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Artikel Tagged ‘Little Britain’

In the News (4)

4. September 2009 1 Kommentar

Matt Lucas, die eine Hälfte von “Little Britain”, wird heute im Guardian porträtiert, und zwar auf eine sehr anrührende Weise. Denn Decca Aitkenhead gibt gleich zu Beginn ihres Stücks zu, kein Fan von “Little Britain” und dem Humor von David Walliams und Matt Lucas zu sein (da geht es ihr wie mir), versucht deshalb, in der persönlichen Begegnung mit Lucas zu erforschen, was seinen Comedy-Appeal ausmacht — und stößt nicht nur auf den höflichen und bescheidenen Menschen, den man Lucas gemeinhin nachsagt zu sein, sondern auf jemanden, der offenbar von Angststreß so geplagt ist, daß es keinen großen Spaß machen kann, in seiner Haut zu stecken.

Man käme nicht darauf, daß er mit Comedy sein Geld verdient, wenn man ihn trifft, schreibt sie an einer Stelle, und hofft, daß sie ihm in einem ungünstigen Moment begegnet ist, was sich auch bestätigt. Trotz dieser Einsicht bleibt Lucas ihr fremd, obwohl sie seine Biographie kennt und ihm zugutehält:

At the age of six, all his hair fell out — a condition he probably inherited from his father, who had lost all his hair at 13. When he was 10, his parents separated, and two years later his father, a businessman, was sent to prison for six months for white-collar fraud. A bald, overweight, gay Jewish teenager, Lucas struggled in secrecy with his sexuality throughout adolescence, comfort eating and watching TV while working on a comic persona to present as a defence to the world.

Ein hervorragender Text über einen sehr ungewöhnlichen Comedian: Pflichtlektüre für den Tag.

Will they never leave?

30. Juni 2009 4 Kommentare

Nun ist die League of Gentlemen umgezogen: Von Royston Vasey (Grußschild am Ortseingang: “You’ll never leave”) nach “Psychoville” (BBC2, donnerstags). Bislang (zwei Folgen) kein sehr weiter Umzug: Auch in Psychoville begegnen wir wieder inzestuösen Hinterwäldlern, amtlichen Irren und dem typischen Pemberton-Shearsmith-Gatiss-Humor zwischen Goth-Horror und “Little Britain”-Nonsens.

“Psychoville” allerdings geht einen Schritt weg vom “League of Gentlemen”-Realismus und sieht bislang aus, als ob Stephen King sich an einer Comedy probiert hätte: Eine illustre Runde grotesker Figuren erhält von unbekannter Seite Drohbriefe — in der ersten Folge schön auf Büttenpapier abgefaßte und versiegelte Briefe mit den Worten “I know what you did”, in der zweiten Folge schon persönlichere Botschaften mit den Worten “You killed her”. Die Adressaten sind der böse Clown Mr. Jelly (Reece Shearsmith), der bei seinen Auftritten im Clown-Leichenwagen vorfährt und Kinder mit seinem Armstumpf erschreckt, ein offenbar direkt aus Royston Vasey stammendes und inzestgezeichnetes Mutter-Sohn-Duo (Steve Pemberton und Shearsmith), das sich für Serienkiller begeistert, ein ungepflegter blinder Millionär, der Plüschfiguren sammelt (Pemberton), eine psychotische Hebamme, die permanent eine Babypuppe mit sich herumträgt und diese für ein echtes Baby hält (Dawn French), und ein kleinwüchsiger Schauspieler, der sich vom Schneewittchen aus seinem Theaterensemble permanent sexuell demütigen läßt (“you’re giving it to her — all both inches!”).

