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Artikel Tagged ‘Graham Linehan’

Three big moments – that’s IT Crowd

17. Juni 2010 2 Kommentare

Nächsten Freitag beginnt die vierte Staffel “The IT Crowd” (Channel 4, 2006 -), und schon jetzt gibt Graham Linehan in einem schönen Interview im British Comedy Guide zu Protokoll, wie er die Episoden seiner fantastischen Sitcoms (“Father Ted”, “Black Books”) aufbaut: nämlich weniger vermittels ausgeklügelter Plots, sondern um große, lustige Momente herum. Jede Folge brauche “three big moments”, die sich am nächsten Tag alle weitererzählten, dazu etliche Gags, die auf diese Momente hinarbeiten, und Gags, die daran anschließen. Aufgabe des Autors sei es, eine Story so zu stricken, daß diese drei Momente plausibel erscheinen. An diesen großen Gag-Momenten, die immer vorrangig visuelle Gags sind, Slapstick, physical comedy, waren tatsächlich weder “Father Ted” noch “Black Books” arm — egal, ob da Bischöfen in den Hintern getreten wird, Haushälterinnen vom Dach fallen, Hamster auf kleinen Fahrrädern fahren oder Gitarren kaputtgeschossen wurden: Immer sind es  komische Bilder, die im Gedächtnis bleiben.

Außerdem berichtet Linehan, in der nächsten Staffel noch mehr Wert auf “nerd storylines” gelegt zu haben, ungeachtet der Tatsache, daß vielleicht ein großer Teil der Zuschauer gar nicht versteht, worum es überhaupt geht, wie Twitter ihm bei der Arbeit hilft und wie das Team versucht, das Studiopublikum bei der Aufzeichnung in die Show einzubeziehen.

Hier ein Trailer:

Grumpy middle-aged man

11. Juni 2010 4 Kommentare

Ein Ire, der in Australien Witze über Engländer in Schottland macht: Das wäre vielleicht ein guter Anfang für einen Text über Dylan Moran und seine zuletzt erschienene Live-DVD “What It is” (2009, mit UT). Denn zu Beginn der Show verblüfft weniger, was Dylan Moran so sagt, als wo er es sagt: In Sydney. Eher ungewöhnlich für britische Stand Up-Comedians. Vielleicht legt es Moran auf den größtmöglichen Kontrast an: nämlich zwischen dem sonnigen, aufgeräumt-fröhlichen Stand Up hie und dem launisch-mürrischen, finsteren Australien da. Bzw. natürlich umgekehrt.

Dylan Morans größte Fernsehrolle war die des Bernard Black in “Black Books” (Channel 4, 2000 – ’04: ein misanthroper, schlecht organisierter irischer Buchhändler in London (seine zweitgrößte war die eines misanthropen, schlecht organisierten Comedians, den die Liebe in die Provinz trägt: “How Do You Want Me?”, BBC2, 1998 – ’99). Wie viel Moran in Bernard Black steckt, erschließt sich aber erst in seinen Stand Ups: Viel.

Nicht nur scheint es zwischen Bernard Black und Dylan Moran kaum optische Unterschiede zu geben: Beide bevorzugen schwarze Klamotten, eine ungesunde Gesichtsfarbe und Haupthaar, dessen Zustand kaum die Bezeichnung “Frisur” verdient. Auch die rants, in denen er in “Black Books” über Gott und die Welt lamentiert, setzen sich in seinen Stand Ups nahtlos fort: Da geht es abermals um Gott und Welt, sprich: Um Religion und die Evolutionstheorie, um Menschen im Konsumrausch, junge Ärzte, die ihm Regeln für einen gesünderen Lebensstil vorschreiben wollen, obwohl sie kaum elf Jahre alt zu sein scheinen, um Werbung, die immer aggressiver um Aufmerksamkeit heischt, um Do-it-Yourself im Haushalt und den allmählichen körperlichen Verfall bis hin zum Tod. Von der Evolution hätte sich Moran mehr erwartet als Urknall, dann Affen, dann Menschen bzw.: “Ich brauche mehr als Bang! Uh-uh-uh! Honey, I’m home! Viel besser wäre doch die umgekehrte Reihenfolge!”

