Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Spoof’

Öh my göd

Fast überflüssig nachzutragen: „Kröd Mändoon and the Flaming Sword of Fire“ ist der reine Scheiß und Schmarrn — like „Blackadder“ never happened. Das einzig gute an der britisch-amerikanischen Coproduktion sind die Schauwerte, die an die von „Xena“ rankommen (und angeblich im günstigen Ungarn entstanden sind), alles andere ist Stuß: Eine Genre-Parodie ohne Kenntnis der oder gar Liebe zur Vorlage, die sich auf  Stereotypen, naheliegendem Slapstick und mauen Witzen (gerne über Frauen und Schwule) ausruht. Meins ist es jedenfalls nicht, ich bevorzuge charakter-basierte Komik allemal vor Albereien wie dieser. Von Comedy Central, dem US-Part, habe ich nichts anderes erwartet, was aber Hat Trick Productions bewogen hat, nach Qualitätsware wie „Father Ted“, „Outnumbered“ und „The Worst Week of My Life“ nun diesen Käse zu machen, ist mir schleierhaft. Mal sehen, wann er hier bei CC läuft.

Very sörry

10. Juni 2009 2 Kommentare

Zu wenig Content hier, ich weiß. Aber zum einen komme ich gerade nicht dazu, Altes zu gucken, und Neues gibt’s zur Zeit nicht wirklich viel Relevantes — auch Kröd Mändoon and the Flaming Sword of Fire (ab morgen auf BBC2) sieht nicht so aus, als wäre es einen Schuß Pulver wert, Stichwort: Matt Lucas („Little Britain“) und stereotype Schwule, o je.

Changes

gab es leiderleider bei der „Time Trumpet“-Edition für die DVD, die ich nun auch endlich gesehen habe: So ist etwa am Ende der ersten Folge der gleichnamige Song von David Bowie rausgeflogen, über den Armando Iannucci die entsprechenden Worte und Satzfetzen von Tony Blair und David Cameron aus ihren Wahlkampfreden montiert hatte („Just gonna have to be a different man“, ha, ha) — zu teuer, der Bowie-Song, vermute ich mal. Ohne diesen ergibt die Montage natürlich keinen rechten Sinn mehr. Schade weiterhin, daß jegliche Extras fehlen bei dieser DVD. Ich mag Extras.

Fernsehsatire für Fortgeschrittene

24. April 2009 5 Kommentare

Prominente, die in einer Clipshow auf die letzten dreißig Jahre zurückblicken: Das klingt nicht nach einer besonders aufregenden Fernsehidee. Das ändert sich unmittelbar, wenn man die Retroshow im Jahre 2031 spielt: Der nostalgische Blick auf die erste Autopsie-Show, eine Makeover-Show, in der sich Kinder Schönheitsoperationen unterzogen, oder an die Nachrichten von dem Tag, als Terroristen erstmals auf die Idee kamen, Flugzeuge mit Hochhäusern anzugreifen, hat komisches Potential.

Dieses Potential hat der italienischstämmige Schotte Armando Iannucci für seine sechsteilige Satire »Time Trumpet« (ab Montag auf DVD erhältlich) weidlich ausgenutzt. Iannucci, der seit seinen Anfängen bei »The Day Today« und »I’m Alan Partridge« ein Händchen für Parodien bewiesen hat, zieht hier alle Register seines phantasievoll-abseitigen, meist aber eher leisen Humors: Brillant von CGI-Animationen unterstützt, breitet er seine höchst eigene Vision vom Fernsehen der Zukunft aus. Dieses wird ab 2010 mit »Rape an Ape« Quotenerfolge feiern, einer Spielshow, in der die Kandidaten versuchen müssen, einen Gorilla zu bespringen: »Am Anfang wurde mir richtiggehend schlecht davon«, erinnert sich zu entsprechenden Ausschnitten da ein gealterter David Beckham, »abgesehen von den paar kurzen Momenten, die wahnsinnig komisch waren. Heute ist es natürlich ein Klassiker!« – »Ich hab es nie gemocht, aber ich hatte auch nichts dagegen, solange der Affe nicht verletzt wurde … oder wenn er verletzt wurde, zumindest hinterher medizinische Betreuung erhielt!« – »Man wußte genau, wie spät es war, wenn die Titelmelodie lief: Hey, ›Rape an Ape‹ kommt, so spät schon! Man fühlte sich geborgen, wenn die Titelmusik lief. Das war die kuscheligste vergewaltigungsbasierte Titelmelodie aller Zeiten.«

»Time Trumpet« über die Veränderung der Medien unter dem Einfluß des user generated contents:

»Time Trumpet« ist nicht auf schnelle Lacher aus; die meisten Szenen hinterlassen beim Zuschauer ein beinah unbehagliches Gefühl – wären viele Ideen (wie der Überfall der Supermarktkette Tesco auf Dänemark 2012) nicht eine Spur zu grotesk, um als kritisch-aufklärerische Satire durchzugehen. Oft ist es Iannuccis melancholische Off-Stimme, die am längsten in Erinnerung bleibt, sein sinnierender Tonfall, der einen im unklaren läßt, wieviel Kritik am Zeitgeist da beabsichtigt ist und wo der reine Nonsens beginnt. Wie ein LSD-Trip oszilliert »Time Trumpet« – die halluzinationsartigen Computeranimationen unterstützen diesen Vergleich – zwischen blühendem Quatsch und tiefer Philosophie, ist dabei aber immer unterhaltsam: Comedy auf Intellektuellen-Niveau. Wer zu sparsam ist, um für nur eine DVD hohe Versandkosten zu bezahlen, möge zusätzlich Iannuccis ebenfalls grenzgeniale »Armando Iannucci Shows« ordern – und staunen, in welche Phantasiewelten einen die Observational Comedy-Mäander Iannuccis tragen können.

Zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 5/2009

Armando the great adult

21. Februar 2009 6 Kommentare

Armando Iannuccis Werk ist auch in England immer noch ein Geheimtip. Zu wenig zieht es ihn vor die Kamera, lieber schreibt und produziert er, von seinen Anfängen bei „The Day Today“ an immer wieder mit Steve Coogan und Chris Morris, und oft seziert er dabei die Mechanismen von Fernsehen und Komik, was ihn mehr zu einem Comedian’s Comedian macht als zum Publikumsliebling. Lange kokettierte er damit, daß alle seine erfolgreichen Formate kennen, aber niemand seinen Namen richtig schreiben kann. Das dürfte sich spätestens mit der bösen Polit-Satire-Serie „The Thick Of It“ geändert haben, aber mir gefallen seine versponnen-philosophischen Armando Iannucci Shows besser, deren Sketche häufig mit Oberservational Comedy beginnen, indem Iannucci etwa darüber reflektiert, daß Kinder sich immer mehr wie Erwachsene benehmen, dann aber schön regelmäßig ins Surreale abgleiten, wie hier, wo er einige Schüler auf kindgerechte Weise davon abbringen möchte, erwachsen sein zu wollen:

Iannucci ist immer dann gut, wenn er leise, aber irritierende Töne anschlägt und dabei traditionelle Komikmuster dekonstruiert, ja transzendiert — aber was rede ich da, wenn man sich es ebensogut ansehen kann! Hier etwa ein schön zerstörter Stand Up mit Powerpoint-Unterstützung, ebenfalls aus den „Armando Iannucci Shows“:

Schon bei den „Iannucci Shows“, die bereits auf DVD erschienen sind (£4.98!) und definitiv in jede Britcom-Bibliothek gehören, hatte Iannucci Unterstützung von den Computer-Animatoren, die auch die Dinosaurier der BBC-Dino-Dokus zum Leben erweckt haben, die Pro7 hin und wieder ausstrahlt. Eben diese Animations-Götter haben auch Iannuccis bis dato letzter eigener Serie „Time Trumpet“ zugeliefert, einer Parodie auf Nostalgie-Shows, die aus dem Jahr 2031 auf die ersten dreißig Jahre des Jahrtausends zurückblickt – und darin z.B. auf TV-Shows wie „Rape An Ape“:

„Time Trumpet“ erscheint Ende April auf DVD, und es funktioniert prima als Gegengift etwa zu den grauenhaften Retro-Shows, wie ich sie vorhin aus Versehen beim Frühstück auf RTL eingeschaltet habe, wo Oliver Geißen die lustigsten Lieder von Fips Asmussen und Bernd Stelter–, ach, ich darf gar nicht darüber nachdenken. — Mit von der Partie ist bei „Time Trumpet“, man hat es im Ausschnitt gesehen, u.a. Richard Ayoade („The IT Crowd“, „The Mighty Boosh“).

Piloten-Check 1: Hilfe, mein Kind ist Franzose!

26. Januar 2009 Keine Kommentare

Wenn LifeSpam: My Child Is French (BBC3, 23.1.) schon sonst keine neuen Erkenntnisse hervorgebracht hat, dann hat es wenigstens die alte Erkenntnis aktualisiert: daß es immer lustig ist, über Franzosen herzuziehen. So wie Alice Lowe (mir vornehmlich aus den schönen Promi-Biopic-Parodien von „Star Stories“ bekannt, wo sie Madonna spielte — „No one leaves Madonna!“) in ihrem Piloten „LifeSpam“, einem Docu-Spoof, in dem u.a. ein Mann porträtiert wird, der sich zu einem Dinosaurier umoperieren lassen möchte, eine Frau, die in ihrer Wohnung in ihren Haaren eingewachsen ist („I was so angry on the inside and had so much hair on the outside!“), sowie eben eine junge Mutter, die vor der schrecklichen Erkenntnis steht, daß ihr Kind nicht etwa unter Dyslexie leidet, sondern französisch ist. Und so sieht man einen vielleicht Fünfjährigen mit Baskenmütze, blau-weiß geringeltem Shirt und der obligatorischen Halskette mit Speisezwiebeln, der mit „Eat the Brie!“ ermahnt werden muß und einen Eiffelturm aus Lego baut, bevor seine Mutter mit ihm über den Kanal fährt, um ihn am Strand von Calais auszusetzen — es ist schließlich sein natürlicher Lebensraum. Sehr lustig, das; so lustig, daß es für die schwächeren Momente entschädigt und die Hoffnung weckt, die BBC möge doch eine ganze Serie in Auftrag geben.