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Archiv für die Kategorie ‘ComedyDrama’

Erbfolge in Serie

7. November 2018 5 Kommentare

In jeder Erbengemeinschaft steckt das „gemein“ ja schon drin. Sie streiten sich, immer, denn sie können sich nie auf was einigen, diese verblödeten Nachkommen: der eine zu doof, der andere zu machthungrig, die dritte zu abgestoßen von der ganzen Familie, der vierte hält sich wieselhaft aus allem heraus, um Ende auf der Seite des Gewinners wieder aufzutauchen. Erben …! Um so problematischer natürlich, wenn das Erbe noch gar nicht zu verteilen ist, weil der Alte ja noch lebt.

Hier liegt der Stoff für die Konflikte, um die es in „Succession“ (HBO) geht. Nur dass die Familie nicht die Durchschnittsnachbarn mit Mietshaus und Aktienfonds sind, sondern die eines Medienzaren, vergleichbar mit, sagen wir mal, der Rupert Murdochs (kein Zufall, dieser Vergleich). Und das Erbe dementsprechend ein Imperium, das der Alte nicht und nicht aus der Hand geben möchte. Trotz Krankheit, Alter und allgemeiner Erschöpfung.

„Succession“ stammt aus der Feder von Jesse Armstrong, dessen Frühwerk „Peep Show“ war, eine Kollaboration mit Sam Bain, wie auch in etlichen anderen Fällen (von „Smack The Pony“ bis „Fresh Meat“). Armstrong hat aber auch für und mit Chris Morris und Armando Iannucci geschrieben, nicht zuletzt „Four Lions“, „The Thick of It“ und (wenn auch nur eine Folge) für die US-Weiterentwicklung von „The Thick of It“, „Veep“, die brillante Polit-Satire mit Julia Louis-Dreyfus, die nach der nächsten Staffel leider zuende gehen wird.

Kein Wunder also, dass diese Tonalität auch bei „Succession“ vorherrscht: der späte Stil der Mockumentary, der sich des dokumentarischen Blicks bedient (Wackelkamera, kleine, schnelle Zooms), ohne aber meint, die Anwesenheit eines Kamerateams erklären zu müssen, schnelle, scharfe Dialoge mit viel Wortwitz und realistische Szenarien und Charaktere, mit denen man viel mehr empathisch sein kann als mit durchschnittlichen Sitcom-Figuren.

Diese Empathie allerdings macht Armstrong dem Zuschauer nicht leicht. Denn die Familie unter dem Patriarchen Logan Roy (Brian Cox) ist durchaus deformiert. Der natürliche Nachfolger, der zweitälteste Sohn Kendall (Jeremy Strong, „Masters of Sex“) erscheint nicht nur seinem Vater schwach (Drogen, Scheidung), zu schwach, um den Konzern zu führen, also desavouiert der Alte ihn und übernimmt kurzerhand selbst wieder die Geschäftsführung. Kendalls kleiner Bruder Roman (Kieran Culkin, dem man die Verwandtschaft mit Macauly Culkin deutlich ansieht) pfeift sich nicht nur noch mehr Drogen rein als Kendall, sondern ist auch noch ein ausgemachtes, wenn auch sehr komisches, weil scharfzüngiges, Arschloch. Die Schwester Shiv (Sarah Snook) neigt ohnehin mehr zur politisch anderen Seite und unterstützt einen politisch verfeindeten US-Senator bei seiner Kandidatur zum Präsidenten, bleibt aber in ihren daddy issues gefangen. Und der älteste Sohn Connor (Alan Ruck, „Ferris Bueller’s Day Off“) hat sich in sein Wolkenkuckucksheim zurückgezogen, um in Ruhe mit seiner Escort-Beziehung („Sie ist Schauspielerin!“) auf einer Farm in Texas zu leben.

