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Artikel Tagged ‘Mark Bussell’

Britcoms?

Eines der Probleme dieses Blogs ist: es heißt britcoms.de und soll sich eigentlich um britische Sitcoms drehen. Das tut es allerdings nicht mehr so oft, und zwar nicht zuletzt, weil ich in letzter Zeit immer weniger britische Sitcoms finde, über die es sich zu berichten lohnen würde.

Warum ist das so? Finde ich sie nur nicht oder sind einfach nicht genügend gute dabei?

Nun, da gibt es noch die große BBC1-Sitcom wie etwa „I Want My Wife Back“ (seit April): Ben Miller und Caroline Catz („Doc Martin“) als Paar in einer zerrüttetend Ehe, sie trennt sich von ihm im gleichen Moment, wo sie von seinen Schwiegereltern, ihren Eltern, eine Reise in die Türkei geschenkt bekommen; er will all die Büroarbeit zurückfahren, die der Zweisamkeit bislang im Weg gestanden hat und steht; allein: die äußeren Einflussnahmen auf Murray und Bex sind übermächtig und ziehen und zerren die Protagonisten gegen ihren Willen in mal die eine, mal die andere Richtung.

Ein klassisches Setup, wie man es jetzt nur mal zum Beispiel auch in „Worst Week of My Life“ (BBC1, 2004 – 06) gesehen hat, ebenfalls mit Ben Miller und, Überraschung, ebenfalls von Mark Bussell und Justin Sbresni. Nur dass „Worst Week“ etwas Dämonisch-Komisches hatte, weil die Verschwörung der Welt gegen v.a. Howard (Miller) aber auch seine Verlobte Mel (Sarah Alexander) bis hin zu Gegenständen zu reichen schien, die regelrechte Komplotte zu schmieden schienen. Hier in „I Want My Wife Back“ sind es nur („nur“) (Schwieger-)Eltern, horrible bosses und verliebte Assistentinnen an der Grenze zum Stalkertum. Fragt man sich fast, warum es so lange gedauert hat, bis Bussell und Sbresni auf diese Idee gekommen sind: die höheren Mächte, die zwei Verliebte davon abhalten wollen zu heiraten, nun dazu einzusetzen, die Trennung von zwei Eheleuten zu verhindern.

Mit einem Wort: „I Want My Wife Back“ sieht aus wie eine gute Mainstream-Sitcom-Idee — fällt aber hinter die zwölf Jahre ältere Vorgängerserie zurück. „IWMWB“ hat keinen USP, nichts, was man so nicht schon zu sehen geglaubt hat, und tut so zwar nicht weh, weil man sich von gutem Handwerk und ansehbaren Darstellern ja immer noch unterhalten lassen kann. Aber für Begeisterung sorgt diese Serie zumindest bei mir nicht.

In „Flowers“ (Channel 4) hatte der Sender gleich so wenig Vertrauen, dass er die ganze Serie im Laufe einer einzigen Woche ausgestrahlt hat, mit einer Doppelfolge zum Auftakt, über die ich auch nicht hinausgekommen bin, trotz guten Willens. Denn ich mag Olivia Colman, ich mag Julian Barratt („Mighty Boosh“), und die düster-exzentrische Familie, die Will Sharpe in „Flowers“ porträtiert, erschien mir zunächst wie eine britische Version von „Arrested Development“ oder den „Royal Tenenbaums“, was ich allerdings nur so lange für eine gute Idee hielt, bis mir auffiel, dass ich weder „Arrested Development“ noch die „Royal Tenenbaums“ wirklich mochte.

Hier fehlte zum Mindesten eine Folie der Normalität, sei es nun eine Figur, die den Irrsinn aller anderen Figuren reflektiert und anschaulich macht; „Flowers“ war eine Wundertüte von grotesken, überlebensgroßen, zum Teil traurigen, zum Teil abscheulichen Figuren, die aber allesamt so wenig zur Identifikation einluden, dass ich von keinem wissen wollte, wie es nun weiterging.

Dann gibt es noch zwei, drei andere Britcoms, die mich entweder von vorneherein gar nicht ansprechen („Witless“, BBC3) oder die schon in der dritten Staffel laufen, so dass es kaum noch etwas hinzuzufügen gibt („Plebs“, ITV2, nach wie vor recht unterhaltsam, „Cuckoo“, BBC3, schwach, „Raised By Wolves“, Channel 4, an dem mein Interesse ebenso schnell wieder erlahmt ist, wie es entfacht war).

