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Artikel Tagged ‘Matt LeBlanc’

„Episodes“ (1)

10. Januar 2011 1 Kommentar

Gestern, just an dem Tag, der das US-Remake von „Shameless“ auf die US-Bildschirme brachte, startete „Episodes“: Die Sitcom über ein britisches Ehepaar (Tamsin „Black Books“ Greig und Stephen „Dirk Gentley“ Mangan, beide „Green Wing“), dessen englische Fernsehserie für den amerikanischen Markt ein Remake erfährt — und durch die Fehlbesetzung der Hauptrolle mit „Friends“-Star Matt LeBlanc (Matt LeBlanc) komplett ruiniert wird.

Ich habe sie selbst noch nicht gesehen, aber gerade bemerkt, daß es die erste Folge ganz legal online gibt: Hier ist sie. Sobald ich sie gesehen habe (und „Shameless“ mit William H. Macey als Matt LeBlanc), werde ich berichten, wer die bessere Fehlbesetzung ist.

leider offline

Beide Serien laufen übrigens auf Showtime — ganz schön mutig, das hintereinander zu programmieren und damit der Kritik eine Vorlage zu liefern, wie sie steiler kaum sein könnte.

In the News

Zwei Todesfälle und eine Geburt:

„Bellamy’s People“ wird keine zweite Staffel erhalten. Das berichtet Chortle. Der Spoof der „Fast Show“-Genies Paul Whitehouse und Charlie Higson wurde nach der ersten Series von der BBC abgesetzt — wenig überraschend, konnte doch die Umsetzung der erfolgreichen Radio-Comedy ins Fernsehen nicht so recht überzeugen.

Auch Sarah Silverman wird nach drei Staffeln ihrer „Sarah Silverman Program“ keine weitere Season produzieren. Keine Überraschung, hatte Comedy Central doch schon die letzte Staffel mittendrin auf einen mitternächtlichen Sendeplatz verschoben und zuvor schon das Budget gekürzt.

Die gute Nachricht zum Schluß: Matt LeBlanc hat die Rolle als Matt LeBlanc bekommen, die er in der US-britischen Coproduktion „Episodes“ spielen soll — und zwar als Fehlbesetzung in einem US-Remake einer erfolgreichen britischen Fernsehserie. Könnte lustig werden (dieses Blog berichtete) und erinnert ein wenig an die selbstironische (und ziemlich bittere) Sitcom „The Comeback“, in der LeBlancs „Friends“-Kollegin Lisa Kudrow sich bereits 2005 über ihren Status als alternde Schauspielerin im Fernsehbusiness lustig gemacht hat. Der erste Trailer sieht jedenfalls gut aus:

In the News (6)

4. Oktober 2009 1 Kommentar

„Curb Your Enthusiasm“ wird, nach zwei zunehmend komischen, aber „Seinfeld“-freien Folgen, in der heutigen Folge auf endlose Ankündigungen endlich Taten folgen lassen: Jerry Seinfeld, Jason Alexander, Julia Louis-Dreyfus und Michael Richards werden nach fast elfeinhalb Jahren erstmals wieder gemeinsam vor der Kamera stehen. Und das vor Originalkulissen im Originalstudio, wie sie in einem langen Interview mit Hollywoodinsider verraten:

Michael Richards: „The only thing that was missing was on the back wall of Jerry’s apartment in the hall where you enter from, I had written “Funny” in red paint on the wall. And that wasn’t on the wall. It was missing. But we didn’t need any touch-up. That’s what was so profound. It just all came together pretty easily.“

Matt LeBlanc („Friends“) wird die Hauptrolle in der britisch-amerikanischen Coproduktion „Episodes“ spielen, die im Fernsehmilieu stattfinden wird und den Trend zu amerikanischen Remakes englischer Sitcoms satirisch aufgreifen soll. LeBlanc soll darin die amerikanische Fehlbesetzung eines englischen älteren Gelehrten spielen, über den sich die Produzenten in die Haare kriegen. Es soll aber in erster Linie eine romantische Comedy über Liebe am Arbeitsplatz werden — denn die Produzenten sind miteinander verheiratet. Könnte gut werden, wird „Episodes“ doch von Hat Trick produziert (die neben dem Dauerbrenner „Father Ted“, den ich hier gar nicht oft genug empfehlen kann, allerdings auch das unsägliche „Kröd Mandoon“ versemmelt haben) und von Mark Bussell und Justin Sbresni betreut, die das höchst empfehlenswerte „The Worst Week of My Life“ gemacht und auch seine (allerdings eher mäßige) Umsetzung für den US-Markt betreut haben. Ich persönlich bin ja ein Fan von Fernsehen, das sich mit sich selbst beschäftigt (siehe „Curb“), und empfehle daher hier nochmal fix „Moving Wallpaper“ und „Dead Set“; „30 Rock“ und „Extras“ muß man ja wohl nicht mehr extra erwähnen.