Wie in jeder Serie um Superreiche seit „Dynasty“ geht es auch in „Succession“ um Intrigen, Machtverhältnisse, feindliche Übernahmen, Verschwörung und Erpressung, um gierige Einheirater und verhängnisvolle Affären, um Leichen im Keller und Familiengeheimnisse, um die ganz normalen Sorgen von Milliardären eben. Alles vor dem Hintergrund der Nachfolge bei FOX, hups, nein, bei Royco natürlich. Für Royco und den Weg des Konzerns in die Zukunft hat Kendall einige gute (oder „gute“?) Ideen (Internet!), die allerdings denen seines Vaters (mehr Fernsehstationen!) diametral entgegengesetzt sind.

Die Deformation durchs Kapital wird hier deswegen so brutal spürbar, weil alle Figuren sich etwas, nun ja, ganz Normales erhalten haben. Allen voran der Patriarch selbst, der lieber im Wolljanker die Vorstandssitzung leitet als im Anzug. Den zu früh erfahrenen Reichtum, dass er den Weg zur Arbeit öfter mit dem Helikopter denn mit der U-Bahn genommen hat, spielt niemand besser als Kieran Culkin, eine Traumbesetzung, und dass auch an den Denkmälern der wichtigsten Manager einmal „Immer noch eine Enttäuschung für seinen Vater“ stehen wird, drückt Jeremy Strong verblüffend gut aus.

Die Nähe zu „Veep“ wird am Deutlichsten in der Figur des ewigen Praktikanten (und Cousins) Greg Hirsch (Nicholas Braun), der so groß ist, wie er schwach und tollpatschig ist: da sieht und hört man sehr den Jonah Ryan (Timothy Simons) durch, der in „Veep“ als Verbindungsmann zum Weißen Haus ständig mit den Mitarbeitern von Celina zusammenstößt.

Aber „Succession“ ist völlig eigenständig: die Geschichte eines Generationenkonflikts in einer Superreichendynastie, ernst gemeint, aber komisch erzählt. Mitunter hasst man die Charaktere allesamt vielleicht ein bisschen zu sehr — der Verzicht auf auch nur eine an sich sympathische Figur macht „Succession“ stellenweise anstrengend. Aber gute Satire darf auch ein bisschen anstrengend sein, dafür gibt es HBO schließlich. Die haben nun, trotzdem „Succession“ kein Quotenhit war, eine zweite Staffel bestellt. Sehr zu meiner Freude, denn mit dem Ende der Serie hat Armstrong es geschafft, sowohl ein zufriedenstellendes Finale dieser Staffel zu finden als auch genügend Bälle in der Luft zu halten, dass man sich eine zweite Staffel vorstellen kann.

Bedauerlich finde ich einzig und allein den fortgesetzten Brain Drain aus Großbritannien. Offenbar ist nun auch Jesse Armstrong in den USA angekommen. So sehr ich ihn wie Iannucci, Sharon Horgan (mit „Divorce“ ebenfalls bei HBO), Julia Davis (demnächst mit „Sally4Ever“ dito bei HBO), Simon Pegg, Sacha Baron-Cohen, Steve Coogan, Gervais, Merchant und all die anderen dazu beglückwünsche und es verstehen kann, dass man Erfolg in den USA sucht, so sehr würde ich mir wieder mehr gute komische britische Fernsehserien wünschen.

Britcoms?

Eines der Probleme dieses Blogs ist: es heißt britcoms.de und soll sich eigentlich um britische Sitcoms drehen. Das tut es allerdings nicht mehr so oft, und zwar nicht zuletzt, weil ich in letzter Zeit immer weniger britische Sitcoms finde, über die es sich zu berichten lohnen würde.

Warum ist das so? Finde ich sie nur nicht oder sind einfach nicht genügend gute dabei?

Nun, da gibt es noch die große BBC1-Sitcom wie etwa „I Want My Wife Back“ (seit April): Ben Miller und Caroline Catz („Doc Martin“) als Paar in einer zerrüttetend Ehe, sie trennt sich von ihm im gleichen Moment, wo sie von seinen Schwiegereltern, ihren Eltern, eine Reise in die Türkei geschenkt bekommen; er will all die Büroarbeit zurückfahren, die der Zweisamkeit bislang im Weg gestanden hat und steht; allein: die äußeren Einflussnahmen auf Murray und Bex sind übermächtig und ziehen und zerren die Protagonisten gegen ihren Willen in mal die eine, mal die andere Richtung.