Mr. Jelly in action:

Was genau diese Geisterbahngestalten getan haben, in welcher Verbindung sie stehen und wer der geheimnisvolle Erpresser ist, ist noch keineswegs klar; klar ist allerdings: die Begeisterung von Zusehern und Presse ob des neuen LoG-Projekts ist groß und wird durch virale Sperenzchen wie eigenen Internetseiten der Figuren auch von Seiten der Produzenten befeuert (eine schöne Übersicht hat der Comedy-Guide im Angebot). Ein noch kommender Gastauftritt von Mark Gatiss wird ebenso vorab bejubelt wie die Ankündigung, die letzten beiden Folgen seien praktisch in einem Take gedreht, und man kann der Serie durchaus zugutehalten, daß sie überdurchschnittliche Schauwerte hat, wie “The League of Gentlemen” ja auch.

Mutter und Sohn Sowerbutts und ihre Serienkillerbegeisterung:

Meins, man ahnt es vielleicht schon, ist es trotzdem mal wieder nicht. Wie schon bei “League of Gentlemen” (und auch bei “Little Britain”) kann ich einfach nichts mit diesen Provinzbeschimpfungen anfangen, die sich über tumbe bis bösartige Hillbillies lustig macht. Degeneration allein finde ich zu wenig Fallhöhe für eine Sitcom. Und das Rezept Comedy plus Horror geht in meinen Augen gar nicht: So lange die Comedy im Vordergrund steht, finde ich den Horror keinen Millimeter gruselig. Ganz im Gegensatz, natürlich, zum umgekehrten Rezept Horror plus Comedy: “Dead Set” finde ich sensationell, weil comic relief nach oder in packenden Horror-Szenen immer funktioniert.

Andere mögen das aber anders sehen, und vielleicht sogar auf Pro7, die schließlich “The League of Gentlemen” auch schon ausgestrahlt haben (die entsprechenden DVDs gibts also auch auf deutsch).

Very sörry

10. Juni 2009 2 Kommentare

Zu wenig Content hier, ich weiß. Aber zum einen komme ich gerade nicht dazu, Altes zu gucken, und Neues gibt’s zur Zeit nicht wirklich viel Relevantes — auch Kröd Mändoon and the Flaming Sword of Fire (ab morgen auf BBC2) sieht nicht so aus, als wäre es einen Schuß Pulver wert, Stichwort: Matt Lucas (“Little Britain”) und stereotype Schwule, o je.

The Life and Opinions of Steve Coogan, Comedian

4. Juni 2009 1 Kommentar

Wer einen Sinn hat für Filme mit Metaebene, zahllosen Anspielungen, Cameos und Seitenhieben auf das Film-Business, der ist gut bedient mit “Tristram Shandy: A Cock and Bull Story” (2006). Überflüssig zu sagen, daß die Kenntnis von Laurence Sternes Romanklassiker unentbehrlich ist: Wer nicht weiß, daß Sterne mit “Tristram Shandy” den postmodernen Roman erfunden hat, bevor es die Moderne überhaupt gab, wird keinen Spaß haben an Michael Winterbottoms tongue in cheek-Comedy. Denn nicht nur kommen in Winterbottoms Film sowohl Tristram Shandy (Steve Coogan) als auch Onkel Toby (Rob Brydon) vor, die Beschneidungs-Szene mit dem zuschlagenden Fenster, die eng mit einer aufzuziehenden Standuhr verbundene Sex-Szene sowie Onkel Tobys Schlachtenmodell und Tristrams Geburt. Winterbottom bezwingt mit einem dreisten Handgriff sogar das, was am Roman als unverfilmbar galt, nämlich die uferlosen Abschweifungen und Erzählungsmäander, die dem Narrator so übermächtig geraten, daß er nicht einmal die Distanz zwischen Zeugung und Geburt Tristrams bewältigt: Indem der Film von der Erzählung in die Metaerzählung abschweift, einen Schritt zurücktritt und von den Dreharbeiten zu “Tristram Shandy” erzählt. Weshalb Coogan und Brydon auch als sie selbst eine zentrale Rolle spielen: Als die Schauspieler Steve Coogan und Rob Brydon.

