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Artikel Tagged ‘Horrible Histories’

Die Comedy.co.uk Awards 2011

23. Januar 2012 1 Kommentar

Im British Comedy Guide haben die Leser abgestimmt und sowohl beliebteste als auch unbeliebteste Comedys des vergangenen Jahres gekürt — und mich ein bisschen überrascht, denn zur besten britischen Comedy des Jahres 2011 wurde eine Kindershow gewählt: “Horrible Histories” (CBBC/BBC1, seit 2009)! Nun ist dieser fröhliche Geschichtsunterricht nach den Büchern von Terry Deary zwar tatsächlich eine feine Sache, aber dass er gleich zwei Awards gewinnt (nämlich auch noch den als beste Sketchshow), das verblüfft mich dann doch.

Weniger überraschend dagegen: “Mrs. Brown’s Boys” (BBC1) gilt als schlechteste neue Comedyshow 2011, und tatsächlich habe ich nur eine einzige Folge dieses irischen Männer-in-Frauenkleider-Spaßes ausgehalten. Nichts gegen Holzhammercomedy, aber Mrs Browns Scherze sind allzu durchsichtig, und die direkte Publikumsansprache, der zumindest zeitweise Verzicht auf die “fourth wall”, geht mal gar nicht. Das durfte zum letzten Mal Julian Clary in “Terry and Julian” (Channel 4), und das war 1992.

Beste wiederkehrende Britische Fernseh-Sitcom ist “Absolutely Fabulous” (guckstu zwei weiter unten) — sehr zu recht, selbstverständlich.

Alle weiteren Preisträger finden sich hier, darunter “The Ricky Gervais Show” (Channel 4), die nun die Auszeichnung “schlechteste britische Fernseh-Entertainmentshow 2011″ ihr eigenen nennen darf, und “Fresh Meat” (Channel 4, bestes Comedy-Drama), in unserem kleinen Poll hier neulich auf dem zweiten Rang hinter “Episodes” gelandet. Beste neue Fernsehsitcom ist “Spy” (Sky1), offenbar muss ich das nun doch endlich mal gucken…

British Comedy Awards: Die Gewinner

23. Januar 2011 Keine Kommentare

Ganz wie erwartet, hat vor allem Miranda Hart für ihre Tollpatschcom “Miranda” (BBC2) abgeräumt bei den diesjährigen British Comedy Awards: Nämlich in den Kategorien “Best New British TV Comedy” und “Best Comedy Actress”, und den “People’s Choice Award” gab’s gleich obendrauf. Nur in der Abteilung “Best Sitcom” hatten “The Inbetweeners” die Nase vorn. Was an “Miranda” new sein soll, entzieht sich meinem Verständnis: die erste Staffel lief schon 2009 (ok, sie lief 2009 an), und altmodischer als “Miranda” kann Sitcom kaum sein. Was soll’s, dem breiten Publikum gefällt’s halt, und so seien ihr die drei Awards gegönnt, auch wenn sie nun wirklich kein bißchen frischen Wind in das Genre gebracht hat.

Erfreulicher ist da schon, daß tatsächlich “Newswipe” in der Kategorie “Best Comedy Entertainment Programme” gewonnen hat, auch wenn sich Charlie Brooker nicht gegen Harry Hill als “Best Comedy Entertainment Personality” durchsetzen konnte.

Daß “The Armstrong & Miller Show” den “Best Sketch Show Award” an die Kindersendung “Horrible Histories” verloren hat: Meh. So gut “Horrible Histories” sein mag, ich bevorzuge Comedy für Erwachsene.

Peter Capaldi kann sich über den Award für den “Best Comedy Actor” für seine Rolle in “The Thick Of It” freuen, das allerdings in der Kategorie “Best Sitcom” nichts gerissen hat, und Kayvan Novak über seine Auszeichnung für die “Best British Comedy Performance In Film”, die ihm “Four Lions” eingebracht hat.

Zuguterletzt: Sam Bain und Jesse Armstrong (“Peep Show” sowie ungezählte Co-Autorenschaften von “The Thick Of It” bis “That Mitchell And Web Look”) haben den “Writer’s Guild Of Great Britain Award” abgeräumt — verdientermaßen.

Bedauerlich ist und bleibt allerdings, daß weder “Rev” noch “Whites” etwas abgekriegt haben vom schönen Awards-Segen — beide hätten es verdient gehabt. Tom Hollander war immerhin nominiert (“Best Comedy Actor”); daß aber “Whites” nicht einmal eine Chance hatte: Shame! Shame!

