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Archiv für die Kategorie ‘US-Produktion’

Wooo-ha: Zombies von AMC!

18. August 2010 Oliver 4 Kommentare

Wie geil ist das denn bitteschön?! Eine Zombie-Serie von AMC, dem Sender, der uns “Mad Men” und “Breaking Bad” beschert hat, ab diesem Herbst: “The Walking Dead”. Bislang gibt es nur schlecht abgefilmte Versionen eines Trailers, der bei der Comic Con vorgestellt wurde, aber das reicht schon, um mein Herz höher schlagen zu lassen. Ach ja, und daß mit Andrew Lincoln ein Brite die Hauptrolle spielt, der schon in “Teachers” und “Love Actually” angenehm aufgefallen ist. Die Herbst-Season kann nicht ganz scheiße werden.

In the long run

30. Juni 2010 Oliver 12 Kommentare

Zwei Texte über US-Sitcoms, die ich einmal gemocht habe, lassen mich dieser Tage annähernd unberührt: Die Meldung, daß Steve Carell “The Office” nach der nächsten (der siebten) Staffel verlassen wird, und ein Kommentar zu “30 Rock”, der sich darüber beklagt, die Macher der Show vertrauten in letzter Zeit zu sehr darauf, daß die zahlreichen Stargäste die Serie trügen, die ansonsten aber immer noch die beste US-Comedy im britischen Fernsehen sei.

Woran liegt das? Immerhin habe ich die ersten drei Staffeln “Office” und “30 Rock” wirklich gerne gesehen. Beiden Serien könnte ich nicht guten Gewissens vorwerfen, sie seien irgendwann “über den Hai gesprungen”. Es war kein qualitativer Absturz, der mich die Fernbedienung hätte weglegen und sagen lassen: Also diesen Scheiß will ich nie mehr sehen. Aber sie haben es auch nicht geschafft, mich bei der Stange zu halten — etwa mit innovativen Storybögen oder tieferen Einblicken in die Charaktere. Wenn eine Sitcom gut ist, muß das ja auch nicht sein. “Frasier” etwa habe ich, trotz schwächelnder Staffeln, gerne bis zum Ende gesehen, und das waren im Prinzip immer die gleichen Plots. Sie funktionierten immer aufs Neue, weil die Figuren mit ihren Schwächen und angespannten Beziehungen untereinander jede für sich liebenswert waren. Ich habe sie, wie Freunde im wirklichen Leben, immer wieder gerne getroffen. Auch wenn sie immer das gleiche erzählt haben.

Sind Michael Scott und Jim Halpert, Liz Lemon und Tracy Morgan also nicht liebenswert genug? Unterkomplex gar? So daß ich mich an ihnen schlicht sattgesehen habe? Oder, und das ist mein Verdacht, sind die kurzen britischen Staffeln dramaturgisch tragfähiger, weil sie Zuseher nicht auf lange Frist binden müssen und deshalb stärkere Charaktere zeichnen können: so dunkel, zerrissen, abgründig, daß man sie nicht Jahr für Jahr dutzende Male ertragen könnte — aber zwei- oder dreimal sechs halbe Stunden lang eben schon? Ist David Brent also anstrengend, aber unterhaltsam, Michael Scott aber nervig und, in den drei, vier verschiedenen charakterlichen Geschmacksrichtungen, die ihm die “Office”-Autoren über die Zeit auf den Leib geschrieben haben, dann doch — einfach zu langweilig?

Was meint die Leserschaft? Guckt ihr überhaupt noch das US-”Office” und “30 Rock”?

“Spaced”, US-Version

29. Juni 2010 Oliver 6 Kommentare

Sie hätte sie bekifft gesehen und viel lachen müssen, hat Jessica Hynes, geb. Stevenson, unlängst zu Protokoll gegeben: Die Pilotfolge des US-Remakes von “Spaced”, 2008 produziert und anschließend umstandslos im Giftschrank verschwunden. Dabei war die längste Zeit weder Hynes noch Simon Pegg, mit dem sie die Original-Bücher geschrieben hat, zum Lachen zumute gewesen, ebensowenig wie dem Regisseur der Originalserie Edgar Wright — denn die Adaption war ohne jede Rücksprache mit den drei Schöpfern erfolgt.

