwieriger heraus, als die Fathers es erwartet hatten…


Da aber auf der B-Seite von Dougals Single ein so eingängiger Song ist, nie jemand etwas von der norwegischen Priester-Band gehört hat und außerdem die ganze Band, die Komponisten und Rechteinhaber des Songs bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen sind, beschließen Ted und Dougal, den Song als, nun ja, Tribute an die Band zu covern — ohne davon jemandem etwas zu sagen. In der Nacht vor dem großen Tag träumen schließlich Ted und Dougal schon von ihrem Song: “My Lovely Horse”

Bei der irischen Grand-Prix-Vorentscheidung selbst kommt dann allerdings alles anders als erwartet, denn Teds Intimfeind Father Dick Byrne tritt ebenfalls an…

Die Melodie zu “My Lovely Horse” stammt von Neil Hannon (Divine Comedy), der auch die Titelmusik zu “Father Ted” beigesteuert hat.

Grumpy middle-aged man

11. Juni 2010 4 Kommentare

Ein Ire, der in Australien Witze über Engländer in Schottland macht: Das wäre vielleicht ein guter Anfang für einen Text über Dylan Moran und seine zuletzt erschienene Live-DVD “What It is” (2009, mit UT). Denn zu Beginn der Show verblüfft weniger, was Dylan Moran so sagt, als wo er es sagt: In Sydney. Eher ungewöhnlich für britische Stand Up-Comedians. Vielleicht legt es Moran auf den größtmöglichen Kontrast an: nämlich zwischen dem sonnigen, aufgeräumt-fröhlichen Stand Up hie und dem launisch-mürrischen, finsteren Australien da. Bzw. natürlich umgekehrt.

Dylan Morans größte Fernsehrolle war die des Bernard Black in “Black Books” (Channel 4, 2000 – ’04: ein misanthroper, schlecht organisierter irischer Buchhändler in London (seine zweitgrößte war die eines misanthropen, schlecht organisierten Comedians, den die Liebe in die Provinz trägt: “How Do You Want Me?”, BBC2, 1998 – ’99). Wie viel Moran in Bernard Black steckt, erschließt sich aber erst in seinen Stand Ups: Viel.

Nicht nur scheint es zwischen Bernard Black und Dylan Moran kaum optische Unterschiede zu geben: Beide bevorzugen schwarze Klamotten, eine ungesunde Gesichtsfarbe und Haupthaar, dessen Zustand kaum die Bezeichnung “Frisur” verdient. Auch die rants, in denen er in “Black Books” über Gott und die Welt lamentiert, setzen sich in seinen Stand Ups nahtlos fort: Da geht es abermals um Gott und Welt, sprich: Um Religion und die Evolutionstheorie, um Menschen im Konsumrausch, junge Ärzte, die ihm Regeln für einen gesünderen Lebensstil vorschreiben wollen, obwohl sie kaum elf Jahre alt zu sein scheinen, um Werbung, die immer aggressiver um Aufmerksamkeit heischt, um Do-it-Yourself im Haushalt und den allmählichen körperlichen Verfall bis hin zum Tod. Von der Evolution hätte sich Moran mehr erwartet als Urknall, dann Affen, dann Menschen bzw.: “Ich brauche mehr als Bang! Uh-uh-uh! Honey, I’m home! Viel besser wäre doch die umgekehrte Reihenfolge!”

Es braucht einen Moment, bis dieser Scherz zündet — “da fällt der Groschen wieder pfennigweise”, wie mein Deutschlehrer zu sagen pflegte — doch er ist ganz typisch für Moran, der viele non sequitur-Gags in seinen Monolog einbaut, also Gags, die auf Abschweifung, logischem Bruch, einer abrupten Richtungsänderung des Gedanken beruhen. Wie überhaupt Moran zwar durchaus den grumpy middle-aged man gibt, aber weit mehr als den: sein Sprachwitz, seine Lust an komischen Sprachbildern, die Phantasie, mit der er da mäandernde Gedankenketten knüpft, erinnern von ferne an Ardal O’Hanlon (der Father Dougal in “Father Ted”). Kein Zufall, denn Moran kam zur Comedy, nachdem er mit zwanzig einen Gig von O’Hanlon gesehen hatte, und er sollte später mit den “Father Ted”-Autoren Graham Linehan und Arthur Mathews, alle ebenfalls Iren, “Black Books” entwickeln.

