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Artikel Tagged ‘The Mighty Boosh’

Rückrufaktion

20. November 2009 Keine Kommentare

Meinen vor einigen Tagen geäußerten Wunschzetteltip, die neue „Mighty Boosh“ „Future Sailors“-Live-DVD, nehme ich hiermit zurück: Die braucht wirklich niemand. Die erste Live-DVD habe ich in guter Erinnerung, weil sie so reduziert war wie die frühen „Boosh“-Shows, und austariert in der Gewichtung von Barratt/Fieldings Double Act vor dem Vorhang, der sich direkt in die Zuschauer richtet, und inszenierten Geschichten.

Dieses Gleichgewicht fehlt der „Future Sailors“-Show: Die erste Hälfte lang, und das ist schon eine gute Stunde, dürfen sich die diversen Charaktere der Fernsehshow ausführlich vorstellen, inklusive Rich Fulchers Bob Fossil, den ich schon immer für die schwächste Figur hielt (und Fulcher für den am wenigsten komischen Darsteller der Truppe); die zweite Hälfte, ein von Howard Moon inszeniertes Theaterstück, das Vince kapert und zur Selbstinzenierung nutzt, ist zwar komischer, rettet aber leider die Show nicht.

The Mighty Boosh verlassen sich zu sehr auf ihren Superstar-Status, wenn sie alle Störungen aus dem Publikum zulassen, Zuspätkommer ausführlich kommentieren (kann man sowas bei einer DVD-Aufzeichnung nicht einfach unterbinden?!) und auf Heckler eingehen, und wenn ihnen im Laufe der Show ihre Figuren egal werden und beispielsweise Noel Fielding als Tony Harrison (eine Figur, die nur aus einem Kopf mit Tentakeln besteht) aus der Rolle fällt, weil er in dem ausgehöhlten Sessel, in dem er steckt, den Halt kurz verloren hat und minutenlang darauf eingeht, wie unbequem es in diesem hohlen Sessel ist — woraufhin sich auch noch ein kurzer Dialog mit Dave Brown als Bollo ergibt, der seinerseits über sein unbequemes Gorillakostüm spricht.

Nun steckt zwar von vornherein ein Meta-Ansatz in der „Boosh“-Show, weil schon seit der ersten Folge Howard und Vince zu Beginn darauf eingehen, daß eben alles eine Show ist, und die Brechung dieser Show ist regelmäßig Thema, wenn etwa Howard sie stoppt, um zu kritisieren, daß Vince die Bühne für Werbung nutzt oder ähnliches. Das aber ist jederzeit als Bestandteil des Spiels zu erkennen (einer der wichtigsten und komischsten sogar) — unbequeme Kostüme sind einfach nur unbequeme Kostüme. Und spätestens wenn auch noch Julian Barratt als Crack Fox seine Schnauze aus dem Gesicht fällt und er auch darauf noch eingeht, ist der Spaß an der Vermischung der Ebenen vorbei, und übrig bleibt ein etwas zu selbstverliebtes Team von Comedians, dem seine Popularität zu Kopf gestiegen zu sein scheint.

In the News (9)

15. November 2009 15 Kommentare

Rob Brydon wird heute ausführlich in der Mail on Sunday porträtiert und gesteht, keinen Alkohol getrunken zu haben, bis er dreißig gewesen sei — und diese Entscheidung heute zu bereuen. „Gavin & Stacey“, die romantische Sitcom, in der er den schwulen walisischen Uncle Bryn spielt, geht am 26. November in die dritte Staffel, hat allerdings schon in den letzten Folgen der zweiten Staffel schon ein bißchen geschwächelt. Allen Brydon-Fans in spe würde ich eher zu seinen frühen, rabenschwarzen Serien raten, in denen er oft an der Seite von Julia Davis und Steve Coogan zu sehen war: etwa „Human Remains“, sechs Miniporträts von ebensovielen Ehepaaren aus der Hölle (zusammen mit Julia Davis), oder „Marion and Geoff“, einer minimalistischen Serie, in der Brydon als Taxifahrer Keith Barret in endlosen Monologen in die Kamera sinniert, was in seiner Ehe schiefgelaufen ist, so daß seine Frau heute mit eben dem titelgebenden Geoff zusammen ist statt mit ihm. Alle drei Serien stammen übrigens von Baby Cow, der Produktionsfirma von Coogan und Henry Normal, die gar nicht genug zu loben ist.

Charlie Brooker steht in einem Videointerview seiner Guardian-Kollegin Marina Hyde Rede und Antwort — eine geschlagene halbe Stunde lang. Brooker, eigentlich eher Journalist und Autor der medienkritischen TV-Serie „Charlie Brooker’s Screenwipe“, steckt ebenfalls hinter zwei der besten britischen TV-Serien, die ich in den letzten 100 Jahren gesehen habe: der „Big Brother“-Zombie-Serie „Dead Set“ und, zusammen mit Chris Morris, der ebenfalls in Medienschaffendenkreisen angelegten Sitcom „Nathan Barley“. Wer noch keine Weihnachtsgeschenke für sich selbst in petto hat, setze bitte diese Serien oben auf seinen Wunschzettel.