Es gibt kaum noch ComedyDrama, das der Rede wert wäre: namentlich „The Aliens“ (E4), das aus der gleichen Schmiede stammt wie das weitenteils brillante „Misfits“ (E4, 2009 – 13), aber durch dramaturgische Klopse recht schnell angeschossen war — womöglich die gleichen Fehler, die Fintan Ryan schon bei „In The Flesh“ (BBC3, 2013 – 14) gemacht hat, dessen Prämisse (geheilte Zombies, die in die Gesellschaft wieder eingegliedert werden müssen) ich ebenso gut fand wie die von „The Aliens“ (eine Parallelgesellschaft von Aliens, anhand derer Rassismus diskutiert wird), die allerdings in der Umsetzung deutlich zu wünschen übrig ließen.


Also: Wo sind die Britcoms, über die zu schreiben wäre? Was habe ich verpasst? Oder gibt es in diesem Jahr, das nun auch schon beinah zur Hälfte vorbei ist, einfach gar nichts, was mit den US-Serien des Jahres mithalten könnte? Ich bin wirklich ein bisschen ratlos — und, zugegeben, womöglich auch schlecht informiert, weil von all den guten amerikanischen Serien abgelenkt.

Weiß jemand Rat?

Witze aus dem Handbuch

19. Januar 2013 Keine Kommentare

„The Manual (How to Have a Number One the Easy Way)“ hieß ein kleines Handbuch der Timelords (respektive von The KLF), die darin beschrieben, wie man ohne musikalisches Talent oder Geld einen Song produziert, der es in der Hitparade auf Platz eins schafft. Offenbar gibt es eine ähnliche Anleitung auch für Comedyserien, und Mark Bussell und Justin Sbresni haben sie gefunden.

Das neue groß angekündigte ITV-ComedyDrama „Great Night Out“ (gerade sind die ersten beiden Folgen gelaufen) scheint jedenfalls so entstanden zu sein: Man nehme vier am Reißbrett entworfene Charaktere (vier Kumpels, die auf die Vierzig zugehen: einer wäre gerne der Anführer, einer ist absolut normal und frisch geschieden, einer ewig deprimiert und einer der ewige Underdog), stelle sie in einen möglichst eindeutigen Referenzrahmen (die Lad Culture von Fußball, Bier und Sex) und lasse sie burleske Abenteuer erleben: Wie die Jungs mal aus Versehen mit dem Zug nach London gefahren sind und so fast einen gemeinsamen Abend mit ihren Frauen verpasst hätten. Wie einmal einer der Jungs einen Job als Fahrer bei einem Unterwelt-Boss angenommen hat und dann dessen betrunkene Frau nach Hause bringen musste. Haha! Man kann sich jetzt schon vorstellen, was da alles passiert.

Und genau das passiert dann auch.

„Great Night Out“ ist keine ungenießbare MarketingErfindung aus der Marketingabteilung, das nicht. Etliche Gags funktionieren, und die Besetzung kann sich sehen lassen: prominentester Gast ist „Royle Family“-Mitglied Ricky Tomlinson als Pub-Wirt, aber auch Stephen Walters (der als Mad Twatter bekannte Grasdealer aus den ersten Folgen „Skins“), Craig Parkinson (als Sozialarbeiter Shaun eines der vielen Opfer der „Misfits“), Rebekah Staton (die blonde Kollegin aus „Spy“) und viele andere können durchaus komisch und ernst. Die Autoren Bussell und Sbresni ihrerseits haben mit „Worst Week of My Life“ (BBC1, 2004 – 06) eine fantastische Sitcom (und mit „The Royal Bodyguard“, BBC1 2012, eine schreckliche) vorgelegt.

Aber bei „Great Night Out“ wirken die Plots dünn und die Wendungen erwartbar, die Figuren ausgedacht und ihre Beziehungen wie Klischees — und ich bin geneigt, das gegen die Serie zu halten, obwohl ich nicht grundsätzlich gegen einfache Plots bin, auch Erwartbarkeit nicht per se ablehne und Klischees ja immer Klischees sind, weil sie eben in der Wirklichkeit so oft vorkommen. Wenn aber der eine Funke fehlt, der Frankensteins Monster zum Leben erweckt — dann wirkt alles wie aus Plastik, künstlich und unoriginell. So auch hier. Die Absicht, einen Mainstream-Hit zu erzielen, wird zu deutlich.

