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Artikel Tagged ‘Episodes’

Jahresendabstimmung

3. Dezember 2012 9 Kommentare

Gleich 24 25 Britcoms stehen dieses Jahr zur Auswahl bei der Jahresendabstimmung: Rekord! (Auch wenn diese Abstimmung erst zwei Mal stattgefunden hat…) Auch dieses Jahr sind mir bestimmt einzelne Serien entgangen, dann bitte ich um Hinweis, dafür habe ich etwa „A Touch of Cloth“ aufgenommen, obwohl das mit zwei Teilen á 45 Minuten nicht wirklich eine Sitcom ist. Gleiches gilt für „Dirk Gently“, das ebenfalls nicht als lupenreine Sitcom gezählt werden kann. Was soll’s. Sketch-Shows und ComedyDramas allerdings fehlen sonst; ähm, na ja, wenn man von „Fresh Meat“ absieht, das angeblich ein ComedyDrama ist, in Wirklichkeit aber eine Sitcom mit etwas längeren Folgen als üblich.

Nun denn: Abermals hat jeder drei Stimmen, die gleich gewichtet werden, und abermals bin ich gespannt, welche Show das Rennen machen wird.

UPDATE (9.12., 16.45 Uhr) Öhm… ich hätte es rechnerisch merken können, dass bei über 100 Leuten, die abgestimmt haben, insgesamt ca. 300 Stimmen gezählt hätten werden müssen statt nur etwa 160, weil ja jeder angeblich, wie ich schrieb, drei Stimmen hatte. Hatte er aber nicht, weil nach der letzten Poll-Änderung (der Aufnahme von „Grandma’s House“) sich die maximale Anzahl erlaubter Stimmen wieder auf die standardmäßge 1 zurückgesetzt hat. Ist aber offenbar niemandem aufgefallen, bzw. niemand wollte darauf hinweisen. Jetzt steht sie wirklich bei drei, aber jetzt ist die Woche auch bald rum…

Beste Britcom 2012

  • Moone Boy (18%, 51 Votes)
  • The Thick of It (Series 4) (12%, 33 Votes)
  • Episodes (Series 2) (11%, 32 Votes)
  • Peep Show (Series 8) (9%, 26 Votes)
  • Dirk Gently (8%, 21 Votes)
  • Fresh Meat (Series 2) (6%, 16 Votes)
  • Cuckoo (5%, 14 Votes)
  • Friday Night Dinner (Series 2) (5%, 13 Votes)
  • Spy (Series 2) (4%, 12 Votes)
  • Grandma's House (3%, 9 Votes)
  • Parents (3%, 9 Votes)
  • Bad Education (3%, 7 Votes)
  • Getting On (Series 3) (2%, 6 Votes)
  • Twenty Twelve (Series 2) (2%, 5 Votes)
  • A Touch Of Cloth (2%, 5 Votes)
  • Him & Her (Series 3) (1%, 4 Votes)
  • Hunderby (1%, 3 Votes)
  • Life's Too Short (1%, 3 Votes)
  • Me & Mrs Jones (1%, 3 Votes)
  • Pramface (1%, 3 Votes)
  • Citizen Khan (1%, 3 Votes)
  • Gates (1%, 2 Votes)
  • Hebburn (0%, 0 Votes)
  • Some Girls (0%, 0 Votes)
  • Walking And Talking (0%, 0 Votes)

Total Voters: 173

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Familienpest

28. November 2012 Keine Kommentare

Hier das Humorkritik-Spezial aus der aktuellen Titanic mit allen Kaufempfehlungen für’s Weihnachtsfest. Von einer mal abgesehen: Ich würde außer den Sitcoms natürlich jederzeit und dringlichst zu Stewart Lees neuer Stand Up-DVD „Carpet Remnant World“ raten. Ich habe das Programm im Januar in London gesehen, und es ist wieder mal sehr gut — sollte mich wundern, wenn die DVD schlechter wäre.

