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Archiv für November, 2010

Leslie Nielsen has left the Police Squad!

29. November 2010 1 Kommentar

84jährig ist gestern Leslie Nielsen gestorben, der Frank Drebin aus der „Nackten Kanone“ und der Vorläufer-Serie „Police Squad!“, hierzulande unter dem Titel „Die nackte Pistole!“
erhältlich. Bis heute eine Inspiration für mich, was Running Gags und „In Your Face“-Komik angeht! Und das, obwohl Zucker, Abrahams & Zucker es damals, 1982, nur auf sechs Episoden gebracht haben — die Fernsehzuschauer waren wohl überfordert mit den Myriaden kleiner und großer Gags, für die permanente Konzentration erforderlich war. Schon der Vorspann war eine pawlowsche Glocke, die ein Fest fröhlichen Quatsches ankündigte, und in jedem Vorspann tauchte ein Gaststar auf, der aber regelmäßig im gleichen Moment auch schon den Fernsehtod starb und nie in der Folge auftauchte…

Ouud! Ouuuud! Ouuuuuuuud!

26. November 2010 3 Kommentare

Eine Oud ist ein Kurzhalslaute aus dem Mittelmeerkreis. Es sei denn, Bill Bailey verwendet sie, dann wird sie zu einem Fetisch, einem magischen Gegenstand, Mittelpunkt einer Beschwörung. Ouuud!

„Tonight’s program is about doubt“, sagt Bailey im ersten Teil von „Dandelion  Mind“, „or maybe it isn’t. I haven’t made my mind up yet.“ In jedem Fall kommen zwar nicht ganz so viele wie beim letzten Programm, aber doch etliche Instrumente zum Einsatz, es gibt einen Ausflug in die Kunstgeschichte, bei dem diverse Darstellungen des ungläubigen Thomas diskutiert werden, James Blunt kriegt sein Fett abermals ab, und am Ende kommt wieder der Schaupspieler Kevin Eldon zu einer Kraftwerk-Parodie auf die Bühne. Alles so lustig, bunt schillernd, liebenswürdig wie immer — nur daß es diesmal zu Beginn einen etwa zehnminütigen Stand-Up-Teil gibt, in dem es um aktuelle Themen aus Politik und Fußball geht, Irlands Pleite (die Show wurde in Dublin aufgenommen) und Wayne Rooneys Gesicht, bevor der Musikdampfer Bailey dann doch wieder in die psychedelisch-bizarren Gefilde abdriftet, die er üblicherweise befährt: Etwa in die, in denen Gary Numans „Cars“ zu einem französischen Elektro-Disco-Stück wird.

Wenn man dieses DVD zu Weihnachten verschenkte, käme sie vermutlich nach dem Spätfilm an einem der Feiertage zum Einsatz, wenn Mama und Opa schon im Bett sind. Phantastische Träume wären garantiert. (Die DVD hat Untertitel, obwohl das Cover irritierenderweise behauptet, sie hätte keine.)

Filme für lange Zugfahrten

22. November 2010 14 Kommentare

Ich fahre gerne mit der Bahn. Gewiß, es nervt, wenn man mal wieder auf irgendeinem Provinzbahnhof gestrandet ist, weil man den einen Anschlußzug verpaßt hat und der nächste eine Dreiviertelstunde Verspätung hat — aber deshalb werde ich nicht zum Bahn-Hasser.