Ein klassisches Setup, wie man es jetzt nur mal zum Beispiel auch in „Worst Week of My Life“ (BBC1, 2004 – 06) gesehen hat, ebenfalls mit Ben Miller und, Überraschung, ebenfalls von Mark Bussell und Justin Sbresni. Nur dass „Worst Week“ etwas Dämonisch-Komisches hatte, weil die Verschwörung der Welt gegen v.a. Howard (Miller) aber auch seine Verlobte Mel (Sarah Alexander) bis hin zu Gegenständen zu reichen schien, die regelrechte Komplotte zu schmieden schienen. Hier in „I Want My Wife Back“ sind es nur („nur“) (Schwieger-)Eltern, horrible bosses und verliebte Assistentinnen an der Grenze zum Stalkertum. Fragt man sich fast, warum es so lange gedauert hat, bis Bussell und Sbresni auf diese Idee gekommen sind: die höheren Mächte, die zwei Verliebte davon abhalten wollen zu heiraten, nun dazu einzusetzen, die Trennung von zwei Eheleuten zu verhindern.

Mit einem Wort: „I Want My Wife Back“ sieht aus wie eine gute Mainstream-Sitcom-Idee — fällt aber hinter die zwölf Jahre ältere Vorgängerserie zurück. „IWMWB“ hat keinen USP, nichts, was man so nicht schon zu sehen geglaubt hat, und tut so zwar nicht weh, weil man sich von gutem Handwerk und ansehbaren Darstellern ja immer noch unterhalten lassen kann. Aber für Begeisterung sorgt diese Serie zumindest bei mir nicht.

In „Flowers“ (Channel 4) hatte der Sender gleich so wenig Vertrauen, dass er die ganze Serie im Laufe einer einzigen Woche ausgestrahlt hat, mit einer Doppelfolge zum Auftakt, über die ich auch nicht hinausgekommen bin, trotz guten Willens. Denn ich mag Olivia Colman, ich mag Julian Barratt („Mighty Boosh“), und die düster-exzentrische Familie, die Will Sharpe in „Flowers“ porträtiert, erschien mir zunächst wie eine britische Version von „Arrested Development“ oder den „Royal Tenenbaums“, was ich allerdings nur so lange für eine gute Idee hielt, bis mir auffiel, dass ich weder „Arrested Development“ noch die „Royal Tenenbaums“ wirklich mochte.

Hier fehlte zum Mindesten eine Folie der Normalität, sei es nun eine Figur, die den Irrsinn aller anderen Figuren reflektiert und anschaulich macht; „Flowers“ war eine Wundertüte von grotesken, überlebensgroßen, zum Teil traurigen, zum Teil abscheulichen Figuren, die aber allesamt so wenig zur Identifikation einluden, dass ich von keinem wissen wollte, wie es nun weiterging.

Dann gibt es noch zwei, drei andere Britcoms, die mich entweder von vorneherein gar nicht ansprechen („Witless“, BBC3) oder die schon in der dritten Staffel laufen, so dass es kaum noch etwas hinzuzufügen gibt („Plebs“, ITV2, nach wie vor recht unterhaltsam, „Cuckoo“, BBC3, schwach, „Raised By Wolves“, Channel 4, an dem mein Interesse ebenso schnell wieder erlahmt ist, wie es entfacht war).

Es gibt kaum noch ComedyDrama, das der Rede wert wäre: namentlich „The Aliens“ (E4), das aus der gleichen Schmiede stammt wie das weitenteils brillante „Misfits“ (E4, 2009 – 13), aber durch dramaturgische Klopse recht schnell angeschossen war — womöglich die gleichen Fehler, die Fintan Ryan schon bei „In The Flesh“ (BBC3, 2013 – 14) gemacht hat, dessen Prämisse (geheilte Zombies, die in die Gesellschaft wieder eingegliedert werden müssen) ich ebenso gut fand wie die von „The Aliens“ (eine Parallelgesellschaft von Aliens, anhand derer Rassismus diskutiert wird), die allerdings in der Umsetzung deutlich zu wünschen übrig ließen.