Es ist trüb und kalt geworden draußen vor der Tür, und das ist nicht nur der wirtschaftlichen Gesamtlage geschuldet, aber auch. Und so wie in Großbritannien das Wetter traditionell noch ein bißchen schlechter ist als hierzulande, so verhält es sich auch mit der Konjunktur: Sie ist auch auf der lustigen Insel nur noch mit viel Alkohol und einer stiff upper lip zu ertragen. Was sich durchaus in der Comedyproduktion niederschlägt.

Tatsächlich haben etliche britische Sitcoms des vergangenen Jahres die Wirtschaftskrise direkt oder indirekt thematisiert: in „The Café“ (Sky1) etwa arbeiten Großmutter, Mutter und Tochter in ihrem kleinen Promenaden-Kaffeehaus am Strand von Weston-super-Mare — bzw. arbeiten eben die meiste Zeit eher nicht, weil kaum noch Gäste kommen. Die jüngste Tochter des Café-Klans ist gerade aus London in ihre kleinstädtische Heimat zurückgekehrt, weil es als Kinderbuchautorin doch nicht geklappt hat, und genau dieses Motiv (hier bearbeitet von Craig Cash und Ralf Little, die schon mit „Royle Family“ Maßstäbe gesetzt haben) findet sich dieses Jahr in verblüffend vielen Sitcoms: die Rückkehr der Boomerang-Generation in ihr Elternhaus.

In „Parents“ (Sky1) ist es eine ganze Familie, nämlich Jenny (Sally Phillips), Nick und ihre Teenager-Kinder, die bei den Großeltern einziehen (müssen), nachdem sie ihren Job verloren hat und seine Geschäftsidee (ein Energydrink für Topmanager) nicht so richtig funktioniert, und in „Cuckoo“ (BBC3) ist es die gerade volljährige Tochter, die nach einem Gap Year aus Thailand zurückkommt — und ihren frisch angetrauten us-amerikanischen Hippiegatten Cuckoo (Andy Samberg, in den USA ein „Saturday Night Live“-Star) gleich mit einziehen lässt.

Der „IT Crowd“-Veteran Chris O’Dowd schließlich verlegt die Krise in seiner ersten eigenen Sitcom gleich dahin, wo sie historisch vertraut ist: ins Irland der späten Achtzigerjahre, wo der „Moone Boy“ (Sky1) Martin, 11, seine Kindheit mit zahllosen Geschwistern verbringt – und mit seinem unsichtbaren Freund (O’Dowd). Der gibt nicht immer kluge Ratschläge, steht Martin aber jederzeit für lange Gespräche zur Verfügung, ganz wie Martins gleichalten Nachbarskindern deren unsichtbare Freunde (u.a. Johnny Vegas als Wrestler). Eine brillante Idee, schön umgesetzt von O’Dowd als Autor, der eigenen Angaben zufolge etliche autobiographische Details verarbeitet hat, und Regisseur Declan Lowney, der mit „Father Ted“ (Channel 4, 1995 – ’98) schon eine unsterbliche irisch-britische Sitcom in seinem Lebenslauf stehen hat. „Moone Boy“, mitproduziert von Steve Coogans Firma Baby Cow (Coogan hat auch einen Gastauftritt) ist herzlich warm und trotzdem höchst komisch — und hat in diesem Text die dringlichste Kaufempfehlung.