Und apropos Weihnachten: Morgen erscheinen, um diese Aufforderung zur Shopping Frenzy mal ganz ungeniert ihrer Tarnung zu berauben, etliche neue DVDs. Nämlich die zweite Staffel „Outnumbered“, zu der ich demnächst noch ein paar ausführlichere Worte verlieren werde, die zweite „Mighty Boosh“-Live-DVD, deren erste so gut war, daß ich die zweite in allen drei Verpackungsgrößen empfehlen kann, obwohl ich sie natürlich noch gar nicht gesehen habe, und schließlich „Omid Djalili — Live In London“. Woo-hey, Weihnachten kann kommen!

Die Top-10-Britcoms der 00er-Jahre: Platz 6

2. November 2009 5 Kommentare

Exzentrik ist seit jeher einer der Grundzüge des englischen Charakters. Das ist auf den ersten Blick vielleicht erstaunlich, schließlich ist der britische Alltag bestimmt von Ritualen und Formeln, die britische Höflichkeit und Etikette sowie das auf Ausgleich bedachte Wesen der Briten, das sie seit jeher zur Diplomatie prädestiniert, sind weltbekannt. Aber vermutlich gerade deshalb braucht es auf individueller Ebene eine Entlastungsmöglichkeit, die von gesellschaftlichen Konventionen befreit und dem strengen Reglement etwas Anarchisches entgegensetzt: Beispielsweise exzentrisches Verhalten.

Das ist vielleicht der größte Unterschied des britischen Wesens zum deutschen: Spinnertes, abweichendes Verhalten wird nicht sofort durch Ausschluß oder Spott bestraft, sondern toleriert. In jeder Verwandtschaft gibt es ein schwarzes Schaf — aber die Briten verstecken ihres nicht wie die Deutschen, sondern sind auf den durchgeknallten Onkel, die seltsame Tante auch noch stolz. In Hinsicht auf den Humor, der in Großbritannien fester Bestandteil des Alltags ist und nicht auf bestimmte, festgelegte Situationen eingeschränkt, bedeutet das: Eine wesentlich größere Vielfalt von Tönen und Schattierungen, Stand Up-Comedians wie Eddie Izzard, Figuren wie Basil Fawlty, eigene Welten wie Royston Vasey in „The League of Gentlemen“. Eine der exzentrischsten Britcoms aller Zeiten, die man aus genau diesem Grund entweder liebt oder einfach nicht kapiert, findet sich heute auf

Platz 6: „The Mighty Boosh“ (2004 — , BBC3)topten06

(Wer die Kritik von Januar hier im Blog schon gelesen hat, kann sich die nächsten beiden Absätze weitgehend sparen.)

Vince Noir (Noel Fielding) und Howard Moon (Julian Barratt) sind Wärter in einem sehr dysfunktionalen, „Zoo-niverse“ genannten Tierpark. Dort arbeiten ihr Freund, der Schamane Naboo (Noels Bruder Michael Fielding), und der sinistre Zoodirektor Bob Fossil (Rich Fulcher), der keine einzige Tierart bestimmen kann, dort lebt auch der Gorilla Bollo (Dave Brown). Vince ist mal Mod, mal Punk, mal Waver, aber immer extrem modebewußt („What about this cape?” — „A bit last week”) und auf seine Frisur bedacht. Er nimmt das Leben leicht und hat permanent Glück, sehr im Gegensatz zum Schnauzbart tragenden Howard. Der legt auf Äußerlichkeiten überhaupt keinen Wert, ist eher ernst und nachdenklich, Jazz-Fan und konservativ bis spießig — der straight man zu Vinces funny man. Ihre gemeinsamen Abenteuer haben die immer freundliche Anmutung einer Kindersendung, die in einer leicht wahnsinnigen Version der Fünfzigerjahre spielt: sehr bunt, mit Zeichentrickelementen versetzt und bevölkert von eigenartigen Geschöpfen. In der ersten Folge läßt sich Howard auf einen Boxkampf gegen ein Killaroo genanntes Känguru ein; zwei Folgen später ist Bollo todkrank, so daß Howard in einem Affenkostüm seinen Platz einnehmen muß, damit der Zoo weiterhin gesponsort wird. Prompt verwechselt ihn Gevatter Tod mit dem echten Bollo und nimmt ihn mit in die Affenhölle, von wo Vince ihn befreien muß. In weiteren Folgen suchen die beiden Abenteurer mystische Eier in der arktischen Tundra, wo sie dem schwarzen Frost-Dämon begegnen, kämpfen sich auf der Suche nach Hilfe durch den Dschungel und setzen ihre Freundschaft beinah auf’s Spiel, als Vince sich einer Band anschließen will.

