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Artikel Tagged ‘Eric Idle’

Comedy Landmarks (3): Gleneagles Hotel, Torquay

6. August 2010 Oliver 2 Kommentare

Gutgut, es ist kein Comedy Landmark im eigentlichen Sinne, denn hier wurde nie eine Sitcom gedreht. Aber jeder kennt die Serie mit dem Hotel im Titel, das für das Gleneagles Hotel in Torquay an der englischen Riviera steht: “Fawlty Towers” (BBC2, 1975-’79).

Das Glenagles. Die Außenansicht des Hotels, das in "Fawlty Towers" gezeigt wird, existiert leider nicht mehr - es ist 1991 abgebrannt.

In den frühen Siebzigern waren die Pythons zu Dreharbeiten am “Flying Circus” im hübschen Seebad Torquay und residierten ebenda im Gleneagles. Der Hotelmanager des Gleneagles, ein gewisser Donald Sinclair, zeichnete sich rasch durch, nun ja, unkonventionelles Gebaren aus, indem er beispielsweise Eric Idles Aktentasche, die dieser kurz an der Rezeption liegen gelassen hatte, kurzerhand hinter eine Mauer vor dem Hotel brachte — schließlich hätte in der Tasche ja eine Bombe versteckt gewesen sein können. Idle soll eine gute Weile danach gesucht haben. Bei Tisch ließ Sinclair Terry Gilliam wissen, man esse in England nicht “so”: Gilliam hatte sein Mittagessen zunächst in kleine Stücke geschnitten und diese dann mit der Gabel in der rechten nach und nach verspeist. Jahre später, als die BBC mit John Cleese in Verhandlungen um eine Sitcom stand, erinnerte der sich an den “most wonderful rude man I have ever met” — und so quartierte er sich abermals, später sogar mit seiner Frau Connie Booth, im Gleneagles in Torquay ein, um den erfrischend unhöflichen Hotelmanager zu studieren und Anekdoten über ihn zu sammeln. Die Geschichte ist so oft erzählt worden, ich erspare mir hier weitere Details.

So viel Presserummel gab es um das Gleneagles, daß Donald Sinclair es schließlich verkauft hat und in die USA ausgewandert ist

Leider war das Gleneagles völlig ausgebucht, als wir in Torquay ankamen. Schade, denn obwohl es mehrfach umgebaut und renoviert wurde, zuletzt 2006, strahlt zumindest die Lounge eine quasi historische Ruhe aus, und bei einem Tee und lecker Keksen hat man einen sehr schönen Blick hinunter zum Meer. Gegenüber der Rezeption sind einige gerahmte Zeitungsausschnitte und Autogramme, viel mehr erinnert nicht an “Fawlty Towers”. Ach doch: der Kellner. Der ist zwar nicht aus Spanien, sondern aus Polen, aber genauso sympathisch wie Manuel. Und bevor jemand fragt: We didn’t mention the war.

Prunella Scales, John Cleese, Connie Booth und Andrew Sachs (vorne)

Auf das Foto mit meinem dicken Bauch vor dem Gleneagles verzichte ich heute mal…

Saturiert Night Fever

6. März 2010 Oliver 8 Kommentare

Was soll man angesichts dieses Trailers empfinden, der den gleichnamigen Film zum Monty-Python-Festakt “Not The Messiah” bewirbt?

Der Film wird an angeblich nur einem Tag in England in den Kinos laufen, nämlich am 25. März — glaube das, wer wolle. Die Saturiertheit, mit der da die einst anarchischen Witze zum millionsten Mal wiederholt werden, diesmal gesungen und mit dem BBC Symphony Orchestra als Band, und dann natürlich “Always Look on The Bright Side of Life”… Ich weiß nicht. Kann das lustig sein? Ist das noch das unzähmbare, antiautoritäre Biest Monty Python? Oder ein domestizierter, zahnloser Stubentiger? Hat John Cleese am Ende gut daran getan, sich nicht zu Eric Idle, dem Moder- und Initiator des Spektakels zu gesellen? Oder wäre es fair play gewesen, den Fans diesen Spaß zu gönnen, wenn schon Terry Gilliam, Terry Jones und Michael Palin ihn mitmachen?

Der Sinn der Pythons

30. Oktober 2009 Oliver Keine Kommentare

Auf gänzlich unsentimentale Weise gehen derzeit Larry David und Jerry Seinfeld die Wiedervereinigung des »Seinfeld«-Casts an: Sie spielen sie nämlich nur, im Rahmen von Davids aktueller Staffel »Curb Your Enthusiasm«, und wie es bei »Curb« zu schöner Routine geworden ist: Alle kriegen sich früher oder später mit »L.D.« in die Haare – für »Weißt du noch, damals«-Gefühligkeiten bleibt da zum Glück keine Zeit.