Allerdings werde ich zum Bahnfahrer-Hasser; jedenfalls bei Reisen, die länger als drei Stunden und/oder mehr als zwei Tage am Stück dauern. Ich fühle mich einfach belästigt: Durch junge Mütter über Vierzig, die (statt das Kleinkindabteil zu nehmen) den gesamten Großraumwagen durch stundenlanges Geschrei ihres Nachwuchses ruckzuck vom Segen der Kinderlosigkeit überzeugen. Durch Businessfrauen, die sich so zwanghaft an ihren Koffer klammern, daß sie selbst im überfüllten Zug lieber einen Sitzplatz mit ihrem Lieblingsgespäckstück blockieren, statt es ins Gepäckfach zu tun. Durch Dauertelefonierer. (Btw: Wer nicht nur rücksichtslos, sondern auch noch dumm genug ist, seine Geschäftstelefonate in höchster Lautstärke zu führen und dabei auch noch die eigene E-Mail-Adresse durchzutrompeten, muß sich über ein erhöhtes Aufkommen von Newslettern des Hörgeschädigtenverbandes nicht wundern.) Und dann gibt es noch diese massiv adipösen, nach Rauch und Schweiß stinkenden Assos, die sich neben einen an einen Tisch quetschen, sofort anfangen, Frikadellenbrötchen, Krautsalat und Dosenbier zu verzehren, sich über Kriegsfilme zu unterhalten und nach einem Toilettengang zurückkommen mit der Bemerkung, sie hätten nicht kapiert, wie „man das Waschbecken anschaltet“. Das Waschbecken schaltet man gar nicht an, Idiot! Man hält einfach seine Pfoten unter den Hahn, so wie bei praktisch allen Autobahnraststätten seit zehn Jahren auch! Iihhh!!

Noch schlimmer sind höchstens die Deppen, die am Ende der Fahrt den eben beschriebenen Flegeln attestieren, ihre Rücksichts- und Manierenlosigkeit sei schon in Ordnung. Diese Unterwürfigkeit gegenüber Leuten, die weder geschriebene noch ungeschriebene Regeln kennen bzw. sie vielleicht sogar kennen, aber schlicht nicht akzeptieren, scheint mir neu. Vielleicht bewundern tatsächlich immer mehr Knallköpfe andere Knallköpfe, die einfach mehr Mut zum „Ich zuerst“ haben als sie selbst.

Nun denn. Auf solchen Bahnfahrten gibt es nur eine Möglichkeit: Notebook und Kopfhörer auspacken (ja, liebe kinderreiche Familien und Bundeswehrler: Filme guckt man im Großraumabteil IMMER mit Kopfhörern! IMMER!!) und all das nachholen, was über die letzten Monate liegengeblieben ist. Lieber selbst einen möglicherweise schlechten Film gucken als Trottel über „Killing Fields“ reden hören und wie gerne sie da mal hinfahren würden, um sich das selbst anzusehen („Ob da noch Totenköpfe rumliegen?“ Grundgütiger!).

Für eine solche Fahrt taugt etwa „Magicians“ (2007) ganz gut. Der lag schon sehr lange bei mir herum — weil er nicht nur bei Rotten Tomatoes eine sensationell schlechte Bewertung hat, sondern weil auch andere, die ihn gesehen hatten, ihn eher so mittel fanden. Meine nicht sehr hohen Erwartungen aber hat er mühelos übertroffen.

Das lag bestimmt zum Großteil am Charme von David Mitchell und Robert Webb, die hier eine Variation ihrer Charaktere aus „Peep Show“ spielen. Hier sind ein magischer Double Act, dessen Karriere zu Beginn des Films gescheitert ist: Harry (Mitchell) hat Karl (Webb) mit seiner Frau, der gemeinsamen Assistentin, in flagranti erwischt — und sie anschließend bei einem Zauberunfall mit einer Guillotine enthauptet. Jahrelang haben sich beide daraufhin mit Jobs über Wasser gehalten, doch nun möchte Harry wieder ins Geschäft einsteigen: Ein Magier-Wettbewerb winkt mit einem Preisgeld von 20 000 Pfund — Grund genug für Harry, über seinen Schatten zu springen und Karl um einen einzigen gemeinsamen Auftritt zu bitten, mit dem sie das Preisgeld abräumen, teilen und sich wieder voneinander verabschieden können.

