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Guter böser Laurie

29. März 2016 3 Kommentare

Abermals hat das britische Fernsehen (diesmal in Zusammenarbeit mit dem us-amerikanischen) eine Serie hervorgebracht, die so gut ist, dass man ihr keine zweite Staffel wünscht: „The Night Manager“ (BBC1/AMC; seit gestern in Deutschland via Amazon Prime zu sehen), die aktualisierte Verfilmung eines John-le-Carré-Thrillers um den erfolgreichen, charismatischen und höchst kriminellen Waffenhändler Richard Roper (Hugh Laurie) und den Nachtportier eines Kairoer Hotels und ehemaligen britischen Soldaten Jonathan Pine (Tom Hiddleston), der in den Wirrungen des arabischen Frühlings zufällig an ein Dokument gerät, das die Machenschaften Ropers aufdeckt. Woraufhin Pine in Zusammenarbeit mit Angela Burr (Olivia Colman), der Leiterin einer MI6-Unterabteilung, sich in die Kreise Ropers einschleicht — gefährlich, weil weite Teile des MI6 selbst in die Waffenschiebereien verwickelt sind, und verführerisch, weil nicht nur der Charme Ropers, sondern auch dessen Luxusleben ihre Wirkung auf Pine nicht verfehlen. Wird also Pine, von Roper zu seinem persönlichen Assistenten gemacht, die Seiten wechseln? Oder einen dummen Fehler begehen und sich in die Geliebte seines Chefs, Jed (Elizabeth Debicki), verlieben?

„The Night Manager“, eine sechsteilige Miniserie, sieht gut aus, denn offenbar ist viel Geld schon allein in die Drehs in aller Welt geflossen, und es macht Spaß, denn von Regie (die die Dänin Susanne Bier übernommen hat, die bislang vorwiegend für’s Kino gedreht hat) und Buch bis hin zu dem exzellenten Cast stimmt hier alles: Laurie genießt es sichtbar, einen Bösewicht zu spielen, der geistreich, jugendlich, sympathisch und attraktiv sein kann, Colman darf einmal mehr die (hier auch noch schwangere) Frau spielen, die als Polizistin/Agentin von allen unterschätzt wird wie schon in „Broadchurch“, und nicht zuletzt Tom Hollander als Ropers rechte Hand Lance Corkoran ist es gestattet, funkelnd bösartige Facetten zu zeigen, die man nach „Rev.“ (BBC2, 2010 – 14) nie an ihm vermutet hätte.

Einziger Wermutstropfen: „The Night Manager“ war so erfolgreich, dass eine zweite Staffel schon ausgemacht ist — und erzählt doch eine so abgeschlossene Geschichte, dass es schwer fällt sich vorzustellen, wie eine zweite Staffel da noch mithalten soll. Ein Problem, das immer mehr gute Fernsehserien haben: das oben schon erwähnte „Broadchurch“ etwa, das einen (sehr) abgeschlossenen Kriminalfall erzählte — und sich in der zweiten Staffel darauf verlegte, chronologisch weiter zu erzählen, nämlich die Gerichtsverhandlung des überführten Mörders und alles, was sich aus ihr für die kleine namensgebende Gemeinde ergibt, in der er stattfindet.

Das fand ich damals recht brilliant; im Nachhinein muss man aber einräumen, dass die Serie an die Qualität der ersten Staffel damit nicht mehr anschließen konnte, die tatsächlich enorm spannend war — ein dramaturgisches Element, das in der zweiten Staffel zwangsläufig (oder jedenfalls in der Dosierung der ersten) fehlte.