Es braucht einen Moment, bis dieser Scherz zündet — “da fällt der Groschen wieder pfennigweise”, wie mein Deutschlehrer zu sagen pflegte — doch er ist ganz typisch für Moran, der viele non sequitur-Gags in seinen Monolog einbaut, also Gags, die auf Abschweifung, logischem Bruch, einer abrupten Richtungsänderung des Gedanken beruhen. Wie überhaupt Moran zwar durchaus den grumpy middle-aged man gibt, aber weit mehr als den: sein Sprachwitz, seine Lust an komischen Sprachbildern, die Phantasie, mit der er da mäandernde Gedankenketten knüpft, erinnern von ferne an Ardal O’Hanlon (der Father Dougal in “Father Ted”). Kein Zufall, denn Moran kam zur Comedy, nachdem er mit zwanzig einen Gig von O’Hanlon gesehen hatte, und er sollte später mit den “Father Ted”-Autoren Graham Linehan und Arthur Mathews, alle ebenfalls Iren, “Black Books” entwickeln.

Einzig einen etwas konziseren Schluß seiner mit 76 Minuten eher kurzen (aber keineswegs zu kurzen) Show hätte ich mir gewünscht: die hört nämlich einfach auf, ohne daß sie eine Klimax erreicht hätte oder einen logischen Schluß. Das aber ist natürlich eine Petitesse im Vergleich zu der ansonsten tollen Show dieses schlecht gelaunten Alkoholikers, der sich unter anderem an seine wilde Jugend erinnert:

I remember going out with friends drinkin tequila. I mean: tequila?! It’s not even a drink, it’s a way of getting the police around without using a phone!

“The IT Crowd”: Series 5 schon bestellt

27. Mai 2010 10 Kommentare

Noch vor der für Juni geplanten Ausstrahlung der vierten Staffel “The IT Crowd”, der Erfolgs-Sitcom von “Father Ted”-Autor Graham Linehan rund um eine supernerdige Computer-Abteilung, hat Channel 4 offenbar grünes Licht gegeben für eine fünfte. Das hat Graham Linehan im Rahmen einer Vorführung der nächsten Staffel per Twitter mitgeteilt. Für die fünfte Staffel möchte Linehan, der bislang alle Episoden selbst geschrieben hat, ein Autorenteam zusammenstellen. Der Schaden der Serie soll es nicht sein, beginnen doch nicht selten die schönsten Sitcoms nach drei Staffeln zu schwächeln.

In the News

20. März 2010 2 Kommentare

Auf “Hippies”, die beinah vergessene dritte Coproduktion der “Father Ted”-Schöpfer Graham Linehan & Arthur Mathews, wies ich bereits vor Jahresfrist hin; nun berichtet der Guardian über die nach wie vor unterschätzte kleine Sitcom mit Simon Pegg, Sally Phillips und Julian Rhind-Tutt. Daß der hübschen Serie über eine Handvoll Blumenkinder, die mit dem Zeitgeist ihres Lebensstils zu kämpfen haben, nur eine Staffel beschieden war, könnte, so spekuliert Bruce Dessau in seinem Blog “Laugh Lines”, damit zusammenhängen, daß “Hippies” mehr Mathews’ Kind war und der durchgeknallte Input von Linehan etwas fehlte. Dieses Frühwerk auch Simon Peggs wiederzuentdecken lohnt aber in jedem Fall.

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Daß der neue Pilot “Lizzie and Sarah” von Jessica Hynes und Julia Davis so finster geworden ist, daß die BBC ihn im sogenannten graveyard slot um 23.45 Uhr versteckt, braucht hierzulande eher niemanden zu interessieren; daß er von Baby Cow produziert und noch bösartiger als “Nighty Night” sein soll, aber schon: denn diese fiese Sitcom von Julia Davis hat tatsächlich Maßstäbe gesetzt. Mal sehen, ob sie den Witz noch ein bißchen steigern können, den dieser kleine Ausschnitt leider eher andeutet als ausspielt.