Fällt Ihnen eigentlich etwas auf? In der Tat: drei von vier Top-Sitcoms des Jahres 2012 stammen nicht von der BBC, sondern von Sky1. Tatsächlich mausert sich Rupert Murdochs Bezahlkanal in Großbritannien gerade zum Comedylieferant Nummer eins. Das dürfte vor allem auf Lucy Lumsden zurückzuführen sein, die den bis dahin praktisch gesichtslosen Sender als Head of Comedy direkt an die Spitze katapultiert hat. Lumsden war über zehn Jahre Programmchefin der BBC-Comedy, und sie hat es geschafft, überraschend viele überraschend prominente Comedians mitzunehmen, obwohl sie bei diesem bislang doch eher unsympathischen Sender nur noch von einer eingeschränkten Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Zu diesen Stars gehört auch Ruth Jones, Nebendarstellerin und Coautorin der BBC3-Erfolgssitcom „Gavin & Stacey“ (2007 – ’10). Jones hat mit „Stella“ (Sky1) das wohl beste ComedyDrama des Jahres lanciert: eine abermals von Wirschaftsdepressionen und Familienglück geprägte walisische Serie rund um eine alleinerziehende Mutter (Jones), deren Sohn (zu Beginn der Serie) im Gefängnis sitzt, deren Ex sich eine superprollige neue Flamme angelacht hat und deren beste Freundin und Schwägerin, Bestattungsunternehmerin Paula, stets ihre Blutalkoholwerte messen muß, bevor sie sich hinter das Steuer ihres Leichenwagens setzen kann. Wie „The Café“ und „Moone Boy“ zeichnet auch „Stella“ der realistische Stil und die genaue Charakterzeichnung aus; wie alle genannten Serien ist auch diese (für ComedyDramas ist das ohnehin die Regel) mit nur einer Kamera und ohne Livepublikum (also ohne Lacher) gedreht.

Daß kaum noch altmodische Multikamera-Sitcoms gedreht werden, ist fast ein bißchen schade: bei „Me And Mrs Jones“ (BBC1) hätten die Produzenten sonst vielleicht gleich gemerkt, daß die Gags längst nicht so gut sind, wie die Autoren vielleicht dachten. Diese britische Cougar-Variation spielt abermals mit einem Generationenkonflikt: die eigentlich fantastische Sarah Alexander („Coupling“, „Green Wing“) als alleinerziehende Mutter (ja, noch eine alleinerziehende Mutter) und der beste Freund ihres zwanzigjährigen Sohnes, Billy (der ebenso brillante Robert Sheehan, „Misfits“), machen das Leben vieler Menschen unnötig kompliziert, weil sie sich zueinander hingezogen fühlen. Tatsächlich aber glaubt man als Zuschauer keine Sekunde an diese Konstellation, schon weil Alexander tatsächlich alt genug sein könnte, um einen Sohn von 20 Jahren zu haben, aber viel jünger aussieht. Und so gibt es zwar einige hübsche Pointen (daß an der Schule etwa von einem alleinerziehenden Mann als „DILF“ die Rede ist), aber die Figurenzeichnung ist doch eher schwach. Und das, obwohl Autorinnen wie Produzentinnen (ja, eine rein weibliche Serie) es von „Smack The Pony“ und „Green Wing“ her noch besser wissen und können müßten.

Besser wissen und können müßte es auch Ricky Gervais: dessen Zwergen-Sitcom „Life’s Too Short“ (BBC2) mit Warwick Davis bemüht nicht nur abermals den mittlerweile wirklich antiquierten Mockumentary-Stil, sondern auch all die alten Peinlichkeits-Witze, die zwar hin und wieder noch funktionieren, meistens aber genauso flach fallen wie der kleinwüchsige Davis, wenn er aus seinem SUV steigt.