Für mich war “Spaced” (1999 – 2001, Channel4) damals der Schlüssel zum Britcom-Universum; nur wenige Serien habe ich öfter gesehen. Und selten war ich sprachloser als gerade eben, als ich diesen Clip bei YouTube gefunden habe, der das georgische “Simpsons”-Plagiat wie eine werkgetreue Übertragung aussehen läßt. Daß US-Adaptionen (wie ja auch deutsche) den Charakter des Originals, vorsichtig formuliert, oft nicht völlig treffen, ist das eine. Aber das hier… nein, ich bin immer noch sprachlos. Es sieht aus, als hätte jemand das Drehbuch genommen, alle Witze entfernt, Schauspieler ohne jeden Sinn für Timing gesucht und das dann einen Regisseur filmen lassen, der nie etwas anderes im Fernsehen gesehen hat als “Two And a Half Men”.

Für die Kenner des Originals: Achtung — das ist nichts für Zartbesaitete. Das ist Carcrash TV vom unfeinsten.

“Futurama”: Neugeboren

25. Juni 2010 Oliver 4 Kommentare

Einen einzigen der Direct-to-DVD-Filme von “Futurama” hatte ich, ungefähr gleichzeitig mit dem “Simpsons”-Film, damals gesehen — und war schwer enttäuscht. Allerdings hatte der “Simpsons”-Film die Latte auch sehr hoch gehängt, und ich bin nicht sicher, ob die “Futurama”-Filme als je vier einzelne Episoden nicht vielleicht besser funktionieren. Jedenfalls hatte ich danach die Hoffnung aufgegeben, noch einmal reguläre, lustige “Futurama”-Episoden zu sehen: Fox hatte den Stecker gezogen, vor mittlerweile sieben (!) Jahren, und von sehr vielen guten Comedy Central-Produktionen ist mir nichts bekannt.

Doch: Good news, everyone! “Rebirth” und “In-A-Gadda-Da-Leela”, die ersten beiden Folgen der neuen, sechsten Staffel “Futurama” (gestern auf Comedy Central), sind gut bis sehr gut! So schnell und dicht wie die frühen Folgen, mit den selben Synchronsprechern, und reich an cleveren, komischen Anspielungen — allein in der zweiten Folge auf “Star Wars” wie “Star Trek”, die “Simpsons” und Fernseh-Produktionsbedingungen im Allgemeinen. So kann es gerne weitergehen.

Hier ein Trailer von CNN mit einigen Ausschnitten (die Comedy-Central-Seite von “Futurama” funktioniert jedenfalls mit meinen Browsern nicht so recht):

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“Breaking Bad”: Starkes Finale, nächste Staffel sicher

15. Juni 2010 Oliver 5 Kommentare

Es war die zuschauerstärkste Staffel für “Breaking Bad”: 1, 5 Millionen wollten im Schnitt jede Episode der dritten Staffel sehen, die Sonntag zuende gegangen ist. Mit einem starken Cliffhanger, der abermals ein neues Licht (bzw. genaugenommen einen neuen Schatten) auf die Haupt-Charaktere Walter und Jesse wirft.

Ich möchte gar nicht allzu viel verraten. Statt dessen verweise ich auf ein schönes Interview mit dem Creator Vince Gilligan (Achtung, Spoiler! Besser erst nach der letzten Folge lesen), der dem “Hollywood Reporter” einige Geheimnisse hinter der besten Serie dieser Tage verrät — unter anderem, daß die Show deshalb einen so unvorhersehbaren, aber nicht unglaubwürdigen Verlauf genommen hat, weil sie tatsächlich von Folge zu Folge gestrickt wird. Daß die Autoren versuchen, die Handlung aus den Charakteren abzuleiten, die Struktur der vier Akte pro Folge (statt gewöhnlich drei) sowie die sehr visuelle Erzählweise aus Gilligans Erfahrung als “Akte X”-Autor stammen und daß es mit einer Serie wie mit einer Achterbahn ist: Es kann nicht immer rasant abwärts gehen — um echten Nervenkitzel hervorzurufen, braucht es auch lange, ruhige Aufbauarbeit, die die Schußfahrt vorbereitet.

AMC hat eine vierte Staffel angekündigt, einige Emmy-Nominierungen werden für den 8. Juli erwartet. Bryan Cranston hat bereits zwei Emmys in Folge für seine Rolle als Walter White erhalten, auch Aaron “Jesse” Paul und die Serie selbst sind schon mehrfach nominiert worden.

UPDATE Gerade lese ich: In Deutschland wird “Breaking Bad” wohl ab diesem Herbst auf Arte zu sehen sein. Die deutsche Synchronisation gibt es ja bereits (auch die beiden ersten Staffeln sind schon synchronisiert auf DVD erhältlich), und sie ist sogar ganz okay.

Gervais bestätigt “Curb”-Rolle

12. Juni 2010 Oliver Keine Kommentare

Nun ist es also eingetütet: Ricky Gervais hat bestätigt, daß er in der nächsten, der achten Staffel “Curb Your Enthusiasm” mitspielen wird. Das berichtet Chortle. Anders als Gervais’ Britcom-Kollege Steve Coogan, der schon 2007 in der sechsten Staffel mit von der Partie war, wird Gervais sich selbst spielen.