„Happy Valley“ (BBC1 seit 2014) hingegen, von dem ebenfalls kürzlich die zweite Staffel lief, obwohl ich es nach der sensationellen ersten hätte gut sein lassen, hat den Spagat geschafft und abermals einen Kriminalfall geschildert, ebenfalls in einer eher überschaubaren Stadt, der für die alternde Polizistin Catherine Cawood (Sarah Lancashire) wiederum mit höchst persönlichen Elementen verkompliziert wird, ohne dass das in der Wiederholung dieser sehr speziellen Umstände unangenehm aufgefallen wäre. Autorin Sally Wainwright, die ich schon nach der ersten Folge der ersten Staffel „Happy Valley“ für ihr Können bewundern musste, ist es gelungen, dieses Rezept zu variieren, so dass es sowohl der ersten Staffel treu bleiben als auch genügend Neues bieten konnte, ohne als Selbstplagiat oder zu weit vom Original entfernt empfunden zu werden.

Und, gna gna, natürlich hängt auch hier das Damoklesschwert einer weiteren Staffel abermals über der Serie — kann man diesen Zaubertrick denn nun ein drittes Mal …?

Für „The Night Manager“ könnte dieser Trick besonders tricky werden, denn wenn ich das richtig sehe hat le Carré keinen weiteren Jonathan-Pine-Roman geschrieben, so dass es hier nicht nur den Grundgedanken der ersten Staffel, sondern auch noch den Geist des Originalautors zu bewahren gilt. Das hat, trotz einiger mittelgroßen Eingriffe in das Buch, in der ersten Staffel gut funktioniert, weil le Carré selbst als kreativer Berater der Produktion zur Seite stand.

Vielleicht fühlt sich le Carré ja so geschmeichelt, dass er auch bei der zweiten Staffel „The Night Manager“ selbst mit Hand anlegt. Und wenn sie es dann noch schaffen, auch den fabelhaften Hugh Laurie wieder mitspielen zu lassen … toi, toi, toi.

Yes, Ambassadors

8. November 2013 5 Kommentare

Es ist ein bisschen schade, dass sich James Wood und Rupert Walters entschlossen haben, die drei Stunden Serienzeit für „Ambassadors“ (BBC2, gerade zu Ende gegangen) auf dreimal eine Stunde zu verteilen, statt auf die üblichen sechs halben Stunden. Denn wäre „Ambassadors“ eine „richtige“ Serie geworden statt einer Miniserie, die nach drei Folgen gerade erst Fahrt aufgenommen zu haben schien, dann hätte sie das Zeug gehabt, 2013 neben „The Wrong Mans“ ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. So muss sich das ComedyDrama mit David Mitchell und Robert Webb in den Hauptrollen mit einem zweiten Platz begnügen.

„Ambassadors“ ist die Geschichte des britischen Botschafters Keith Davis (Mitchell) im fiktionalen Tazbekistan (hat nichts mit der alternativen Tageszeitung zu tun, auch wenn hier wie dort vermutlich ähnliche Löhne gezahlt werden). Tazbekistan ist eines der ex-sowjetischen Länder mit -stan am Schluss, wo Erdöl und Bestechungsgelder sprudeln, Menschenrechte keine entscheidende Rolle spielen und wo noch lukrative Rüstungsdeals abzuschließen sind. Keith und seine leidensgeprüfte Ehefrau Jennifer (Keeley Hawes, die Stimme von Lara Croft in den „Tomb Raider“-Spielen) sind neu in Tazbekistan, und Keith hat noch etwas vor mit seiner Karriere (obwohl er oft eher zögerlich handelt, wohl wissend, dass ein einziger Fehler alles ruinieren kann). Unterstützt wird er vom erfahrenen Deputy Head of Mission Neil Tilly (Webb), einem idealistischen Zyniker, der die alltäglichen Abläufe in der Botschaft managed. Dort wiederum finden wir einen Mitarbeiterstab aus Briten und Tazbeken, miteinander verbandelt in amourösen wie kritischen Beziehungen gleichermaßen, und tazbekische Geheimdienstler, die die Botschaft rund um die Uhr abhören.