Wenn schon vorlaute Zwerge, dann doch bitte wie in „Spy“ (abermals Sky1), einer eher schnellen und schön bunten Agenten-Sitcom, in der Tim (Darren Boyd) wie die Jungfrau zum Kind plötzlich zu einem Job als Spion kommt, was er seinem äußerst dominanten zehnjährigen Sohn aber genausowenig anvertrauen kann wie seiner Ex. In der Folge darf Boyd seine bewährte John-Cleese-Komik mit viel unterdrückter Wut und Verblüffung spielen, die schon „Whites“ und „Green Wing“ sehr unterhaltsam gemacht hat, wenn er sich, seinem schwachen Charakter folgend, immer wieder der Autorität seines Bankerts unterwerfen muß. Darren Boyd ist es auch, der zusammen mit Stephen Mangan „Dirk Gently“ (BBC4) vor dem Totalreinfall bewahrt hat, obwohl aus der Douglas-Adams-Adaption von Howard Overman („Misfits“) doch etwas mehr zu machen gewesen wäre. Genau wie aus „A Touch of Cloth“ (ja doch, schon wieder Sky1), dem Versuch von Charlie Brooker, eine Art „Nackte Kanone“ auf britisch zu machen: diese zweiteilige Parodie auf praktisch alle englischen Krimiserien darf als zwar ambitioniert und streckenweise sogar recht lustig gelten, hat aber keinen so bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen, daß ich sie zur Einkaufspriorität erklären würde. Ebensowenig wie Brookers zweite Serie des Jahres, „Black Mirror“ (Channel 4), die in drei Folgen (von je anderen Autoren) mediale Dystopien entwirft, finstere Science-Fiction-Medienkritik, die für Fans von Brookers bösem Humor womöglich taugen, aber eher nicht mehrheitsfähig sind.

Da würde ich doch all die Serien vorziehen, die in diesem Jahr eine schöne zweite, dritte oder vierte Staffel auf den Schirm gebracht haben: die zweite Season der Olympia-Sitcom „Twenty Twelve“ (BBC2/BBC4), der Puppen-Comedy „Mongrels“ (BBC3), der Sitcomautorensitcom „Episodes“ (BBC2/Showtime) oder die Specials des Uralt-Klassikers „Absolutely Fabulous“ (BBC1), „Ab Fab At 20“, die dieses Jahr gezeigt haben, dass das Comedykonzept von Jennifer Saunders auch zwanzig Jahre nach der ersten Folge noch tadellos funktioniert. Fast so alt ist die Figur des Alan Partridge (Steve Coogan), und auch seine neue Miniserie „Alan Partridge: Midmorning Matters“ (Sky Atlantic) macht Spaß und läßt darauf hoffen, daß der lange angekündigte Partridge-Kinofilm im nächsten Jahr endlich Formen annimmt. In diesem Sinne: Happy New Year!

Mehr „Episodes“

25. April 2012 9 Kommentare

Ab Juli wird die zweite Staffel von „Episodes“ (Showtime/BBC2, seit 2011) ausgestrahlt, der erfolgreichen Sitcom rund um zwei britische Drehbuchautoren (Tamsin Greig und Stephen Mangan), die in Hollywood auf ihre Nemesis treffen (Matt LeBlanc als er selbst). Hier ist das jüngst veröffentlichte Poster dazu:

Die gute Nachricht: Hat Trick, die britische Produktionsfirma der Show, hat die zweite Staffel in 150 Länder weltweit verkauft, darunter Frankreich, Spanien, Japan, Griechenland, Israel, Russland, die Türkei, Neuseeland, Norwegen, Portugal und Schweden. Auch von Lateinamerika ist die Rede, von Afrika, den Benelux-Ländern, Mittel- und Osteuropa.

Die schlechte Nachricht: Welches Land fehlt in der Liste? — ‚türlich!

Jahresendabstimmung

29. November 2011 12 Kommentare

Wie schon im letzten Jahr laufen auch heuer wieder etliche Serien gerade erst wenige Folgen lang („Life’s Too Short“, „The Café“); trotzdem schon jetzt der Poll: Welche haltet Ihr für die beste Britcom des Jahres? Ich habe abermals auf Sketchshows und ComedyDramas verzichtet (und überlege noch, ob ich letztere mal gesondert zur Abstimmung stelle) — Ausnahmen: „Benidorm“, das immerhin mal als Sitcom angefangen hat, und „Fresh Meat“, das eine sein will, auch wenn jede Folge eigentlich ComedyDrama-Format hat (45 Minuten) und die Serie zuletzt auch kaum noch laute Lacher verbuchen konnte. Außerdem ist die Liste nicht vollständig („Phoneshop“); wer eine Sitcom allzu schmerzlich vermißt, möge das in die Kommentare schreiben, dann werde ich sie nachtragen und damit die Abstimmungsergebnisse vollkommen verzerren.