Einzig einen etwas konziseren Schluß seiner mit 76 Minuten eher kurzen (aber keineswegs zu kurzen) Show hätte ich mir gewünscht: die hört nämlich einfach auf, ohne daß sie eine Klimax erreicht hätte oder einen logischen Schluß. Das aber ist natürlich eine Petitesse im Vergleich zu der ansonsten tollen Show dieses schlecht gelaunten Alkoholikers, der sich unter anderem an seine wilde Jugend erinnert:

I remember going out with friends drinkin tequila. I mean: tequila?! It’s not even a drink, it’s a way of getting the police around without using a phone!

Für Kinder ab 18

15. März 2010 10 Kommentare

Ich hasse Jugendliche. Jugendliche stinken. Sie sind vorlaut, präpotent und halten sich für den Nabel der Welt, haben aber in Wirklichkeit von nichts Ahnung. Jugendliche denken nur an sich, wollen immerzu “Party machen” und bauen Scheiße. Warum sollte ich ihnen dabei auch noch stundenlang zusehen wollen?

Nun: Weil es verdammt unterhaltsam ist — jedenfalls wenn wir von “Skins” (E4, 2007 -) sprechen. “Skins” bestätigt alle gängigen Vorurteile über Jugendliche (vorlaut, präpotent, keine Ahnung, Party) — und transzendiert sie. Natürlich bauen Tony, Michelle, Sid, Cassie, Chris, Jal, Maxxie und  Anwar unfaßbar viel Scheiß. Aber jeder baut ihn auf seine Weise. Und wenn man eine Weile zusieht, wird die Binnenlogik aus Scheiße bauen und Party machen so stark, daß man sich fragt: Warum habe ich eigentlich nicht so viel Scheiße gebaut und Party gemacht, als ich Teenager war? Sieht doch aus, als wäre mir mächtig etwas entgangen.

Gut, fränkische Mittelstädte in den Achtzigern und Bristol der späten Nullerjahre, das sind schon zwei unterschiedliche Planeten. Ich hätte mit 16 eher nicht auf Pump einem Grasdealer Marihuana für 1000 Mark abgekauft, um den Beutel sofort zu verlieren und keine Ahnung zu haben, wie ich das zurückzahlen soll. Ich hätte mich auch nicht mit ein paar schweren Metallteilen in der Tasche durch die Untersuchung einer Anorexie-Behandlung geschummelt oder von meinen Brüdern, die für HipHop-Battles proben, beim Klarinettespielen stören lassen, und meine alleinerziehenden Mutter hätte sich auch nicht mirnichts, dirnichts aus dem Staub gemacht, um mich mir selbst zu überlassen. Insofern hatte es vermutlich auch seine Vorteile, in der bayerischen Provinz aufzuwachsen, und nicht im Südwestengland eines britischen ComedyDramas.

Kurzweiliger ist aber auf jeden Fall die Jugend in der Fernsehversion von E4, dem Bezahlfernseh-Ableger von Channel4. Sie hat definitiv den besseren Soundtrack als meine Jugend, ist schneller geschnitten und sowohl lustiger als auch trauriger. Das ist überhaupt die ganz große Leistung von “Skins”: Wie hier Tragik und Komik Tür an Tür wohnen, wie man mit jeder Folge, die sich jeweils um einen aus der Clique dreht und auch nach ihm benannt ist, also Episode “Tony”, Folge “Cassie” usw., wie man also mit jeder Folge mehr von der Backstory und den inneren Welten einer Figur erfährt und dabei ganz großes Drama, schlimmste seelische Verletzungen und schwerste Schicksale direkt neben schnellen und hellen Gags liegen, neben Witzen über doofe Eltern, Drogen und Sex, Sex, Sex — das ist nichts weniger als brillant. Und sehr englisch, mal wieder: dreckig, böse, sehr, sehr lustig. Die DVDs sind tatsächlich “ab 18″.

Die Schöpfer der Serie, Bryan Elsley und Jamie Brittain, sind Vater und Sohn (ersterer Jhg. ’61, letzterer ’84) und mit Preisen für “Skins” überhäuft worden; vor allem ab der dritten Staffel häufen sich vermutlich wegen des phänomenalen Erfolgs denn auch die Gast-Auftritte, in denen über zwei bis vier Episoden Stars die Eltern respektive Lehrer verschiedener Teenager spielen dürfen: etwa Sally Phillips, Ardal O’Hanlon, Mark Heap, Rich Fulcher, Simon Day, Kevin Eldon, Bill Bailey, Peter Capaldi und Olivia Colman; Harry Enfield spielt nicht nur regelmäßig mit, sondern führt zwischendurch sogar Regie. Tony Stonem wird gespielt von Nicholas Hoult, den man als Kind noch aus “About a Boy” kennen könnte.