Ein realistisches Setting also, ähnlich dem von „Yes, Minister“ bzw. „Yes, Prime Minister“ (BBC2, 1980 – 88), einer der klassischen politisch-satirischen Britcoms (die heute aber kaum noch erträglich ist, wenn man nicht sowohl eine große Zuneigung zu kostengünstigen Serien der Achtziger hat als auch ein profundes Wissen englischer Politik). Webb erklärt denn auch, „Ambassadors“ sei

sort of „Yes, Prime Minister“ meets „Spooks“ at a bad disco and „Yes, Prime Minister“ is a bit sick on „Spooks“, but „Spooks“ doesn’t mind. It’s like that.

Entsprechend sind auch die Geschichten im Grunde recht glaubhaft: Wenn etwa Keith alles daran setzt, den Tazbeken britische Militärhubschrauber zu verkaufen (bevor der französische Botschafter einen ähnlichen Deal machen könnte), ihm aber ein arroganter, wichtigtuerischer Menschenrechtsaktivist dazwischenkommt, den es vor dem Gefängnis (und schlimmerem) zu bewahren gilt — womöglich allerdings auf Kosten des Deals. Eine schwierige Entscheidung, zumal der Aktivist wirklich sehr arrogant ist…

„Ambassadors“ ist, und das macht mir die Serie so sympathisch, dabei eher auf der politisch korrekten Seite. Natürlich werden die Tazbeken als Klischee-Russen aus der Provinz gezeichnet, die gerne Wodka trinken und ungenießbare schwere Essen servieren, deren Weiber in geschmacklosen Flittchenklamotten herumlaufen (sehr gut: die Präsidententochter, die Sängerin, Politikerin, Charity-Lady und Sexobjekt in einem ist) und deren Militärpolizei genauso skrupellos ist wie die oppositionellen Drogenbarone (oder sind es drogendealende Oppositionelle?). Und mit am lustigsten sind die Szenen, in denen Keith die (ausgedachte, aber ebenfalls glaubwürdig klingende) tazbekische Sprache mit typischen Beispielsätzen übt: „Das Minenfeld ist neben der Schule.“ — „Ich habe neun Finger. Du hast zehn Finger.“

Aber das Gros der Scherze geht auf britische Kosten. In der ersten Folge etwa wird uns nicht nur das Leben der Tazbeken als Witzvorlage gereicht, sondern vor allem das der Briten im Ausland: viel schlimmer/lustiger als alle Klischeerussen ist das „Best of British“-Festival der Engländer, die nicht mehr auf die Füße zu stellen in der Lage sind als eine Mittelaltertruppe aus Gloucestershire, eine Vorführung, wie man Pork Pie macht, und einen gockelhaften Schauspieler, der eine Ein-Mann-Version von „Frankenstein“ vorführt.

Und da wäre noch die Frage, wo eigentlich Keiths Vorgänger geblieben ist…

JENNIFER
Does anyone know what actually happened to Keith’s predecessor?

NEIL
Someone from the Cabinet Office thought they saw him recently in Phuket — working in a transvestite hammam. But technically he’s just missing.

JENNIFER
(Pause) What was someone from the Cabinet Office doing in…?

„Ambassadors“ profitiert natürlich enorm von der Chemie zwischen Mitchell und Webb. Besonders Robert Webb ist in seiner Rolle als Assistent Neil glaubwürdig, der einerseits immer auf Seiten der Moral ist (und etwa den Aktivisten gegen die Rüstungspläne Keiths raushauen möchte), andererseits von den Tazbeken erpresst wird (und ihnen die Privat-Telefonnummern englischer B-Promis verraten muss): Ein schön vielschichtiger Charakter.

