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Artikel Tagged ‘Bellamy’s People’

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Zwei Todesfälle und eine Geburt:

„Bellamy’s People“ wird keine zweite Staffel erhalten. Das berichtet Chortle. Der Spoof der „Fast Show“-Genies Paul Whitehouse und Charlie Higson wurde nach der ersten Series von der BBC abgesetzt — wenig überraschend, konnte doch die Umsetzung der erfolgreichen Radio-Comedy ins Fernsehen nicht so recht überzeugen.

Auch Sarah Silverman wird nach drei Staffeln ihrer „Sarah Silverman Program“ keine weitere Season produzieren. Keine Überraschung, hatte Comedy Central doch schon die letzte Staffel mittendrin auf einen mitternächtlichen Sendeplatz verschoben und zuvor schon das Budget gekürzt.

Die gute Nachricht zum Schluß: Matt LeBlanc hat die Rolle als Matt LeBlanc bekommen, die er in der US-britischen Coproduktion „Episodes“ spielen soll — und zwar als Fehlbesetzung in einem US-Remake einer erfolgreichen britischen Fernsehserie. Könnte lustig werden (dieses Blog berichtete) und erinnert ein wenig an die selbstironische (und ziemlich bittere) Sitcom „The Comeback“, in der LeBlancs „Friends“-Kollegin Lisa Kudrow sich bereits 2005 über ihren Status als alternde Schauspielerin im Fernsehbusiness lustig gemacht hat. Der erste Trailer sieht jedenfalls gut aus:

Nix los, Pt. 2

Wie schon kürzlich festgestellt: Es ist ein wenig ruhiger geworden hier im Blog. Man muß ja aber die Schuld nicht immer nur bei sich suchen. These zwei wäre: Es ist ein schlechter Britcom-Frühling bislang. „The Persuasionists“ (BBC3), „The Gemma Factor“ (dito BBC3), „Bellamy’s People“ (BBC2) — alle neuen Comedys des Jahres waren bislang Flops, Totalflops oder Vollkommenindiskutablermistflops. Aktuelle Sachen, die ich gerne sähe, sind eigentlich nur Filme, und die werden es nicht in absehbarer Zeit auf meinen Bildschirm schaffen, fürchte ich.

Woran liegt’s? Zumindest bei „The Persuasionists“ (mit dem von mir geschätzten Adam Buxton) war es der Versuch, auf die Wiederbelebung der „klassischen“ Sitcom zu setzen, Slapstick auf der Bühne, Livepublikum, schrille Charaktere — alles, was kurz zuvor schon bei „Miranda“ (BBC2) mit Miranda Hart schlimm in die Hose gegangen war. Andererseits: Nichts gegen klassische Sitcom — vielleicht hätte die Show unter anderen Umständen ja doch funktionieren können. Man wird es nie erfahren; gerüchteweise allerdings ist „The Persuasionists“ von der Pilotfolge bis zur Serie so stark umgearbeitet worden, daß kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Die Witze seien im Skript gewesen, in der Ausstrahlung hätten sie dann gefehlt, so Buxton, der damit wohl sagen will: Schuld ist die BBC, die dem Erstlingsautor Jonathan Thake ihre Vorstellungen oktroyiert und durch die Bearbeitung des Ausgangsmaterials alle Komik gekillt hat. Soll es schon gegeben haben.

„The Gemma Factor“ könnte ich als „nicht mein Bier“ abtun: Eine Sitcom um eine Frühzwanzigerin in der Kleinstadt, die unbedingt berühmt werden will, egal als was, und einen schwulen besten Freund hat, der ihr dabei hilft. Im Comedy-Guide kommentierte ein Forumsteilnehmer: Wie etwas, das im Kinderkanal laufen könnte, nur mit zusätzlichen Schimpfworten. Kommt hin: Naive Charaktere in bunten Klamotten (wie war das mit „schrillen Charakteren“? Vielleicht ist das ein Anhaltspunkt), dazu ein sinistrer Agent — ich gebe zu, daß ich nicht mehr als zwei Folgen davon ausgehalten habe, aber zu meiner Lieblingsserie des Jahres wäre „The Gemma Factor“ auf keinen Fall mehr geworden.

„Bellamy’s People“ immerhin war ambitioniert. Schon deshalb fällt es mir schwer, es in die gleiche Schublade wie die anderen Shows zu stecken, auch wenn es letztlich nicht wirklich funktioniert hat. Ambitionen sind genau das, was den anderen Produktionen des Frühjahrs fehlt, scheint mir. Denn genau jetzt, zehn Jahre nach „The Office“ und „Spaced“, wäre es Zeit für die nächste Sitcom-Revolution. Zu sehen ist leider noch nichts davon.

The Not So Fast Show

22. Januar 2010 1 Kommentar

Simon Day, Charlie Higson und Paul Whitehouse haben sich ihre Meriten schon vor langer Zeit verdient: Mit der „Fast Show“ haben sie Mitte der Neunziger im Alleingang das totgeglaubte Genre der auf Catchphrases basierenden Sketchshow wiederbelebt; insbesondere Whitehouse hat auch außerhalb der Show in unterschiedlichsten Rollen oft hoch komische Figuren gespielt — etwa in (dem leider nie auf DVD erschienenen) „Help“, wo er an der Seite von Chris Langham als Psychologen sämtliche Patientenrollen übernahm. Dementsprechend große Erwartungen hatte ich an ihre erste gemeinsame Fernsehproduktion seit damals, die nun angelaufene Spoof-Show „Bellamy’s People“ (BBC2, donnerstags). „Bellamy’s People“ ist die Fernsehadaption der erfolgreichen Radioshow „Down the Line“, einer Parodie auf Call-in-Shows, bei der der ahnunglose Moderator sich mit Anrufern, die sämtlich von prominenten Comedians gespielt werden, über vorgegebene Themen unterhält. Das Team ist das gleiche geblieben, allen voran Rhys Thomas als Moderator; auch er war bei der „Fast Show“ schon als Gast dabei.

Leider hat zumindest die erste Folge die Adaption nur so lala überstanden. Nun besucht der Moderator die regelmäßigen Anrufer auf seinen Reisen durch England, die Parodie richtet sich also gegen Promi-Reiseshows, und stolpert über exzentrische Briten noch und nöcher: etwa die beiden blaublütigen Schwestern, die ihr Schlösschen je zur Hälfte nach ihren politischen Ansichten eingerichtet haben: halb kommunistisch, halb faschistisch. Oder den Schwarzen, der sich den „Lion of Harlesden“ nennt und seine schön geschmacklose Wohnungseinrichtung unter dem Leitmotiv des Löwen eingerichtet hat — und sich auch vom Moderator nicht davon überzeugen läßt, daß die Porzellanstatue einen schwarzen Panther darstellt und der Teppich aus Zebrafell ist. Oder den moslemischen Community Leader Mr. Khan, der offenbar nicht so genau weiß, was er in seiner Position überhaupt für Aufgaben hat. Manche Charaktere sind da recht überzeichnet, andere bleiben ein bißchen näher an der Realität, aber oft fehlen die entscheidenden Witze, die aus dem Set Up erst den Honig gesogen hätten: Auf’s Brett gestiegen, aber nicht abgesprungen.

Möglich aber, daß, wie der Guardian vermutet, für die erste Folge die Prämisse und die Figuren ein bißchen zu deutlich erklärt werden mußten und deswegen die Gags unter den Tisch gefallen sind. Möglich, daß „Bellamy’s People“ wird, was ebenfalls der Guardian hofft: eine Art „Little Britain“ für Erwachsene.