Also: Wo sind die Britcoms, über die zu schreiben wäre? Was habe ich verpasst? Oder gibt es in diesem Jahr, das nun auch schon beinah zur Hälfte vorbei ist, einfach gar nichts, was mit den US-Serien des Jahres mithalten könnte? Ich bin wirklich ein bisschen ratlos — und, zugegeben, womöglich auch schlecht informiert, weil von all den guten amerikanischen Serien abgelenkt.

Weiß jemand Rat?

Horace and Pete

7. Februar 2016 17 Kommentare

Louis C.K. hat, völlig überraschend und ohne jede Ankündigung, eine neue Serie am Start, die er ausschließlich über seine eigene Homepage vertreibt. Sie heißt „Horace And Pete“, die erste Folge kostet fünf Dollar (!), und ich verstehe sie kein bisschen. Hier sind ein paar Fragen, vielleicht kann mir ja jemand helfen.

  1. Warum zeichnet man eine Serie, die in einer Bar spielt (wie z.B. „Cheers“) im Stile einer Sitcom auf, also im Multicam-Verfahren, verzichtet dann aber, zumindest weitgehend, auf Witze?
  2. Warum holt man sich, selbst Stand-Up-Comedian, Komödianten wie Alan Alda und Steven Wright dazu und Schauspieler, die ein ausgesprochen komisches Talent haben, wie Edie Falco und Steve Buscemi — und gibt ihnen dann praktisch keine Witze?
  3. Warum zeichnet man eine über 60minütige Folge wie ein Theaterstück auf, verzichtet aber auf Publikum?
  4. Warum gibt man Fans, die einen als Comedian kennen und von denen man fünf Dollar für die erste Folge einer Serie haben möchte, nicht zumindest einen Trailer oder ein paar Informationen vorab, dass man sich auf eine völlig unlustige, anstrengende Stunde einzustellen hat?
  5. Warum?
  6. Nein, ernsthaft jetzt: Warum?
  7. Warum?

Zwischendurch hatte ich kurz die Theorie, Louis C.K. versuchte hier die Parodie einer Sitcom, die naturgemäß ja keine Oneliner, keine erkennbaren Gags haben dürfte. Aber weil er sicher wüsste, dass Parodien nie länger sein dürfen als das Original, im Gegenteil eher kürzer sein müssen, kann das eigentlich nicht sein.

Bleibt nur die Vermutung, er wollte tatsächlich alles genau so haben: so aus der Zeit gefallen, altmodisch, rätselhaft. Und die Frage: Warum?

Also: Warum?

Jahresendabstimmung – die Auswertung

21. Dezember 2015 1 Kommentar

Die Polls sind geschlossen und wir haben zwei Gewinner: „W1A“ (2. Staffel) ist die beste Britcom 2015, und „Fargo“ (ebenfalls die zweite Staffel) das beste US-ComedyDrama des Jahres!

Mich überrascht der Sieg von „W1A“ (BBC2, seit 2014) deutlich mehr als der von „Fargo“, und vor allem der klare Abstand, mit dem die Satire auf den Arbeitsalltag in der BBC vor der zweitplatzierten Serie liegt: acht Stimmen Vorsprung auf „Episodes“, das hat jedenfalls mehr Aussagekraft als der Unterschied zwischen „Fargo“ und „Better Call Saul“ (drei Votes), den ich eher so werten würde, dass beide Serien gleichermaßen die Herzen der Serien- und Comedy-Freunde erobert haben. Sehr zu Recht, versteht sich.

Dass „W1A“ aber gewonnen hat, eine Serie, die doch als recht sophisticated gelten kann, freut mich. Die Chemie zwischen Hugh Bonneville als „Head of Values“ Ian Fletcher und Jessica Hynes‘ Siobhan Sharp als „Brand BBC Consultant“ stimmt einfach: er als eine Art unerschütterlicher Golden Retriever, sie als überspannter PR-Pudel, und dann all die unvermeidlichen Missverständnisse, die die Zusammenarbeit von so unterschiedlichen Charakteren mit sich bringt — das hat John Morton („Twenty Twelve“, „People Like Us“) als Writer/Director sehr schön inszeniert.