Gegen die fein gezeichneten Botschafter dürfen die Gaststars dann entsprechend etwas gröber geschnitzt sein. Tom Hollander („Rev.“) gibt in der zweiten Folge einen englischen Aristokraten von eher niederem Adel, Prince Mark, dessen IQ kaum über seiner Bedeutung für die königliche Familie liegt und dessen Vorliebe für asiatische Frauen, Alkohol und Four Season-Hotels prompt zu diplomatischen Spannungen führt. Hollander spielt Mitchell und Webb in dieser Folge beinahe an die Wand: denn er darf so überspannt sein, wie Mitchell und Webb zurückhaltend sein müssen. Man fragt sich unwillkürlich, wer wohl das Vorbild war für diesen überdrüssigen royalen Kindskopf, der mit Steinen nach Pfauen wirft, wie man in diesem Ausschnitt sehen kann:

„Ambassadors“ ist keine schnelle und laute Serie, sondern setzt eher auf sophistication. Wer Witze von „Borat“-Kaliber erwartet, ist hier falsch. Sie ist eher langsam und verkneift sich hin und wieder Scherze, die man sich vielleicht gewünscht hätte, Scherze der etwas derberen und drastischeren Art. Dafür glaubt man ihren Figuren und dem Look der Serie, die zu weiten Teilen in Bursa in der Türkei gedreht wurde, wo es sehr realistisch nach Tazbekistan aussieht.

Mitchell und Webb sind, wenn man das von Comedians um die vierzig sagen kann, erwachsen geworden, und ich bin gespannt, ob sie in ihren Rollen in „Peep Show“ (Cannel 4, seit 2003) noch glaubwürdig sein können. Deren nächste, die neunte Staffel (!) ist für 2014 angekündigt, und Channel 4 hat schon bekannt gegeben, dass es die letzte sein wird.

Dafür gibt es hoffentlich ein Wiedersehen mit den „Ambassadors“. Gerne eines, das länger dauert als drei Folgen.

Ali G. back in da House

14. Dezember 2012 3 Kommentare

Die British Comedy Awards 2012 haben mich doch ein wenig überrascht: „Hunderby“ (Sky 1), die Period-Drama-Sitcom (falls man das so sagen kann) von und mit Julia Davis, hat in den Kategorien Beste Sitcom und Beste neue Comedy abgeräumt — und ich habe davon nur die erste Folge gesehen, weil ich weder auf die allzu finsteren Sachen von Julia Davis stehe (wie etwa „Nighty Night“) noch auf historische Serien (wenn man von „Downton Abbey“ absieht). Die Briten allerdings lieben diese Kostümschinken.

Trotzdem hätte ich „Hunderby“ jetzt nicht als Gewinner des Abends auf dem Zettel gehabt, schon weil es auf dem Bezahlkanal Sky 1 von keiner breiten Öffentlichkeit gesehen worden sein kann, und weil derzeit ja doch eher warme, familienkompatible Comedy die Oberhand hat. Dass „Moone Boy“ (Sky 1) als beste Sitcom nicht mal nominiert war, dafür aber die zweite Staffel des eher biederen „Rev.“ (BBC2), hat mich schon irritiert, dito dass „Hunderby“ gegen „Moone Boy“ und „Alan Partridge: Welcome To The Places in My Life“ als beste neue Comedyshow gewonnen hat.

„The Thick of It“ hat ebenfalls gewonnen: Peter Capaldi und Rebecca Front sind als Best Comedy Actor respektive Actress ausgezeichnet worden; das wiederum kann ich verstehen.

Dann aber wieder etliche mir rätselhafte Entscheidungen: Jack Whitehall als 2012 King of Comedy? Really? Whithall ist zwar sehr gut in „Fresh Meat“ (Channel 4) als snobistischer JP, aber sowohl seine eigene Show „Bad Education“ (BBC3) als auch sein Stand Up sind allenfalls medioker.

Auch „Cardinal Burns“ (E4), ausgezeichnet als Best Sketch Show, fand ich schwächer als die Konkurrenten in dieser Kategorie, „Very Important People“ (Channel 4) und „Horrible Histories“ (CBBC/BBC). Letztere hat in den vergangenen Jahren abgeräumt, womöglich wollte die Jury dieses Jahr nicht noch einmal alle regulären Sketch Shows demütigen, indem man eine Kinderserie gewinnen lässt.

