10 Jahre “The Office”
Am besten gefällt mir der Ausschnitt aus der chilenischen Version (ab 5:30).
Am besten gefällt mir der Ausschnitt aus der chilenischen Version (ab 5:30).
Die Monty Pythons arbeiten an einem neuen, gemeinsamen Film* — und Graham Chapman ist auch dabei!
Genaugenommen geht es sogar hauptsächlich um Graham Chapman: Seine Memoiren “A Liar’s Autobiography” sollen verfilmt werden — und zwar als 3D-Animation. Grundlage des Films wird das gleichnamige Hörbuch Chapmans sein, so daß auch seine Stimme präsent sein wird. Das berichten The Telegraph und die New York Times.
Regie führen soll bei dem ersten gemeinsamen Projekt aller Pythons seit 1983 (“The Meaning of Life”) Bill Jones, der Sohn von Terry Jones; die Premiere (sowohl in 2D als auch in 3D) ist für das Frühjahr 2012 angesetzt. Graham Chapman ist 1989 im Alter von 48 Jahren an Krebs gestorben, kurz nachdem er seine Autobiographie auf Band gesprochen hatte.
I had no idea until recently that Graham Chapman is in fact dead–I thought he was just being lazy. However, I am now delighted to find myself working with him again on this exciting project.
sagt Terry Jones.
Insgesamt sollen 15 verschiedene Animationsstudios Beiträge in unterschiedlichen Animationsverfahren beisteuern, jeder Clip zwischen drei und zwölf Minuten lang. Erst vor Wochenfrist hatte die BBC angekündigt, im Herbst ebenfalls einen Film über die Pythons auszustrahlen: “Holy Flying Circus”.
* Genaugenommen leider nicht wirklich alle, denn bislang hat es wohl noch niemand geschafft, Eric Idle zu überreden. Und das, obwohl gerade Idle es war, der eine Reunion der Pythons immer vorangetrieben hat!
Henning Wehn, der (soweit ich weiß) einzige deutsche Comedian im britischen Comedy-Business, mit einer Radiosendung auf BBC4 über die deutschen Folgen des “Flying Circus”, wie Alfred Biolek seinerzeit die Pythons nach Deutschland gelockt und mit Gin gefügig gemacht hat, die erste Folge schnell zu einem Alptraum wurde, weil Idles, Gilliams, Jones’ und Chapmans “Deutsch” praktisch nicht zu verstehen war, und wie die zweite Folge (auf Englisch mit deutschen Untertiteln — ja, das ging damals noch) dann doch zu einem Hit im deutschen Fernsehen wurde:
2011 marks the 40th anniversary of one of the Monty Python team’s most bizarre and least known television adventures, two forty five minute specials they made exclusively for German television.
Roll up, it’s Monty Python’s Fliegender Zirkus! This is the extraordinary tale of when the Pythons went Bavarian.
Die ganze Sendung (leider nicht einzubetten) gibt es hier, inklusive Gesprächen mit Terry Jones und Michael Palin sowie einem Interview mit Alfred Biolek auf Englisch!
Mit Dank an Matthias!
99 Gigs vor ingesamt 270 000 Zuschauern haben The Mighty Boosh während ihrer zweiten großen Tournee unter dem Titel “Future Sailors Tour” absolviert; von September 2008 bis Januar 2009 waren sie durch England und Irland unterwegs. Darüber informiert uns Regisseur Oliver Ralfe zu Beginn seiner Tour-Doku “The Mighty Boosh Live: Journey of the Childmen”, die dieser Tage auf DVD erschienen ist (leider ohne UT).