Die Dreharbeiten werden im Sommer in New York beginnen, wo Gervais eine Wohnung hat: “It’s perfect for me as I can walk to work”, so Gervais. “I won’t walk obviously. I’ll take a limo. But I could walk if I had to.”

Zufälle gibts

21. Mai 2010 Oliver 2 Kommentare

Zwei der besten Sitcoms der Frühlings-Season sind Familienserien: Die britische Domcom “Outnumbered” und die US-Mockumentary “Modern Family”, deren erste Staffel am Mittwoch zuende gegangen ist. Die Serien sind recht unterschiedlich: Hie das (typisch britisch) knapp budgetierte “Outnumbered”, das vorwiegend in den eigenen vier Wänden spielt und die üblichen sechs Folgen hat (obwohl die letzte, dritte Staffel finanziell offenbar besser ausgestattet war als die ersten beiden), da das 24 Folgen starke US-Pendant mit gleich drei Familien und zusätzlichen Außendrehs en masse. Hier britischer Humor, in dem es um Darmspiegelung und Sexualkundeunterricht geht, trotzdem “Outnumbered” natürlich eine Serie für die ganze Familie ist, dort integrativer US-Humor, mithilfe dessen Homosexuelle, Ausländer und Patchwork-Familien immer wieder (und sehr pc) feststellen, daß Familie doch das Allerwichtigste ist im Leben.

Doch bei allen Unterschieden: In den letzten Wochen sind in beiden Serien gleich zweimal sehr ähnliche Motive aufgetaucht — und das auch noch verblüffend zeitnah. Zunächst stellten in beiden Serien präpubertäre Söhne ihre Väter beim Schachspielen bloß: In “Modern Family” in Episode 19 (“Game Changer”, 31. März) fordert Jay (Ed O’Neill) seinen angenommenen Sohn Manny heraus. Mannys Mutter Gloria (Sofia Vergara) weiß, wie gut ihr Sohn im Schachspielen ist und, vor allem, was für ein schlechter Verlierer ihr Mann Jay ist, und interveniert zunächst, so daß Manny freiwillig verliert. Dann allerdings provoziert Jay Manny so lange, bis der ihn herausfordert — und prompt Jays teure Armbanduhr gewinnt. In der zweiten Folge “Outnumbered” (“The Internet”, 15. April) ist es Ben (Daniel Roche), der ein für seine chronische Konzentrationsstörung verblüffendes Schachtalent an den Tag legt. Er schlägt zunächst seinen Vater Pete (Hugh Dennis) und treibt anschließend bei einem Match gegen einen Mitschüler alle mit den battle noises in den Wahnsinn, mit denen er seine Züge orchestriert.

Zwei Wochen später ist es eine Taube, die in der vierten Folge “Outnumbered” (“The Pigeon”, 6. Mai) in die Küche der Brockmans fliegt und zunächst den Aberglauben Carens (Ramona Marquez) befeuert, die in dem Flattermann ein böses Omen sieht, und anschließend ein Haus-Verkaufsgespräch ruiniert. In “Modern Family” wiederum (Episode 24: “Family Portrait”, 19. Mai) fliegt eine Taube in Mitchells und Camerons Wohnung, die Mitchell (Jesse Tyler Ferguson) daraufhin in einem Panikanfall in ein Schlachtfeld verwandelt. Patrick Süskind hätte seine Freude.

Was uns das sagt? Daß da einer vom anderen abgekupfert hat? Eher nicht. Daß Familienserien nach je knapp zwanzig Folgen auf so ausgefallene Drehs wie die eben beschriebenen verfallen müssen, wenn sie noch interessante Geschichten erzählen wollen? Keine Ahnung. Vermutlich sagt es nur: daß es Zufälle halt gibt. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

In the News

14. Mai 2010 Oliver Keine Kommentare

Zwei Todesfälle und eine Geburt:

“Bellamy’s People” wird keine zweite Staffel erhalten. Das berichtet Chortle. Der Spoof der “Fast Show”-Genies Paul Whitehouse und Charlie Higson wurde nach der ersten Series von der BBC abgesetzt — wenig überraschend, konnte doch die Umsetzung der erfolgreichen Radio-Comedy ins Fernsehen nicht so recht überzeugen.

Auch Sarah Silverman wird nach drei Staffeln ihrer “Sarah Silverman Program” keine weitere Season produzieren. Keine Überraschung, hatte Comedy Central doch schon die letzte Staffel mittendrin auf einen mitternächtlichen Sendeplatz verschoben und zuvor schon das Budget gekürzt.