Hier finden sich alle Gewinner des Jahres; und nachstehend ist die Dankesrede von Sacha Baron Cohen, nein: von Ali G., der stellvertretend für Baron Cohen den Outstanding Achievement Award entgegennimmt und dafür zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder eine Bühne betritt. Zehn Jahre! Ich werde wohl alt. Ali G. dagegen nicht: seine Rede ist sehr, sehr lustig. Respect!

Jahresendabstimmung

29. November 2011 12 Kommentare

Wie schon im letzten Jahr laufen auch heuer wieder etliche Serien gerade erst wenige Folgen lang („Life’s Too Short“, „The Café“); trotzdem schon jetzt der Poll: Welche haltet Ihr für die beste Britcom des Jahres? Ich habe abermals auf Sketchshows und ComedyDramas verzichtet (und überlege noch, ob ich letztere mal gesondert zur Abstimmung stelle) — Ausnahmen: „Benidorm“, das immerhin mal als Sitcom angefangen hat, und „Fresh Meat“, das eine sein will, auch wenn jede Folge eigentlich ComedyDrama-Format hat (45 Minuten) und die Serie zuletzt auch kaum noch laute Lacher verbuchen konnte. Außerdem ist die Liste nicht vollständig („Phoneshop“); wer eine Sitcom allzu schmerzlich vermißt, möge das in die Kommentare schreiben, dann werde ich sie nachtragen und damit die Abstimmungsergebnisse vollkommen verzerren.

Jeder hat drei Stimmen, zu gewinnen gibt es schon wieder nichts. Go on, go on, go on, go on, go on!

UPDATE 6.12.: Der Poll ist geschlossen, und ich bin abermals mit dem Geschmacksurteil meiner Leser recht zufrieden. Daß mit „Episodes“ und „Life’s Too Short“ die zwei größten, über dieses Blog hinaus breit diskutierten Sitcoms ganz oben landen würden, war abzusehen und ist auch völlig richtig so; daß aber „Fresh Meat“ und „Friday Night Dinner“ es ebenfalls so hoch in die Charts schaffen würden (und noch vor „Ideal“ und „Lead Balloon“), freut mich (auch wenn natürlich die Möglichkeit nicht auszuschließen ist, daß besonders große Fans mehrfach für ihre Lieblingsserie abgestimmt haben).

Beste Britcom 2011

  • Episodes (18%, 29 Votes)
  • Fresh Meat (13%, 21 Votes)
  • Life's Too Short (13%, 20 Votes)
  • Friday Night Dinner (13%, 20 Votes)
  • Lead Balloon (Series 4) (10%, 16 Votes)
  • Ideal (Series 7) (6%, 10 Votes)
  • Campus (5%, 8 Votes)
  • Twenty Twelve (4%, 7 Votes)
  • Outnumbered (Series 4) (4%, 6 Votes)
  • Rev (Series 2) (4%, 6 Votes)
  • The Café (3%, 4 Votes)
  • Benidorm (Series 4) (2%, 3 Votes)
  • Mongrels (Series 2) (2%, 3 Votes)
  • Trollied (1%, 2 Votes)
  • White Van Man (1%, 2 Votes)
  • Him & Her (Series 2) (1%, 1 Votes)
  • Mount Pleasant (0%, 0 Votes)

Total Voters: 77

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Manic Monday (2)

22. November 2011 1 Kommentar

Die vorweihnachtliche DVD-Springflut geht weiter! Gestern neu erschienen sind unter anderem…

„Come Fly with Me“ (BBC1, 2010), die Flughafen-Mockumentary von den „Little Britain“-Machern Matt Lucas und David Walliams. Die beiden wechseln fast im Sekundentakt von Frauen- zu Farbigen- zu Schwulenkostüm, als wäre die Alternative Comedy nie passiert. Die beiden Comedy-Superstars werden allmählich zu den Harald und Eddies Großbritanniens — nur nicht so lustig. Tatsächlich setzte es herbe Kritik an „Come Fly With Me“, der Daily Express nannte die Serie sogar „die schlechteste Sketchshow bzw. Sitcom, die je an Weihnachten ausgestrahlt wurde“; die Einschaltquoten allerdings spiegelten das nicht wider. Lucas und Walliams haben ein treues (vermutlich eher junges) Publikum, und wem der low brow-Humor von „Little Britain“ gefällt, für den ist vielleicht auch „Come Fly With Me“ was, auch wenn letzteres nicht ganz so auf die zwölf geht wie ersteres. Die zweite Staffel dürfte noch in diesem Jahr anlaufen.