Das ist bei dem sechs einstündige Folgen starken »Monty Python: Almost the Truth – The Lawyer’s Cut« (Edel) anders. Die Pythons feierten soeben ja auch schon ihr vierzigstes Jubiläum, und entsprechend respektvoll begegnen sie zwar immerhin nicht sich gegenseitig, aber die prominenten Fans ihren Heroen, und alle kommen in dem 3-DVD-Box-Set ausführlich zu Wort: Stephen Merchant, Simon Pegg und Steve Coogan, Dan Aykroyd, Pink Floyds Nick Mason und Tim Roth dürfen gratulieren und ihre Kindheitserinnerungen zum besten geben, und natürlich die Pythons selbst bzw. David Sherlock, Graham Chapmans langjähriger Freund, an Stelle des verstorbenen Pythons.

Zwar gibt es für eingefleischte Pythonauten auch hier kaum neue Erkenntnisse (außer daß Eric Idle aufhören sollte, sich die Haare zu färben), aber das Altbekannte wird neu und kompetent erzählt – von den ganz frühen Tagen aller Pythons (»The Not-So-Interesting Beginnings«), die allerdings mit dann doch interessanten neuen Fotos und privaten Super-8-Filmchen schön angedickt werden, dem »Flying Circus« (»The Much Funnier Second Episode«) und den schäbigen Momenten (»The Sordid Personal Bits«), in denen die Zensur versuchte einzugreifen, die BBC beinah die Aufnahmebänder gelöscht hätte und die Pythons mit Chapmans alkoholinduzierter Arbeitsunfähigkeit, Cleeses Starallüren und den Rivalitäten zwischen den beiden Terrys zu kämpfen hatten.

So geht das weiter bis zum letzten Kinofilm, »The Meaning of Life«: Mit zahllosen Ausschnitten, die Lust machen, sich das Gesamtwerk der Pythons gleich noch mal reinzuziehen, und die geistesverwandten Geniestreiche des Python-Vorbilds Spike Milligan, der »Goon-Show« und der Bonzo-Dog-Doo-Dah-Band gleich hinterher – und doch bleibt nach aller Sentimentalität immer das Gefühl, man habe gerade mitgeholfen, Punk ins Museum zu bringen und damit der Anarchokomik alles Anarchistische (und auch alles Komische) zu nehmen, etwas auf einen Sockel zu stellen, das immer gegen alle Erhabenheit war, aus einer Komikergruppe eine Institution zu machen, die stets alle Institutionen vorgeführt und lächerlich gemacht hat. Ein Dilemma, aus dem man kaum herauskommt. Es sei denn, man greift zur Fernbedienung und widmet sich einer weiteren hervorragenden neuen Folge von Larry Davids »Curb«.

Zuerst erschienen in TITANIC 11/2009

In the News (7)

17. Oktober 2009 Oliver 3 Kommentare

Monty Pythons überlebende Mitglieder (plus ein cardboard cut-out von Graham Chapman) haben sich wiedervereinigt: in New York, um einen Spezial-Bafta entgegenzunehmen. Die London Times berichtet von der Feier, ebenso der Guardian, der auch noch einen Clip hat, auf dem Eric Idle wie ein Gebrauchtwagenhändler aussieht. In der Times wiederum darf “Top Gear”-Petrolhead Jeremy Clarkson in seiner Kolumne berichten, wie sein Vater ihn mit neun aus dem Bett geholt hat, um ihm Monty Python zu zeigen, und entpuppt sich als inoffizielles Mitglied der “Dead Parrots” (dem Pub Quiz-Team aus “The Office”).

Ricky Gervais darf, apropos “The Office”, den Fragebogen im Guardian ausfüllen (“The most significant event of the decade? The war on terror. Or writing an episode of The Simpsons. It’s hard to choose, isn’t it?”).

Peter Capaldi, der ewig fluchende Spin Doctor Malcolm Tucker in Armando Iannuccis genialem Film “In the Loop” und der vorangegangenen Serie “The Thick of It”, darf sich zur kommenden Staffel eben dieser Serie im Guardian äußern (gibts eigentlich auch andere Zeitungen auf dieser komischen Insel?).

Curb Your Enthusiasm gewidmet ist schließlich eine Eloge in der Times, die sich mit den speziell jüdischen Aspekten der Serie befaßt, und

ich gehe jetzt wieder ins Bett, Herrschaften, das Buchmessenfest gestern war sagenhaft, und dementsprechend aufgequollen fühlt sich mein Kopf jetzt auch an innendrin, aber das ist angesichts der sensationellen Feier nur angemessen und nicht weiter schlimm. Nur meine goldene Uhr, die ich zum Abschluß meiner beinah zehn Dienstjahre bei TITANIC gestern abend ja wohl bekommen haben muß, kann ich irgendwie nirgends finden. Dafür hat Gärtner jetzt vermutlich zwei. Sei’s, wie es sei. Gute Nacht!