„Episodes“, mit der vierten Staffel dieses Jahr auf Platz zwei im Britcoms-Ranking, hat zwar tatsächlich eine sehr solide und komische Staffel abgeliefert, ich persönlich hätte allerdings „Catastrophe“ und „Detectorists“ höher bewertet; beides Serien, die mit erkennbar minimalem Budget und umso deutlicherer persönlicher Handschrift von Mackenzie Crook („The Office“, „Pirates of the Caribbean“) und Rob Delaney/Sharon Horgan versehen waren. Insbesondere von „Detectorists“ würde ich mir eine dritte Staffel wünschen, die die BBC Crook auch angeboten hat — der allerdings ist sich wohl nicht sicher, ob es genügend zu erzählen gäbe. Berechtigterweise, denn genau betrachtet war auch der diesjährige Handlungsbogen um einen jungen Deutschen, der nach dem Flugzeug sucht, mit dem sein Großvater im Zweiten Weltkrieg abgeschossen wurde, ja schon am Rande der Glaubwürdigkeit.

Apropos kleine Serien: Warum eigentlich hat Peter Kays „Car Share“ so schlecht abgeschnitten? Kay gehört in England zu den ganz Großen, und auch hier im Blog sind seine Serien immer wieder gebührend beachtet worden („Phoenix Nights“ gehört nach wie vor zu den Britcoms, die ich hoch schätze). War „Car Share“ also zu still? Kay zu lange weg vom Bildschirm? Das Setting zu unspezifisch? Zwischen „Cucumber“ und „Chewing Gum“ zu landen, das hätte ich von „Car Share“ jedenfalls nicht erwartet. Und „Cradle to Grave“, Kays zweite Sitcom des Jahres, ist sogar noch schlechter bewertet worden.

Keine Überraschung, wie gesagt, dass „Fargo“ und „Better Call Saul“ so gut abgeschnitten haben: beide haben tatsächlich phantastische Staffeln abgeliefert. Dass ich „Fargo“ ebenfalls knapp vor „Better Call Saul“ einordnen würde, kann einfach daran liegen, dass „Fargo“ erst unlängst zuende gegangen ist und mir noch in frischerer Erinnerung als „Better Call Saul“; aber wenn ich argumentieren müsste, würde ich sagen: „Fargo“ war auch die komischere Serie. Zum einen hatte sie die schöner überzeichneten Charaktere, namentlich Kirsten Dunsts Peggy Blumquist, die zu Beginn erstmal enorm genervt hat, bevor sie immer tiefer und in ihrer Fokussiertheit sympathisch wurde, aber natürlich auch Nick Offermans Karl Weathers. Seine volltrunkenes Plädoyer in der sechsten Folge war sicher einer der Höhepunkte des ganzen Fernsehjahres.

„Better Call Saul“ auf der anderen Seite hatte dafür das realistischere Setup, war weniger comicartig grell, dafür an vielen Stellen dramatischer. Möglicherweise genau deswegen hatte „BCS“ auch die für sich genommen größeren Lacher — der comic relief ist einfach stärker, wenn man in die Charaktere mehr investiert ist. Und da konnte „BCS“ immerhin auf Figuren zurückgreifen, die den meisten Zuschauern ja doch über die fünf Staffeln „Breaking Bad“ ans Herz gewachsen sein dürften.

Wo wir gerade dabei sind: Die Tendenz zu immer mehr Franchise übrigens finde ich nicht durch die Bank begrüßenswert. Die beiden höchstplatzierten US-Serien greifen auf lange etablierte Marken zurück („Breaking Bad“, den Film „Fargo“ von 1996), wo im Kino längst kaum noch etwas anderes läuft („Star Wars“, James Bond, die Peanuts, all die Superheldenfilme, die ich kaum auseinanderhalten kann …). Ich persönlich freue mich ja hin und wieder auch auf neue, originale Geschichten.