Da hat also offenbar ITV eine Million Britische Pfund verbrannt. Womit wir wieder bei The KLF wären.

Die Weihnachts-Specials 2011

29. Dezember 2011 Keine Kommentare

Es soll ja „The Office“-Gucker geben, die sich ausgerechnet den letzten zwei Specials, den Weihnachts-Folgen der Show, verweigern. Eine fatale Fehlentscheidung, weil es natürlich genau diese zwei Folgen sind, die die Serie abschließen, sie zu einem unerwarteten Happy End bringen und den Figuren mehr Tiefe geben, indem sie sie außerhalb ihres gewohnten Kosmos, ihrer comfort zone zeigen. Das ist die quasi magische Kraft der Weihnachts-Folgen, und darum werden diese Folgen von den fernsehsüchtigen Briten auch so sehnlich erwartet.

Dieses Jahr waren es Specials von „Absolutely Fabulous“, „How Not to Live Your Life“ und „Outnumbered“, jedenfalls was das Comedy-Genre anging; „Dr Who“ verfolge ich nicht, und über das „Downton Abbey“-Special will ich nur verraten, daß die Frau schon seit Wochen nur beim Gedanken daran heller strahlte als jeder Weihnachtsbaum — und auch tatsächlich nicht enttäuscht wurde: 90 Minuten Historienschinken vom Feinsten, mit großem Drama, mehreren kleinen und einem großen Happy End, das… aber psst.

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Das „Absolutely Fabulous“-Special „Identity“ (BBC1) dagegen war weniger ein One-Off als der Auftakt zu insgesamt drei Specials: Das nächste wird Neujahr zu sehen sein, das dritte irgendwann, vermutlich im Rahmen der Olympischen Spiele. Kaum zu glauben, daß die erste Folge „Ab Fab“ zwanzig Jahre her ist: Weder Jennifer „Edina“ Saunders noch Joanna „Patsy“ Lumley scheinen ernsthaft gealtert zu sein (Julia Sawallha als Tochter Saffron und Jane Horrocks als Assistentin Bubble dagegen schon); und selbst wenn, hätte es dem „Ab Fab“-Grundgedanken nicht geschadet, denn der besteht ja gerade darin, daß die Mutter-Tochter-Rollen quasi vertauscht sind, die Älteren nicht erwachsen werden können und wollen und die Jüngere nie jung war, sondern immer spießig. Und so ist es um so komischer, wenn Patsy Joint um Joint aus ihrer toupierten Frisur herausklaubt und vorher Edina sich im Bentley durch Brixton („meine alte Hood!“) zum Gefängnis chauffieren läßt, das Fenster runterkurbelt und ihren Chauffeur anweist, etwas Dubstep zu spielen.

Entlassen wird dort aber nicht, wie man aufgrund ihrer Drogenaffinität erwarten könnte, Patsy, sondern Saffron, die offenbar Personalausweise für illegale Immigranten gefälscht hat und zwei Jahre einsaß: Ein guter Vorwand, um die Ereignisse der letzten Jahre (das letzte „Ab Fab“-Special ist über fünf Jahre her) Revue passieren lassen zu können, die Saffron im Knast verpaßt hat. Und ein ebenso lustiger Aufhänger, Patsys Luxusdrogenkonsum thematisieren zu können, denn Saffrons beste Knast-Freundin Baron (Lucy Montgomery, „The Armstrong and Miller Show“) erkennt ihre ehemalige Kundin Patsy wieder, von der sie noch 50 000 Pfund zu kriegen hat…

„Ab Fab“ lebt also und ließe sich problemlos fortsetzen, die Show ist immer noch genauso frisch und unverbraucht wie eh und je — verblüffend!

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„How Not to Live Your Life“ (BBC3) dagegen ist nach drei Staffeln vorbei, und wie bei den „Office“-Specials war hier das Weihnachts-Special „It’s a Don-derful Life“ die Gelegenheit, der Serie einen narrativen Abschluß zu geben: Don (Dan Clark) erhält die Genehmigung, das Haus zu verkaufen und tut das auch, Mrs. Treacher kommt ins Heim, Don und Samantha kommen endlich zusammen und Don veröffentlicht seine Memoiren „How Not to Live Your Life“, die später mit James Corden in der Hauptrolle von der BBC verfilmt werden.