Das sind aber auch schon die letzten Fakten, die uns der Regisseur zugesteht; wer von den Mighty Boosh-Leuten (Ralfe war selbst als Nebendarsteller zu sehen) eine irgendwie normale Dokumentation erwartet hätte, sieht sich getäuscht. Statt dessen sehen wir Backstage-Clips, gucken dabei zu, wie Rich Fulcher lustige Geräusche macht, Julian Barratt Noel Fielding mit dem Finger Kringel auf beschlagene Taxischeiben malt und Teenagermädchen hysterisch kreischen. Vor allem aber scheint Ralfe eine ausgeprägte Leidenschaft für Barratts Fieldings silberne Stiefel zu haben, er zeigt sie gerne und oft und baut am Ende sogar eine kleine Geschichte um sie herum, in der Barratt Fielding sie für irgendwelche Elfen oder Kobolde im Garten hinterlegt, die ihm im Tausch dafür einen Koffer mit Ideen überlassen. Oder so ähnlich. Kleine eingestreute Animationen im Boosh-Stil geben “Journey of the Childmen” von Anfang an einen surrealen Touch, und Musik- wie Regie-Kniffe, Montagen und Fast-Forward-Szenen erzeugen durchaus poetische Effekte.
Auf die mittlere und lange Distanz aber fehlte dann zumindest mir doch etwas. Denn so gerne ich die drei Staffeln “Mighty Boosh” mag (und auch die erste Live-DVD): so in der Wolle gefärbt bin ich nicht, daß mir solche Tour-Impressionen als abendfüllende Unterhaltung schon reichten. Irgendwann stellte sich bei mir das Gefühl ein, daß ich zwar The Mighty Boosh sehe, aber jemand den Dialog durch Musik ersetzt hat: Da fehlte die Geschichte, oder eben wenigstens ein paar Fakten, Hintergrund, irgendwas, das tiefer geht als die Oberfläche, die zwar schön glitzert, aber nach einer Weile nichts wirklich Neues mehr hergibt. Einer Lavalampe zuzusehen, erzielt das gleiche Ergebnis: erstmal hypnotisiert das psychedelische Wabern, aber nach einer Dreiviertelstunde kriegt man Hunger oder schläft ein oder guckt, ob es nicht doch noch was im Fernsehen gibt.
Und so hinterließ diese Große Fahrt der Kindsköpfe bei mir den Eindruck, ich hätte einem Feature aus dem Bonus-Material einer DVD zugesehen (wovon die diversen Ausgaben der letzten Live-DVD ohnehin schon reichlich mitbrachten): Ein Making of, ein Hinter-den-Kulissen oder gar irgendetwas Fangemachtes — nett, aber belanglos. Parerga und Paralipomena. Daß die DVD dann ihrerseits wiederum Extras mitbringt (u.a. Martin Freeman und Noel Fielding Julian Barratt in dem Kurzfilm “HIV — The Musical”) hat es dann auch nicht mehr herausgerissen.
Sorry, ich verwechsle permanent die Namen der beiden Hauptdarsteller. Mein Fehler!
Dies sei, so Ricky Gervais in den ersten Minuten von “An Idiot Abroad” (Sky1), nichts anderes als ein sehr teurer practical joke, und Karl Pilkington “an idiot in a corner, poked by a stick — and I am the stick”. Zu vorgeblich keinem anderen Zweck, als um Pilkington zu foppen, schicken Gervais und Merchant den Simpleton-Sidekick aus ihren höchst erfolgreichen Podcasts um die Welt. Die sieben Weltwunder soll er bereisen, und dabei immer genau das tun, was die Bullys zuhause ihm via iPhone auftragen: In der ersten Folge etwa, die Chinesische Mauer zu besichtigen — und zwar in ihrer gesamten Länge.
