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Artikel Tagged ‘I’m Alan Partridge’

Alan Partridge – The Movie

29. Mai 2009 2 Kommentare

Seit Jahren halten sich die Gerüchte, nun hat Steve Coogan sich in einem Interview etwas konkreter geäußert: Womöglich wird, sieben Jahre nach der letzten Folge “I’m Alan Partridge”, doch noch ein Kinofilm um den kleinen, peinlichen Mann des englischen Provinzradios erscheinen:

Yeah, we are planning on making a movie. We’re talking at the moment. What it is we’re not quite sure. But yes, there are plans afoot to make a film.

Have you got a storyline yet?

We have but I’m not going to tell you what it is.

(BBC News)

Mit den vereinten Kräften von Coogan, seinen langjährigen Mitstreitern Peter Baynham (Coautor von “Borat” und “Brüno”) und Armando Iannucci sowie seinem neuen Kumpel Ben Stiller könnte das ein Knaller werden — vorausgesetzt, die Welt versteht auch außerhalb des Vereinigten Königreichs den britischen Witz Partridges, wie sich Dan’s Media Digest sorgt.

Wie Alan Partridges Scherze schiefgehen können, illustriert dieser hübsche Clip (mit der ebenso hübschen Sally Phillips), in dem Alan dem Team des billigen Hotels, in dem er sich nach seinem Rauswurf zuhause einquartiert hat, einen Streich spielen möchte:

Und für Musikfans: Alan über Pop und Rock bzw. über “Wings – the band the Beatles could have been”.

Hamlet it be

17. Mai 2009 2 Kommentare

Endlich mal eine Komödie, die Steve Coogan auf den Leib geschrieben ist! dachte ich, als ich mich die ersten beiden Akte von “Hamlet 2″ (2008) prima amüsierte. Die Rolle des Dana Marschz paßt dem Alan-Partridge-Erfinder auch wirklich wie angegossen: Marschz ist, das verrät uns eine sehr lustige Montage zu Beginn, zwar immer der Überzeugung gewesen, ein großer Schauspieler zu sein, und er kennt sich auch aus im Business — seine eigene Karriere bestand aber im Wesentlichen aus einem kleineren Auftritt in “Xena” und etlichen schlimmen Werbespots. Seitdem schlägt er, mittlerweile trockener Alkoholiker, sich so durch als High School-Schauspiellehrer in Tucson, Arizona, wo die von ihm inszenierten Schülertheaterstücke regelmäßig durchfallen — vielleicht auch, weil er regelmäßig Hollywood-Filme zu inszenieren versucht (zuletzt “Erin Brockovich”). Eines Tages muß er vor mehr als den üblichen zwei Streber-Schülern unterrichten, weil alle anderen Kunst-Wahlfächer weggestrichen worden sind, und hält den völlig desinteressierten Jugendlichen erstmal einen Stegreif-Vortrag über “Dead Poets Society” und “Mr Holland’s Opus” (“these are all Inspirational Teacher Movies!”). Leider wird wenig später auch sein Kurs gestrichen, und so bleibt ihm nichts übrig, als endlich mal ein Theaterstück zu inszenieren, das erfolgreich ist — und zwar am Besten so erfolgreich, daß er weiterunterrichten darf.

Und damit beginnt der schwierige dritte Akt. Während Komödien in den ersten beiden Akten es ja oft eher einfach haben, weil sie Schwierigkeiten um Schwierigkeiten vor dem Helden auftürmen können, die für Komik sorgen, muß der dritte Akt eine befriedigende Auflösung haben: Der Held muß scheitern (was hier schlecht geht, weil Marschz die Fallhöhe fehlt — er ist ja von Anfang an schon gescheitert) oder triumphieren. Dieser Triumpf ist hier so schlicht, wie man es vielleicht schon befürchtet hat: Die schwierigen Schüler stellen sich als recht gute Musical-Schauspieler heraus und inszenieren den Riesenquatsch recht solide, den Marschz ihnen schreibt: nämlich eine Fortsetzung von Hamlet, in der qua Zeitmaschine alles gut ausgeht (“diese Idee ist so beschissen, daß sie schon wieder gut sein könnte”) und die darüberhinaus so blasphemisch und obszön ist, daß niemand sie ignorieren kann. Eine “Hamlet”-Version mit Happy End ist komisch, weil sie lächerlich ist; leider ist es aber bei dem Film ebenso: Das Happy End, der furiose Erfolg des Theaterstücks, ist sehr platt und ruiniert den bis dahin recht ansehnlichen Film (na ja, jedenfalls fast). Man hat diesen Plot einfach schon zu oft gesehen, kann das Ende schon von weitem kommen sehen und hofft, es möge wenigstens noch (wie etwa bei den “Blues Brothers”) eine persönliche Niederlage für den Helden bereithalten, um die pappigste Süße wieder herauszunehmen, aber nein, es endet alles im Totalerfolg.