Ich hatte die Show, zumindest die letzte Staffel, ein bißchen aus den Augen verloren: Zu sehr wiederholten sich zwischendurch die allzu erwartbaren Scherze, was als nächstes gleich passieren würde („5 Things That Happened Next“), zu grob war mir zwischendurch der Holzhammer, mit dem da Scherze geklopft wurden. Aber dieses Finale war herzerwärmend genug, daß ich mir die letzte Staffel doch noch reinziehen werde.

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Ganz ähnlich ging es mir mit „Outnumbered“ (BBC1) : Die letzte, vierte Staffel hatte ich nur mit gemischten Gefühlen sehen können. Zu alt waren die Kinder inzwischen geworden, um weiter in die Rollen zu passen, die Andy Hamilton und Guy Jenkin ihnen auf den Leib geschrieben haben. Aber für das Weihnachts-Special „The Broken Santa“ paßte genau das plötzlich wieder: Wie Kinder eben zu alt für (diese eine spezielle Form von) Weihnachten werden, waren es die Brockman-Kinder hier auch, und so beschließt die Familie, lieber über Weihnachten in den Urlaub zu fahren. Bzw. zu fliegen. Was selbstverständlich im Chaos endet.

Vier schöne Weihnachts-Specials also dieses Jahr, das „Top Gear“-Special ziehe ich mir jetzt als nächstes rein, und von der schrecklichen ersten Folge von „The Royal Bodyguard“ (BBC1) schweige ich jetzt lieber, um nicht unweihnachtlich werden zu müssen. Bzw.: Daß Mark Bussell und Justin Sbresni, die ja immerhin mal „The Worst Week of My Life“ gemacht haben, jetzt so einen schlimmen Slapstick-Scheiß mit dem britischen Sitcom-Liebling David Jason verbrechen, den man als Del-Boy aus „Only Fools And Horses“ in bester Erinnerung hat und der jetzt mit 71 Jahren wie ein geriatrischer Inspektor Clouseau herumtrotteln muß, das ist… das ist… ach was, ich bin mal still.

Weihnachtsbilanz 2009

28. Dezember 2009 2 Kommentare

Gesehen:

  • „Benidorm“ (2007 — 09, ITV1)
    Die zweite Staffel ist tatsächlich schon um einiges lustiger als die erste; das Special geht ebenfalls klar, obwohl es einer Filmparodie bei weitem zu viel Raum gibt. Die dritte Staffel schafft etwas erstaunliches: Sie macht die Sitcom zum Comedy-Drama, verlängert jede Folge auf 45 Minuten, gibt den Figuren mehr Tiefe und mehr Handlung, schießt aber gleichzeitig in jeder Folge ca. zweimal mit irgendwelchen aberwitzigen Gag-Gimmicks über’s Ziel hinaus — und kriegt doch noch die Kurve. In der letzten Folge war einer der lustigsten Gags, die ich dieses Jahr gesehen habe. Wer auch immer mir hier in den Kommentaren empfohlen hat, nach der ersten Staffel dranzubleiben: Herzlichen Dank.
  • „The Armstrong And Miller Show“ (2007 — 09, BBC1)
    Moderne Sketch-Comedy mit einem double act, der überrascht, weil Alexander Armstrong und Ben Miller sich in ihrem trockenen Understatement sehr ähnlich sind. Dementsprechend gibt es keine klassische Rollenverteilung zwischen straight man und funny man, stattdessen setzen die beiden auf ihre schauspielerischen Talente. Wiederkehrende Figuren sind u.a. zwei Royal Air Force-Piloten während des Zweiten Weltkriegs, die sich im respektlosen Slang heutiger Teenager unterhalten, Steinzeitmenschen, die zum ersten mal modernen Themen wie Smalltalk, Kunst oder Vorstellungsgespräche begegnen, und der geschiedene Vater, der seinem Sohn (Tyger Drew-Honey, „Outnumbered“) in fürsorglichen Tonfall brutal ehrliche Antworten auf unschuldige Fragen wie „warum habt ihr euch scheiden lassen?“ gibt: „Um ehrlich zu sein: daran bist du schuld, mein Sohn…“