Infolge dieses kühnen Tricks bestehen der zweite und dritte Akt des Films aus den immer unübersichtlicheren Verwicklungen am Set, in denen der Hahnenkampf zwischen Hauptdarsteller Coogan und Nebendarsteller Brydon ausufert, weil Coogans Part immer kleiner wird, während Brydon sogar eine Liebesgeschichte mit Gillian Anderson ins Drehbuch geschrieben wird. Coogans Privatleben, das inklusive Seitensprünge und Drogen in England häufig durch die Medien geschleift wurde, wird auch im Film ausführlich geschildert, und seine Rolle als Alan Partridge geht ihm auch am Set bei jedem Interview erneut auf den Senkel, das sich nur um Partridge dreht (den übrigens auch Brydon schön hinkriegt).

Gewiß, im letzten Drittel hat “A Cock and Bull Story” seine Längen, und ich hätte mir hin und wieder eine engere Verwobenheit von Stoff und Metastoff gewünscht. Aber wo es an Bezügen zum Original von Sterne mangelt, fährt Winterbottom dafür viele Referenzen zu anderen Filmen auf (erwähnt sei nur der ebenfalls von Winterbottom gedrehte “24 Hour Party People”, in dem ebenfalls Coogan und Brydon mitspielen, es aber um das Leben von Tony Wilson geht, der wiederum in “Cock and Bull Story” als er selbst Steve Coogan interviewt), und die Unmengen Gaststars tun für jeden Britcom-Fan das ihre — Dylan Moran (“Black Books”), David Walliams (“Little Britain”), Ashley Jensen (“Extras”) und Stephen Fry etwa spielen kleinere bis kleinste Rollen.

Ein fabelhafter Film also, der aus einem brillanten Roman von 1759 eine clevere Satire auf das Filmgeschäft von heute macht, dabei beidem gerecht wird und auch noch lustig ist. Was will man mehr.

Fett ≠ lustig

11. März 2009 2 Kommentare

Vor der Aufzeichnung der ersten Folge einer neuen Comedyshow hat das Produktionsteam häufig zwei Wünsche: Daß das Live-Publikum lacht, und daß es nicht zu sehr lacht. Denn so peinlich Totenstille ist, wo Gelächter sein soll, so unangenehm ist auch übertriebenes Gelächter, das die Zuschauer vor dem Fernseher mit der Frage zurückläßt, was da nun so wahnsinnig komisch gewesen sein soll. Insbesondere mit großer Erwartung aufgeladene Premieren fallen in letztere Kategorie; unter anderem John Cleese berichtete schon von seinen diesbezüglichen Befürchtungen beim Start von “Fawlty Towers”.

Daß das Livepublikum von Mathew Hornes und James Cordens erster gemeinsamer Sketchshow “Horne and Corden” (BBC3, seit 10.3.) bereits frenetisch lacht, bevor ein einziger Scherz gemacht ist, liegt genau daran: die beiden genießen bei ihrem eher jungen Zusehern einen enormen Sympathievorschuß. Beide sind aus der über die Maßen erfolgreichen romantischen Sitcom “Gavin & Stacey” bekannt. Dort ist Horne als Gavin in der Hauptrolle zu sehen, Corden als sein bester Kumpel Smithee; letzterer ist außerdem eine Hälfte des Autorenduos. In “Gavin & Stacey” sind beide, eingebettet in die realistische Story einer Liebe zwischen Großstadt und Provinz, in ihrer jeweiligen Rolle gut: Horne als straight guy, der zwischen der frisch entflammten Liebe seines Lebens und seinem langjährigen Buddy vermitteln muß, Corden als tragikomischer Dicker, der zwischen Sonnyboy und Trauerkloß changieren darf.