Außerdem meditiert die London Times darüber, what British comedy says about us (ich wage kaum darüber nachzudenken, was deutsche Comedy über uns aussagt), und der Guardian denkt laut darüber nach, ob der „Anhalter“ immer noch lustig ist. Ich tippe ja: Er ist es.

Total verkuppelt

7. August 2009 3 Kommentare

Ich hatte „Coupling“ (2000 – 04, BBC2) eigentlich mehr der Vollständigkeit halber geordert,  nicht, weil ich besonders viel davon erwartet hätte. Schon als sie auf Pro7 lief, hatte ich die Serie für zu mainstreamig befunden, und (wie so ziemlich jeder Kritiker) für zu nahe an „Friends“. Und wenn mich irgend etwas langweilt, dann das damals  besonders virulente „Frauen benutzen gerne Venus-Kaffeemaschinen, Männer essen lieber ein Mars“-Thema.

Dementsprechend überrascht war ich, als sich (nach einer etwas schleppenden ersten) vor allem die zweite und dritte Staffel als hervorragendes Popcorn-Fernsehen herausstellten: Vor allem die immer neuen und für Sitcoms eher ungewöhnlichen Formen, die den ewigen Ringelpiez mit Anfassen variierten, haben mich dann doch von den Qualitäten der Serie überzeugt. So etwa der Dreh, die selben zehn Minuten dreimal zu zeigen, allerdings mit je anderen Figuren im Mittelpunkt, so daß zunächst unverständliche Ereignisse beim zweiten und dritten Mal plötzlich Sinn ergeben; oder der Dreh, die selben 15 Minuten aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu rekapitulieren, so daß die gleichen Sätze, je nachdem, wer sich wie daran erinnert, auf einmal etwas ganz anderes bedeuten. Und fast eine ganze Folge extrem statisch als langes Telefonat bzw. als Telefonkonferenz aufzubauen, ist zumindest für eine Mainstream-Sitcom schon recht unkonventionell. Dabei fliegen einem die Gags in einer Frequenz um die Ohren, daß es nur so rauscht — bemerkenswert, daß dabei alles von einem einzigen Autor stammt, nämlich Steven Moffat, während etwa „Friends“ bei IMDB gute 40 Autoren verzeichnet, was bei 238 Folgen „Friends“ gegenüber 28 Episoden „Coupling“ relativ gesehen immer noch, äh, viel mehr „Friends“- als „Coupling“-Autoren bedeutet.

Apropos: Der Vergleich mit „Friends“ (1994 – 2004, NBC) liegt zwar in der Tat nahe, ist aber nicht ganz berechtigt. Sicher, die Aufstellung des Ensembles von je drei Frauen und Männer Anfang dreißig sowie das Setting Zuhause/Kneipe sind durchaus ähnlich, und auch die Figuren scheinen ihre direkten Pendants zu haben, vor allem Phoebe (Lisa Kudrow) und Jane (Gina Bellman) sowie Joey (Matt LeBlanc) und Jeff (Richard Coyle) sind einander in ihrer Überspanntheit gewiß nicht unähnlich. Allerdings ist nicht nur der Tonfall typisch britisch („You can’t just walk in through the front door, this isn’t an American sitcom!“), mithin viel schwärzer und unbekümmert, was sexuelle Tabus angeht. Die ganze Anlage von Plot und merkwürdigen Figureninteraktionen sind, nach Moffats eigener Aussage, eher an „Seinfeld“ orientiert als an „Friends“.

Moffat, der die Serie eigenen Angaben zufolge übrigens auf wahre Begebenheiten zwischen ihm und seiner damaligen Ehefrau Sue Vertue, der Produzentin der Serie aufbaute (die beiden „Coupling“-Hauptfiguren heißen Steve und Susan), schrieb anschließend einige Folgen „Doctor Who“, Sarah Alexander (Susan) wuchs in „Green Wing“ und „The Worst Week of My Life“ über sich hinaus, und Jack Davenport (Steve) heiratete immerhin Michelle Gomez („Green Wing“, „The Book Group“). Ist doch auch was.

Nachtrag: Würde ich Britcom-Blog-Preise vergeben, dann erhielte „Coupling“ auf jeden Fall einen: Nämlich den für die schlimmste Vorspann-Graphik ever. Uah, diese gräßlichen Pastell-Töne! Die runden Ecken…! Furchtbar.