Überrascht bin ich bei den US-Serien noch vom vergleichsweise guten Abschneiden der letzten Staffel „Community“, die mich nicht mehr hinter dem Ofen hervorgelockt hat. Dass die besser abgeschnitten hat als die finale Season „Parks and Recreation“, als „Master of None“, „Happyish“ und „Modern Family“, finde ich … interessant. Ebenso das schlechte Abschneiden von „Transparent“, das sicher nicht schlechter war als die letzte Staffel „Orange is The New Black“. Allerdings haben beide Serien so wenige Stimmen, dass das Ergebnis wohl kaum repräsentativ ist.

Vielen Dank jedenfalls an alle, die abgestimmt haben — dass manche mehrfach abgestimmt haben, stört mich nicht im geringsten; große Begeisterung für eine Serie darf sich ruhig auch im Abstimmungsergebnis widerspiegeln, finde ich. Hat mich gefreut, dass immer noch so viele dieses kleine Blog lesen und über Serien diskutieren, die (jedenfalls was die überwiegende Anzahl der britischen Sitcoms angeht) hierzulande fast niemand je zu Gesicht bekommt, der sich aufs reguläre Fernsehen verlässt. Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr wieder und finden auch 2016 viele schöne Britcoms, über die es zu schreiben und zu lesen lohnt!

Jahresendabstimmung

9. Dezember 2015 16 Kommentare

Zwei Polls zum Jahresausklang: die alljährliche Leserabstimmung über die britischen Sitcoms des Jahres, heuer ergänzt durch eine Abstimmung über US-amerikanische Serien, hier allerdings ComedyDramas und reine Sitcoms in einem Poll zusammengefasst.

Jeder hat drei Stimmen pro Poll, die bis nächsten Mittwoch, 16.12., um Mitternacht mindestens Samstag, den 19.12., abgegeben werden können, und wie immer bitte ich um Hinweise auf fehlende Serien, zumindest auf fehlende britische Serien — denn aus den USA dürften so viele Serien fehlen, dass die Liste relativ beliebig erweiterbar wäre.

UPDATE (21:25 Uhr): Ich hatte tatsächlich Peter Kay’s „Car Share“ vergessen, jetzt ist es nachgetragen.

UPDATE 2 (10.12., 15 Uhr): Ich habe bei den US-Serien „Another Period“, „Black-ish“ und „Veep“ ergänzt, m.a.W.: Serien, die ich zumindest schon mal auf dem Schirm hatte.

UPDATE 3 (17:45 Uhr): „Peep Show“ bei den Britcoms nachgetragen.

UPDATE 4 (13.12.): Gerade stelle ich fest, dass ich nicht vor Samstag nächster Woche dazu kommen werde, die Polls auszuwerten, insofern ergibt es auch keinen Sinn, sie vorher zu schließen. Also bleiben sie offen, schätzungsweise bis Samstag.

UPDATE 5 (20.12.): Jetzt sind sie zu, die Polls, und ich hoffe, ich komme die Tage dazu, was dazu zu sagen.

Beste Britcom 2015

  • W1A (Series 2) (17%, 34 Votes)
  • Episodes (Series 4) (13%, 26 Votes)
  • Catastrophe (Series 2) (12%, 24 Votes)
  • Detectorists (Series 2) (9%, 19 Votes)
  • Moone Boy (Series 3) (7%, 15 Votes)
  • Peep Show (Series 9) (5%, 11 Votes)
  • Ballott Monkeys (5%, 10 Votes)
  • Boy Meets Girl (4%, 9 Votes)
  • Toast of London (Series 3) (4%, 8 Votes)
  • You, Me And The Apocalypse (3%, 7 Votes)
  • Uncle (Series 2) (3%, 6 Votes)
  • Count Arthur Strong (Series 2) (2%, 5 Votes)
  • Inside No. 9 (Series 2) (2%, 5 Votes)
  • Cucumber (2%, 4 Votes)
  • Car Share (1%, 3 Votes)
  • Chewing Gum (1%, 3 Votes)
  • Raised By Wolves (1%, 3 Votes)
  • Asylum (1%, 2 Votes)
  • The Kennedys (1%, 2 Votes)
  • SunTrap (1%, 2 Votes)
  • Cradle to Grave (1%, 2 Votes)
  • Pompidou (0%, 1 Votes)
  • Not Safe For Work (0%, 1 Votes)
  • Mountain Goats (0%, 1 Votes)
  • Benidorm (Series 7) (0%, 1 Votes)
  • People Just Do Nothing (Series 2) (0%, 0 Votes)
  • Nurse (0%, 0 Votes)
  • No Offence (0%, 0 Votes)
  • Murder in Successville (0%, 0 Votes)
  • Together (0%, 0 Votes)
  • Top Coppers (0%, 0 Votes)
  • Vicious (Series 2) (0%, 0 Votes)
  • Bluestone 42 (Series 3) (0%, 0 Votes)
  • Cockroaches (0%, 0 Votes)