„Frankie Boyle’s Tramadol Nights“ (Channel 4, 2010), die böse Sketch/Stand Up-Show des schottischen Comedians Frankie Boyle. Man könnte es für Berechnung halten, wie hier auf Skandale geschielt wurde: Sketche über die heilende Kraft von Vergewaltigungen, „Sesamstraßen“-Parodien mit dem sexbesessenen „Pussy Monster“, „Knight Rider“-Spoofs mit jeder Menge Drogen, ach ja, und natürlich der im United Kingdom mittlerweile notorische Gag über den schwerbehinderten kleinen Sohn von Katie Price und Peter Andre: „Jordan and Peter Andre are still fighting each other over custody of Harvey — eventually one of them will lose and have to keep him.“ — Boyle „has been given enough rope to hang himself“, setzte es prompt vom Guardian was, verdientermaßen. Wenn schon so ätzende Scherze, dann bitte auf Kosten der richtigen Leute — wie es geht, zeigt Stewart Lee. Und nicht so quälend lange, ermüdend unlustige Sketche wie der enorm verspätete über „Knight Rider“.

Weitere neue Stand Up-DVDs: Jimmy Carr (Lesern dieses Blogs womöglich bekannt aus „10 O’Clock Live“) ist „Being Funny“, John Cleese versucht, seine Scheidung mit dem Erlös der „Alimony Tour 2011“ zu bezahlen, Gummigesicht Lee Evans betätigt sich als „Roadrunner – Live At The O2“ und Russell Brand treibt sein flamboyantes Unwesen „In New York City“. Ich habe nichts davon gesehen.

Dafür aber „Outnumbered“ (BBC1, seit 2007), deren vierte Staffel (plus Box-Set mit allen Serien und dem Special) ebenfalls gerade erschienen ist. Zwar hat mich die letzte Season nicht so überzeugt wie die ersten drei, weil die Kinder der Familie Brockman mittlerweile aus ihren ursprünglichen Rollen herausgewachsen sind und die Autoren damit zu kämpfen scheinen, aber wenn man bereit ist, mit dieser Schwäche zu leben, bleibt die Serie kurzweilig genug, um sie weiterzugucken: herzerwärmende Unterhaltung für die ganze Familie.

Ebenfalls warm, aber sehr still: Die erste Staffel „Rev.“ (BBC2, 2010). Tom Hollander als müder, aber gutwilliger protestantischer Priester einer kleinen Innenstadtgemeinde in London hat mit seinem Alltag, seinem Glauben und seiner Frau (Olivia Colman) zu kämpfen. Die Serie mit einem minimalen bis nicht vorhandenem Budget und Drehbüchern, in denen oft Schmunzler sind, wo laute Lacher besser wären. Trotzdem macht „Rev.“ es einem leicht, die Show mögen zu wollen — Hollander als Adam Smallbone ist sympathisch genug, daß ich mit die zweite Staffel, die derzeit läuft, ebenfalls weggucke. Allerdings war nach einer guten ersten Folge (mit einem Gastauftritt von Hugh Bonneville), die mich schon auf grundlegende Verbesserungen in der ganzen zweiten Season hoffen ließ, schon die zweite wieder so unnötig friedhofsruhig, obwohl der Plot deutlich mehr hergegeben hätte (eine junge, dynamische Priesterin bringt Adams Pfarrei auf Vordermann und macht ihm in seiner eigenen Gemeinde Konkurrenz), daß ich nicht genau weiß, was ich davon halten soll. Ich glaube, ich schiebe alles auf die BBC, die derzeit ihre Comedyprogramme offenbar gezielt kaputtsparen möchte.