Dieser Wettbewerb gibt das Grundgerüst von „Magicians“ ab, um das herum kleine Storys rund um eine neue Assistentin (Jessica Hynes, „Spaced“), Zauberkonkurrenten (etwa Steve Edge, „Star Stories“, „Phoenix‘ Nights“) und Karls Manager (Darren Boyd, „Whites“) gebaut sind; das Drehbuch haben die „Peep Show“-Autoren Sam Bain und Jesse Armstrong übernommen. (Wann kommen die eigentlich noch zum Essen und Schlafen? „The Thick of It“, „The Old Guys“, „Peep Show“, „The Mitchell and Webb Look“, „In The Loop“ — ein beachtlicher Output, den dieses Duo hat.) In weiteren Nebenrolle glänzen Peter Capaldi und Rasmus Hardiker („Lead Balloon“, „Saxondale“), und dieser ansehnliche Cast macht auch die etwas einfallslose Regie (Andrew O’Connor) wett. Ein im besten Sinne kleiner Film, der wahrscheinlich enttäuschen würde, wenn man ihn mit großen Erwartungen im Kino gesehen hätte — aber perfekte 90 Minuten Fernsehunterhaltung.

Auch Frank Oz„Death at a Funeral“ (2007) fällt in diese Kategorie, wenngleich er die deutlich bessere Dramaturgie hat. Das Begräbnis des Vaters führt die erwachsenen Kinder und viele Trauergäste auf einem prächtigen Landsitz in England zusammen und sorgt für die Fallhöhe, die eine Farce braucht; ein Bruderzwist, die Verwechslung einer stark halluzinogenen Droge mit Valium sowie ein Kleinwüchsiger, der mit Enthüllungen ihn und den Verstorbenen betreffend droht, machen „Death at a Funeral“ zu einer klassischen Screwball-Komödie. Daß ihr die großen Stars ein wenig fehlen, gleicht sie durch ein prima Ensemble aus (u.a. Kris Marshall und Andy Nyman, der cholerische Producer in „Dead Set“). Dafür, daß ein Amerikaner ihn gemacht hat, ein sehr englischer Film: Selbstverständlich fällt der Sarg um und der Verstorbene purzelt ins Wohnzimmer, trotzdem bleibt (ich weiß nicht genau, wie) die Würde des Toten unangetastet — ich hatte jedenfalls nie den Eindruck, daß da mit billigen Mitteln Witze auf Kosten von Toten gerissen würden.

Soviel zu alten Filmen. Den Rest der Zugfahrten habe ich mit alten Serien zugebracht, über die ich hier nicht en detail berichten möchte, aber auch mit einer neuen, die ich jetzt schon mal sehr empfehle: „Terriers“, eine der neuen US-Serien des Herbstes. Kritik folgt, sobald ich genau sagen kann, was genau so toll ist an der Serie. Der Plot ist an sich nämlich nicht besonders originell: Ein Ex-Bulle und trockener Alkoholiker löst zusammen mit seinem halbkriminellen Kumpel als Privatdetektiv ohne Lizenz Fälle in Kalifornien. Klingt irgendwie nach „Trio mit vier Fäusten“, ist aber dank immer neuer Wendungen und Ideen, bei denen ich oft mit offenem Mund dasitze und „Das habt ihr jetzt nicht gemacht, oder?!“ denke, eine der besseren Serien dieses Jahres und ein echter Geheimtip.

Jahresendabstimmung

16. November 2010 8 Kommentare

Klar, klar: Noch sind es sechs Wochen hin bis Silvester, und einige Serien laufen sich gerade erst warm („The Trip“, „Getting On“). Trotzdem schon mal die Frage: Welche Britcoms sind bislang Eurer Meinung nach die besten des laufenden Jahres? Sketch-Shows („Harry & Paul“, „That Mitchell & Webb Look“, „The Armstrong & Miller Show“) sowie ComedyDrama („Misfits“) fehlen im nachstehenden Poll ebenso wie Stand-Up-Shows und einige der chancenloseren Sitcoms („Miranda“, „Shelfstackers“, „The Persuasionists“, „The Gemma Factor“, „Popatrons“ — chancenlose Sitcoms gab es dieses Jahr zur Genüge. Vielleicht sollte ich mal einen Poll über die schlechtesten Britcoms 2010 machen).

Jeder hat drei Stimmen. Zu gewinnen gibt es nichts außer Erkenntnis. Und nun: Go on, go on, go on, go on!