Total Voters: 91

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Beste(s) US-Comedy(-Drama) 2015

  • Fargo (Series 2) (15%, 40 Votes)
  • Better Call Saul (14%, 37 Votes)
  • Louie (Series 5) (11%, 30 Votes)
  • Unbreakable Kimmy Schmidt (10%, 27 Votes)
  • You're The Worst (Series 2) (7%, 19 Votes)
  • Community (Series 6) (5%, 14 Votes)
  • Master of None (4%, 11 Votes)
  • Modern Family (Series 7) (4%, 10 Votes)
  • Parks And Recreation (Series 7) (4%, 10 Votes)
  • Veep (Series 4) (4%, 10 Votes)
  • The Last Man on Earth (Series 1+2) (4%, 10 Votes)
  • Happyish (4%, 10 Votes)
  • Togetherness (3%, 8 Votes)
  • Silicon Valley (Series 2) (2%, 6 Votes)
  • Orange is The New Black (Series 3) (2%, 5 Votes)
  • Jane The Virgin (Series 2) (2%, 4 Votes)
  • Transparent (Series 1) (2%, 4 Votes)
  • Welcome to Sweden (1%, 3 Votes)
  • Z Nation (Series 2) (1%, 2 Votes)
  • Another Period (1%, 2 Votes)
  • Wet Hot American Summer (0%, 1 Votes)
  • Black-ish (Series 2) (0%, 1 Votes)
  • Fresh Off The Boat (0%, 1 Votes)
  • The Comedians (0%, 0 Votes)

Total Voters: 115

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Die letzten Scherze der Menschheit

11. November 2015 Keine Kommentare

Es gibt so Serien, die will ich einfach mögen. Weil sie eine originelle Idee haben, weil sie sich weit aus dem Fenster lehnen, weil an ihnen viele guten Leute beteiligt sind. Weil sie „groß“ sind im Sinne von: zurecht mit viel Geld ausgestattet, mit guten Special Effects, einem großartigen Cast usw.

Nur stellt sich dann irgendwann die Frage: Sind sie mir nur sympathisch, oder sind sie wirklich gut?

„You, Me And The Apocalypse“ (Sky1, seit September) ist so eine Serie. Sie hat, als Comedy-Thriller angelegt, eine hübsche Grundidee: Sie erzählt die letzten 34 Tage der Menschheit, bevor ein Komet die Erde trifft, der voraussichtlich alles Leben auslöschen wird, und zwar in mehreren parallelen Erzählsträngen: u.a. dem eines Bankangestellten in Slough, eines Meisterhackers, einer zu Unrecht im Knast sitzenden Frau in den USA und dem einer Nonne und eines Priesters im Vatikan. Und wie letzteres schon andeutet, gibt es dabei neben der (cyber-) technischen auch noch eine religiöse Seite in der Erzählung, denn im Vatikan ist man davon überzeugt, dass das Ende der Welt auch das Jüngste Gericht und damit die Wiederkehr des Gottessohns bedeutet — der erstmal gefunden werden muss zwischen all den falschen Propheten, die in den finalen Stunden der Welt rapide vermehrt auftreten.