Jeder hat drei Stimmen, zu gewinnen gibt es schon wieder nichts. Go on, go on, go on, go on, go on!

UPDATE 6.12.: Der Poll ist geschlossen, und ich bin abermals mit dem Geschmacksurteil meiner Leser recht zufrieden. Daß mit „Episodes“ und „Life’s Too Short“ die zwei größten, über dieses Blog hinaus breit diskutierten Sitcoms ganz oben landen würden, war abzusehen und ist auch völlig richtig so; daß aber „Fresh Meat“ und „Friday Night Dinner“ es ebenfalls so hoch in die Charts schaffen würden (und noch vor „Ideal“ und „Lead Balloon“), freut mich (auch wenn natürlich die Möglichkeit nicht auszuschließen ist, daß besonders große Fans mehrfach für ihre Lieblingsserie abgestimmt haben).

Beste Britcom 2011

  • Episodes (18%, 29 Votes)
  • Fresh Meat (13%, 21 Votes)
  • Life's Too Short (13%, 20 Votes)
  • Friday Night Dinner (13%, 20 Votes)
  • Lead Balloon (Series 4) (10%, 16 Votes)
  • Ideal (Series 7) (6%, 10 Votes)
  • Campus (5%, 8 Votes)
  • Twenty Twelve (4%, 7 Votes)
  • Outnumbered (Series 4) (4%, 6 Votes)
  • Rev (Series 2) (4%, 6 Votes)
  • The Café (3%, 4 Votes)
  • Benidorm (Series 4) (2%, 3 Votes)
  • Mongrels (Series 2) (2%, 3 Votes)
  • Trollied (1%, 2 Votes)
  • White Van Man (1%, 2 Votes)
  • Him & Her (Series 2) (1%, 1 Votes)
  • Mount Pleasant (0%, 0 Votes)

Total Voters: 77

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The Episodes of „Free Agents“

24. September 2011 2 Kommentare

„Episodes“ (Showtime/BBC2, 2011) war die Sitcom-Aufarbeitung eines Traumas, das britische Fernsehschaffende davontragen, wenn ihre (britische) Erfolgsserie in den USA reproduziert wird: Dann werden grundfalsche Hauptdarsteller besetzt (in „Episodes“ war es Matt LeBlanc als gesetzter Internats-Leiter) und Nichtskönner in Nebenrollen, der Ton ändert sich (und zwar eher selten in Richtung sophistication), und überhaupt stimmt nichts mehr. Aber alle (Briten) machen alles mit, weil sie sich viel Geld und gute Nachfolgeaufträge in Amerika versprechen.

„Free Agents“ (Channel 4, 2009) war eine britische Sitcom, in der Stephen Mangan (mhm, der aus „Episodes“) und Sharon Horgan zwei Schauspiel-Agenten gaben, deren Leben aus verschiedenen Gründen in Trümmern lag, die aber trotzdem (oder deswegen) eine On-and-off-Beziehung pflegten, welche vom Zynismus ihres Arbeitsplatzes und der Kaputtheit ihres Privatlebens geprägt war. Ihm kamen postkoital gerne die Tränen, wenn er an seinen bei der Mutter lebenden Sohn dachte, sie hatte noch immer zwei Dutzend große Porträts ihres toten Verlobten in der Wohnung aufgehängt. Eine böse, kleine Serie mit dunkler Grundstimmung und ohne großen Publikumserfolg, produziert von Nira Park („Spaced“, „Black Books“).