  • „Christmas at the Riviera“ (1997, ITV)
    Ein Weihnachtsfilm von den Autoren von „Worst Week of My Life“ Mark Bussell und Justin Sbresni mit prominentem Cast (Alexander Armstrong, Rasmus Hardiker, Katherine Parkinson, Reece Shearsmith, Geoffrey Whitehead), aber ohne den letzten zündenden Funken, der die Geschichte um den tolpatschigen zweiten Hotelmanager (Shearsmith) und die Katastrophen, die sich in seinem Hotel (dem „Riviera“) anbahnen, zum Brennen gebracht hätte. Trotzdem solide Unterhaltung.
  • „The Thick of It“ (2005 — 09, BBC4/BBC2)
    Es ist beinahe ein Wunder, wie Armando Iannucci und seine Leute es geschafft haben, diese Serie ohne ihren Hauptdarsteller nicht nur am Leben zu erhalten, sondern auf gleichem, wenn nicht noch höherem Niveau fortzuführen. Aber Rebecca Front („Alan Partridge“, „Nighty Night“) ist ein adäquater Ersatz für Chris Langham, und Peter Capaldi als cholerischer Spin Doctor, der die Minister der britischen Regierung als Schießhund des Premiers auf Trab hält, ist ohnehin das eigentliche Rückgrat dieser aktualisierten Version von „Yes, Minister“.
  • „Beautiful People“ (2008 — 09, BBC2)
    Erst zwei Folgen dieser ziemlich schwulen Sitcom um zwei Teenager in Reading, die ihre Idee von „Camp“ gegen alle Welt, aber mit Rückhalt ihrer Eltern durchsetzen, habe ich besichtigt — werde mich aber nach der ersten Staffel noch einmal dazu auslassen.
  • „Charlie Brooker’s Screenwipe — Review of the year 2009“
    war so gut wie Charlie Brooker immer ist, und

nicht gesehen

habe ich bislang das „Outnumbered“-oder überhaupt irgendein Weihnachtsspecial. Kommt aber noch.

Die Top-10-Britcoms der 00er-Jahre: Platz 9

14. Oktober 2009 8 Kommentare

Eines meiner Hauptkriterien dieser Britcom-Top 10 des ausgehenden Jahrzehnts ist, das erwähnte ich schon bei Platz 10 („Black Books“), die leichte Zugänglichkeit von Serien. Das bedeutet: Das Verhältnis von Dialogwitz und visual gags muß stimmen, die Geschichte muß ein gewisses Tempo haben und sollte in einem Setting stattfinden, das uns Kontinentbewohnern auch ohne intime Kenntnisse der britischen Kultur zugänglich ist.

Platz 9 meiner Charts entspricht allen diesen Kriterien auf das Hervorragendste und erschien deshalb offenbar auch hiesigen Fernsehschaffenden so anschlußfähig, daß sie eine deutsche Version davon drehten. Die war nicht wirklich gut, hielt sich aber immerhin weitgehend an die Vorlage und war deshalb auch nicht ganz schlecht. Die Rede ist von

Platz 9: „The Worst Week of My Life“ (2004 – 06, BBC1)topten09

Die letzten sieben Tage vor der Hochzeit von Mel (Sarah Alexander) und Howard (Ben Miller) entwickeln sich zur reinen Katastrophe: Was schiefgehen kann, geht schief. Das beginnt bei kleineren Mißgeschicken — dem Ehering, der ins Waschbecken fällt — und endet damit, daß der Hund der Schwiegereltern tot ist, ihr Auto kaputt, die Oma im Krankenhaus und das Haus mit Haßparolen beschmiert. Howard, Sohn eines Klempners, hat von Anfang an bei den snobistischen Eltern seiner Zukünftigen keinen leichten Stand. Aber dadurch, daß er immer verzweifelter versucht, doch noch alles ins Lot zu bringen, indem er lügt, hinhält, vertuscht, was nur geht, macht er Zug um Zug alles immer noch schlimmer: Mit jeder Folge, die je einen Tag der Woche erzählt und meist mit einem hübschen Cliffhanger endet, wird das Chaos größer, liegen die Nerven blanker. Howards einziges und großes Glück ist, daß seine Frau ihn wirklich liebt und zu ihm hält. Doch auch ihre Leidensfähigkeit hat Grenzen.

„The Worst Week of My Life“ hat alle Zutaten einer klassischen Farce: Unwahrscheinliche Zufälle, sprachlichen Witz und ein rasantes Tempo, das sich immer noch steigert. Die Slapstickmomente sind erfrischen gewalttätig, werden aber durch den betont klassischen Sitcom-Rahmen (eine Kamera, kein laugh track) aufgehoben. Infolgedessen gibt es zwar höchst peinliche cringe comedy-Momente, sie sind aber nie so schmerzhaft, so schneidend böse sind wie etwa bei „The Office“, sondern immer burlesk-komisch. „The Worst Week“ ist also familienkompatibel, einerseits, schafft es aber andererseits, innerhalb dieser Harmlosigkeit erschütternd komische Übertreibungen einzubauen, die mich hin und wieder zum Japsen gebracht haben vor Vergnügen.