The British Comedy Award 2011: Nominations

16. Januar 2011 Keine Kommentare

Nächsten Samstag werden die British Comedy Awards 2011 verliehen, und die Jury hat gestern die Nominierten bekanntgegeben. Aus dieser Liste geht imho vor allem eines hervor: 2010 war kein sehr gutes Comedy-Jahr.

Über die Nominierungen für “Comedy Panel Shows” gehe ich hinweg — ich sehe sie einfach nie, auch wenn bestimmt sowohl “Have I Got News For You” wie auch “Shooting Stars” und “Would I Lie To You?” ihre Meriten haben. Ich tippe mal, HIGNFY wird gewinnen, weil das Konzept der Show, Comedy-Improvisationen zu aktuellen Nachrichten, so anspruchsvoll ist. Neu ist es allerdings nicht — HIGNFY läuft seit 1990 in der BBC. Und lustiger fand ich während meines Englandurlaubs “Would I Lie To You?”, bei dem die Panels erraten müssen, ob die (autobiographischen) Geschichtchen, die von Gästen zum Besten gegeben werden, tatsächlich stimmen oder frei erfunden sind.

Als “Best Comedy Entertainment Programme” sind “Harry Hill’s TV Burp”, “The Graham Norton Show” und “Newswipe” nominiert. Toi, toi, toi für Charlie Brooker — allerdings ist “Newswipe” kein genuines Comedy-Format.

Charlie Brooker ist neben Ant & Dec und Harry Hill ebenfalls einer der Nominierten in der Kategorie “Best Comedy Entertainment Personality”. In den Kategorien “Best Male Comic” sind David Mitchell, Harry Hill und Michael McIntyre am Start, “Best Female Comic” sind entweder Jo Brand, Sarah Millican oder Shappi Khorsandi. Bei den Herren fände ich Mitchell am sympathischsten (und sowohl Hill als auch McIntyre ausgesprochen unsympathisch); bei den Damen kenne ich nur Jo Brand, und die war zumindest in “Getting On” ganz gut.

Jetzt aber: “Best New British TV Comedy”. Hier stehen “Grandma’s House”, “Miranda” und “The Trip” zur Auswahl, und ich schätze mal, “Miranda” macht das Rennen. Schon weil die beiden anderen Nominierten entweder so wenig zur Identifikation einladende Figuren wie Simon Amstell in der Hauptrolle spazierenführen, oder kaum laute Lacher erzeugen konnten wie Coogans und Brydons “Trip”, das doch eher ein stiller Schmunzler für die Zeit nach Mitternacht war.

Ich muß allerdings zugeben, daß mir die zweite Staffel “Miranda” überraschend doch noch ganz gut gefallen hat. Nicht zuletzt, weil ich der Frau mal eine Folge gezeigt habe, und ihr diese altmodische Slapstick-Sitcom mit der tollpatschigen Miranda umstandslos so ans Herz gewachsen ist, daß sie mehr sehen wollte. Was will man da machen! Nach drei Folgen hatte sie mich dann.

Warum aber fehlen “Whites” und “Rev”? Beide hätte ich “Grandma’s House” in jedem Fall vorgezogen.

Die “Best Male/Female Breakthrough Artists” überspringe ich gerade mal und komme direkt zu den “Best Sketch Shows”, which are: “Harry & Paul”, mit dem ich leider wenig anfangen kann, trotz der eigentlich guten Harry Enfield und Paul Whitehouse, “Horrible Histories” (gut, aber genaugenommen ein Kinderprogramm) und “The Miller & Armstrong Show”. Letztere meine Favoriten, wie aufmerksamen Lesern dieses Blogs nicht entgangen sein wird. Nicht auf der Shortlist: “That Mitchell & Webb Look”, was in der vierten Staffel mittlerweile leichte Ermüdungserscheinungen zeigt.

“Best Sitcom”: “Miranda”, “The Inbetweeners” und “The Thick Of It”. Es wird natürlich “Miranda”, schon weil sie so dermaßen erfolgreich war; die letzte Staffel “The Thick Of It” lief m.W. schon 2009, es ist mir nicht klar, warum das dieses Jahr wieder nominiert ist. Gar nicht erst nominiert: “The IT Crowd”. Aus guten Gründen.

“Best Comedy Actor”: Nominiert sind James Buckley (“The Inbetweeners”), Peter Capaldi, Rob Brydon (“The Trip”) und Tom Hollander (“Rev”), bei den Damen Jo Brand, Katherine Parkinson und Miranda Hart.