Nira Park ist auch bei dem US-Remake von „Free Agents“ (NBC, 2011) mit an Bord, ebenso Christopher Anthony Head, der abermals den Agenturboß spielen darf. Die Hauptrollen aber sind gegangen an Hank Azaria („The Simpsons“) als Alex und Kathryn Hahn als Helen; Chris Niel, Autor des Originals, tritt hier als Co-Creator und Producer an. Der Rest ist wie bei „Episodes“ beschrieben: Alle strengen sich an, so gut sie können in unterschiedliche Richtungen zu ziehen, und das Ergebnis ist schauderlich.

Das beginnt bei der Hauptfigur: Hank Azaria ist nicht ganz zehn Jahre älter als Mangan. Sein Alex wirkt wie ein durchtrainierter Fünfzigjähriger mit dichtem, dunkel gefärbtem Haar — durch und durch dominant und insofern das genaue Gegenteil von Mangans Alex, der eher unsicher war und mit Mitte dreißig immer noch der ewige Nachwuchs, der niemals in die Chefetage aufrücken wird. Tatsächlich darf Azaria schon in der ersten Folge seine beeindruckenden Brustkorb oben ohne herzeigen — ein Schelm, wer immer noch nicht an LeBlanc denkt.

Dafür ist seine Partnerin Helen praktisch durchsichtig: mit Kathryn Hahn funkt aber mal so gar nichts. Auch zwischen Horgan und Mangan funkte es zu Beginn der Serie wie zwischen einem Handtuch und einem nassen Waschlappen, aber immerhin war so viel Chemie zwischen den Figuren vorhanden, daß es regelmäßig Momente gab, in denen man es sich wenigstens vorstellen konnte, daß das funktionieren könnte: In den Dialogen, in kleinen Gesten, die vermutlich schwierig zu spielen sind, aber hey, dafür werden Schauspieler ja bezahlt. Zwischen Azaria und Hahn aber ist nur Vakuum, und das ist vorwiegend: ziemlich langweilig. Dafür ist das Agentur-Brimborium aufgeblasener als in England — schließlich sind wir ja in den Vereinigten Staaten, wo bekanntlich alles größer, toller und lustiger ist.

Nun produziert Azaria das Ganze auch, nicht zuletzt deswegen wird er (sich) da so in Szene gesetzt (haben), und das macht „Episodes“ (US) noch unerträglicher: Daß man so mit der Nase drauf gestoßen wird, daß da kein Underdog, kein Verlierer am Ende doch noch eine Chance kriegt (oder auch nicht). Sondern daß sich abermals ein US-Comedian, der vermutlich genügend Geschmack und Geld hat, um britische Comedy zu goutieren und dann auch noch kaufen zu können, eine weitere Britcom unter den Nagel gerissen hat.

Nun, uns bleibt ja noch das Original. Das ist übrigens neulich bei ZDF neo gelaufen und wird deshalb im November auf deutsch auf DVD erscheinen.

Dinner für Spinner

26. Februar 2011 Keine Kommentare

Ist sie das also, die große, neue Britcom, die alle zehn Jahre einmal kommt und das Genre revolutioniert? So wie es „The Office“ 2001 getan hat? Es gibt Prognosen, die sagen: es müßte demnächst mal wieder soweit sein, und nach der großen Zeit der Single-Camera-Mockumentarys sei es nicht unwahrscheinlich, daß das Pendel nun wiederum in die Gegenrichtung ausschlägt: also zurück zu den klassischen, formal beschränkten Fourth-Wall-Sitcoms — natürlich mit einem Twist, wie auch immer der aussieht. Also die Quadratur des Kreises, die damals „Seinfeld“ geschafft hat: einerseits eine traditionelle Sitcom, Multi-Camera und vor Publikum, aber mit einem neuen Dreh in der Erzählung: ohne klassische Sitcom-Plots (Stichwort „show about nothing“) und ohne daß am Schluß irgend jemand irgend etwas gelernt hätte: „Keine Lehren und keine Umarmungen.“