Die ersten beiden Akte aber sind gut.

Andrew Fleming, hier Regisseur und Coautor, hatte bereits bei einigen Folgen “Arrested Development” Regie geführt, Coautorin Pam Brady mit den “Southpark”-Machern Trey Parker und Matt Stone “South Park: Bigger, Longer & Uncut” sowie das ebenfalls nur leidlich gute “Team America: World Police” geschrieben.

Fernsehsatire für Fortgeschrittene

24. April 2009 5 Kommentare

Prominente, die in einer Clipshow auf die letzten dreißig Jahre zurückblicken: Das klingt nicht nach einer besonders aufregenden Fernsehidee. Das ändert sich unmittelbar, wenn man die Retroshow im Jahre 2031 spielt: Der nostalgische Blick auf die erste Autopsie-Show, eine Makeover-Show, in der sich Kinder Schönheitsoperationen unterzogen, oder an die Nachrichten von dem Tag, als Terroristen erstmals auf die Idee kamen, Flugzeuge mit Hochhäusern anzugreifen, hat komisches Potential.

Dieses Potential hat der italienischstämmige Schotte Armando Iannucci für seine sechsteilige Satire »Time Trumpet« (ab Montag auf DVD erhältlich) weidlich ausgenutzt. Iannucci, der seit seinen Anfängen bei »The Day Today« und »I’m Alan Partridge« ein Händchen für Parodien bewiesen hat, zieht hier alle Register seines phantasievoll-abseitigen, meist aber eher leisen Humors: Brillant von CGI-Animationen unterstützt, breitet er seine höchst eigene Vision vom Fernsehen der Zukunft aus. Dieses wird ab 2010 mit »Rape an Ape« Quotenerfolge feiern, einer Spielshow, in der die Kandidaten versuchen müssen, einen Gorilla zu bespringen: »Am Anfang wurde mir richtiggehend schlecht davon«, erinnert sich zu entsprechenden Ausschnitten da ein gealterter David Beckham, »abgesehen von den paar kurzen Momenten, die wahnsinnig komisch waren. Heute ist es natürlich ein Klassiker!« – »Ich hab es nie gemocht, aber ich hatte auch nichts dagegen, solange der Affe nicht verletzt wurde … oder wenn er verletzt wurde, zumindest hinterher medizinische Betreuung erhielt!« – »Man wußte genau, wie spät es war, wenn die Titelmelodie lief: Hey, ›Rape an Ape‹ kommt, so spät schon! Man fühlte sich geborgen, wenn die Titelmusik lief. Das war die kuscheligste vergewaltigungsbasierte Titelmelodie aller Zeiten.«

»Time Trumpet« über die Veränderung der Medien unter dem Einfluß des user generated contents:

»Time Trumpet« ist nicht auf schnelle Lacher aus; die meisten Szenen hinterlassen beim Zuschauer ein beinah unbehagliches Gefühl – wären viele Ideen (wie der Überfall der Supermarktkette Tesco auf Dänemark 2012) nicht eine Spur zu grotesk, um als kritisch-aufklärerische Satire durchzugehen. Oft ist es Iannuccis melancholische Off-Stimme, die am längsten in Erinnerung bleibt, sein sinnierender Tonfall, der einen im unklaren läßt, wieviel Kritik am Zeitgeist da beabsichtigt ist und wo der reine Nonsens beginnt. Wie ein LSD-Trip oszilliert »Time Trumpet« – die halluzinationsartigen Computeranimationen unterstützen diesen Vergleich – zwischen blühendem Quatsch und tiefer Philosophie, ist dabei aber immer unterhaltsam: Comedy auf Intellektuellen-Niveau. Wer zu sparsam ist, um für nur eine DVD hohe Versandkosten zu bezahlen, möge zusätzlich Iannuccis ebenfalls grenzgeniale »Armando Iannucci Shows« ordern – und staunen, in welche Phantasiewelten einen die Observational Comedy-Mäander Iannuccis tragen können.

