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„Fawlty Towers“ geht nicht weg

24. Mai 2009 3 Kommentare

I have been talking for twenty-five years about Fawlty Towers now, and I would not be at all disappointed if it went away and I could forget about it forever.

Das schreibt John Cleese, offensichtlich schwer genervt, 2004 einem jungen Autor namens Lars Holger Holm, als der ihn um ein Vorwort für ein Buch über „Fawlty Towers“ bittet — doch „Fawlty Towers“ geht nicht weg: Cleese muß sich immer wieder zu seinem größten Erfolg äußern, der mittlerweile 30 Jahre zurückliegt. Ein schweres Los, denn die britische Öffentlichkeit hat eine so hohe Meinung von dieser Sitcom, daß die zwölf Folgen der Originalserie noch immer bei den meisten Umfragen auf Platz eins der beliebtesten Britcoms aller Zeiten liegen.

https://www.youtube.com/watch?v=1k7U-_tJVmw&hl=de&fs=1

Das hat mich als jungen Monty Python-Fan seinerzeit einigermaßen verwundert, als ich die BBC-Serie entdeckte, deren erste Staffel vor und deren zweite Staffel nach „Monty Python’s Life of Brian“ gedreht wurden: Zu einer Zeit also, als die Pythons in der Form ihres Lebens zu sein schienen, mit dem „Flying Circus“ experimentelle Fernsehcomedy gemacht hatten, wie sie weder davor noch danach je wieder zu sehen war, mit psychedelischen Animations-Links und Filmschnipseln, höchst komischen Gewalttätigkeiten und gewagten Sketch-Strukturen, die keine Pointe zu brauchen schienen; jedenfalls nicht am Ende des Sketchs. Nun machten sie Filme, ebenso ungewöhnliche wie zuvor Fernsehproduktionen, die formell wagelustig waren wie „Monty Python and the Holy Grail“ oder ketzerisch wie „Life of Brian“ — wie paßte da eine so traditionelle, konservative, altmodische Sitcom wie „Fawlty Towers“ ins Bild? Mehr…

Na bitte, geht doch

22. Mai 2009 3 Kommentare

Bayerischer Humor zum Zweiten: So soll’s sein!

Bayerischer Humor (2)

Vorbildlich: Humor aus dem Volk, für das Volk

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BR, WTF?!

Das hat man davon, daß man nach einem üblich guten DVD-Abend nochmal ins reguläre Fernseh guckt: Man sieht im Ersten „Die Komiker“ (gestern 0.45 – 1.15 Uhr) — und muß sich ernsthaft fragen: ARD, BR — WTF?!? „Bayerische“ „Comedy“? Mir war schon immer klar, daß der Keller, in den der BR zum Lachen geht, so tief sein muß, daß die Erderwärmung dort für mollig-faulige Wärme sorgt, aber was ich in „Die Komiker“ sehen mußte, ist mit „verstörend“ nur vage angedeutet: „Dagegen sind Lisa Fitz und Sissi Perlinger ja die lustigsten Menschen der Welt!“ (sagt die Frau.)

Da beichtet ein im Wald aus unerfindlichen Gründen angeschossener, vermeintlich im Sterben begriffener Mann, der mit seiner Frau auf der Flucht ist, dieser diverse Seitensprünge, u.a. mit der Kuh (klar, wir sind ja in Bayern), bevor zufällig ein Arzt im BMW vorbeikommt (klar, wir sind ja in Bayern) und ihm einen harmlosen Streifschuß attestiert, woraufhin seine Frau ihn unter Keifen verläßt und mit dem Arzt von dannen zieht.

Dann produzieren sich zwei Provinz-Seppel in einer Kneipe vor zwei Frauen und machen sich erst betrunken bayerisch redend (klar, wir sind ja in Bayern) zum Affen, bevor sich rausstellt, daß die Frauen nur Englisch sprechen, woraufhin die Seppel sich abermals zu Deppen machen, diesmal bayerisch-englisch radebrechend, und zum Schluß stellt sich raus: Die Mädels konnten die ganze Zeit Deutsch (Bayerisch)! Haha!

Im Anschluß folgt ein „Stand Up“ der blonden Nuß des Quartetts darüber, wie feucht sie schon wird, wenn ihr italienischer Kellner nur die Speisekarte vorliest („wos hoast etz feucht auf italienisch?“), die zwei männlichen Knallköpfe treten in Wespen-Kostümen auf („jetzt dat i wos zum Bestäub’n braucha!“) und ein „Sicherheitsbeauftragter“ (?!) verhaspelt sich beim Verlesen eine Bahnfahrplans („dieser Arsch- Marschmusikdirektor“), bevor der Bayerisch-Deutsch-Kurs nochmal drei Bayern beim deftigen Frühstück zeigt, wobei jeder bayerische Satz (ohne den kleinsten Witz!) zur allgemeinen Belustigung auf Hochdeutsch übersetzt wird, mit bayerischem Akzent natürlich. Der „Witz“ ist, daß der Gast vor dem Essen so viele Biersorten probieren muß (klar, wir sind ja in Bayern), daß er noch vor dem ersten Bissen schon betrunken ist (klar, wir sind ja in Bayern).