Beste Britcom 2010

  • The IT Crowd (Series 4) (23%, 54 Votes)
  • Whites (15%, 35 Votes)
  • Outnumbered (Series 3) (13%, 32 Votes)
  • The Trip (7%, 17 Votes)
  • Getting On (Series 2) (6%, 15 Votes)
  • How Not To Live Your Life (Series 3) (6%, 15 Votes)
  • Mongrels (6%, 14 Votes)
  • The Inbetweeners (Series 3) (6%, 14 Votes)
  • Grandma's House (4%, 10 Votes)
  • Rev (4%, 10 Votes)
  • The Great Outdoors (4%, 10 Votes)
  • The Old Guys (Series 2) (3%, 6 Votes)
  • Him & Her (2%, 4 Votes)
  • Bellamy's People (1%, 2 Votes)
  • Roger And Val Have Just Got In (0%, 1 Votes)

Total Voters: 124

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KategorienJahresendabstimmung, Sitcom Tags:

Stewart Lee vs. Top Gear

12. November 2010 1 Kommentar

Die Zeiten, in denen Stewart Lee von seinen Tourneen ärmer nach Hause kam, als er losgefahren war, sind noch gar nicht so lange her. Ein Vorwurf, den Kritiker ihm in dieser Phase seiner Karriere immer wieder machten, war: Er beherrscht sein Publikum nicht; er schafft es nicht, seine Zuschauer zu fesseln; es gibt immer wieder lange Phasen ohne erkennbare Gags, in denen sich Unwohlsein im Auditorium breit macht, bis Lee es zurückgewinnen kann. Mittlerweile spielt Lee vor großen, gut gefüllten Rängen, und Fans wie (die meisten) Kritiker haben begriffen: Er macht das absichtlich. Die Dekonstruktion der comedy routine ist zentraler Bestandteil seiner Show, nicht etwa ein Fehler oder Unvermögen. Ganz im Gegenteil: Stewart Lee beherrscht (nach immerhin 20 Jahren im Business) diesen Kniff meisterlich.

Keine Frage also: die ersten zehn Minuten „If You Prefer a Milder Comedian, Please Ask For One“*, in denen weder der große Auftritt mit Kunstnebel und Light Show zu funktionieren scheint, in denen das Publikum auf seine Fragen Antworten gibt, mit denen er scheinbar nichts anfangen kann, in denen er wieder und wieder von vorne anfängt und schließlich damit beginnt, wie merkwürdig und unnatürlich es doch ist, daß Comedians auf die Bühne gehen und aus dem Nichts auf irgend ein Thema zu sprechen kommen — diese Selbst-Sabotage ist Inszenierung, und Lees Publikum weiß das auch. (Kein Zufall übrigens auch, daß die Show nicht in London gefilmt wurde, sondern in Glasgow, vor einem Publikum, das Lee für chronisch unzugänglich und widerborstig hält.)

Weil das Publikum nun aber so genau weiß, was Lee vorhat, kann, ja: muß er schwerere Geschütze auffahren, um die Leute aus der Reserve zu locken. Das schwerste Geschütz in seiner jüngsten (und m.M. besten) Show ist eine Suada, die geschlagene 40 Minuten dauert, sich also genügend Zeit nimmt, immer furioser auf einen sagenhaft lustigen Höhepunkt von Beschimpfungen und wüsten Todeswünschen hinzuarbeiten, und mit der Lee eine der beliebtesten Fernsehshows Englands aufs Korn nimmt: „Top Gear“. Hier die ersten Minuten (die retrospektiv gesehen von äußerster Harmlosigkeit sind):

Wie Stewart Lee sich im Verlauf der restlichen Show in eine Art Nervenzusammenbruch hineinsteigert, sollte man gesehen haben. Schon damit man anschließend das Bonus-Material-Interview umso mehr genießen kann, in dem Lee dem Schauspieler Kevin Eldon haarklein erzählt, wie kalten Herzens er sich auf „Top Gear“ kapriziert habe: weil er genau wisse, daß jedes Publikum mindestens zur Hälfte „Top Gear“ verehrt. Wie Lee die vorsätzliche, gut bezahlte political incorrectness von Jeremy Clarkson übernimmt und gegen ihn richtet („It’s only a joke! Like on Top Gear!“), und wie er vor allem Richard Hammonds feige Wieselhaftigkeit zerlegt, mit der sich dieser mit seinen eigenen Bullys identifiziert: Das ist vom Feinsten.