Die Bafta-Gewinner 2011

24. Mai 2011 3 Kommentare

Ausgerechnet BBC2 hat in der Sparte Comedy bei den Baftas dieses Jahr abgeräumt (Best Comedy und Best Sitcom). Ausgerechnet, weil gerade BBC2 so unter finanziellem Druck steht, daß fortsetzungswürdige Serien nicht verlängern werden können, weil die Relation von guten Comedyideen und Einnahmen aus Fernsehgebühren, mit denen man zweite und dritte Staffeln bezahlen könnte, nicht stimmt. Was besonders bedauerlich ist, wenn man die insgesamt eher karge Comedylandschaft in den Blick nimmt.

Entgegen meiner Voraussage von Ende April nicht gewonnen hat Miranda Hart, dafür aber in der Kategorie Female Performance In A Comedy Programme:

„Getting On“ (Regie: Peter „Malcolm Tucker“ Capaldi) hat gerade die Zusage für eine dritte Staffel bekommen, and rightly so.

In der Kategorie Male Performance In A Comedy Programme hat gewonnen:

  • James Buckley, “The Inbetweeners” (E4)
  • Steve Coogan, “The Trip” (BBC2)
  • Tom Hollander, “Rev.” (BBC2)
  • David Mitchell, “Peep Show” (Channel 4)

Da gibt es wenig zu kommentieren; an Steve Coogan kommt keiner ran.

In der Kategorie Comedy Programme hat gewonnen:

  • “Catherine Tate’s Little Cracker” (Sky1)
  • “Come Fly With Me” (BBC1)
  • “Facejacker” (E4)
  • “Harry and Paul” (BBC2)

und in der Kategorie Situation Comedy:

  • “Mrs Brown’s Boys” (BBC1)
  • “Peep Show” (Channel 4)
  • “Rev.” (BBC2)
  • “The Trip” (BBC2)

Auch bei Harry Enfields und Paul Whitehouse‘ Sketchshow „Harry and Paul“ würde ich vermuten, es war der Kultstatus der beiden alten Comedy-Hasen, der ihnen hier den Bafta beschert hat, ihre Sketche können nämlich zumindest mich nicht überzeugen, obwohl ich die „Fast Show“ immer noch zu den größten Sketchshows ever zählen würde. „Rev“ dagegen hat sich den Bafta redlich verdient, ist diese sympathische kleine Sitcom doch bislang bei Preisvergaben stets hinten runtergefallen.

Weiterhin abgeräumt hat auch „Sherlock“ (BBC1): Zwar hat sich Benedict Cumberbatch als Leading Actor Daniel Rigby geschlagen geben müssen, der für „Eric and Ernie“ einen Bafta erhalten hat, die Verfilmung der Geschichte des Comedyduos Morecambe und Wise durch Victoria Wood (BBC2). Aber Martin Freeman hat in der Kategorie Supporting Actor gewonnen, und der Best Drama Series-Bafta ist ebenfalls an den Dreiteiler von Mark Gatiss („The Leage of Gentlemen“) und Steven Moffat („Coupling“, „Doctor Who“) gegangen.

„Misfits“ (E4) dagegen ist bis auf einen Bafta für Lauren Socha (Supporting Actress) enttäuschend leer ausgegangen — kein Bafta für Robert Sheenan (Supporting Actor), kein Bafta für Drama Series, kein Bafta für New Media (den hat dafür „Wallace and Gromit’s World of Invention“ gekriegt).

Der Bafta Special Award schließlich ist dieses Jahr Peter Bennett Jones zugesprochen worden, dem Chef der Produktionsfirma Tiger Aspect, aus deren Hause Erfolgsserien wie „Benidorm“, „Mr. Bean“ und „The Vicar of Dibley“ stammen. Außerdem ist Bennett Jones Mitbegründer der Charity-Initiative Comic Relief („Red Nose Day“), die über die Jahre Millionenbeträge zusammengetragen hat.