Um Himmels Willen! Wer schreibt so was? Der behinderte kleine Bruder des besten Kumpels vom Aushilfhausmeister beim Bayerischen Rundfunk? Warum wird dieser Riesenmist seit, was mir eben wirklich die Sprache verschlagen hat, ZEHN JAHREN produziert? Gibt’s nicht schon genug Herberts und Schnipsis, ist der Kanal fatal nicht wirklich randvoll genug auch ohne diese vier Kasperköpfe, die angeblich das „beliebteste Comedy-Ensemble Bayerns“ sind? Und warum läuft das jetzt auch noch in der ARD?

Sorry, aber etz dat i erst amoi wos zum Betäuben braucha.

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She’s not the messiah, she’s the mayor of Aberystwyth

18. Mai 2009 1 Kommentar

Zu den vielen Anekdoten um „Monty Python’s Life of Brian“ gehören die, daß der 69jährige EMI-Boß das Projekt zwei Tage vor Drehbeginn abblasen ließ, George Harrison wenig später mit seinem Privatvermögen einsprang (und speziell dafür die Produktionsfirma Handmade Films ins Leben rief), weil er persönlich den Film gerne sehen wollte, und daß „Das Leben des Brian“ später zahlreiche Aufführungsverbote erlebte; unter anderem in ganz Norwegen und Aberystwyth, Wales. Nun ist eine weitere hinzugekommen: Nach fast dreißig Jahren darf Brians Leben auch in Aberystwyth wieder gezeigt werden — weil Judith von der People’s Front of Judea mittlerweile die 36. Bürgermeisterin von Aberystwyth ist.

Natürlich heißt die gute Frau in Wirklichkeit Sue Jones-Davies, wußte offenbar bei Amtsantritt gar nichts von dem immer noch gültigen Aufführungsverbot und setzte, als im Oktober 2008 ein BBC-Mitarbeiter diese Zusammenhänge recherchiert hatte, alles daran, das alberne Verbot aufzuheben. Weshalb Ende März diesen Jahres unter großem Pressegetöse und in Anwesenheit von Terry Jones und Michael Palin endlich auch Aberystwyth in den Genuß kam, eine der größten Komödien aller Zeiten auf der großen Leinwand sehen zu dürfen.

BBC One hat prompt eine halbe Stunde Reportage daraus gemacht, und YouTube sorgt dafür, daß jeder sie sehen kann. Bittesehr: „Monty Python in Aberystwyth“.

https://www.youtube.com/watch?v=r2F9PLadNDA&hl=de&fs=1

https://www.youtube.com/watch?v=iqyhv70zcv8&hl=de&fs=1

https://www.youtube.com/watch?v=zafyN4s45u8&hl=de&fs=1

Die Überschrift habe ich hier geklaut.

Update: Feck, Nerdcore war schneller, hat aber dafür die schöne Pointe mit der Bürgermeisterin verschlafen…

Hamlet it be

17. Mai 2009 2 Kommentare

Endlich mal eine Komödie, die Steve Coogan auf den Leib geschrieben ist! dachte ich, als ich mich die ersten beiden Akte von „Hamlet 2“ (2008) prima amüsierte. Die Rolle des Dana Marschz paßt dem Alan-Partridge-Erfinder auch wirklich wie angegossen: Marschz ist, das verrät uns eine sehr lustige Montage zu Beginn, zwar immer der Überzeugung gewesen, ein großer Schauspieler zu sein, und er kennt sich auch aus im Business — seine eigene Karriere bestand aber im Wesentlichen aus einem kleineren Auftritt in „Xena“ und etlichen schlimmen Werbespots. Seitdem schlägt er, mittlerweile trockener Alkoholiker, sich so durch als High School-Schauspiellehrer in Tucson, Arizona, wo die von ihm inszenierten Schülertheaterstücke regelmäßig durchfallen — vielleicht auch, weil er regelmäßig Hollywood-Filme zu inszenieren versucht (zuletzt „Erin Brockovich“). Eines Tages muß er vor mehr als den üblichen zwei Streber-Schülern unterrichten, weil alle anderen Kunst-Wahlfächer weggestrichen worden sind, und hält den völlig desinteressierten Jugendlichen erstmal einen Stegreif-Vortrag über „Dead Poets Society“ und „Mr Holland’s Opus“ („these are all Inspirational Teacher Movies!“). Leider wird wenig später auch sein Kurs gestrichen, und so bleibt ihm nichts übrig, als endlich mal ein Theaterstück zu inszenieren, das erfolgreich ist — und zwar am Besten so erfolgreich, daß er weiterunterrichten darf.