Tut aber meiner eigenen Begeisterung für „Top Gear“ selbstverständlich keinen Abbruch. Wenn das diese berühmten Widersprüche sind, mit denen man in der Postmoderne leben muß, dann soll sie mal ruhig weitermachen, die Postmoderne.

*DVD hat Untertitel

Herring Moustache

11. November 2010 Keine Kommentare
Richard Herring: "Hitler Moustache"

Richard Herring: „Hitler Moustache“

Die Wirkung eines Hitlerbärtchens hängt natürlich sehr davon ab, wie der Hitlerbärtchenträger sonst so aussieht. Richard Herrings Erscheinung in seinem letzten Programm „Hitler Moustache“ ist die einer typischen Kaurismäki-Figur: lange, ungepflegte Haare, leicht übergewichtig, schlecht sitzender dunkler Anzug mit ausgelatschten schwarzen Tretern dazu, auf der falschen Seite der 40. Herrings Hitlerbärtchen wirkt innerhalb dieses Ensembles hochgradig albern. Was für einen Stand Up-Comedian ja nicht zwangsläufig das schlechteste ist.

Herrings Versuch, dieses Bärtchen für sich zu reklamieren, es von seiner Nazi-Konnotation zu befreien und der Comedy zurückzugeben (immerhin hatte Chaplin es vor Hitler!), indem er es wochen- und monatelang spazierführt, ist gewiß von Anfang an zum Scheitern verurteilt und ebenfalls eher albern. Das Stand Up-Material aber, mit dem er seinen Bericht über diesen Selbstversuch andickt, gehört streckenweise zum Besten, was in diesem Jahr an Live-Comedy erschienen ist.

Denn Richard Herring (vormalige Hälfte des Comedy-Duos Lee & Herring an der Seite von Stewart Lee), braucht nur einen kurzen Anlauf, um von seinem Selbstversuch zu den Europawahlen zu kommen, bei denen die englische Faschopartei BNP unerwartet gut abgeschnitten hat — obwohl sie nicht mehr Wähler hatte als bei der letzten Wahl –, und von dort zu einer Publikums-, i.e.: Nichtwählerbeschimpfung. Was dann folgt, hat in der englischen Presse für Wellen gesorgt (allerdings auch deswegen, weil der Guardian Herring-Zitate aus dem Zusammenhang gerissen hatte): Rassisten seien nämlich im Grunde weniger rassistisch als Liberale. Schließlich gäbe es für Liberale 159 Staaten auf der Welt, für Rassisten aber nur vier verschiedene Rassen: eine weiße, eine schwarze, eine chinesische und die, die von den Fidschis über Indien, Nordafrika/Südeuropa bis Mexiko reiche. Was ja wohl bedeute, daß Rassisten 154mal näher an der Gleichheit aller Menschen seien als Liberale. Für Hardcore-Rassisten gäbe es überhaupt nur zwei Rassen: Weiß und schwarz — das sei ja nur noch einen Schritt von der Gleichheit aller Menschen entfernt.

Herrings Mäander ist ungewöhnlich politisch für englische Comedy, einerseits klar antifa-geprägt, andererseits ambivalent genug, etliche Hohoho-ganzschönkraß-Lacher zu provozieren; er sucht sich ab und zu einzelne Leute im Publikum aus, die er angehen kann, findet aber doch immer wieder zu einem Charme zurück, der seinen routine angenehm kurzweilig macht; seine Schlagfertigkeit und Präsenz auf der Bühne tun ein übriges, auch die DVD-Version seines Stand Ups erträglich zu machen (selbst wenn ich grundsätzlich kein Freund von Stand Up-DVDs bin, weil sie stets wirken wie Theateraufführungen im Fernsehen — die Atmosphäre geht immer verloren). Einziges Manko der üppig mit Bonusmaterial versehenen Doppel-DVD: Es gibt leider keine Untertitel.

http://www.amazon.co.uk/Richard-Herring-Hitler-Moustache-DVD/dp/B003IVZRVK/