„You, Me And The Apocalypse“ (sollte eigentlich „Apocalypse Slough“ heißen, was womöglich auch der bessere Titel gewesen wäre) hat ein beachtliches Star-Aufgebot: neben den Briten Mathew Baynton („The Wrong Mans“), Joel Fry („Game of Thrones“, „Plebs“), Paterson Joseph (aktuell auch in der finalen Staffel „Peep Show“ zu sehen) sind, infolge der Kooperation von Sky mit NBC, auch etliche gute US-Comedians dabei: etwa Jenna Fischer („The Office“), Megan Mullaly („Will & Grace“) und Rob Lowe („Parks and Recreation“). Und dann die Gaststars! Nick „Ron Swanson“ Offerman! Diana „Emma Peel“ Rigg! Ja, da ist schon einiges geboten.

Doch leider kommt die Serie (Creator: Iain Hollands) dann nicht so recht aus dem Quark. Zum einen ist Bayntons Jamie wieder ziemlich genau der Typ, der in „The Wrong Mans“ die Hauptrolle hatte: ein biederer, fast spießiger junger Mann, der gegen seinen Willen in allerlei Action verwickelt wird und  einen energiegeladenen, chaotischen Sidekick als besten Kumpel braucht (James Corden in „The Wrong Mens“, hier Joel Fry). Zum anderen bestehen Vorspann und Einstieg in jede Folge in einer Vorblende (oder der Rest der Folge in einer Rückblende) zu Tag null, wo wir Jamie und etliche andere Charaktere in der Sicherheit eines sub-sloughschen Bunkers sehen, wo sie „den Fortbestand der Menschheit sichern“ sollen — so dass ein beträchtlicher Teil der Spannung (wer kommt durch? Wer nicht?) schon einmal weg ist.

Und zuschlechterletzt waren bis zur Hälfte der Staffel (heute läuft die siebte der zehn Folgen) viele Handlungsfäden ziemlich lose miteinander verknüpft. Dass die Figuren, wenn sie dann schließlich doch aufeinandertreffen, dies unter verblüffenden Umständen tun und zum Teil in bizarren Verhältnissen zueinander stehen, ist durchaus komisch, so dass ich „You, Me And The Apocalypse“ sogar die ganzen absurden Zufälle, die es zum Vorantreiben der Handlung brauchte, verzeihen konnte. (Wenn Charaktere in Serien schon selbst sagen: „Was für ein Zufall, dass wir ausgerechnet den Neffen von soundso gekidnappt haben“, dann ist das das Eingeständnis der Autoren, dass sie wissen: so plump schummeln, wie wir an dieser Stelle müssen, können wir nicht, das merkt der Zuschauer — also machen wir ihn lieber gleich selbst darauf aufmerksam und hoffen, dass ihn diese Ehrlichkeit für uns einnimmt.)

Leider aber sind viele der Figuren in „YMATA“ für sich genommen eher flach, ja klischeehaft. Echtes Interesse, gar Identifikation entsteht so erst, wenn man weiß, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen — und das steht der ersten Hälfte der Serie doch ziemlich im Weg.

Schade, denn, wie gesagt: eigentlich ist diese Serie sympathisch. Gutes Konzept, gute Leute, viele Schauplätze, hochwertiges look & feel. Ich will die Serie mögen, immer noch, und hoffe sehr, dass die letzten vier Folgen das Ruder noch einmal so herumreißen, dass sie insgesamt als eine der besseren des Jahres durchgehen kann. Britisch genug ist sie, so sehr sogar, dass ich mich frage, wie sie in den USA überhaupt ankommen kann — hätte man sie vielleicht doch besser gleich „Apocalypse Slough“ nennen können. Obwohl auch da ja ein falscher Ton drin ist, denn für jeden Fan britischer Comedy wird „Slough“ wohl für immer mit „The Office“ verknüpft bleiben, und diese Assoziation führt hier in die Irre.

Immerhin: Mittlerweile deutet einiges darauf hin, dass „YMATA“ noch einmal Fahrt aufnimmt, insbesondere die sechste Folge hat mich da optimistisch gestimmt. Vielleicht wird sie also zumindest ein Geheimtipp dieser Saison — der ganz große Knall ist, anders als in der Serie selbst, ja nun offenbar erst einmal ausgeblieben.