Zuerst erschienen in der Humorkritik in TITANIC 5/2009

Julia, who is from Summerset

6. Februar 2009 Keine Kommentare
Aus München schreibt mir der geschätzte Murmel Clausen:
Massenmorde sind nicht unbedingt der naheliegendste Sitcom-Stoff; nimmt sich jedoch Julia Davis des Genres an, hält man bald nichts mehr für unmöglich. In ihrer SitcomNighty Night(produziert von Steve Coogans Firma BabyCow) spielt Davis die monströs egomane Friseuse Jill, deren Ehemann Terry (Kevin Eldon) mit Krebs im Krankenhaus liegt. Überzeugt davon, daß Kevin sterben wird, unternimmt sie alles, um ihr Leben abzusichern: Sie gibt sich als trauernde Witwe aus und versucht, ihrer an MS erkrankten und viel zu gutherzigen Nachbarnin Cathy (Rebecca Front, “I’m Alan Partridge”) den Ehemann (Angus Deayton) auszuspannen. Zusätzlich lernt sie über eine Kontaktbörse den psychisch kranken Glen (Mark Gattis) kennen, den sie zu lieben vorgibt, als er ihr erzählt, daß er sehr reich ist.
Neben den großartigen schauspielerischen Leistungen besticht “Nighty Night” vor allem durch Jills tabulose Perfidität. Julia Davis, das erkennt man schon in der ebenfalls glänzenden Britcom Human Remains, scheint eine Schwäche für durchtriebene weibliche Charaktere zu haben. In sechs Episoden werden dort sechs englische Paare pseudo-dokumentarisch durch ihren Alltag begleitet. Neben Davis (verheiratet übrigens mit dem “Mighty Boosh”-Star Julian Barratt) glänzt dabei Rob Brydon (“Gavin And Stacey”) als Co-Star wie -Autor. Ob als spießige Betreiber eines Bed & Breakfasts, die in ihrem Haus einerseits ein sterbendes Familienmitglied, andererseits einen kleinen, privaten  Swingerclub beherbergen — genaugenommen sogar Wand an Wand –, oder als suburban white trash couple, das ein Kind erwartet und die Hochzeit plant: In keiner Folge sind dem menschlichen Elend Grenzen gesetzt. Die Essenz der Serie ist recht einfach: Frau belügt Mann, Mann belügt sich, Frau belügt sich und Mann belügt Frau. Wer in naher Zukunft heiraten möchte, sollte die Finger von “Human Remains” lassen. Und sich für die gleichen schlappen fünf Pfund was anderes bei Amazon bestellen. Das Marriage Book zum Beispiel.

The talented Mr Allan

10. Januar 2009 2 Kommentare

„Tonight is what I call a JFK kind of a night because, just as everyone can remember what they were doing when President Kennedy was shot in the head, I like to think that thirty years form now, people will remember what they were doing when I first said ‚Ah-haa.’”

Mit diesen leicht irritierenden Worten beginnt Alan Partridge die erste Folge seiner eigenen Fernsehshow „Knowing Me, Knowing You… With Alan Partridge” (BBC 1994) (oder „KMKYWAP”, wie Alan (Steve Coogan) sie selbst gerne nennt), eine klassische Fernseh-Talkshow mit prominenten Gästen, Musik und Showacts. Die Bühne ist „der Lobby eines internationalen Top-Hotels” (Partridge) nachempfunden, hat eine eigene Showband sowie, „for the first time ever on a chat show”, einen Springbrunnen. Und vom ersten Moment, in dem Alan in seinem etwas zu großen, auberginefarbigen Blazer auf die Bühne rennt, pantomimisch eine Pistole zieht und ins Publikum schießt, um anschließend die erste von vielen merkwürdigen Metaphern zu verwenden („As tonight’s motorcade of chat cruises through celebrity city, let’s hope there isn’t a lone sniper waiting to pick off my star guest!”), ahnt der Zuschauer: Hier geht es weniger um die Gäste als um den merkwürdigen Gastgeber, der ohne erkennbaren Grund sehr von sich eingenommen scheint, seinen Gästen gegenüber eine bestenfalls unklare Haltung an den Tag legt, sie schlimmstenfalls aber beleidigt und beschimpft, und der von einer geistigen und emotionalen Armseligkeit ist, die immer wieder zu peinlichen, mitleiderregenden und sehr häufig hochkomischen Momenten führt.