Das tut Pilkington dann auch brav, immer schön das Trottelgesicht mit offenem Mund und halb geschlossenen Augen aufgesetzt, und jammert sich durch halb China: die Chinesen können seinen Namen nicht aussprechen (“It’s not car, it’s Karl!”), essen ekelhafte Insekten am Spieß, Hühnerföten und Kröten, denen sie vor laufender Kamera die Köpfe einschlagen und die Haut über die… über das ziehen, was auch immer Kröten anstelle von Ohren haben. Außerdem versteht Pilkington die Schriftzeichen nicht, muß im Bus neben einer Frau sitzen, die fortwährend Rotz hochzieht und in eine Plastiktüte spuckt, und darf sich beim Kung Fu blamieren. “Are you having a laugh?” fragt er hin und wieder entgeistert, und man fragt sich, wer diese Catchphrase nun von wem übernommen hat. (Ich habe allerdings die Podcasts nicht gehört, falls das da thematisiert worden sein sollte.)
Es ist tatsächlich alles ein einziger großer Streich, dem man als Zuschauer beiwohnt. Trottel Pilkington läßt einiges über sich ergehen, obwohl er keinerlei wirkliches Interesse für seine Umwelt hat — die betrifft ihn nur insofern, als er sich von fehlenden Toilettentüren indigniert sieht, beim Krötenessen würgen muß und bei einer traditionellen Massage halb flambiert wird. Er wird vom Reisen nicht klüger, allenfalls dümmer, und im Grunde will er nur nach Hause.
Diese Umkehrung der Vorzeichen für eine Reisereportage ist zunächst durchaus clever und lustig. Ein Reisender, für den das Reisen eine Qual und alles, was im fernen Ausland passiert, im Grunde nur unverständlich ist und potentiell demütigend für Fremde, hat für eine Fernsehdokumentation nur einen Nachteil: So richtig zu erfahren gibt es nichts. Also bleibt, wenn man sich von Pilkington und seiner Trottelrolle nur so halb unterhalten fühlt, von “An Idiot Abroad” kaum mehr übrig als Bilder vom chinesischen Alltag. Die sind zugegeben recht hübsch anzusehen, weil sie nicht nur den Ausschnitt zeigen, den alle anderen Reisereportagen präsentieren.
Aber irgendwie wurde zumindest ich das Gefühl nicht los, daß da etwas fehlte, und zwar möglicherweise etwas Entscheidendes. Vielleicht auch, weil ich Pilkington seine Trottelrolle und die Demütigungen viel weniger abnehme als sagenwirmal James May, der bei “Top Gear” eine ganz ähnliche Rolle spielt und bei sämtlichen größeren Abenteuern der drei immer die Arschkarte zieht, immer gedemütigt wird — und dabei aber immer etwas glaubwürdiger in dieser Rolle ist als Pilkington.
“Are You Having a Laugh?” fragt die BBC heute abend in einer Dokumentation mit dem Untertitel “Disability and TV”, und ich freue mich schon auf die Antwort. Mit Witzen über Behinderte ist es ja so eine Sache: Zuerst brauchte man noch eine moralische Begründung, um über Behinderte Witze machen zu dürfen — etwa über Goebbels Klumpfuß die, daß Goebbels selbst Anhänger und v.a. -führer einer Idiotengemeinschaft war, die sich für auch genetisch überlegen hielt. Dann durfte in erster Linie Behinderte selbst Witze über Behinderte machen — in TITANIC beispielsweise der amerikanische Cartoonist John Callahan, der oft als behindertenfeindlich beschimpft wurde und sich diebisch darüber freute, als Erwiderung seine eigene Behinderung ins Feld führen zu können. (Er hat eine schöne Biographie darüber geschrieben, wie er zum Alkoholiker wurde und im Suff einen Laternenpfosten mit einer Autobahnausfahrt verwechselte.) Mittlerweile hat sich (unter Humorprofis) weitgehend die Auffassung durchgesetzt, daß auch Behinderte ein Recht darauf haben, verarscht zu werden. Und darauf wird ja auch die neue Serie von Ricky Gervais hinauslaufen: “Life’s Too Short” mit Warwick Davis.
Hier schon mal ein Ausschnitt mit Stephen Merchant aus der Dokumentation; mit von der Partie sein wird auch Ash Atalla, der u.a. “The Office” und “The IT Crowd” produziert (hat) und selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist.
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