Und zum Schluß: “Best British Comedy Performance In Film”: Neben dem (mir unbekannten) Aaron Johnson (“Kick Ass” — hä?) sind Kayvan “Hands too big” Novak und Nigel “We’re bombing the mosque” Lindsay aus “Four Lions” nominiert, der auf diesem Weg wenigstens noch mal ein bißchen zu seinem Recht kommt. Natürlich wäre es mir ein Fest gewesen, wenn als drittes noch Riz Ahmed in der Hauptrolle als sympathischer Selbstmordattentäter auf der Liste gewesen wäre, aber man kann nicht alles haben.

Nächsten Samstag wissen wir mehr; meine Spannung hält sich allerdings in Grenzen — es wird eh alles “Miranda” gewinnen. Behaupte ich jetzt einfach mal.

Geschichte? Schrecklich!

11. Juli 2010 2 Kommentare

Das wird jetzt vielleicht überraschend kommen: Ich halte es für einen Mythos, daß Briten per se mehr Humor hätten als bspw. wir Deutschen. Allerdings denke ich, daß in Großbritannien eine humorvoll-distanzierte Haltung gegenüber den meisten Aspekten des Alltags gesellschaftlich akzeptiert, ja sogar gewünscht ist, während in Deutschland viele Bereiche von Komik und Humor ausgenommen bleiben (“Darüber macht man keine Witze.”). Der Deutsche nimmt einfach gerne ernst und braucht oft eine amtliche Ansage, wann es lustig wird (“Es darf gelacht werden!”). Deshalb braucht er den Karneval, deshalb arbeiten die typisch deutschen Plakate für Theater-Komödien, Comedy-DVD-Cover usw. mit breit lachenden Gesichtern, die Heiterkeit signalisieren sollen (während in England oft auch Comedy mit ernsten, mit dead pan-Gesichtern beworben wird). Jedenfalls war das mal so — zum Glück hat sich in den letzten Jahrzehnten da viel geändert.

Zu meiner Schulzeit allerdings, um langsam mal zum Gegenstand dieses Textes zu kommen, war z.B. Geschichte ein Fach äußerster Ödnis und Langeweile. Bauernkriege, Reformation, an ein drittes Thema kann ich mich schon nicht mal mehr erinnern, so fad fand ich den ganzen Krempel damals. Schnarch! Wieviel mehr hätte ich gelernt, wenn es jemand verstanden hätte, etwas mehr Witz in den Unterricht zu bringen! Aber im Gegenteil, ich glaube, viele Lehrer haben geradezu einen Wettbewerb daraus gemacht, möglichst trocken, sachlich, nüchtern, grau in grau zu unterrichten, getreu dem Motto: Wir sind nicht eure Clowns, wir sind nicht zur Unterhaltung hier, motivieren müßt ihr euch schon selber. Gräßlich. Als ob es hieße, daß man den Unterrichtsstoff nicht ernst nimmt, weil man ihn nicht nur ernst nimmt! Um nicht unfair zu sein: Ausnahmsweise gab es schon auch Lehrer, an denen Stand Up-Comedians verloren gegangen sind — wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn nicht ein, zwei Deutschlehrer es geschafft hätten, dank Wortwitz und Sprachgewalt bei mir Interesse an Literatur und Sprache zu wecken. Aber Geschichte: Langeweile war eine Achterbahn im Vergleich dazu.

Beneidenswert dagegen: Englische Kinder, denen der Kinderkanal der BBC, CBBC, “Horrible Histories” näherbringt. So lustig ist diese mittlerweile in der zweiten Staffel befindliche HistoryCom, daß immer mehr Erwachsene verfolgen, was da in kleinen Häppchen über “terrible Tudors”, “groovy Greeks”, “rotten Romans”, “vile Victorians” und “slimy Stuarts” berichtet wird. Mit Hauptaugenmerk auf triviale, ungewöhnliche und grausige Aspekte und gerne in Form von Parodien erwecken britische Comedians (u.a. Simon Farnaby ["Mighty Boosh"], Sarah Hadland ["Moving Wallpaper"] und den Stargästen David Baddiel und Alexei Sayle) die Geschichte zum Leben. Und immer, wenn die Gags allzu ausgedacht wirken, hält der Moderator der Show, eine Handpuppen-Maus, ein Schild in die Kamera: “This really happened!”

“This really happened” — leider nicht in meinem Unterricht damals. Aber immerhin erfahre ich ja nun aus dem Kinderfernsehen, was ich alles verpaßt habe. Danke, CBBC!

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