Daß ein gewissen Anspruch da ist, edgy zu sein, zeigt Robert Poppers „Friday Night Dinner“ (Channel 4, freitags) schon im blau pulsierenden Vorspann. Dann allerdings beginnt eine Familien-Sitcom, die so klassisch gestrickt und so formal beschränkt ist, daß man erst einmal alle Erwartungen hintanstellen sollte: Die Twentysomethings Adam (Simon Bird) und Jonny (Tom Rosenthal) besuchen ihre Eltern (Tamsin Greig und Paul Ritter) zum gemeinsamen freitäglichen Abendessen; genauer: zum Beginn des Sabbat. Die Brüder ziehen sich gegenseitig auf, wie Brüder halt so sind; Mum (in Leopardenfellmuster, mit goldenen Slippern) ist großer „MasterChef“-Fan und hätte gerne, daß Dad seine Stapel alter Wissenschaftszeitschriften wegwirft; Dad ist noch ein bißchen exzentrischer, ißt gerne Reste aus dem Küchenabfall, läuft schon mal oben ohne herum, wenn es ihm zu warm wird, ersteigert heimlich noch mehr Wissenschaftszeitschriften, trägt ein Hörgerät und mißversteht auch gerne mal etwas. Sein Fluch „Shit on it!“ wird offenbar die Catchphrase der Show.

(SPOILER) In der ersten Folge wird das Abendessen gleich mehrfach gestört: Der ziemlich merkwürdige Nachbar Jim (Mark Heap) kommt mit seinem Schäferhund mehrfach vorbei, um die Toilette zu benutzen (seine ist ihm irgendwie kaputtgegangen, auf die Frage wie zieht er es aber vor, nur mit einem abwesenden Gesichtsausdruck zu reagieren), und dann möchte auch noch ein Ebayer (Matthew Holness, „Garth Marenghi’s Darkplace“) das Sofa abholen, das er für seinen kranken Vater ersteigert hat. Der aber, das stellt sich durch einen Anruf heraus, ist just gestorben, und während das Sofa noch im Treppenhaus steckt, muß sich der Besucher erstmal hinsetzen und etwas trinken, bekommt aber zweimal ausgerechnet Getränke, die sich die Brüder gegenseitig mit Salz ungenießbar gemacht haben. (/SPOILER)

Das ist genauso ist zwar hübsch ausgeführt, alles in allem aber so underwhelming, wie es sich hier liest: exzentrische Familien kennt man zur Genüge, und auch der merkwürdige Nachbar könnte direkt aus dem Handbuch für Sitcomautoren stammen — da muß man gar nicht bis zu Kramer zurück gehen: Mark Heap hat diese Figur selbst schon in „Spaced“ gespielt, das wie „Friday Night Dinner“ von TalkBack stammt und von Nira Park (co-)produziert wurde. Laut lachen mußte ich in dieser ersten Folge nur selten, andererseits war es eben: die erste Folge. Jedenfalls die erste, die gezeigt wurde; offenbar sind da im letzten Moment noch Änderungen in der Reihenfolge vorgenommen worden.

Am enttäuschendsten fand ich Simon Bird, der in „Friday Night Dinner“ exakt den gleichen Charakter wieder spielen darf, den er schon bei den „Inbetweeners“ spielt, während Heap seinen merkwürdigen Nachbarn wenigstens noch ein bißchen variiert hat; stark wie immer Tamsin Greig (hier nach „Episodes“ schon wieder mit einem ehemaligen „Green Wing“-Kollegen zu sehen); richtig gut gefallen hat mir aber Paul Ritter, dessen Dad mir die interessanteste und stärkste Figur zu sein scheint.

Noch ist mir nicht klar, was die tragende neue Idee sein soll, die „Friday Night Dinner“ unverwechselbar und irgendwie neu machen könnte. Vielleicht wird das ja mit der nächsten Folge aber schon klarer. Und wenn die weirdness, die gerade große Sitcom-Mode zu sein scheint, noch eine Winzigkeit origineller wird, könnte „Friday Night Dinner“ schon eine ziemlich okaye Sitcom werden. Wenn auch vielleicht nicht die Neuerfindung der Britcom.