“Skins”, der Name, bezieht sich übrigens nicht etwa auf Skinheads, sondern auf Zigarettenpapierchen, mit denen hier selbstredend ausschließlich Joints gebaut werden. Der Begriff “skins party” ist infolge der Serie in den englischen Sprachgebrauch eingegangen als Synonym für extrem destruktive Großfeiern mit unfaßbar viel Akohol- und Drogenkonsum — es wird von einer Party berichtet, die auf MySpace als “Skins Unofficial Party” angekündigt war und zu der prompt 200 Gäste erschienen, die einen Schaden von 20 000 Pfund anrichteten. Wer bei YouTube nach “Skins”-Trailern sucht (leider alle nicht einzubetten), wird praktisch nur das finden, wofür die Serie berühmt geworden ist: Exzessive Partyszenen.

In England ist gerade die vierte Staffel zuende gegangen (sie erscheint nächste Woche auf DVD); die fünfte und sechste sind schon beschlossen, vermutlich deshalb im Doppelpack, weil (fast) der komplette Cast zwischen der zweiten und dritten Staffel ausgetauscht worden ist und ein weiterer kompletter Austausch der Hauptfiguren geplant ist, deren Geschichte immer nur bis zum Abschluß der Secondary School erzählt werden. Auch von einem Film ist die Rede. Ich werde, soviel steht schon fest, alles gucken, was da noch kommt — “Skins” ist phänomenal.

Verhungerte Comedy

24. Juni 2009 Keine Kommentare

Die große Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts war charakterprägend für die Iren: Sie schürte den Haß auf die englischen Herren, die die Not hätten verhindern können, zog eine Auswanderungswelle Richtung Amerika nach sich und wurde in der Folge zu einem Wendepunkt in der irischen Geschichte, der bis heute im öffentlichen Bewußtsein sehr präsent geblieben ist. Eigentlich naheliegend, daß ein solches Ereignis auch für den Fremdenverkehr ausgenutzt wird: Etwa mit einer Touristenattraktion wie einem Great Famine Theme Park — z.B. mit Schauspielerinnen aus der Umgebung, die schön anämische Hungersopfer spielen könnten: “Make the experience of the famine fun!”

Ardal “Father Dougal” O’Hanlon und Ewen Bremner (der Spud in “Trainspotting”) sind die beiden Unglücklichen, die diesen Theme Park aufbauen sollen in “Wide Open Spaces”, der neuen Komödie von Arthur Mathews, ja: DEM Arthur Mathews, dem wir (zusammen mit Graham Linehan) “Father Ted” verdanken, “Black Books” und “Big Train”. Ein kleiner irischer Film, vor einer Woche angelaufen und vielleicht irgendwann auch mit Untertiteln versehen auf DVD erhältlich; das käme jedenfalls mir sehr zupaß, der ich von dem Trailer schon mal nicht so recht viel verstanden habe, außer daß ein hervorragender BMW E9 mitspielt, der für mich schon allein ein Grund wäre, den Film zu mögen (auch wenn es schon erste Kritiken gibt, die ihn gar nicht mal sooo gut finden, also: den Film, nicht den BMW).

Cross dress to kill

11. Juni 2009 1 Kommentar

Eddie Izzard ist, damit das auch mal gesagt ist, ein Großer: Nämlich ein großer Stand Up Comedian, vielleicht der größte lebende in England. Er ist, und ich schreibe es nur, weil ich zuletzt dessen Stand Up gesehen hatte, das genaue Gegenteil von Stewart Lee: philantrop, flamboyant, durch und durch albern. Und obwohl mir wesensgemäß der menschenhassende, meist schwarzgekleidete Lee und sein kynischer Witz (jaja, gleich langt’s mit den Fremdworten) näher liegen, sind Izzards Auftritte die komischeren, denn er hat sie, ja, er besteht nur aus funny bones. Ein Exzentriker vor dem Herrn, der einen surreal-assoziierenden Humoransatz verfolgt, wie ich ihn auch an Ardal O’Hanlons Comedy hoch schätze. Dabei ist es ganz gleich, ob Izzard über die Kantine auf dem Todesstern spekuliert…

…sich über Religion im Allgemeinen und Christen im Besonderen äußert…

…oder englische und amerikanische Kinofilme vergleicht:

– irgendwann sind einem die bunte, alberne Welt, die Izzard regelmäßig um sich herum erschafft, und ihr Schöpfer so sympathisch, daß man am liebsten bei ihm einziehen möchte. Die größte Annäherung an diesen Wunsch bleibt allerdings wohl das Box-Set mit seinen Auftritten auf DVD (oder natürlich der Besuch eines seiner Gigs).