Die gute Nachricht zum Schluß: Matt LeBlanc hat die Rolle als Matt LeBlanc bekommen, die er in der US-britischen Coproduktion “Episodes” spielen soll — und zwar als Fehlbesetzung in einem US-Remake einer erfolgreichen britischen Fernsehserie. Könnte lustig werden (dieses Blog berichtete) und erinnert ein wenig an die selbstironische (und ziemlich bittere) Sitcom “The Comeback”, in der LeBlancs “Friends”-Kollegin Lisa Kudrow sich bereits 2005 über ihren Status als alternde Schauspielerin im Fernsehbusiness lustig gemacht hat. Der erste Trailer sieht jedenfalls gut aus:

Ins Sofa gebissen

7. Mai 2010 Oliver 7 Kommentare

hätte ich beinahe während der letzten Folge “Breaking Bad” (S03E07): so spannende Unterhaltung, so clevere Twists, so hervorragend inszenierte Action — das gibt es selten. Wie Dan Owen in seinem Blog bemerkt (Achtung, Spoiler!!), ist das der Grund, die lange Form (45 Min.) der Gattung Serie zu mögen: Weil sie es erlaubt, Charaktere lange einzuführen und präzise zu beschreiben — so lange, bis man sich als Zuschauer derart mit ihnen identifiziert, daß einem fast das Herz stehenbleibt, wenn sie so in Schwierigkeiten geraten wie hier.

Ohne allzu viel zu verraten: Es ist der DEA-Agent Hank Schrader (Dean Norris), der in dieser Folge im Mittelpunkt steht; seine Figur ist über die letzten Episoden in ihrer ganzen Zerissenheit zu einer der interessantesten geworden. Aber auch Aaron Paul (als Jesse Pinkman) brilliert in dieser Folge und empfiehlt sich, das sieht Dan Owen ganz recht, nun endgültig für einen Emmy. Würde mich nicht wundern, wenn nicht nur er, sondern die ganze Serie mit Preisen überschüttet würde dieses Jahr.

»Not all drugs are good. Some of them are great!«

28. März 2010 Oliver 3 Kommentare

Mitte Mai kommt (in England) “American: The Bill Hicks Story” in die Kinos. Anlaß genug, mein altes Humorkritik-Spezial vom Mai 2006 endlich hier online zu stellen — für die Freunde langer Texte und düsteren Stand Ups.

Das soll Bill Hicks sein? Dieser ungesund schwitzende Mann auf der Bühne soll schon mit fünfzehn den lokalen Comedy-Größen ihren Rang streitig gemacht haben? Der bleiche, dickliche Typ in schwarzen Klamotten, der aussieht wie vierzig, aber noch nicht einmal dreißig ist, hatte zu besten Zeiten 280 Auftritte pro Jahr? Dieser Vokuhila-Träger mit dem schlimmen Kassengestell hat regelmäßig psychedelische Drogen genommen und seine diesbezüglichen Erfahrungen auf der Bühne verherrlicht, wurde deshalb von seinen Fans geliebt und von Rechten verprügelt?

Es fällt schwer, das zu glauben. Der ist so unsympathisch. Und mit den ersten Sätzen seines Programms »Relentless« (»Unbarmherzig«), mit dem er 1991 in Montreal auftritt, macht Hicks klar, was er von seinen Mitmenschen hält: nichts.

Ich habe wohl so ein Gesicht, daß mir völlig Unbekannte sich vor mich hinstellen und sagen: ›Was ist denn los? Lächel doch mal!‹ Sie sagen, es kostet mehr Energie, die Stirn zu runzeln, als zu lächeln. — Yeah, und es kostet mehr Energie, mir das zu sagen, als mich einfach in Ruhe zu lassen. Also warum haut ihr nicht ab, dann fange ich auch an zu lächeln!

Hicks klärt kurz, daß er auf subalterne Arbeit gut verzichten kann, auch im Sommer lieber zu Hause bleibt, als an den Strand zu gehen, und zumindest unter einer Neonreklame für Bier halbwegs gesund aussieht. Wie er sich gibt, ist er das genaue Gegenteil der meisten amerikanischen und, um das mindeste zu sagen, auch der deutschen Comedians und politischen Kabarettisten, die ihren Murks als Dienstleistung am Publikum begreifen und ihm deshalb nach dem Mund reden, sich auf »Quatsch Comedy Club«-Harmlosigkeiten zurückziehen und erst dann mutig werden, wenn sie sicher sind, die Meinung ihrer Zuschauer formulieren zu können. Hicks aber sucht die Konfrontation. Mehr…