Und damit beginnt der schwierige dritte Akt. Während Komödien in den ersten beiden Akten es ja oft eher einfach haben, weil sie Schwierigkeiten um Schwierigkeiten vor dem Helden auftürmen können, die für Komik sorgen, muß der dritte Akt eine befriedigende Auflösung haben: Der Held muß scheitern (was hier schlecht geht, weil Marschz die Fallhöhe fehlt — er ist ja von Anfang an schon gescheitert) oder triumphieren. Dieser Triumpf ist hier so schlicht, wie man es vielleicht schon befürchtet hat: Die schwierigen Schüler stellen sich als recht gute Musical-Schauspieler heraus und inszenieren den Riesenquatsch recht solide, den Marschz ihnen schreibt: nämlich eine Fortsetzung von Hamlet, in der qua Zeitmaschine alles gut ausgeht („diese Idee ist so beschissen, daß sie schon wieder gut sein könnte“) und die darüberhinaus so blasphemisch und obszön ist, daß niemand sie ignorieren kann. Eine „Hamlet“-Version mit Happy End ist komisch, weil sie lächerlich ist; leider ist es aber bei dem Film ebenso: Das Happy End, der furiose Erfolg des Theaterstücks, ist sehr platt und ruiniert den bis dahin recht ansehnlichen Film (na ja, jedenfalls fast). Man hat diesen Plot einfach schon zu oft gesehen, kann das Ende schon von weitem kommen sehen und hofft, es möge wenigstens noch (wie etwa bei den „Blues Brothers“) eine persönliche Niederlage für den Helden bereithalten, um die pappigste Süße wieder herauszunehmen, aber nein, es endet alles im Totalerfolg.

Die ersten beiden Akte aber sind gut.

Andrew Fleming, hier Regisseur und Coautor, hatte bereits bei einigen Folgen „Arrested Development“ Regie geführt, Coautorin Pam Brady mit den „Southpark“-Machern Trey Parker und Matt Stone „South Park: Bigger, Longer & Uncut“ sowie das ebenfalls nur leidlich gute „Team America: World Police“ geschrieben.

Unromantische Komödie

Kann eine Sitcom richtig gut sein, die man erst am Ende der vierte Folge (von sechs) zu mögen beginnt? Und deren erster laugh out loud-Gag irgendwo in der fünften Episode kommt? Ich hatte im Laufe der Serie schon überlegt, wie ich meine ja doch eher positive Kritik der Pilotfolge von „Free Agents“ (Channel 4) zurücknehmen könnte, als Stephen Mangan und Sharon Horgan mich doch noch gekriegt haben — aber leicht haben sie es mir nicht gemacht.

Denn die beiden Schauspieler-Agenten Alex und Helen sind reichlich kaputte Menschen: Er lebt in Scheidung, getrennt von seinen Kindern, und leidet unter regelmäßigen Weinkrämpfen, ihr ist der Verlobte gestorben, was sie mit einer intensiven Rotwein-Therapie zu kompensieren versucht. Für eine Beziehung, die über zwei One Night Stands hinausgeht, sind beide nicht in der Lage, kommen sich aber im Laufe der Serie doch näher: Eine ungemütliche On/Off-Beziehung entspinnt sich, deren romantische Seite gut versteckt ist unter Tonnen von vulgären Dialogen (einige Begriffe sucht man am besten mit der Google-Bildsuche). Daß er sich vom mitleiderregenden Weichei ebenso wie sie von der abgebrühten Alkoholikerin zu Menschen entwickeln, die man u.U. sogar mögen könnte, ist der nicht eben geringen schauspielerischen Leistung von Mangan und Horgan ebenso zu verdanken wie dem Autor Chris Niel.

Der hat für die Figurenzeichnung und die kaustischen Dialoge genügend Anschauungsmaterial gehabt während seiner eigenen Zeit als Agent, und am Ende der letzten Folge, bei einer einigermaßen bizarren Hochzeit des Agenturchefs mit einer Puffmutter, habe ich mir sogar leise gewünscht, daß es für eine zweite Staffel reichen möge. Und daß auch nach der zweiten Staffel „Free Agents“ fix eine DVD mit so großzügigem Bonusmaterial, Untertiteln und allem erscheinen möge. Ein echter grower, diese Serie, die niemand geringerer als Nira Park („Spaced“, „Black Books“) produziert hat.