Die hoppelnden Häschen des Ardal O’Hanlon

5. März 2009 Keine Kommentare

Wenn Homer Simpson unkonzentriert ist, obwohl ihm jemand gerade etwas extrem Relevantes, aber für Homer zu Kompliziertes oder Unangenehmes sagt, erscheint über seinem Kopf eine tanzende Zeichentrick-Kuh. Dann weiß man: Homers Hirn hat sich in eine schlichte, aber sichere Phantasiewelt zurückgezogen, in der für immer die Sonne der Dummheit scheint. Keine Gefahr, daß je Wolken des Zweifels aufzögen oder der Hauch eines Gedankens wehte. Was nun für Homer Simpson die tanzende Kuh ist, sind für Father Dougal aus “Father Ted” etliche auf der Stelle hoppelnde Zeichentrick-Häschen: Eine Metapher für den kindlich-bescheuerten Kosmos, in dem Dougal lebt.

In genau dieser freundlich bunten, ins Alberne vergrößerten Welt findet auch die Comedy Ardal “Dougal” O’Hanlons in seinem letzten Live-Programm “Live in Dublin” statt. Mit großen Augen erzählt O’Hanlon da von seinen Kindern, die sich ein Trampolin wünschten, und wie alle Kinder in der Nachbarschaft ein solches hätten, so daß ein Mädchen kürzlich von Trampolin zu Trampolin aus Dublin bis tief in die Provinz gehüpft sei; er erzählt mit brillant gespielter Naivität von aufgebrachten Moslems, die kurz nach einem Eklat um Richard Gere eben dessen Porträt auf der Straße verbrannt hätten und daß man sich nun wohl fragen müsse, woher diese Porträtbilder gekommen seien — etwa aus einem Porträtfotogeschäft, wo man reingehen und fragen könne, ob sie eins von Richard Gere vorrätig hätten? Wie groß müßten diese Geschäfte sein?! Und er staunt darüber, wie alle Vögel schlechthin alles können — es sei ja nicht so, daß sich ein Vogel auf den Nestbau spezialisiert hätte und ein anderer aufs Singen, um sich von einer Art Simon Cowell-Vogel entdecken zu lassen. Menschen dagegen spezialisierten sich, aufs Software-Engeneering oder auf das Sammeln von Eierkartons. Er habe mal versucht, ein Vogelnest zu bauen, das sei aber nicht gut gegangen, der Vogel sei einfach durch ein Loch im Boden gefallen und habe sich den Kopf am Boden aufgeschlagen.

Die Rolle des gloriosen Trottels ist Ardal O’Hanlon auf den Leib geschrieben. Nicht nur in “Father Ted” lieferte die leuchtende Dummheit Dougals die meisten Pointen oder Vorlagen für Gags, auch in der sehr erfolgreichen, aber nur sehr auszugsweise auf Datenträgern erschienenen Mainstream-Sitcom “My Hero” glänzte er in einer sehr ähnlichen Figur als bezaubernd einfältiger Superheld. Seine beiden Live-DVDs ergänzen seine Arbeit aus “Father Ted” und “My Hero” auf das Hervorragendste; in Ben “Blackadder” Eltons “Blessed”, wo die bemerkenswerteste Eigenschaft seiner Figur einmal nicht die Dämlichkeit war, kam sein komisches Talent dagegen weit weniger zur Geltung. Dementsprechend schlecht waren Serie wie Kritiken denn auch. Völlig aus dem Rahmen fällt schließlich O’Hanlons einziger Roman: “Talk Of The Town” ist nicht ansatzweise komisch gemeint, sondern erschütternd ernst. Die deutsche Übersetzung, die bei List erschienen ist, ist auch erschütternd. Nämlich erschütternd schlecht.

Mangels eines Ausschnittes aus seinem neuen Programm hier ein Clip älteren Datums: Ardal O’Hanlon bei “Stop! You’re Killing Me”, ebenfalls in Dublin.