So lädt Alan etwa die britischen Staffelläuferinnen der Berliner Olympiade von 1936 ein, hochbetagte Damen, von deren erstem Treffen nach langer Zeit Alan sich tränentreibende Momente erhofft. Natürlich kann er seine Enttäuschung nicht verbergen, als sich herausstellt, daß das Wiedersehen bereits ein halbes Jahr zuvor bei Alans Konkurrent Dave Lee Travis vom Privatfernsehen stattgefunden hat und die Damen darum lieber ein kleines privates Schwätzchen halten als vor Rührung telegen zu weinen.

Alan: „I don’t believe it. He’s done it again. Did you cry on his show?”

Elsie, Georgina and Ann: „Oh, yes, buckets, didn’t we?”

Alan: „Oh, great.”

Elsie: „Even David cried.”

Im Anschluß bittet Alan, man möge sich vorstellen, es sei 1936 und man sei im Berliner Olympiastadion — „Everyone’s here: Hitler’s in his box; Jesse Owens just waved at him — he doesn’t like that” — und läßt dann die Ladys vor Hakenkreuzkulisse einen Mini-Staffellauf-Parcours absolvieren. Zum Schluß dieser, der dritten Folge, treten dann Hot Pants auf, die Tanztruppe des deutschen Getränkeherstellers Sprünt, für den Alan in der Sendung Schleichwerbung gemacht hat, und Alan setzt sich schonmal halbnackt in den Jacuzzi — nicht wissend, daß Hot Pants vier gut gebaute schwarze Stripper sind, die nach ihrer Showeinlage zu Alan ins Wasser kommen: „Ahh! They’re men! They’re men! And on that bombshell, goodnight, ah-haa! Sprünt! Sprünt!”

Alan Partridge ist Steve Coogans erfolgreichste Figur, und mit „Knowing Me, Knowing You” gelang ihm 1994 der Durchbruch. Er war zuvor (schon mit 24) als Stimme in „Spitting Image” aufgefallen, hatte bereits Radio und Fernsehen gemacht und auch die Figur des scheiternden Moderators Alan Partridge schon für Chris Morris’ Nachrichtenspoof „The Day Today” auf die Mattscheibe gebracht, als es ihm der Erfolg dieser Sitcom ermöglichte, den Grundstein zu seinem eigenen Comedy-Imperium zu legen, das heute eine eigene Produktionsfirma (BabyCow) und eine leidliche Karriere in Hollywood umfaßt. Hinter den Kulissen wirkte der geniale Armando Iannucci als Produzent und Coautor mit, und das Schauspielerteam Rebecca Front, Patrick Marber und David Schneider sollte Coogans Karriere ebenfalls zu beiderseitigem Nutzen begleiten.

Die Figur Partridge tauchte 1997 und 2002 in „I’m Alan Partridge” wieder auf, als seine (fiktionale) Karriere bereits steil nach unten geführt hatte und Partridge Radiomoderator in der englischen Provinz war. Noch immer gibt es Gerüchte um einen geplanten Kinofilm mit Alan Partridge: Die Figur ist laut Coogan jedenfalls nicht tot — wenn es ihm einfiele, packe er sie wieder aus und reanimiere sie. Bis dahin wird man sich „KMKYWAP” inklusive des Weihnachts-Specials „Knowing Me, Knowing Yule”, in dessen Verlauf Alan live von seinem Arbeitgeber gefeuert wird, immer wieder ansehen und vor Peinlichkeitslachen auf dem Sofa kringeln müssen (auf DVD erhältlich).