“Horne and Corden” aber enttäuscht, und zwar nicht nur, wenn man davon ausgeht, daß beide es, zwei Staffeln “Gavin & Stacey” legen das nahe, besser können müßten. Ihr Material ist schwach, die Scherze auf Kosten von Schwulen und Übergewichtigen sind mau, und auch mit Obszönitäten wie einer Unterrichtsstunde im Pimmelzeichnen lockt man 2009 kaum noch einen Hund hinter dem Ofen hervor, selbst wenn er “Little Britain” noch nicht gesehen haben sollte. Weder freut man sich als Zuschauer, bereits innerhalb der ersten Viertelstunde den adipösen Corden zweimal oben ohne und einmal völlig nackt gesehen zu haben, noch kitzelt einen die latente Homoerotik zwischen den beiden. Die war bei “Gavin & Stacey” immer ein schön unwägbares Element, aus dem komische Funken geschlagen werden konnten, wird hier aber zur Masche, wenn sich etwa Superman und Spiderman in der Hallenbad-Umkleide zieren, sich voreinander auszuziehen.

Erste Folgen zu verreißen ist immer ein bißchen unfair, aber mit so viel Erfahrung, wie beide haben — Horne war z.B. auch in Sketchen der “Catherine Tate Show” zu sehen — darf man hier wohl eine Ausnahme machen und konstatieren: “Horne and Corden”, obwohl mit fantastischen Einschaltquoten gesegnet, ist nicht und sind nicht lustig. Schade eigentlich.

That was the year that was

20. Januar 2009 3 Kommentare

Der British Comedy Guide hat gerade die BCG Awards für 2008 vergeben, und die Leser, auf der Abstimmung die Preisverleihung beruht, haben guten Geschmack bewiesen.

Tatsächlich aber erklärt sich der Award für die beste neue Sitcom, der an “The Inbetweeners” ging, nur daraus, daß 2008 ein eher mittelgutes Comedyjahr war. Denn die Sitcom um vier Vorstadt-Teenager ist zwar gut, aber nicht überdurchschnittlich. Dazu sind die Hauptfiguren zu standardisiert: Will ist der Neue an der Schule, der seinen Platz in der Gemeinschaft erst erkämpfen muß, wobei ihm sein hochnäsiges Strebertum ein bißchen im Weg steht, Simon ist der romantische Uncoole, Jay das halbcoole Großmaul und Neil der etwas zu langsame, auf dessen Kosten die anderen ihre Witze reißen. Gemeinsam machen sie erste Erfahrungen mit Mädchen, Alkohol und Autos — und an dieser Stelle wird klar, daß “The Inbetweeners” für Zuschauer über 20 kaum etwas zu bieten hat. Allerdings wüßte ich aus dem letzten Jahr ebenfalls keine bessere neue Sitcom.

“Lab Rats” erhält den Award für die schlechteste neue Sitcom 2008 völlig zu Recht: Eine solche Anhäufung von Zoten, in denen vornehmlich Leute angepinkelt und frauenfeindliche Sprüche geklopft werden, ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Rätselhaft, daß die BBC Shows wie diese überhaupt in Auftrag gibt.

Über “Outnumbered” (beste fortgesetzte Sitcom) und “Peep Show” (beste Sitcom) werde ich noch berichten, dito über “Harry and Paul” (beste Sketchshow), deren zweite Staffel sehr gut war, viel besser als die erste — was aber auch kein Wunder ist, schließlich zählen Paul Whitehouse und Harry Enfield zu den ganz Großen der britischen Comedy. Wer nach dem “Flying Circus” eine zweite brillante Sketchshow kennenlernen möchte, dem sei Whitehouse’ und Charly Higgsons “The Fast Show” wesentlich wärmer empfohlen als das überbewertete “Little Britain”.

Update: Ich habe “Lab Rats” und “Clone” verwechselt. “Lab Rats” war einfach nur langweilig, “Clone” dagegen die Pinkel- und Frauenwitz-Sitcom von Mark Gatiss, der sich vor allem mit der (in meinen Augen eher halbguten) Provinz-Sitcom “The League of Gentlemen” hervorgetan hat.