Da aber neben Davis und Hynes auch noch Mark Heap und Kevin Eldon mitspielen, werde ich mal einen Blick riskieren.

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Ein großes Tina Fey-Porträt findet sich im gestrigen Independent; darin berichtet die “30 Rock”-Schöpferin, sie sei vor ihren karrierewirksamen Auftritten als Sarah Palin-Double immer nur als Nana Mouskouri-Doppelgängerin gehandelt worden — eine Ähnlichkeit, die im heutigen Comedy-Business eher wenig hilfreich sei. Außerdem schenkt sie Alec Baldwins Ankündigungen, bei “30 Rock” hinzuwerfen, keinen Glauben, stellt klar, daß die 300 000 Follower bei Twitter einer falschen Tina Fey aufsitzen, und gibt zu, daß einige der lustigsten Catchphrases der Show ihrer vierjährigen Tochter zu verdanken seien.

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Bei der Sport Relief Night waren gestern abend, ähnlich den Comic Relief-Clips, einige Comedy-Schnipsel zu sehen — unter anderen der nachstehende “Outnumbered”-Clip, den ich aber nur ausgemachten Fans anheimstelle; allen anderen dürfte der Sketch recht zahm vorkommen.

Your bits on “The IT Crowd”

15. Februar 2010 18 Kommentare

Die vierte Staffel “IT Crowd” wirft ihren langen Schatten voraus: Fünfeinhalb Drehbücher sind fertig, drei Wochen bis Drehbeginn, Casting hat begonnen, nächste Woche werden Locations gesucht. Bis dahin hätte Graham Linehan, geistiger Vater der IT-People, gerne noch allerlei Nerd-Sperenzchen, mit denen das Büro von Roy und Moss dekoriert werden kann — und zwar von seinen Fans. Wer also noch Poster, Aufkleber, lustige Gerätschaften, T-Shirts usw. hat, die die eigenwillige Atmosphäre unterstützen, oder gute Kontakte zu den Produzenten von “Star Trek”, von denen Linehan gerne eine Freigabe für einen nicht näher beschriebenen Star-Trek-Gag hätte: Der melde sich bitte bei Father Ted Linehan.

(Interessanterweise sind alle drei Trackbacks unter Linehans Blogeintrag von deutschen Seiten. Ob er sich wohl fragt, was das zu bedeuten hat? Was hat es eigentlich zu bedeuten?)

British Comedy Awards 2009 – die Gewinner

13. Dezember 2009 6 Kommentare

Gestern abend wurden die diesjährigen British Comedy Awards vergeben, und wie schon bei den Nominierungen klar geworden ist, hat “Outnumbered” abgeräumt: Ramona Marquez hat den Award für Beste Female Comedy Newcomer gewonnen, die Serie selbst die Awards Best Sitcom und Best British Comedy 2009. “Dead Set” mußte die Waffen strecken gegen “Pulling”, das als Best Television Comedy Drama gewonnen hat, dafür wurde Charlie Brooker als Best Male Comedy Newcomer ausgezeichnet für ausgerechnet “You Have Been Watching”, eine vergleichsweise konventionelle Panelshow, die m.E. weit hinter seinen anderen Werken zurückbleibt.

Des weiteren hat Graham Linehan (“Father Ted”, “The IT Crowd”) den Ronnie Barker Writer’s Guild of Great Britain Award verliehen bekommen und sich damit gegen Peter Kay durchgesetzt, der immerhin für seine Outstanding Contribution to British Comedy geehrt wurde. Rätselhaft bleibt mir die Begeisterung für “Psychoville” (Best New British Television Comedy).

Etwas ausführlicher berichtet der British Comedy Guide; auf der Seite der Awards selbst ist noch keine Aktualisierung zu sehen.