Zu den eindrücklichsten Momenten gehören die Musik-Vignetten, die oft aus Acapella-Einlagen entstehen und den liebenswürdig-bizarren Charme der Serie unterstreichen, die vielen sprechenden Tiere und Fantasy-Charaktere aus unterschiedlichsten Mythologien und die liebevolle Ausstattung: „Wenn David Bowie, Anthony Burgess und Maurice Sendak, der Autor von ‚Wo die wilden Kerle wohnen’, zusammengearbeitet hätten, wäre dabei vielleicht sowas Ähnliches herausgekommen”, schreibt The Observer.

„The Mighty Boosh“ macht von der ersten Staffel (2004) über die zweite (2005) bis hin zur dritten (2007) etliche Veränderungen durch: Vince und Howard verlassen in der zweiten den Zoo und leben in Naboos Wohnung, in der dritten führen sie gemeinsam Naboos Geschäft, die sogenannte Nabootique. Deutlich zu sehen ist, daß Baby Cow von Staffel zu Staffel mehr Geld ausgegeben hat, dementsprechend üppiger sind auch Kulissen und Effekte. Für 2010 ist eine weitere Staffel geplant, eine weitere, zweite Live-DVD erscheint am 16. dieses Monats (die erste ist durchaus sehenswert). Vor allem in der Damenwelt scheinen Noel Fielding und auch Julian Barratt mächtig Eindruck zu machen, „The Mighty Boosh“ ist also sehr pärchenkompatibel, insgesamt eine der bezauberndsten Serien der letzten Jahre und allen zu empfehlen, für die es nicht immer böse, dunkel und gemein sein muß.

Der mighty Buschfunk berichtet

26. Oktober 2009 Keine Kommentare

daß The Mighty Boosh einen Spielfilm vorbereiten. Bei der Premiere von „Bunny and the Bull“ deutete Julian Barratt sogar an, worum es gehen könnte, nämlich um das genaue Gegenteil der Serie, die für ihr psychedelisches Look and Feel bekannt ist:

We try to do on TV quite magical epic journeys, and we thought if you’re doing a film we should really do it in one room, basically just kind of a sitcom, for 90 minutes. So we might do that. We might do exactly what we didn’t do on TV.

Außerdem sei eine Platte in Planung, gibt Barratt laut Chortle zu Protokoll und tritt damit auch Trennungsgerüchten entgegen.

Mighty Frühwerke

16. September 2009 2 Kommentare

Bis die zweite Live-DVD erscheint, wird man auf neues Material von The Mighty Boosh noch warten müssen — eine weitere, vierte Staffel ist derzeit wohl nicht geplant. Solange kann man ja aber noch alte Sachen angucken, die schon andeuten, in welche Richtung die spätere „Mighty Boosh“-Psychedelic-Comedy gehen würde. Zunächst der 1:30 kurze, eher konventionelle Ratgeber „How to Tell when a Relationship is Over“ (2003) von Julian Barratt:

Dann der etwas längere, mächtig buschige Clip „Pete Sweet“  von Barratt und Noel Fielding (10:44), Gewinner des Kodak Short Film Showcase 2002, des TCM Awards 2001, des F.A.C.E. Award (Film Award for Cinematic Excellence) 2001 sowie, uff: BAFTA-nominiert für den  Best Short 2001.

Daß man von Fielding gerade nicht allzu viel sieht im Ferntonkino, liegt nicht zuletzt an ihm selbst: Zwar sollte er vor kurzem noch regelmäßiger Panelist bei „Never Mind the Buzzcocks“ (einem Rock- und Pop-Quiz auf BBC2) werden, gestand dann aber schweren Drogengebrauch (u.a. Kokain, Ketamin, Magic Mushrooms, Ecstacy und LSD) und flog daraufhin aus dem Team. Ist ja auch eine Überraschung, wenn man „The Mighty Boosh“ gesehen hat: Der Typ, der sich hermaphroditisch Meermänner,  den pinken Tentakelkopf Tony Harrison und den Voodoo-Geist des Jazz/Howlin Jimmy Jefferson ausgedacht hat, nimmt Drogen? Echt jetzt?!

Die ersten drei Staffeln „Mighty Boosh“ gehören, ich wiederhole das gerne immer wieder, zum Grundkurs Britcoms II und sind später scheinrelevant. Ich sag’s ja bloß.

Zombies FTW!!

Muß ich erst was über „Shaun of the Dead“, „Dead Set“, meine Vorliebe für die Melange von Comedy & Horror sowie Pegg/Frostsche Cameos in Romero-Filmen schreiben, um ein dünnes Alibi dafür zu haben, hier den „Zombieland“-Trailer zu zeigen? Nö, oder?

Top-Plakat auch!

UPDATE

Wie es der Zufall will, gibt’s sogar noch eine Rechtfertigung für diesen Eintrag: Nämlich daß offenbar auch im Vereinigten Königreich ein weiterer komischer Zombiefilm in der Mache ist, für den Noel „Mighty Boosh“ Fielding den König der Zombies geben wird: „I Spit On Your Rave“. Ich bin gespannt.