Auch diese Britcom, wie schon „Black Books“, ist für britische Verhältnisse eher warm, weil zumindest die unverbrüchliche Liebe zwischen Mel und Howard für emotionale Akzente sorgt, die in schwärzeren Britcoms generell fehlen. Unter anderem deswegen dürfte es auch für den amerikanischen Markt adaptiert worden sein. Der bevorzugt ja, ähnlich wie der deutsche, Sitcoms, die unter aller Komik einen Boden der Freundschaft/Familie einziehen, der Sicherheit gibt und gewährleistet, daß niemand alleine bleibt — friends will be there for you. So verlogen ich das finde, und so sehr ich die kalten Britcoms bevorzuge, in denen die Figuren wissen, daß alles Arsch ist und keine Familienbande stark genug sind, einen in einer kalten Welt voller Arschlöcher zu trösten: Für „The Worst Week of My Life“ mache ich eine Ausnahme.

Auf zwei Staffeln hat es „Worst Week“ gebracht, in der zweiten geht es um die letzte Woche vor Mels Niederkunft, plus ein mehrteiliges Weihnachts-Special („The Worst Christmas…“); da das Rezept aber je das gleiche war, ist die erste Staffel die bessere, weil überraschendere, ohne daß die Fortsetzungen aber wirklich schlechter wären. Dafür sorgt neben den Drehbüchern von Mark Bussell und Justin Sbresni in erster Linie der hochkarätige Cast, neben Miller („Moving Wallpaper“) und Alexander („Coupling“, „Green Wing“) vor allem die liebenswürdige Alison Steadman („Gavin & Stacey“) und Geoffrey Whitehead als Howards Schwiegereltern.

In the News (6)

4. Oktober 2009 1 Kommentar

„Curb Your Enthusiasm“ wird, nach zwei zunehmend komischen, aber „Seinfeld“-freien Folgen, in der heutigen Folge auf endlose Ankündigungen endlich Taten folgen lassen: Jerry Seinfeld, Jason Alexander, Julia Louis-Dreyfus und Michael Richards werden nach fast elfeinhalb Jahren erstmals wieder gemeinsam vor der Kamera stehen. Und das vor Originalkulissen im Originalstudio, wie sie in einem langen Interview mit Hollywoodinsider verraten:

Michael Richards: „The only thing that was missing was on the back wall of Jerry’s apartment in the hall where you enter from, I had written “Funny” in red paint on the wall. And that wasn’t on the wall. It was missing. But we didn’t need any touch-up. That’s what was so profound. It just all came together pretty easily.“

Matt LeBlanc („Friends“) wird die Hauptrolle in der britisch-amerikanischen Coproduktion „Episodes“ spielen, die im Fernsehmilieu stattfinden wird und den Trend zu amerikanischen Remakes englischer Sitcoms satirisch aufgreifen soll. LeBlanc soll darin die amerikanische Fehlbesetzung eines englischen älteren Gelehrten spielen, über den sich die Produzenten in die Haare kriegen. Es soll aber in erster Linie eine romantische Comedy über Liebe am Arbeitsplatz werden — denn die Produzenten sind miteinander verheiratet. Könnte gut werden, wird „Episodes“ doch von Hat Trick produziert (die neben dem Dauerbrenner „Father Ted“, den ich hier gar nicht oft genug empfehlen kann, allerdings auch das unsägliche „Kröd Mandoon“ versemmelt haben) und von Mark Bussell und Justin Sbresni betreut, die das höchst empfehlenswerte „The Worst Week of My Life“ gemacht und auch seine (allerdings eher mäßige) Umsetzung für den US-Markt betreut haben. Ich persönlich bin ja ein Fan von Fernsehen, das sich mit sich selbst beschäftigt (siehe „Curb“), und empfehle daher hier nochmal fix „Moving Wallpaper“ und „Dead Set“; „30 Rock“ und „Extras“ muß man ja wohl nicht mehr extra erwähnen.

Außerdem meditiert die London Times darüber, what British comedy says about us (ich wage kaum darüber nachzudenken, was deutsche Comedy über uns aussagt), und der Guardian denkt laut darüber nach, ob der „Anhalter“ immer noch lustig ist. Ich tippe ja: Er ist es.