In the News (5)

23. September 2009 Oliver 2 Kommentare

Steve Coogan soll an der Seite von Will Farrell und Mark Wahlberg im Buddy/Cop-Film “The Other Guys” spielen. Das berichtet Chortle. Der prominente Cast schließt u.a. Michael Keaton, Eva Mendes, The Rock und Will Ferrell ein; das Buch ist von Chris Henchy und Adam McKay, der auch Regie führt. Die Verbindung von Henchy zu “Entourage”, das er etliche Episoden lang produziert hat, läßt Gutes hoffen; McKay allerdings hat auch “Anchorman” gemacht und “Eastbound & Down”. Wird also vermutlich Will-Ferrell-Klamauk werden, der auf meiner persönlichen Humorskala kurz vor Didi Hallervorden liegt.

Eric Idle schreibt heute im Telegraph und nutzt die Gelegenheit, ausführlich Werbung für seine Python-Show “Not the Messiah” zu machen. Natürlich nutzt er außerdem die Gelegenheit, um sehr, sehr meta zu werden und darüber zu schreiben, daß er gezwungen wird, etwas über die Pythons zu schreiben, also kann man sich den Text im Grunde sparen, weil über die Pythons eh alles gesagt ist, und sich gleich die “Almost the Truth — The Lawyer’s Cut”-Box kaufen, die ich gerade peu á peu gucke und die dann doch recht interessant ist, weil sie die Geschichte der Pythons immerhin mit Fotos und Filmchen illustriert, die man noch nicht tausendmal gesehen hat, und mit lauter neuen Interviews, wie es sich gehört. Und das neue Buch “Monty Python Live!”, das Anfang Oktober kommen soll und die Geschichtchen erzählen wird, die den Pythons auf ihren Tourneen widerfahren sind.

It’s…

8. Juli 2009 Oliver 2 Kommentare

Not the Messiah

Not the Messiah

Monty Python’s Flying Circus’ Reunion — jedenfalls beinahe: Zum 40. Jahrestag der Erstausstrahlung des Fliegenden Zirkus’ werden sich die Pythons für eine Live-Show in der Royal Albert Hall zu London wieder zusammentun. Mit Ausnahme von, natürlich, Graham Chapman, der 1989 an Krebs gestorben ist — und aber auch ohne John Cleese, was die Meldung gleich viel weniger sensationell macht.

“Not the Messiah (He’s a Very Naughty Boy)” soll ein “komisches Oratorium” werden, so Eric Idle, der die Show zusammen mit John du Prez (Musik u.a. für “M. P.’s Meaning of Life”) geschrieben hat. Mit von der Partie werden außerdem Carol Cleveland und Neil Innes sein, den ich für seine Beatles-Anverwandlungen für “The Rutles — All You Need is Cash” ebenso bewundere wie für seine komischen Platten mit der Bonzo Dog Doo-Dah Band. Wer 140 Pfund für ein Ticket übrig hat (gibt aber auch billigere): Am 23. Oktober ist es so weit.

Und weil man den ganzen Monty Python-Kram nun doch schon so oft gesehen hat: Hier “Ouch” aus dem Rutles-Film (zu dem ich sehr raten kann, jedenfalls zum ersten Teil. Es gibt noch einen gottseidank weitgehend unbekannten zweiten Teil, aber über den schreibe ich ein andermal, wenn ich schlechte Laune habe).

Adliger Lieblingswitz

1. November 2007 Oliver Keine Kommentare

Der Legende nach ist »The Aristocrats« ein Witz, den sich die Witzemacher der englischsprachigen Welt seit den Zeiten des Vaudeville untereinander erzählen, der es jedoch nie aus diesem scharf umrissenen Milieu hinausgeschafft hat. Ein sagenhafter Witz, mit dem sich die Herren (und, seltener, Damen) Künstler vor ihren Standup-Auftritten warmwitzeln, indem sie ihn variieren, ausschmücken und überdrehen, bis er groteske Formen annimmt und weit jenseits des landläufigen sog. guten Geschmacks noch lange nicht aufhört.

Diesen hochgradig obszönen Witz, von dem erzählt wird, seine Wirkung reiche an Monty Pythons »tödlichen Witz« heran, das Publikum lache sich bei professionellem Vortrag nämlich zumindest annähernd tot, diesen mythischen Witz und seine Geschichte erzählt die Filmdoku »The Aristocrats«, die nun in ausgewählten deutschen Kinos zu besichtigen ist. Vorgetragen und präsentiert wird diese Mutter aller Witze von der Crème der amerikanischen und britischen Comedy, erwähnt seien hier stellvertretend für annähernd einhundert Komiker nur Eric Idle, Jon Stewart und Robin Williams, und jede Version ist dabei schmutziger, widerlicher, abstoßender und komischer als die vorige.

Erzählen kann und werde ich den Witz hier natürlich nicht, da müssen Sie schon selbst ins Kino gehen. Die Pointe allerdings verrate ich Ihnen gerne. Sie lautet: »The Aristocrats«.

Zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 11/2007